Helix 3 - agil leiten

Führung ständig abgeben und neu verteilen, ohne die Führung abzugeben. Stimmt, hört sich irgendwie paradox an. 

Wird aber auf Seite 13 aufgelöst. Agil leiten ist natürlich schon ziemlich anders als "normal" leiten.

Loslassen können und trotzdem alles im Griff haben. Zumindest das Große und Ganze. Zukunftsmusik?

Schauen Sie ins Magazin. Dort werden Sie eines Besseren belehrt. 

Zulassen und vertrauen .. und trotzdem die Verantwortung tragen.

Geht natürlich nur gemeinsam. Augenhöhe und Verantwortung auf beiden Seiten. 

 


Das nachgebaute Klassenzimmer - online

Ich habe dieses Thema in den letzten Monaten und Wochen immer mal wieder beschrieben ... meist in unserem Blog des Forums agile Verwaltung. Mehr dazu hier.

Überall dort, wo Lehrer/innen diesen Ansatz gewählt haben, kommen nur positive Rückmeldungen. Aber offensichtlich ist die "Scheu" davor noch viel zu groß. Für viele ein Scheinberg, wie ich das hier ja schon früher einmal gekrazelt hatte.

Dabei ginge es so einfach.

Würde man endlich die IT-affinen Schüler/innen mit ins Boot holen.

Dass es funktioniert, und zwar erstaunlich gut, das weiß man inzwischen. Ich rede von einer digitalen Abbildung einer konkreten Klasse im Netz. Dabei meine ich jetzt noch nicht Austausch von Unterrichtsmaterial, sondern die Möglichkeit, eine Klasse in Teams aufzuteilen und diese Teams in der digitalen Abbildung in BreakOut Rooms, Gruppenräumen, Teamtreffs oder wie man sie immer nennen will, miteinander arbeiten zu lassen. Mit der Option, dass man als Team jemand zur Lehrperson schicken kann, um etwas zu fragen und als Lehrperson die Möglichkeit hat, durch alle Gruppenräume zu gehen, um seinen Schüler/innen über die Schulter zu sehen. Und klar: Es muss einen Hauptraum geben, in dem man alle versammeln kann, um Vorträge von den Lernenden und Inputs der Lehrperson anzuhören. Auch ohne digitalen Materialaustausch funktioniert diese virtuelle Klassenzimmerwelt sehr gut ... als Grundlage kann man ja problemlos auf die Fachbücher zurückgreifen, die die Schüler/innen besitzen.

Der Weg bis zur problemlosen Parallelnutzung der virtuellen Klassenzimmerwelt ist eigentlich recht kurz ... aber da die meisten Lehrkräfte im Moment mit dem regulären Normal-Unterricht unter Corona-Bedingungen wirklich ausgelastet sind, sollten sich Schulen überlegen, ob sie nicht freigestellte Kolleg/innen haben, die sich einarbeiten lassen, um dann für die Kolleg/innen die Einrichtung des virtuellen Klassenzimmers zu übernehmen. Ein paar Mal mitgemacht, wird es auch für völlig IT-ferne Lehrpersonen ein problemloses Arbeiten damit (wenn sie es wollen, das natürlich vorausgesetzt) - speziell wenn es in jeder Klasse neben einem/r Klassensprecher/in auch eine/n Klassentechniker/in gibt. Für mich die einfachste Variante wäre es natürlich, für die Einrichtung paralleler virtueller Abbildungen der Klassen von Schüler/innen höherer Klassenstufen übernehmen zu lassen. Denn das sind die wahren Spezialisten.

Man sollte diese Vorbereitung möglichst schnell umsetzen ... schon jetzt schließen wieder die ersten Schulen und schicken ihre Schüler/innen ins Homeschooling. Mit einem parallelen virtuellen Klassenraum ist das dann keine so große Aufregung mehr. Ich drücke natürlich uns allen die Daumen, dass der Herbst und Winter corona-glimpflich an den Schulen vorbeigeht.

Gruß

Otto Kraz

 

p.s. Aber nun denke man einmal coronafrei die Möglichkeiten durch, die sich ergeben könnte, wenn jede Klasse ein digitales Abbild hätte und wie selbstverständlich damit umgehen könnte. Da sind kollaborativen Improvisationsideen Tür und Tor geöffnet.

Selfmadeschool - ein StartUp Konzept

Liebe Leserin, lieber Leser

Mal angenommen, Sie haben Kinder so ab 14 Jahre in der Schule. Und sie waren sich in den letzten Monaten mit ihnen einig, dass man das nächste Schuljahr anders angehen sollte. Weil es wegen Corona noch immer überhaupt nicht normal sein wird. Dann schlage ich Ihnen ein spannendes Familien-Experiment für die Ferien vor.

Früher haben Sie Ihren Kindern sicher ab und zu Märchen vorgelesen. Lesen Sie ihnen doch heute einmal ein Schul-Märchen vor (oder lassen sie selbst lesen), in dem Ihre Tochter oder Ihr Sohn selbst zentral darin vorkommt. Und reden Sie dann einfach mal darüber. Es wird sich möglicherweise extrem lohnen. Für die ganze Familie. Allerdings ... Diese Fiktion ist nur dann umsetzbar, wenn Sie sich selbst mit Kommentaren komplett zurückhalten. Wenn die Idee zündet, zündet sie. Wenn Sie gefragt werden, antworten Sie. Aber antworten Sie nicht, wenn Sie nicht gefragt werden. :-)

Ich habe schon in meiner aktiven Schulmeisterzeit immer bemängelt, dass man im aktuellen Schulsystem Schüler&innen viel zu wenig fordert und ernst nimmt. Sollte Ihre Tochter oder Ihr Sohn bis zum Schluss diesem Sommermärchen lauschen (oder es fertig lesen) und nicht vorher gelangweilt einschlafen, dann sollten Sie das StartUp-Unternehmen ihres Nachfahren unbedingt agil unterstützen. Aber bitte ... nur antworten, wenn Sie gefragt werden. :-)

Sie tun damit extrem viel für die Zukunft Ihrer Tochter oder ihrem Sohn.

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Werde schon heute Unternehmer/in
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Kollaborative Improvisation in alten Gemäuern. Kapitel 1

 

"122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 . Löse auf nach x."

 

Die alten Gemäuer:

Der Lehrplan, die Klassenstufen nach Alter geordnet, die Noten, die Zeugnisse, die Abschlüsse.

 

Der kreativ gestaltbare Raum in den alten Gemäuern

Die kollaborative Improvisationsdidaktik - mit seinen Schüler/innen kleinschrittig mit dauerndem gegenseitigen Feedback ausprobieren, wie man gemeinsam zu einen vorgegebenen Ziel aus dem alten Gemäuer kommt, dem festgelegten Lehrplanziel.

 

Ich nehme einmal Weit im Winkl (vorletzter Blogbeitrag) als Zukunftswerkstatt und gehe in die Realisierungsphase: Was könnte ich morgen tun, wenn ich als Mathelehrer mitten im Gleichungsauflösen nach einer Unbekannten stecke?

 

Ich hänge es als ehemaliger Mathe-& Physiklehrer an einer kleinen konkreten Rechenaufgabe auf:  „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 . Löse auf nach x.“ Eigentlich ganz simpel, wenn man bei der Erklärung des Mathelehrers gerade voll auf Empfang und nicht abgelenkt war. Aber wir schreiben Klasse 8. Tanz der Hormone, Umbau der Gehirnzellen. „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2“ ist da nicht wirklich relevant für das Gehirn. Obwohl das Ergebnis von 2 nicht kompliziert ist. Wenn man Pech hat, entsteht an dieser Stelle seiner Karriere als Mathematiker eine entscheidende Lücke. Die drei Jahre später bei den Aufgaben zur Gravitation dann nichtbegreifbare Spuren hinterlässt. F=Gamma mal Masse 1 mal Masse 2 geteilt durch Radius hoch zwei. So ziehen sich zwei Massen an. Eine übliche Aufgabe. Berechne den Anstand zweier Massen. Den Erdradius berechnen können, wenn man die Anziehungskraft auf 1 kg kennt (9,81 Newton) und die Erdmasse. (5,972 × 10^24 kg) An solche Aufgaben werden aus vielen eigentlich begabten Physikern, Klimaforschern und Weltrettern dann letztendlich doch Betriebs- und Volkswirte oder Juristen .... weil sie drei Jahre vorher in der 8. Klasse diese Lücke im Hirn produziert hatten und sich dann die schlechten Physiknoten mit dem üblichen „Physik blick ich überhaupt nicht“ abgetan haben. Anstatt zu erkennen: „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2“ hab ich damals wohl nicht kapiert, weil ich Liebeskummer hatte.

 

Jetzt spielen wir die Szene einmal in der Phase Corona-experimental durch. Der Bildungsplan sagt zu den zu erlangenden Kompetenzanforderungen: „Die Schüler/innen verstehen die Auflösung einer Gleichung nach einer Unbekannten.“ Nun stellen Sie sich einmal den pädagogischen Wahnsinn vor, der Lehrer würde sich nicht an die Tafel stellen, um vorzurechnen, wie man 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 nach x auflösen kann, sondern er würde sagen, dass es doch z.B. eine Möglichkeit wäre, zu lernen, wie man die Aufgabe kapieren würde, sich das Video, das er verlinkt hätte, so lange anzugucken, bis man es verstanden hat. Weil es in der Klasse 11 wirklich wichtig wäre. Oder dass man selbst als Schüler/in nach Wegen suchen würde, um sich dann mit dem Lehrer abzustimmen. Oder dass man sich das im eigenen Schüler-Team (sorry, ich schreibe jetzt einfach Schüler, wenn ich natürlich Schüler/innen meine ... man möge mir verzeihen) von seinem Mathecoach aus der Klasse 9 erklären lassen könnte oder dass man das einfach im Buch mal nachlesen könnte oder oder ... auf alle Fälle sollte der gemeinsame Plan sein, dass am Ende der Geschichte 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 für jeden verständlich wäre. Und jeder Schüler dauernd etwas zu tun hätte. Keinen Leerlauf. Natürlich wäre auch möglich, dass drei Teams von Schülern einen Vortrag ihres Lehrers zu 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 hören wollen. Auch dann würden sie völlig anders aufpassen als üblich. Kollaborative Improvisation, um den Bildungsplan zu erfüllen, der da heißt „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 kann der Schüler nach x auflösen“, ist eine komplette Umstellung des Lernens in der Schule ... innerhalb der alten Gemäuer. Kollaborative Improvisation ist ein Konzept, das stärkere Bildung ermöglicht ... trotz Corona ...

Statt heftiges Klagen würde das Konzept echte Zukunftsgefühle erzeugen.

Das Prinzip für Lehrende: Du gehst in die Klasse und du erzählst das Ziel des Bildungsplans ... altes Gemäuer, nix dran zu rütteln. 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2. Muss jeder nach x auflösen können. Dass man damit später ausrechnen können muss, wie groß die Erde ist, das könnte eine Erklärung sein, warum man 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 überhaupt umstellen können sollte. Aber vielleicht entsteht der Drive auch aus einem einfachen Gespräch über das Leben an sich und das Lernen im Speziellen. Über die Herausforderungen der Zukunft. Darüber, dass man die Zukunft nur meistern kann, wenn man die Köpfe trainiert. Improvisation auch schon hier. Aber kollaborativ. Den Bildungsplan gemeinsam erkämpfen. Und dabei niemand zurücklassen.

Improvisieren bedeutet kleinschrittig sich vortasten, um sich dem Ziel 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 effektiv zu nähern ... Fehler zuzulassen, dauernd Feedback einzubauen und sich eben auf alle zu verlassen. Lernende wie Lehrende. Gemeinsam. Es darf keinen Streber mehr geben und keinen schlechten Matheschüler. Allen muss klar sein, dass man sich heute in der Wissenschaft einig ist, dass es im System der Alterklassenstufen an den Schulen sein kann, dass ein späterer Spitzen-Ingenieur für Wasserstofftechnik nur deshalb schlechte Noten in Mathe schreibt, weil er komplexer denkt als die anderen und ihm deshalb nie die Zeit in den Klassenarbeiten reicht. Oder dass er (oder sie) in der mathematischen Gehirnentwicklung den langsameren Modus in der DNA hat ... und deshalb scheinbar Mathe nicht kann. Dabei ist es nur das Hamsterrad Schule, das diesen Eindruck erzeugt. Dafür kann er oder sie aber andere Dinge, die auch den aktuell schnelleren Matheblickern viel bringen können. Gemeinsam den Berg von 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 zu besteigen ist WinWin pur. Für alle.

 

Übrigens ein großes aktuelles Plus auch in Noch-Coronazeiten ... weil man nicht die ganze Zeit die ganze Klasse in einem Raum versammelt hat. Da passen selbst Container für selbstständig arbeitende Gruppen dazu oder abgetrennte Gruppentische in den Gängen bei offenen Fenstern.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

 

Folge 2 ... Flipped Classroom

Kollaborativer Improvisationsunterricht

Elisabeth Theisohn aus unserem Forum hat mir irgendwann einmal das schöne Wort „Improvisationsdidaktik“ zugeworfen und ich konnte seither nicht mehr vergessen. Sie hat es in einem Zusammenhang verwendet, in dem sie den Begriff von der Musik auf Unterricht allgemein übertragen hatte. Tobias Kanthak (auch aus unserem Forum) hat sich als Lehrer und Jazzmusiker auch mit diesem Begriff beschäftigt. „Bei der Improvisationsdidaktik geht es nicht darum, irgendwas zu machen. Im Jazz ist auch nicht das Ziel, irgendwas zu spielen. Improvisation bedarf täglicher mehrstündiger Übung. Aber niemand würde einem Jazzmusiker wirklich zuhören, welcher lediglich transkribierte Soli oder eigens komponierte Soli spielt, in der Hoffnung, dass seine Mitmusiker darauf spontan eingehen. Nein, Improvisationsdidaktik lebt von spontanem Zusammenspiel und aufeinander Eingehen aller Beteiligten. Und auf je mehr Erfahrung und Übung ein Jazzmusiker zurückgreifen kann, desto spannender, interessanter und überzeugender wird der Moment der freien Improvisation. .... Als Jazzmusiker gehe ich in der Band auch auf alle ein - ein perfektes spontanes Zusammenspiel. Jeder ist dabei individuell, nicht alle haben dieselbe Rolle und nicht alle haben die gleichen (musikalischen) Kompetenzen.

Ich nehme hier einmal den Ball auf und erweitere den Begriff des agilen Experimentierens (ernsthafte Improvisation) mit dem Fokus auf das Kollaborative.

Also für die Schule verwendet:

 

 Ich nehme jetzt einfach mal folgenden Begriff als Arbeitstitel für die folgende Blogreihe

 

Das pädagogische Konzept der kollaborativen Improvisation 

 

Meine ersten Begriffsfindungsversuche will ich den Leser/innen nicht vorenthalten.

Kollaborative Improvisationsdidaktik

Kollaborative Improvisationspädagogik

Kollaborative Improvisationszentrale

Kollaborativer Improvisationsstehtisch

Kollaborative Improvisationsabteilung

Kollaborative Improvisationslandschaft

Kollaboratives Improvisationsdenken

Kollaboratives Improvisationsgefühl

Kollaborative Improvisationshaltung

Kollaborative Improvisationsintelligenz

Kollaborativer Improvisationsunterricht

Kollaborative Improvisationsstunde

Kollaboratives Improvisationstool

Kollaborative Improvisationsplattform

Kollaborative Improvisationsdigitalisierung

Kollaboratives Improvisationstheater

Kollaborative Improvisationsprojekt

Kollaborative Improvisationskonzept

Kollaborative Improvisation

Schule der kollaborativen Improvisation

Laborschule der kollaborativen Improvisation

Abteilung der kollaborativen Improvisation

 

Ich nehme jetzt also

Das pädagogische Konzept der kollaborativen Improvisation

 

Ich werde versuchen, diesen Neubegriff der kollaborativen Improvisation Kapitel um Kapitel zu füllen. Vielleicht können Überlegungen eines alten Gymnasiallehrers, der in den letzten Monaten Einblick in viele Corona-Konzepte vieler aktiver Kolleg/innen bekommen hat, ein paar aktiven Kolleg/innen eine kleine Hilfe dabei sein, sich in ihrem zeitgemäßen pädagogischen Denken nicht so allein zu fühlen. 

 

Es gibt schon sehr lange sehr viele Ansätze von erfolgreicher zeitgemäßer Pädagogik, aber die alten Gemäuer der klassischen Schule halten sich weltweit, als gäbe es einfach keine Gehirnforschung, keine Bildungsstudien, keine Wissenschaft des Lernens und als gäbe es immer noch nur diese Ideen, die vor 2-300 Jahren einmal umwerfend waren: Vorne steht ein Lehrer und erzählt denen in den Bänken, wo es lang geht. Ja klar, immer ein wenig modernisiert und aufgehübscht ... aber am Ende die uralte Sache, wie man Schule zu machen hat. Was man als Schüler/in wissen muss. Obwohl eigentlich jeder weiß, dass man heute gar nicht mehr wirklich wissen kann, was man am Ende wirklich wissen und lernen muss. Damit man in 20 Jahren auf die Anforderungen der Zukunft die richtigen Antworten finden kann. Und damit man sich in der Zukunft auch persönlich zurechtfindet.Grundlagen klar. Aber dann?

Nur mal angenommen, Corona könnte helfen, dass die Lockerungen nicht bewirken würden, dass man einfach wieder zurück geht zu den alten Strukturen der Old School, dann wäre das doch erstrebenswert - von der Zukunft aus betrachtet.

Old School ... scheinbar unkaputtbar. Weil das ja zumindest immer einigermaßen ganz gut funktioniert hat. Ein weltweites Phänomen. Ein 300jähriges scheinbares Erfolgsrezept. In Wirklichkeit so, als würde eine hoch entwickelte Gesellschaft wie die unsere bei Corona z.B. nicht auf Virologen hören. Verrückt. Aber da für Schulen Corona auch nach den Sommerferien nicht vorbei sein wird, könnte man doch da ein wenig an den alten Gemäuern rütteln. Oder Neues in die alten Gemäuer bringen. Auf Wissenschaftler/innen hören. Gehirnforscher/innen lauschen. School as usual ist nach den Sommerferien Augenwischerei. Also wäre es doch besser, zumindest ein Schuljahr lang ein bärenstarkes hochspannendes und zukunftsorientiertes Experimentierfeld zu bedienen als einen dauerklagenden Lebensraum von Lehrenden, Lernenden und Eltern.

 

Ich plädiere für

kollaborative Improvisation in jahrhundertealten Gemäuern.

 

Fortsetzung folgt

 

Weit im Winkl 2020

Aus aktuellem Anlass eines Beitrags auf unserem Blog des Forums agile Verwaltung haben wir hier die Geschichte von Weit im Winkl etwas überarbeitet hier noch einmal in den Blog gestellt.

Übrigens: Alle Bilder sind immer cc by ottokraz ... also frei verwendbar.

Die Struktur und die Ideen der teilautonomen Laborschule in Weit im Winkl ... eine schon beinah 10 Jahre alte Geschichte von einigen pädagogisch zukunftsspinnenden Menschen, die sich immer wieder neu anpasst.

Wir verstehen den Sinn einer solchen Geschichte als Möglichkeit, mit fiktiven Vorschlägen Diskussionsmaterial für zeitgemäße Bildung zu liefern. Keine Blaupause, aber einen Ideenstrauß von Möglichkeiten ... und zwar - und das ist uns wichtig ... innerhalb des bestehenden Schulsystems. Wir bringen es hier mal wieder in den Fokus, weil es unserer Meinung nach ein guter Zeitpunkt wäre, von Weit im Winkl ein paar zentrale Ideen in die reale Nach-Coronazeit zu übertragen.

 

Wir befinden uns an einer fiktiven Schule, bei der die Idee „Lass einfach mal los, dann hast du zwei Hände frei“ lustvoll durchgespielt werden darf. Für Fortbildner/innen, für Berater/innen, für Lehrende und Lernende, für Eltern und nicht zuletzt für Menschen aus Bildungsbehörden, die aktuell nach neuen Wegen suchen.

 

Eingebettet sind dieser Ideenstrauß in eine kleine Geschichte, mit der auch diese Webseiten begannen.

 

Der Text ist als Puzzle zu verstehen, der sich im Laufe der letzten Jahre immer wieder etwas verändert und erweitert hat. Deshalb stilistisch vielleicht ein wenig holprig. Man möge als Leser/in ein wenig Nachsicht üben.

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Lieber Pull als Push

Ich denke, man versteht es, was ich meine. Otto Kraz

Ich weiß, ich erzähle all das hier von außerhalb. Als Pensionär. Als jemand, der nicht mehr mitten drin steht. Der gut reden kann. Ich weiß, wie extrem viel Einsatz gerade an den Schulen von den allermeisten Lehrer/innen gebracht wird. Und wie viel Lehrerbashing auf der anderen Seite der Eltern unterwegs ist. Dabei müsste die Wut der Eltern nicht auf die Lehrer*innen, sondern auf das Bildungssystem gerichtet sein. Für mich ein völlig erstaunliches Phänomen: Die allermeisten Eltern stehen zu dieser komplett veralteten Ruine Schule mit diesen Lehrplänen, diesen Noten, diesem Noten-Fach-Leistungsanspruch, dem geordneten Gebäude von der uralten Dreigliedrigkeit, dem Sitzenbleiben als Druckmittel, dem "Wer schnell Arbeitsblätter bearbeiten kann ist der Chef"-Denken ... der völlig veralteten Meinung, Schulnoten hätten irgendetwas mit beruflichem Erfolg zu tun. Dabei könnten alle Mamas und Papas jederzeit selbst im eigenen Freundeskreis blitzschnell herausbekommen, dass dieses Notenstarren aller Beteiligten komplett neben der Spur läuft. Dass späterer beruflicher Erfolg und schon gar nicht Lebenserfolg irgendetwas mit den Schul-Noten zu tun hat. Aber für die allermeisten von uns oft lebenslang wirksam ist. Noten sind gut als Hinweisschilder, als Hingucker, als Berater, als Denkanstöße, als Leitplanken, Nachdenkimpuls, als Schienbeinstupser. Aber das wäre es auch schon. 

Wie wäre es denn, wenn man Corona nutzen würde, um einmal genau darüber nachhaltig umzudenken. Um als Eltern zusammen mit den Lehrer/innen und mit den Schüler/innen an diesem Bildungssystem mal so richtig zu kratzen. In Richtung Neuaufstellung. In Richtung Zukunft, die ja langfristig genauso schlecht planbar ist wie die aktuelle Krise - die die Herausforderungen der Zukunft jetzt im Schnelldurchgang präsentiert.

- Lehrer/innen: Jetzt ist die Chance, ganz viel Neues auszuprobieren, um nicht mehr nur dem schlichten Diktat des Bildungsplanes zu folgen.

- Eltern; Jetzt wäre es an der Zeit, einmal über die eigene Schulzeit nachzudenken und nicht in Muster zurück zu fallen, die man früher gehasst hat.

- Schüler/innen: Jetzt wäre es an der Zeit, sich freizuschwimmen - um zu spüren, wer man wirklich ist, was man kann, wo man seine Stärken und Schwächen hat und wie gut es sich anfühlt, für sich selbst zu lernen und nicht für ein System Schule, das in Wirklichkeit eine uralte Ruine ist. Die aber uns alle nach wie vor voll im Griff hat.

Gruß

Otto Kraz

Fühlt sich richtig nach Schule an.

Öffentlich rechtliche Lernplattformen

Nein, kein Gerücht, nur eine schöne Vision. Eine, die Christof Arn in unserem Oster-Helix in die Welt gesetzt hat. (Rechte Seite zum Download)

Ein Auszug: " ....Wir brauchen, im Interesse der Demokratie, eine öffentliche, staatliche Suchmaschine (realistisch: zunächst für den deutschsprachigen Raum) und zwei, drei öffentliche, staatliche Social Media (darunter auch eines mit Video Conferencing). Diese müssen sich durch Neutralität, Transparenz und kompromisslose Privacy auszeichnen...."

 

Man stelle sich das einmal vor. Eine öffentlich rechtliche Videoplattform und ich könnte mir dort als Lehrer/in eine Klasse mit Gruppenräumen einrichten und ich hätte dort eine/n Ansprechpartner/in, der/die mich an die Hand nimmt, um es mir am Anfang einfach mal in Ruhe zu zeigen. Weil es selbst für den inzwischen Normalbenutzer von Videoplattformen nicht ganz so einfach ist wie es aussieht, sicher mit Gruppenräumen umzugehen. Ich hätte mir das Schloss Blackboard sicher nicht so einfach zugetraut, obwohl ich einmal Netzwerkbetreuer war und auch schon lange auf Videomeetings unterwegs bin. Aber bei Blackboard Collaborate kann man Coaches buchen. Diese "Stunde an die Hand nehmen" war für mich Gold wert und deshalb unser 50jähriges Abitreffen auf Schloss Blackboard ein großer Erfolg. 

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Gruppenräumen in Videomeetings viel entspannter und effektiver Unterricht zu machen ist ein echter Scheinberg. Das ist wie mit dem Scheinriesen. :-)

Vielleicht schnappt ja jemand diese Idee auf, der oder die beruflich mit Online-Lernen zu tun hat und sich klar macht, dass auch nach Corona in dieser Idee mit den Gruppenräumen ein riesiges Potenzial steckt. Später dazu mehr.

Gruß Otto Kraz

Nur noch ein kleiner Schritt

Wer jetzt schon seine Schüler/innen in Gruppen digital in sein Klassenzimmer holt, der sollte nur noch einen kleinen Schritt machen: Gruppenräume verwenden und damit Zeit und Nerven sparen, Gruppenbeziehungen fördern und wirklich ins Unterrichten kommen.

Man könnte natürlich auch noch ein Webinar zum Thema eduScrum machen  (Kommt bald ... wird hier veröffentlicht) und dann ist man für die Zukunft gerüstet. 


Der Lehrplan kann gerade nicht die Richtschnur sein.

Liebe Kolleg/innen, lieber Kollegen an Schulen und Hochschulen

Liebe Bildungsverwalter/innen

Wer beim Homeschooling oder Distance Learning darauf gesetzt hat, den Lehrplan 1:1 umzusetzen, also weiterhin schlicht auf die "vorgeschriebenen" Inhalte zu setzen, der ist noch nicht in der Wirklichkeit angekommen. Der hat sich nicht unter Schüler/innen und Eltern umgehört. Der hat sich nicht mit Kolleg/innen ausgetauscht. 

Wir haben uns in unserem Forum agile Verwaltung  und in unserem Forum agil lernen und lehren einmal ziemlich spontan umgehört, um die Frage zu stellen, was für eine Antwort folgendes kleine Filmchen auslöst. Welche neuen Vorstellungen in Schule, Hochschule und Verwaltung auftauchen. Welche Tools man erfolgreich nutzen kann und wo man auf gute Erfahrungen zurückgreifen kann.

Die Antwort aus den agilen Tiefen der beiden Foren kann man hier zur Inspiration lesen. Wir präsentieren: Unser Spezial-Oster-Helix-Magazin 2020.

Otto Kraz

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Vorne auf der Welle

Liebe zukünftigen Leistungsträger&innen.

Hier noch zu Beginn der wohl denkwürdigsten Osterferien eures Lebens ein Bildchen, das ich in meinem Schulmeisterleben wohl am häufigsten an die Tafel gezeichnet habe. Um darauf hinzuweisen, dass man mit einem veränderten Blickwinkel Schule, weg von blöden Lehrern, doofen Hausaufgaben und ungerechten Noten ... das kann man einfach nicht ändern, da hat man keinen Einfluss drauf ... hin zu den eigenen Fähigkeiten und Stärken, also hin zu dem, was viele von euch in den letzten 3 Wochen Schule zu Hause bemerken konnten, Schule ganz anders sehen kann. Als zukünftige/r Leistungsträger/in. Denn wenn du dir klar machst, dass du in ein paar Jahren definitiv keine Schülerin, kein Schüler mehr sein wirst und in 10 Jahren in der Berufsausbildung oder im Beruf steckst ... als ganz normaler Mensch, der eben jetzt noch jung ist, noch etliche Grundlagen einpacken muss, bis es dann für englischsprachige Videokonferenzen oder mathematische Grundlagen im Studium als Virologe reicht ... dann werden blöde Lehrer, doofe Hausaufgaben oder ungerechte Noten zu Papiertigern. Schöne Ostern. Otto Kraz

Und meine Grundbehauptung gilt: Wenn du es schaffst, in den Osterferien über diesen Blog der letzten Wochen nachzudenken (Wer hier auf der Seite neu landet, der kann diesen Workshop für Köpfe zukünftiger Leistungsträger jederzeit nachholen, indem er/sie auf Start zurück geht) nur im Kopf den Schalter umzulegen, dann stehst du, wenn die Schule wieder beginnt, vorne auf der Welle, ohne dass du Schulstoff gebüffelt hast.


Perspektivenwechsel - heute für Lehrer&innen

Und dieselbe Sache gibt natürlich auch für Lehrpersonen. Die wichtigen Grundlagen sind nach der Hattie-Studie ein wenig anders als bei den Schülern. Hier ist der Männchen an der Pumpe der Lehrer.

Schlossbau durch Perspektivenwechsel

Nach den Erkenntnissen der weltweit größten Bildungsstudie. der Hattie-Studie, sind die Bereiche unter dem Schloss für die Noten genauso wichtig wie das Lernen selbst. Der Untergrund bestimmt die Größe des Schlosses. Ohne einen stabilden Untergrund kein stabiles Schloss.


Prozent? Was's das?

Ja stimmt ... ich hatte gesagt, dass ich dann mal weg bin. Aber in Sachen Prozentrechnen muss ich als alter Mathe-Schulmeister doch noch was auf meine Art loswerden. Jetzt übrigens nicht in erster Linie für euch Schüler/innen, sondern für euch ganz persönlich, die ihr Opas und Omas habt, die in Sachen Prozent offentlichtlich extrem häufig überhaupt keine Peilung mehr haben. Aber zumindest ihr solltet ihnen das doch bitteschön professionell erklären können, dass sie danach kapieren, warum sie im Moment. nicht mehr just for fun in den Supermarkt gehen sollten. Prozentrechnen. Klasse 7. Haut rein und überzeugt eure Omas und Opas. Bitte. Der Otto


Es ist Zeit für einen Perspektivenwechsel

Das "Schule ist doof" im Kopf ist ein Klotz am Bein. Otto Kraz

Willkommen in der 3. Woche ohne Schule. Zeit für einen Perspektivenwechsel auf dieselbe. Als Lehrer/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Schüler/innen alles so drauf haben. Als Schüler/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Lehrer/innen eigentlich so alles drauf haben. Als Eltern hat man inzwischen gemerkt, dass Unterrichten doch nicht so einfach ist. Und jetzt?

Perspektivenwechsel. Ich habe ihn für Schüler/innen einmal getrickfilmt. Für Neuankömmlinge: Der Perspektivenwechsel wurde seit 2 Wochen hier entworfen. Um zu verstehen, gehe man bitte auf START. Vier Erfolg. Es lohnt sich.

Otto Kraz

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Elfte

Ich hatte gestern versprochen, noch was zum Thema Streber und Spießer zu sagen.

Zuerst aber etwas zur Gehirnforschung. Die Natur hat uns Menschen mit verschiedenen Hirnabteilungen ausgestattet. Ich vereinfach mal extrem, aber so lässt sich leichter erklären, wie man von Montag auf Dienstag plötzlich viel besser in der Schule werden kann - nachhaltig  ... allerdings braucht es dazu ein kleines Kunststück. Man müsste eigentlich "nur" den Schalter von der Nix-wie-weg-Hirnabteilung in die Coole-Sache-Hirnabteilung umlegen können und man würde merken, dass sich Schule plötzlich völlig anders anfühlt. Denn die Abteilung Nix-wie-weg ist der Hirnbereich, der genau dann eingeschaltet wird und schnell und umgehend arbeitet, wenn ein Ungeheuer aus dem Gebüsch herauskommt. Dann haut man einfach schnell mal ab, um zu überleben. Heute gibt es diese wilden Tiere nicht mehr, die aus dem Gebüsch herauskommen. Dafür gibt es z.B. Vokabeltests, die am nächsten Tag angekündigt sind. Auch da lernen die meisten mit dem Nix-wie-weg-Hirn. Leider ist diese Abteilung zwar schnell und abrufbar unterwegs, aber vergisst das Ungeheuer auch schnell wieder. Hätte man als Steinzeitmensch all die Gefahren des Lebens nachhaltig abgespeichert, dann wäre man irgendwann an diesem Leben verzweifelt. Die schönen Dinge des Lebens, die werden aber immer im Coole-Sache-Hirn verarbeitet und das ist eine ganz andere Angelegenheit. Mit dieser Gehirnabteilung wird Lernen, also Abspeichern, Ausprobieren, Experimentieren, Angreifen, Umsetzen, Besser-werden, Gut-sein-wollen, neugierig-sein etc ... nicht gerade zum Kinderspiel, aber alles macht einfach viel mehr Laune und ist um ein Vielfaches erfolgreicher. Bei weniger Anstrengung und Arbeitseinsatz. Da bekommt Schule und Lernen was von Freizeit. Ich weiß, allein so ein Satz schüttelt so manchen Schüler. :-)

Nun gibt es Menschen, die haben das Glück, dass sie einfach leicht lernen. Warum auch immer sei dahingestellt. Natürlich machen sie das im Coole-Sache-Hirn, das viele Schüler/innen für die Schule überhaupt nicht kennen. Die Nix-wie-weg-Lerner und -innen nennen die Coole-Sache-Hirn-Lerner oft Streber. Ein Unwort. Denn eigentlich will das ja jeder. In der Schule locker lernen, sich leicht Dinge merken können und Lust haben, am Ball zu bleiben und vorne auf der Welle zu stehen. Aber aus welchen Gründen auch immer haben alle Nix-wie-weg-Lerner überhaupt keine Vorstellung, dass sie auch für das Thema Schule eine Coole-Sache-Abteilung im Hirn besitzen. Also drücken sie ihren Neid auf die Coole-Sache-Lerner durch den Schlachtruf "Du Streber!" aus. Na ja und Neid, das ist bekanntlich die kleine Schwester vom Spießer, der dem Nachbarn das neue Auto nicht gönnt. Ja das war der Zusammenhang. Euer Otto Kraz


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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zehnte

Und wieder muss ich den neu hier Eintreffenden eine kleine Erklärung abgeben. Diese Videos sind zwei Jahre alt und haben über 70 Versetzungsgefährdeten geholfen, versetzt  zu werden. Jetzt dienen dieselben Videos den hier mitlesenden und zuschauenden Schüler/innen und späteren Leistungsträger/innen der Gesellschaft über eine Blickwinkeländerung auf Schule zu einer völlig andere Leistungssteigerung in der Schule selbst zu verhelfen. Stark zurückzukommen aus dieser unwirklichen Homeschoolingzeit. 

Deshalb hier nochmals das Bild dazu. Ich habe es wirklich sehr oft erlebt. Diese Umschalten von heute auf morgen. Aber es hat sich in der Pädagogik leider noch nicht durchgesetzt. :- )Aber es reicht mir ja auch, wenn ich immer wieder von einzelnen zukünftigen Leistungsträgern und - innen rückgemeldet bekomme, was einfach nur durch eine andere Einstellung an Zeit an ödem Paukens eingespart werden kann. Und das Lernen selbst zur Entspannung wird. Es ist allerdings auch ein echter Paradigmenwechsel. Wer ihn vollzogen hat, der sagt zu jemand, der einen als "Streber" bezeichnet, "Spießer der Zukunft" und dreht sich ganz cool um. Aber dazu später mehr.

Otto Kraz

 

 

 

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Ich weiß, ich wiederhole mich - aber hier schlagen immer wieder neue Leute auf und wenn man dann einfach zum Beispiel diesen podcast number seven ohne Vorinformation anschaut, dann steht man im Wald. Deshalb zurück auf Start.

Und wenn einmal Verwirrung entsteht wegen den Noten. In der Schweiz ist die 6 aus Deutschland eine 1. :-) Otto Kraz

p.s. Heute erzählt das Gesicht unseres damaligen Projekts, Sascha d'Angelo, Pilot bei der Suisse, wie er selbst seine Blickwinkeländerung erlebt hat.

Liebe Lehrer/innen

Ich denke, die beiden Wochen waren für viele ein dauerndes Suchen nach den richtigen Plattformen. Gestern kam auch noch Google mit einer Schulplattform dazu. Ich habe es nur gelesen und mich gefragt, ob es nicht genau jetzt richtig wäre, sich einmal mit seinen Kolleg/innen an der Schule über die Erfahrungen auszutauschen, die so viele jetzt selbst gemacht haben. Weil es ja keine wirklichen Erfahrungen gibt. Vielleicht könnten dann ein paar auch mal bei Google spickeln und was draus lernen. Oder eine Idee verwenden? Ich bin nicht mehr im Schuldienst. Aber der Überblick über den Aufbau sieht nicht schlecht aus - wenn man mal vom Datenschutzproblemen, Abhängigkeiten etc absieht. :-) Deshalb: Ausprobieren und die besten Dinge für die Zeit nach Corona merken.

 

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Als Text heute ein Bild. Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Achte

Für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern

Keine Sorge, die Schweizer Reihe wird morgen fortgesetzt. Na ja,  bis ich fertig geschrieben habe, bis heute. Ich versuche heute mit einer Geschichte zu erklären, warum ich so sehr auf die Haltung der Schule und den Lehrern gegenüber Wert lege. Warum ich behaupte, wer als Lernende/r und gleichzeitig zukünftige/r Verantwortungsträger/in im Beruf und als Mama oder Papa (Ja klar, später mal) in den drei Wochen Homeschooling ohne Schule und direktem Notendruck lernt, wie Lernen individuell funktioniert und dabei den Blick auf Schule ändert, der kann nach den Osterferien, sollte da die Schule wieder öffnen, locker und aufrecht einsteigen. Wer in diesen 3 Wochen aber das Gefühl aufbaut, dass er dem Druck der vielen Arbeitsblätter nicht gewachsen und ohne Lehrer als Dompteur des Lernens hilflos ist, für den werden diese 3 Wochen auf ein Negativkonto gebucht. Der Ausfall von 3 Wochen Stoffvermittlung ist in Wirklichkeit kein Problem. Weil es allen so geht. Ich hatte selbst kurz vor dem Abitur ein Kurzschuljahr. Weil man den Schulanfang von Februar auf September geschoben hatte. Ein halbes Schuljahr weniger Stoffvermittlung. Man hat es uns nach dem Abi nicht angemerkt. :-) Weil es ja für alle gleich war.

Ich versuche jetzt noch einmal meinen speziellen Ansatz hier auf diesem Blog speziell für Lernende, aber dadurch natürlich auch für aufgeregte Eltern von Lernenden und nebenbei auch klammheimlich für Lehrende, zu erläutern.

Hier eine Geschichte zum Thema - ein Ausschnitt aus einem früheren Filmchen von mir. Die einfache Technik dieses Visualisierens werde ich später hier auch für Lehrende erläutern - habe ich versprochen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Siebte

Für die Lernenden

Für alle, die hier zum ersten Mal aufschlagen: Hier werden täglich Filmchen hochgeladen, die zu einem Projekt gehören, das über 70 Schweizer versetzungsgefährdete Schüler/inen vor zwei Jahren retten sollten ... und gerettet haben. Ich weiß, hier kommen keine Versetzungsgefährdeten vorbei, aber viele haben gerade Angst, den Anschluss an die Mitschüler/innen zu verlieren, die  ja ebenso wie ihr die Aufgaben eurer Lehrer/innen im "Homeoffice" bewältigen müssen. Habt übrigens auch Nachsicht mit euren Lehrer/innen. Ich weiß inzwischen aus vielen Berichten, dass gerade auf beiden Seiten - auf der Seite der Lernenden&Eltern und der Seite der Lehrenden&Behörden sehr viel unternommen wird. Dass probiert wird, was geht und was nicht geht. Wer erwartet, dass es doch eine Blaupause für diese Situation geben müsste, der täuscht sich eben. Solch eine Situation gab es auf dieser Welt noch niemals. Ihr werdet später Zeitzeugen in der Geschichte sein und später eigene Geschichten erzählen können, die es nur einmal gibt. "Daraus könnten wir verzichten" meint ihr? Ja ... ich auch. Also bitte: Habt Nachsicht mit euren Lehrer/innen, die bisher immer wussten, wie man am besten unterrichtet. Je mehr ihr jetzt rückmeldet, was funktioniert und was nicht, wo man nachbessern könnte und wo man etwas streichen sollte, desto besser wird die Entwicklung eurer Ausbildung. Nehmt sie also selbst mit in die eigene Hand. Bildet Teams, wo es geht. Gebt euren Lehrer/innen ehrliches Feedback und macht euch klar: Eure Lehrer/innen könnt ihr im Moment nicht fragen, wie man am besten solch eine Krise meistert. Aber zusammen mit ihnen könnt ihr ganz viel verändern. Ja ich weiß: Eine sehr unwirkliche Aussage. Aber wir leben in unwirklichen Zeiten. Euer Otto Kraz

p.s. Ich wollte eigentlich am Anfang nur sagen: Wer hier neu aufschlägt, sollte bei den ersten Videos dieser Reihe anfangen und höchstens ein Video pro Tag anschauen. Es geht nicht darum, mit einem Marathon von 10 Filmen am Stück den Blickwinkel zu ändern und ein stärkerer Schüler zu werden. Dieser Prozess bedarf viel Nachdenken und viele Gespräche mit Freunden und -innen darüber. Und über Schule an sich.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Sechste

Heute auch mal für die Mamas und Papas

Homeschooling war gestern und heute auch eins der großen Themen beim riesig großen Hackathon WirVsVirus

Sehr beeindruckend, wie viele tausend Menschen Ideen zusammen entwickelt haben. In dem Zusammenhang habe ich auch Sabine Schwittek von den Verwaltungsrebellen "getroffen" - virtuell eben - und sie hat mir für diesen Blog ein wunderbares Dokument überlassen, das ich veröffentlichen darf. Sabine ist selbst gerade Mama im Homeschool-Office ihrer beiden Söhne. Vielleicht kann es Sie als Mutter oder Vater inspirieren, die Woche für Ihre Kinder planbarer zu machen.

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Agiles Homeschooling
Eine starke Grundidee, um in der zweiten Woche einmal zu experimentieren.
Agiles Homeschooling_V1.2.pdf
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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Fünfte

Liebe Fachleute der Zukunft. Ich erkläre euch noch einmal kurz, was es mit dieser kleinen Motivationsfilmreihe auf sich hat. Ihr habt nun eine Woche Schule ohne Lehrer/in hinter euch. Und ihr werdet sicher merken, dass diese Sache doch gar nicht ganz so einfach ist. Das liegt unter anderem natürlich daran, das ihr solche eigenständige Arbeit überhaupt nicht gewöhnt seid. Schulen arbeiten meistens nach wie vor nach dem Prinzip, dass die Lehrperson den Zeittakt vorgibt. Findet ihr die Lehrperson gut, dann ist das eher einfach. Findet ihr sie doof, eher schwierig. So ticken unsere Köpfe. Aber jetzt habt ihr keine Lehrperson mehr, die den Zeittakt vorgibt. Ihr habt meist nur die Aufgabenstellung und Arbeitsblätter. Jetzt könnt ihr nur noch euch selbst gut finden, denn jetzt gebt ihr den Zeittakt vor. Sich selbst gut zu finden funktioniert am besten, wenn man seinen Blick auf das Lernen vom Üblichen weg in eine ganz andere Richtung lenkt. Weg von Schule und Noten. Hin zur Zukunft von euch selbst als Leistungsträger oder -in der selben. Also der Zukunft. Denn sorry, wenn ich sagen muss. Man steckt als Gesellschaft nicht fast 10 000 Euro jedes Jahr in deine persönliche Schulausbildung, dass du später nichts draus machst. Du wirst also gnadenlos einmal Verantwortungsträger oder -in sein. Und dafür solltest du einfach möglichst klug aus der Schulzeit herauskommen. Also hau rein und schau dir in der zweiten Woche Schule ohne Lehrperson einmal dieses  Verantwortungsträgerdasein ganz in Ruhe an. Es stört dich niemand dabei.

Gruß Dein Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Vierte

Diese Reihe kleiner Lern-Motivations- und Blickwinkeländerungsfilme haben vor zwei Jahren mitgeholfen, 73 versetzungsgefährdete Schweizer Neuntklässler/innen davor zu bewahren, sitzenzubleiben. Der Hintergrund für die damalige Aktion: Die Schüler/innen  von 17 Schulen hätten keine Klasse gehabt, in die sie sitzenbleiben hätten können. Also wurde die Idee eingesetzt, an der Motivationsschraube zu drehen.

Jetzt nach einer Woche HomeOffice für Schüler/innen könnten die Filme für den einen oder die andere vielleicht helfen, an der eigenen Motivationsschraube zu drehen. Und dafür den Blickwinkel auf Schule zu verändern. Der Aufwand ist klein, die Effektivität vielleicht riesig.  Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Dritte

Für alle, die sich erst heute einklinken. Startet nicht hier, sondern hier. Sonst versteht ihr manches nicht, was dieser Film für Absichten hat.

Und dann noch etwas. Wie wäre es, wenn ihr euer Wissen über Prozentrechnung an eure Großväter oder Großmütter weitergeben könntet. Denn eure Großeltern scheinen das echt vergessen zu haben. 33% aktuelle Steigerung der Infektionen in Deutschland heißt eben nicht, dass jeden Tag 33 Infizierte hinzukommen. Ihr habt das Wissen. Erzählt es euren Großeltern. Erklärt ihnen das doch einmal mathematisch, warum sie keinen lustigen Corona-Stammtisch mehr abhalten sollten, weil ihr keine Lust hättet, an Ostern auf ihre Geschenke zu verzichten. 😎😎😎

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zweite

Schön, dass du noch dabei bist. Wer sich neu zugeschaltet hat, der beginne bitte am Anfang dieser speziellen Corona-Reihe.

Für alle anderen ist inzwischen vielleicht klar geworden, dass hier der Fokus für die nächsten Wochen nicht auf Methoden zur agilen kollaborativen Zusammenarbeit liegt - das läuft so nebenher. Es geht darum, diese unwirklichen Zeiten aktiv zu nutzen, um sich zusammen mit einem Lernteam das Thema Schule einmal ganz anders durch den Kopf gehen zu lassen. Weil es Sinn macht, neben den Hausaufgabe, die man bekommen hat, eine ganz andere Stärke entwickeln zu lernen. Die Stärke, wenn man einmal wirklich versteht, wie Lernprozesse ablaufen und was Selbstmotivation für ein großartiger Antrieb sein kann. Und das hat nichts mit Schule zu tun. Nur mit Lernen. Lernen bekommt eine andere Perspektive, wenn man sich darauf einlassen kann. Die richtige Blickwinkeländerung auf Lernprozesse macht Schule nach Corona einfacher und erfolgreicher.

Projekt Reservetank

Die Filme, die ich hier für euch jetzt in den nächsten Tagen einbauen werde, habe ich vor zwei Jahren schon einmal benutzt, um über 70 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen in der Schweiz mental dabei zu unterstützen, nicht sitzenzubleiben. Der politische Grund, warum ich diesen Job bekam, hieß: Sie durften nicht sitzenbleiben, weil es aufgrund von aktuellen Schulentwicklung für diese 9.Klässler/innen keine Nachfolgeklassen gab. Wie groß der Anteil dieser Inputreihe an dem Erfolg war, sei einmal dahingestellt. An allen Schulen waren mit mir vernetzte Begleitlehrer/innen, die mit einem Heft und den Videos versucht hatten, die Schüler/innen vor Ort fit zu machen.

Auf alle Fälle wurden alle versetzt.

ich hatte es gestern schon angedeutet. Ich mache seit Jahren diese mentalen offenen Versetzungsprojekte - meist um Ostern herum. Damit sich junge Menschen in Not selbst aus dem Sumpf ziehen können. Meine Behauptung, auch ohne diese Not: Wer Durchschnittnoten hat und wenig Ehrgeiz, bessere Noten zu schreiben, der profitiert trotzdem enorm, wenn er sich einmal über Lernprozesse, Gehirnforschung und agiles Lehren seine Gedanken macht. Bessere Noten ohne mehr zu lernen. Und außerdem Schule ganz anders sehen. Das wäre mein Tipp für alle, denen ihr schulischer Ist-Zustand reicht, die aber trotzdem nichts dagegen hätten, wenn sie echte Motivation verspüren würden, das zu tun, was man in der Schule eben so tut. Leben und lernen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Erste

Liebe alle, die ihr in ein paar Jahren diese Welt mitverantwortlich im Griff halten müsst und Noten dann keine Rolle mehr spielen werden. Nur noch eure Kompetenzen und Fähigkeiten, die ihr bis dahin im Rucksack tragt.

 

Ich habe das ja gestern schon gesagt, das ich hier keinen agilen Scrum-Kurs für drei Wochen vorstellen will. Das ist etwas, was ich eher Lehrer/innen empfehlen würde, sich in diese Richtung aufzumachen. Weil es auch Lehrer/innen gut tut, mit selbstständigen Schülerteams zusammenzuarbeiten.

Mir geht es aber um diese 5 Wochen bis nach den Osterferien. Und ich behaupte, dass ihr, auch wenn ihr auch nur jeden der folgenden Tage ernsthaft versucht, euren Blickwinkel auf Schule zu verändern, dann als andere Schüler/innen nach den Osterferien zurückkommt. Aufrechter und selbstbewusster. Weil ihr dann viel über das Lernen an sich mitgenommen habt. Und klar, wenn ihr es dann noch verknüpft mit dem Fach-Lernen im Team, dann ist es doppelt erfolgreich.

Ich setze meine Blickwinkeländerungskampagne für euch hier einmal fort. Und zwar mit der Geschichte von einem Job, den ich vor zwei Jahren gemacht habe. Ein wenig Mission impossible - von außen gesehen. Die Aufgabenstellung: 73 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen, die nicht sitzenbleiben durften, weil es keine Nachfolgeklassen gab. Ein reines Mentalprojekt mit der schlichten Idee, dass man nur bewusst an der eigenen Selbstmotivationsschraube drehen muss und die Welt sieht plötzlich völlig anders aus. In Notsituationen funktioniert das auch wunderbar. Letztendlich, habe ich mir sagen lassen, wurden alle versetzt.

Die Quintessenz des Filmchens: Man kann sich selbst aus dem Sumpf ziehen, wenn man den richtigen Rahmen dafür findet. In den letzten 15 Jahren war es ein spannendes Arbeitsfeld von mir, durch pure Motivationssteigerung solche Prozesse loszutreten. Allerdings funktionierte es immer nur entweder bei Versetzungsgefährdeten oder bei sehr starke Schüler/innen. Das große Mittelfeld konnte ich nie erreichen, weil da wohl die Noten kein wirkliches Problem darstellten und keine Not existierte. Schade fand ich das immer. Weil es ja nicht darum geht, auf Noten zu schauen, sondern auf den genussvollen Lernprozess, wenn man in der Lage ist, sich ihn genussvoll zu gestalten. Deshalb versuche ich es gerade mal wieder klammheimlich. :-) Immerhin sind die Zeiten möglicherweise durch diese landesweiten Schulschließungen genau richtig dafür. Vielleicht empfinden gerade doch so einige, wie es sich anfühlen würde, wenn es keine Schule gäbe. Wie es sich anfühlt, sich selbst dazu zu bekommen, etwas zu lernen. Ohne den Lehrer vorne an der Tafel.

Das Motto hier auf diesem Blog für die nächsten Tage könnte sein: "Ändert euren Blickwinkel und kommt gestärkt und selbstbewusst aus dieser unwirklichen Phase unseres Lebens wieder heraus."

Wenn schon Corona, dann sollte man vielleicht doch ein wenig für die Zukunft tun. Als zukünftiger Verantwortungsträger. Mit der eigenen Bildung, die man aktiv vorantreibt, wäre da schon viel erreicht.

Morgen mehr davon.

Gruß

Otto Kraz

Corona-Scrum - die Dritte

Liebe Leistungsträger der Zukunft

Ich versuche einmal kurz den Inhalt des heutigen Videos zusammenzufassen. Es geht im Moment nicht darum, schnell mal eduScrum für Schüler/innen aufzubauen. Klar, Willy Wijnands setzt mit seinen Schüler/innen schon im normalen Unterricht die Plattform Learnbeat.com ein, über die sich die Schüler/innen vernetzen und als Team zusammenarbeiten. Klar könnte man jetzt hergehen, und richtige eduScrumteams zusammenstellen und mit den Spielregeln arbeiten, die dafür entwickelt wurden.Es gibt ja inzwischen viele Plattformen, mit denen ihr als Schülerteam arbeiten könntet, aber in erster Linie geht es um eure Grundhaltung der ganzen Situation gegenüber.

 

Wenn euer Lehrer jetzt für 3 Wochen Arbeitsblätter ausgegeben hat, die ihr selbstständig durcharbeiten sollt, dann werdet ihr merken, dass diese Form des Unterrichts nicht unbedingt hochmotivierend ist. Allein in eurem Zimmer. Klar, notwendig, ja das seht ihr ja ein, aber die Motivation hält sich in Grenzen. Außer euer Lehrer oder die Lehrerin kommt auf die Idee, euch reihum immer mal wieder anzurufen, um nachzufragen, wo es Probleme gibt. Das wäre sicher ein echter Motivationsschub. Aber noch motivierender wäre es, wenn ihr euch selbst eure eigene Cloud mit einem Team von 3 oder 4 Leuten eurer Klasse entwickelt. Mit Cloud meine ich nicht unbedingt eine digitale Plattform wie Slack - kostenlos für kleine Teams. Mit Cloud meine ich schon eine Videokonferenz per Skype, ein Gruppen-Chat mit WhatsApp   oder einfach nur zu dritt oder viert telefonieren.

Um sich beim Lernen zu unterstützen. Um sich auszutauschen, Fragen zu stellen und zu beantworten und sich das Gefühl zu nehmen, einsam und alleine vor einem großen Stapel Arbeitsblätter zu sitzen, die nach den Osterferien abgefragt werden. Wenn ihr euch zusammenschließt und eure eigene Ideen dafür umsetzt, dann passiert genau das, was ich im Film gekrazelt habe. Ich habe es einmal an einem Beispiel durchgespielt, bei dem es darum geht, in den drei Wochen eigene Lücken zu füllen. Zum Beipsiel Mathe. Stellt euch vor, euer Team würde es in diesen 3 Wochen schaffen, geschickt und effektiv zusammen die Schwachstellen von allen zu stärken, dann würdet ihr vollautomatisch viel mehr Kompetenz spüren, ihr hättet euren eigenen Weg gefunden und optimiert und damit eure Selbstständigkeit vergrößert. Das Trampolin könnte sich aufrichten und ihr euch freispringen. Ich hoffe ihr versteht bis dahin, was ich meine.

Selbst wenn ihr nur dieses Teamprinzip für euch herausfindet, das am besten zu euch passt und die Zusammenarbeit im Netz oder per Telefon testet, dann erzeugt ihr für eure Motivation dem Lernen gegenüber einen riesigen Schub.

Ich werde in den nächsten Tagen weiter an diesem Thema dranbleiben. Wie kann ich meinen Blickwinkel auf Schule und Lernen so verändern, dass alles einfacher geht. Und nebenbei die Noten besser werden. Otto Kraz

For teachers

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Corona-Scrum - die Zweite

Ja ich denke, die Visualisierung der Selbstbestimmungstheorie zur Motivation erklärt sich selbst. Man sollte, wenn man effektiv lernen will, immer wissen, warum man das tut. Wenn es also eine Methode gibt, die die drei Grundbedürfnisse von uns Menschen - egal in welcher Kultur und in welchem Alter - zu bedienen in der Lage ist, dann sollte man darüber Bescheid wissen. Es macht immer Sinn, das Warum zu kennen, wenn man loslegen will. Und das "Weil es unmittelbar gut tut" liegt uns Menschen immer näher als das "Du lernst nicht für den Lehrer, du lernst für das Leben." Stimmt zwar, fühlt sich aber live mit all den Noten leider anders an. Morgen wird es um das Thema Plattformen und Tools für Teamarbeit im Homeoffice gehen.

Gruß

Otto Kraz

Schulfrei zum Durchstarten

Ein paar Tipps für zukünftige Leistungsträger/innen, die sich etwas Gutes tun wollen.


Liebe zukünftige Virologin, lieber zukünftige Bauingenieur, liebe zukünftige Designerin, lieber zukünftige Psychologe, liebe zukünftige Umweltbehördenleiterin, lieber zukünftige Lehrer, liebe zukünftige StartUp-Gründerin etc ... Ich denke, du verstehst, oder? Du bist jung, du hast noch ein langes Leben vor dir und du nennst dich im Moment noch Schüler oder -in. Doch diese Berufsbezeichnung wird von recht kurzer Dauer sein. Auch wenn dir die Schulzeit manchmal sehr lang vorkommt. Übrigens, eine sehr starke Zeit, sagen alle, die sie hinter sich haben. Ich versuche aber jetzt nach dieser langen Ansprache doch einmal, schnell auf den Punkt zu kommen.

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Bessere Abitursnoten - dank Corona?

Liebe Abiturienten und -innen

Ich habe dieses Blogbeitragsfilmchen aus dem letzten Jahr einfach wieder eingestellt, weil das Lernkonzept, das dahinter steckt, nach wie vor sehr effektiv ist. Ich begleite seit einigen Jahren wenige Lerngruppen mental bei der Abivorbereitung - und hatte meist speziell das Mathe-Abitur im Blick. Sehr erfolgreich, wie ich immer rückgemeldet bekam. Dabei hatte ich immer nur das Konzept beigesteuert. In Coronazeiten würde ich aber meinen: Übertragt das Konzept auf alle Fächer, in denen ihr euch vorbereiten müsst. Schwimmt euch frei. Nehmt die Vorbereitung selbst in die Hand. Bildet Teams. Nutzt digitale Plattformen, Videokonferenzen, Telefonkonferenzen etc. Wenn nicht ihr, wer soll es denn sonst richten. Das Schulsystem ist normalerweise nicht auf solche Ausnahmesituationen eingestellt. Die Schule wird zugemacht, aber das Abi steht trotzdem bald an. Aber die Erfahrung von Lehrer/innen, die schon immer so unterrichten, dass Schüler/innen selbstständig mit einem Rahmenwerk namens eduScrum den Lehrplan erobern, zeigt: Es geht alles viel schneller und effektiver. Klar, dazu gehört im Normalfall, dass man es gelernt hat, Lehrpersonen eher als Berater denn als Anleiter zu sehen. Da euch aber jetzt sowieso nichts anderes übrig bleibt, versucht es doch einfach einmal. Ihr werdet staunen. Und eure Abinoten werden es euch danken.

Gruß

Otto Kraz


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Zeitgemäß unterrichten in Corona-Zeiten

Liebe Kolleg/innen.

Als ein alter ehemaliger Gymnasiallehrer, der mit ein paar Mitstreiter/innen vor vielen Jahren digitalen Unterricht ausprobiert hat ... technisch kein Hexenwerk, wenn man es wirklich will und die Zeit dazu besitzt ... ich war damals der Physiklehrer Otto Kraz in der Laborschule in Weit im Winkl https://physikmaschine.jimdofree.com/physik/  - https://www.aufeigenefaust.com/weit-im-winkl/die-geschichte/die-schul-story/ Wenn ihr jetzt nächste Woche, wenn der Wahnsinn beginnt, dass alle Schulen schließen und die meisten von euch ein wenig hilflos erzählen werden, dass sie digital unterrichten leider nicht können. Ich hätte da als Schulopa eine große Bitte: Gebt die digitalen Plattformen und Vernetzungsideen bitte euren Schüler/innen in die Hand und euch als Berater/in in die Hände eurer Schüler/innen. Ihr selbst solltet einfach Links heraussuchen, die gerade zum aktuellen Unterricht passen würden. Z.B. als Mathe- und Physiklehrer/in hättet ihr jetzt endlich einmal Zeit, um etwa in der Khan Academy zu stöbern. https://de.khanacademy.org/ Denn damit und anderen Online-Lerninhalten und mit der Plattform, die eure Schüler/innen für euch bauen können, würdet ihr umgehend und sofort sehr wohl in der Lage sein, digital zu unterrichten.  Mein Tipp: Es wäre genau jetzt an der Zeit, agiles Lernen und Lehren umzusetzen.

Und wenn ihr euch ohne eigenes Rahmenwerk - nur auf die Hilfe der Schüler/innen angewiesen - hilflos fühlt, dann der Tipp, dass ihr euch mit den Spielregeln von eduScrum ja den Rahmen stecken könntet.

http://eduscrum.nl/en/file/CKFiles/Der_eduScrum_Guide_DE_1.2.pdf

Ja das wäre mein schneller kontruktiver Beitrag als Unruheständler in diesen sich wirklich sehr unruhig anfühlenden Zeiten.

 

Otto Kraz

 

p.s. Noch was ganz Wichtiges: Macht Fehler bei all dem Neuen. Traut euch. Probiert. Experimentiert. Entwickelt. Verändert. Geht in kleinen Schritten vor. Holt euch permanentes Feedback von euren Schüler/innen. Optimiert kontinuierlich. Traut euch. Es lohnt sich, weil es gut tut.

Der Blick auf agile Abläufe durch die Brille des dreibeinigen Trampolins

Dies ist mein aktuelle Blogbeitrag für das Forum agile Verwaltung - aber keine Sorge - es geht auch viel um Pädagogik.

 

Wer das Forum agile Verwaltung schon länger kennt, der weiß, dass ich als Gründungsmitglied einen sehr speziellen Part im FAV spiele ... den mit der ganz eigenen Außensicht - ohne wirklich tieferes Verständnis von Verwaltungsabläufen zu besitzen, aber ausgestattet mit einem sehr hohem Interesse an funktionierenden Verwaltungen - speziell natürlich Bildungsverwaltungen - quasi als ganz normaler Verwaltungskunde. Ein Part von mir im FAV: Agile Denkmuster mit verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Ich selbst komme aus dem Bildungsbereich. Deshalb habe ich auch die Rolle des Betriebssystems im Forum agil lernen und lehren übernommen. In der pädagogischen Abteilung des FAVs. Bis 2015 war ich Gymnasiallehrer und Schulentwickler. Ich zeichne gerne, ich visualisiere mit Hochgenuss komplexe Zusammenhänge, um sie verständlicher zu machen. Zeitgemäße Bildung ist komplex, die Welt ist komplex, Verwaltungen müssen zeitgemäß auf eine komplexe Welt reagieren lernen.

Für meine persönliche Beschreibung der Schulentwicklung im Lande füge ich ein Bild ein und überlasse Ihnen als Betrachter die Interpretation.

Wenden wir uns aber nun der Verwaltung zu. Ich habe für die Tagungschronik unserer diesjährige Jahreskonferenz in Ettlingen nach einem roten Faden gesucht und habe dabei den Fokus nicht auf die Effektivität agiler Prozessabläufe gerichtet, sondern auf den persönlichen Mehrwert für jeden Einzelnen, der sich auf agile Prozesse einlässt.

Weil der persönliche Mehrwert der stärkste Treibstoff für Veränderungen ist. Dabei fiel mir als Beobachtungsgrundlage die Selbstbestimmungstheorie ein, die in den 80er Jahren entstand und seither als eine feste Größe in der Motivationsforschung gilt. Weil ich in Sachen Visualisierung immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten bin und gerade über ein Animations-App gestolpert war, entstanden das dreibeinige Trampolin als Visualisierungsidee. Inzwischen denke ich, dass dieses Trampolin für so manchen Zeitgenossen eine schnelle Methode sein könnte, um agiles Mindset zu erklären und weiterzuentwickeln. Um im Job Erfolg zu haben und sich gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Motivation ist persönlicher Treibstoff und dieser Treibstoff tut gut. Sich was Gutes tun ist auch ein echter Gesundheitsfaktor und wenn sich dann noch die eigene Behörde stark dabei entwickeln kann, dann passt es doch für alle.

Näheres habe ich Ihnen als Fünfminutenfilm zusammengebastelt.
Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich.

Heinz Bayer alias Otto Kraz

 

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Ist agile Schule zeitgemäße Schule?

 

Ich war einmal Geografie-, Mathematik- und Physiklehrer und heute als Unruheständler und Vierfach-Opa fände ich es ganz wunderbar, wenn man die Möglichkeiten von agilem Lernen und Lehren schon ganz normal in die ganz normalen Schulen geholt hätte. Und das geht auch immer mehr Lehrer/innen so, weil sie im Schulalltag merken, dass dieses überall geforderte und für VUCA-Zeiten absolut notwendig individuelle Lernen mit dem normalen gewohnten Unterrichten nicht mehr zu machen ist. Leider merkt man die Mangelerscheinung bei den Lernenden erst nach der Schulzeit, weshalb der Druck auf die Schulen nicht so groß ist wie etwa bei den öffentlichen Verwaltungen. Aber wenn man einmal Lehrpersonen nach der Zufriedenheit mit ihrer pädagogischen Arbeit fragt, dann erfährt man sehr wohl die aktuelle Dringlichkeit. Wenn man sich die Schulen anschaut, die in den letzten Jahren den Deutschen Schulpreis bekommen haben und sich in den prinzipiellen Vorstellungen von agilem Lernen und Lehren ein wenig auskennt, dann wird klar: Da wurden immer agil aufgestellte Schulen ausgezeichnet. Meist sind es einzelne Direktor/innen, die den Mut aufbringen, sich mit einem aufgeschlossenen Kollegium auf einen Weg zu machen, den man ja nicht wirklich kennt. Schuttertal ist jüngst so ein Beispiel aus meiner eigenen Region. Die Grundschule Schuttertal. Sie werden dort natürlich nicht das Wort agile Schule finden, aber im Sinne der Vorstellung von unserem Forum agil lernen und lehren ist sie das natürlich. Zeitgemäße Bildung könnte man auch schlicht und treffend dazu sagen, wie es Déjan Mihajlovic aus unserem Forum gerne benennt.

Für einen wie mich, der Schulentwicklung Richtung zeitgemäßer Schule auch nach meiner Pensionierung noch äußerst spannend findet, nicht zuletzt weil meine Enkelkinder sich in den alten Schulstrukturen bewegen, stellt sich für mich die Frage: Warum tun sich eigentlich alle Beteiligten so schwer mit dem „Schule neu denken“?

In viel zu vielen Familien finden im Moment wieder diese heißen Diskussionen über die richtige weiterführende Schulwahl statt – außer da steht eine satte Gymnasialempfehlung im Raum. Dann zögern die meisten Eltern auch heute nicht. Mit dem großartigen „Auf dem Gymnasium hat mein Kind die Zukunft in der Tasche“-Gefühl. Was natürlich alles andere als „mein Kind wird jetzt für seine Zukunft fit gemacht“ bedeutet.

Wenn ich mir wünschen dürfte, wie der Übergang zu den weiterführenden Schulen ablaufen sollte, dann träume ich mit einem Bild einmal für Sie vor mich hin.  Zusammen mit dem Blogtext und einem Link zu Split4WinWin dürfte es sich selbst erklären.

Ich erzähle Ihnen zum Verständnis auch noch Geschichte namens „Grundbildung“, die sich an meiner Schule vor einem Vierteljahrhundert abgespielt hat.

 

Wenn du ein Lehrer bist, den neben dem eigenen Fach das Ganze am Schulbetrieb fasziniert und du hast einen agil denkenden und handelnden Schuldirektor, dann hast du sehr großes Glück gehabt. Wenn dir der kleine Ausschnitt deiner eigenen Fächer beruflich genug ist, dann nerven dich vielleicht Leute wie ich, die in der aktiven Zeit immer darauf gedrängt haben, das man erkennt, dass Schule so viel mehr ist als nur der Fächerkanon.

Wir schreiben das Schuljahr 1992/93 … irgendwie lag für mich nach 13 Jahren Schuldienst das Gefühl in der Luft, dass sich Schule verändern müsse. Ich war damals auch schon 13 Jahre als Vertrauenslehrer unterwegs und gewohnt, Unterricht durch die Augen von Lernenden zu sehen. Aufbruchstimmung in meinem Bauch. Euphorie, was Schule einem Lehrer – der sein Fach Physik liebt, aber noch mehr die Möglichkeiten starker Persönlichkeitsentwicklung von Schüler/innen – alles bieten kann, wenn er machen darf. Wenn er einen Direktor hat, der zulassen kann. Es war auch die Zeit, in der sich meine beiden Töchter in die Pubertät verabschiedeten und ich der Meinung war, dass meine klugen Ausführungen zum Leben und zum Lernen nicht mehr wirklich bei ihnen ankamen. Für mich war das kein wirkliches Problem, hatte ich doch immer ein paar „Pubertätsberaterinnen“ an der Seite – Schülerinnen aus der Oberstufe, die mich aus ihren eigenen Erfahrungen heraus immer gut beruhigen konnten. Ein großer Vorteil, wenn man als Vertrauenslehrer mit Schüler/innen zwangsläufig auf Augenhöhe zusammenarbeitet.

Trotzdem wollte ich meine Lebensweisheiten für meine Töchter loswerden und erfand das wachsende Beratungsbuch für Heranwachsende, das ich an eine bestimmte Stelle in mein Arbeitszimmerregal stellte und in das ich handschriftlich das aufschrieb, was ich eigentlich gerne meinen Töchtern direkt gesagt hätte. Über Schule und das Leben. Der Autopädakt, eine Kladde, in die man immer neue Seiten einklemmen konnte.

Ich habe für Interessierte das ganze „Buch“ ins Archiv von Otto Kraz gelegt.

In meiner damaligen Physikklasse 11 saßen eine Ärztin und eine Journalistin in Ausbildung, die nach einer Erzählung über mein Familienprojekt  dringend mitlesen wollten, weil sie sich selbst als Autopädakten zu erkennen gaben. Selbsterziehend. Über den Tellerrand des Schülerdaseins blickend. Da war ich schon  nicht mehr allein mit meinen Überlegungen zum Thema Schule und Leben und bekam ein exzellentes Feedback zu meinen Überlegungen – von Expertinnen, die den Blick auf Schule durch die Augen der Lernenden direkt selbsterlebend beurteilen konnten. Ich habe sehr viel dabei gelernt und im Januar 1994 hatten wir nach vielen Diskussionen über das, was Schüler/innen eigentlich benötigen, um Schule aufrecht und selbstbewusst zu durchlaufen, einen verrückten Entschluss gefasst.  Wir wollten einen Antrag an unseren Direktor stellen, ob wir ein Experiment wagen dürfen. Grundbildung. Ein neues Fach für eine fünfte Klasse, in dem es keine Noten gab. In dem alles gelernt werden sollte, was die neuen Gymnasiasten als Handwerkszeug benötigten, um ihre Fähigkeiten optimal entwickeln zu können. Wie das genau aussehen sollte, war uns noch nicht klar, klar war nur unser Ziel. Trotzdem hatten wir natürlich für unseren Antrag schon vage Pläne aufgelistet, was wir alles mit den Schüler/innen unternehmen wollten. Drei Stunden in der Woche, dafür eine Stunde weniger Englisch, Deutsch und Musik  – denn diese Fächer wollten wir sowieso sehr kreativ  abdecken. Ich sollte Klassenlehrer werden, aber kein Fach unterrichten und Gisa und Sabine, die Ärztin und die Journalistin in Ausbildung, sollten ihre Hohlstunden so gelegt bekommen, dass wir immer als Team arbeiten konnten. Die Deutsch- Englisch- und Musikkollegen, die hierbei mitmachen würden, hatten wir auch schon ausgeguckt, bevor wir den Antrag abgaben.

Ich weiß nicht mehr so genau, ob wir eigentlich daran geglaubt hatten, dass solch ein Projekt überhaupt genehmigungsfähig wäre, aber für uns war schon der Antrag einfach wichtig gewesen.

Ich glaube, wir konnten unser Pädagogenglück zuerst nicht wirklich fassen.

„Machen Sie“ meinte unser Schuldirektor damals kurz und knapp und lachte. „Und denken Sie daran, die Eltern immer gut zu informieren.“

Wir durften planen. Schuljahr 1994/95. Neuland pur. Keinerlei Vorgaben. Nur unsere eigenen Ideen, beeinflusst von der damaligen Aufbruchstimmung an Schulen, dass sich etwas ändern muss.

Heute würde es sicher nicht mehr so leicht von Fünftklasseltern geschluckt, wenn sie zu Schuljahresbeginn erfahren würden, dass ihr Kind in eine Pilotklasse kommen würde, in der der Klassenlehrer das dreistündige Fach Grundbildung unterrichten würde und ihre Kinder dafür weniger Deutsch, Englisch und Musik hätten. Die Stimmung unter Eltern in der damaligen Zeit kann man vielleicht damit am besten beschreiben, dass wir für alle Eltern der anderen fünften Klassen Krisensitzungen abgehalten haben, um diese zu beruhigen. Denn der allgemeine Elternmeinung hieß damals: Wir wollen auch etwas Neues für unsere Kinder. Dabei hatten wir damals noch keine wirklichen Konzepte, nur große Ziele. Und die Idee, die Schüler/innen permanent in den Prozess mit einzubinden. Das Klassenzimmer war oft wie ein kleines Parlament strukturiert. Sprecher, Protokollant, Moderator, Rednerliste etc. Und dann kam immer zuerst die Störungsrunde. „Störungen gehen vor“ war damals eine aktuelle wichtige Erkenntnis – Themenzentrierte Interaktion (TZI) lässt grüßen. Aber wir waren ein starkes Lehrerteam. Meine Kolleg/innen fanden das Projekt mehrheitlich ziemlich verrückt und schräg, aber ich hatte nach 13 Jahren Vertrauenslehrerarbeit in einem starken Team eine gewisse pädagogische Narrenfreiheit. Immerhin war ich auch als Fachkollege  anerkannt. „Meine“ Abitursergebnisse in Physik waren immer vorzeigbar. Das gibt Sicherheit einem gymnasialen Kollegium gegenüber.

Ich verkürze jetzt. Das Jahr war sehr turbulent. Wir haben experimentiert, wir haben verworfen, wir haben nachgebessert, wir haben uns regelmäßig Feedback von den Schüler/innen und den Eltern geholt, wir haben durchleuchtet, wir haben unsere eigenen Grundbildungszeugnisse erfunden. Wir haben viel gelacht und ich war oftmals himmerhoch jauchzend, aber oft auch zerstört, weil es nicht so klappte, wie ich dachte, dass es funktionieren müsste. Unsere Klasse war „handelsüblich“. Die ganze Bandbreite von Schülerpersönlichkeiten. Und einige, die richtig nervten. Weil sie natürlich auch nicht wirklich verstehen konnten, welche Ziele wir eigentlich bei unserem Zeitungsschreiben, unseren Filmdrehs, unseren Musikprojekten, unseren Ausflügen, unseren Parlamentssitzungen, unseren vielen pädagogischen Sitzungen, unseren Lebensberatungsstunden etc hatten. Das sollte sich erst Jahre später zeigen.

Das Projekt Grundbildung ging ein Jahr lang, dann habe ich in der 6. Klasse noch ein Jahr Geographie unterrichtet.   Danach waren unsere Grundbildungsschüler/innen sich selbst überlassen. Es gab keine direkten Anzeichen, dass unser Experiment erfolgreich gewesen wäre. Ich selbst habe oft daran gezweifelt, bekam ich doch von manchen Kollegen, als unsere Leute in die Mittelstufe kamen, häufig die Rückmeldung: „Also deine Grundbildungsleuten, die nerven. Sie wollen immer Störungsrunden. Und sind echt widerspenstig.“ Ja klar, das hatten wir ihnen natürlich beigebracht. Nicht alles zu schlucken. Wissen zu wollen, warum etwas sinnvoll ist. Zu reflektieren. Infrage zu stellen. Sich selbst eigene Gedanken zu Lernprozessen zu machen. Das Leben in die eigene Hand zu nehmen.

Ich habe natürlich auch in der Mittelstufe immer die Zeugnislisten der Stufe angesehen und „unsere Grundbildungsleute“ mit „den anderen“ verglichen. Ich wusste ja nicht wirklich, ob diese „Widerspenstigkeit“ sich eventuell negativ auf das Lernen auswirken würde. War aber nicht so. In der Oberstufe bekam ich von denselben Kollegen, die in der Mittelstufe genervt waren, viele positive Rückmeldungen. „Deine Grundbildungsleute machen den Mund auf. Sie tragen meinen Unterricht. Sie haben echte Meinungen, die sie vertreten. Sind aktiv.“ Was für ein Hochgefühl für mich, Jahre danach. Und dann das Abitur. Ich wollte natürlich wissen, wie der Abiturschnitt unserer Grundbildungsleute war. Habe die Liste durchforstet und die Durchschnitte berechnet. Und war im echten Pädagogen-Glück. Klar, keine Beweisführung, keine wissenschaftliche Begleitung. Aber eine riesiges Erfolgsgefühl. Wir haben gut gefeiert.

Die Grundbildungsleute hatten einen Abiturschnitt von 1,9 eingefahren, der Rest des Jahrgangs einen Schnitt von 2,5. Ein Unterschied von 0,6 Punkten. Für mich sensationell. Aus heutiger Sicht für mich auch erklärbar. Damals waren es die eigenen Bauchgefühle von einem Physiklehrer, einer Ärztin und einer Jorunalistin. Heute würde ich Hattie hinzuziehen.

In der neuesten Hattie Studie taucht an allererster Stelle die kollegiale Zusammenarbeit auf. Grundbildung war permanente kollegiale Zusammenarbeit. Nicht nur wir als Lehrer/innenteam, das sich dauernd über das Geschehen ausgetauscht hatte. Sondern wir mussten natürlich auch mit den anderen Fachkolleg/innen in der Klasse regelmäßig konferieren. Was meinen Sie, was in unseren Störungsrunden alles zu Tage trat, was wir natürlich den Lehrern mitteilen mussten, auch wenn es oft nicht so einfach war. Wir hatten, das sei erwähnt, eine ganz normale Durchmischung von Lehrern. Bis auf Englisch und Musik keine spezielle Auswahl. Mit Englisch und Musik war unser Fach Grundbildung ja direkt verknüpft und die Kollegin und der Kollege waren mit im pädagogischen Experimentierboot. Der Deutschlehrer war einverstanden, aber nicht eingebunden.

Zurück zu Hattie: Die Klassengemeinschaft – ein wichtiges Arbeitsfeld in unserem Konzept. Die Zusammenarbeit der Schüler/innen untereinander. Das gegenseitige Erklären, das selbstständige Arbeiten, das permanente Arbeiten an der Lehrer-Schüler-Beziehung. Auch mit den Kollegen, mit denen unsere Schüler/innen ihre Probleme hatten. Wir standen ja immer in der Diskussion mit ihnen. Und dann: Ein Jahr heftige Feedbackkultur für unsere Schüler/innen. Ich glaube, dass das natürlich prägte und nicht mehr so einfach verloren ging. Ja, wenn man die ersten 20 starken Faktoren bei Hattie betrachtet, dann steckten in Grundbildung beinah alle Faktoren in der einen oder anderen Weise mit drin. Die ersten 20 Faktoren sind Faktoren, die nicht direkt mit den Fächern verknüpft sind.

„Grundbildung nach Hattie“ würde ich heute den Eltern von damals sagen. „Ungewöhnlich, weil Sie erst in ein paar Jahren wissen, dass es wirklich stimmt, was die Hattie-Studie sagt.  Aber mal ganz ehrlich: Die Untersuchung von  Millionen von Schülerdaten in der weltgrößten Bildungsmetaanalyse über Metaanalysen kann nicht ganz falsch liegen. Finde ich. Nein Quatsch, da bin ich natürlich vollkommen überzeugt davon.

Wir haben unseren damaligen Fünftklässler/innen auf alle Fälle, das habe ich von vielen als heute Erwachsene rückgemeldet bekommen, ein fette Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben können. Und das ist – abgesehen von einem sehr guten Abiturzeugnis – für das Leben an sich etwas vom Feinsten. Übrigens sehe ich heute noch immer die vierte, fünfte und sechste Klasse als einen äußerst günstigen Zeitpunkt im Leben von uns Menschen, in dem wir schon sehr viel verstehen können, ernsthafte Lebensabsichten aufbauen, aber noch nicht im Kokon der Pubertät verschwunden sind.

Grundbildung als Einstieg in Klasse 5. Damals eine verrückte aber auch eine sehr erfolgreiche Idee – heute ist sie gar nicht mehr so verrückt. Behaupte ich.

 

Heinz Bayer alias Otto Kraz

Agil arbeiten – oder – sich trauen, die Lambda-Schwelle zu messen.

Liebe Leserin, lieber Leser

Weihnachten 2019. Wir vom Forum agile Verwaltung wünschen Ihnen natürlich nur das Allerbeste. Und möglichst geringe Lambda-Schwellen 2020.

„Lambda-Schwellen?“ sagen Sie. „Was soll das denn sein. Sowas habe ich doch überhaupt nicht.“

Und ich sage Ihnen heute am zweiten Weihnachtsfeiertag: Das Lambdaschwellenproblem ist ein permanent störendes, aber zu knackendes Problem, das die Evolution uns Menschen einfach in die Wiege gelegt hat. Uns allen. Auch Ihnen.

Ich bin Physiker. Lambda ist bei uns das Zeichen für die Wellenlänge. Und weil für den Erfolg als Lehrende in Schulen und Hochschulen die Beziehung zwischen ihnen und den Lernenden eine entscheidende Rolle spielt, aber das Wort Beziehung schon zu sehr belegt ist, setze ich dafür gerne die Lambda-Ebene ein. Die richtige Wellenlänge zwischen zwei Personen. Weil man eine gute Wellenlänge zwischen Lehrenden und Lernenden durch klare Werte festlegen kann, die auch praktisch messbar ist. Die man benennen kann. Es hat nicht mit Nähe zu den Lernenden zu tun. Man kann auch eher distanziert arbeiten und trotzdem eine starke positive Lambda-Ebene zu seinen Schüler/innen besitzen.

Im Forum agil lernen und lehren haben wir eine starke Lambda-Ebene z.B. so beschrieben:

  1. Ernst nehmend – gegenseitig
  2. Selbstreflektierend – auf beiden Seiten
  3. Akzeptierend – gegenseitig
  4. Fehler zulassend – gegenseitig
  5. Zielorientiert – mit derselben Zielrichtung
  6. Vorwurfslos – beidseitig

Sie stehen noch immer im Nebel? Keine Sorge. Es ist ein wirklich komplexes Ding, diese Lambaebene zwischen uns Menschen. Egal ob es um Schüler und Lehrer, um Ehepartner oder um Verwalter und ihre Kunden geht. Sorry, natürlich auch immer -innen. Ich versuche es einmal mit einem Bild:

Eine Lambda-Schwelle nenne ich einmal die Abweichung vom Ideal.  Eine 20% Schwelle und ein 80% Lambda-Faktor wäre z.B. ein wunderbarer Wert, wenn er beidseitig bestehen würde und man über ihn Bescheid wüsste. Verstehen Sie schon, was ich meine?

in meiner Zeit als Vertrauenslehrer an einer großen Schule habe ich Konflikte zwischen Kollegen und Schülern (immer auch -innen) zu einem großen Teil dadurch gelöst, dass ich Missverständnisse aufgeklärt habe. Dass ich versucht habe, Lambda-Schwellen, die es auf Schülerseite gab, abbauen zu helfen. Zwei falsch platzierte Sätze eines Lehrers, die nicht aufgeklärt werden, können jahrelang eine Lambdaschwelle auf Schülerseite aufbauen, die das Lernen um ein Vielfaches erschwert, vom Lehrer selbst aber gar nicht erkannt werden. Aber ein einzelnes gutes Gespräch kann so eine Schwelle auch umgehend in sich zusammenfallen lassen. Es liegt in der Hand des Lehrenden, diese Schwellen aufzuspüren.

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Agiles Lernen und die Hattie-Studie

Hattie sagt Ihnen etwas, oder? Der neuseeländische Professor, der in Australien forscht und lehrt und eine riesigen Studie darüber herausgebracht hat, was eigentlich wirklich effektiv beim Lernen ist. Lernen, das ist so eine völlig verrückte Sache. Da gibt es Experten noch und noch.

Spüren Sie einmal in sich hinein und Sie werden merken: „Ja klar bin ich ein Experte. Ich habe da so ein starkes Bauchgefühl, was für meine Kinder oder Enkel das Richtige ist.“ Vor 50 Jahren haben auch Ärzte meist so behandelt. Aus dem Bauch – ausgestattet mit viel Erfahrung. Heute käme kaum ein Arzt mehr auf die Idee, entgegen wissenschaftlichen Studien seine Patienten zu behandeln.

Eltern, Großeltern, Lehrer/innen und Bildungsbehörden machen das noch immer. Aus dem Bauch der Erfahrungen schöpfen. Anstatt z.B. einmal die Hattie-Studie auf Schule und Hochschule anzuwenden. Dann würde sich Schule rasant ändern müssen. Dann würde Schule in die agilen Startlöcher gehen. Denn Hatties Metastudie zeigt ganz klar: Am effektivsten ist Schule und Hochschule und Lernen allgemein mit einem agilen Mindset. Wir vom Forum agil lernen und lehren haben dazu unser zweites Magazin herausgebracht. Helix 2.

Klicken und blättern. Als pdf auch auf https://www.aufeigenefaust.com/

 

Wenn Sie z.B. wissen wollen, warum Professor Christof Arn – der 10 Jahre agile Hochschuldidaktik an der Hochschule in Luzern geforscht und gelehrt hat – meint, er hätte den einen Satz gefunden, den John Hattie am Telefon sagen würde, würde er gefragt, wie er die Hattie-Studie in einem Satz zusammenfassen würde, dann sollten Sie Helix 2 auf Seite 6 lesen. Christof Arn tippt auf folgenden Satz:

„When these professionals see learning occurring or not occurring, they intervene in calculated and meaningful ways to alter the direction of learning to attain various shared, specific, and challenging goals.“ (Hattie 2009, Seite 22)

Mehr verrate ich noch nicht. Sie werden sich wundern, wieviel agiles Lernen und Lehren Professor Arn diesem einen Satz entlocken kann. Wenn Sie also kompetent etwas über die weltweit größte Bildungsstudie aussagen können wollen, dann sollten Sie unbedingt in Helix 2 blättern.

Mit den besten Grüßen vom Forum agil lernen und lehren

www.aufeigenefaust.com

Heinz Bayer

Wollen wollen agil trainieren

Wenn man einen Enkel hat, der in der 4. Klasse seiner Arbeit nachgeht und von Elternabenden erzählt bekommt, erinnert man sich als alter Schulmeister schnell daran, wie viel Aufregung in der Luft um diese armen jungen Menschen liegt und wie diese Aufregung den Lebensfokus ganzer Familien verändern kann. Sollten Sie also im Freundes- und Bekanntenkreis jemand kennen, dessen Sprößling sich mental auf den Wechsel zur weiterführenden Schule vorbereitet und damit die ganze Familie in Alarmstimmung versetzt, dann verschicken Sie doch einfach den Link zu diesem Artikel – vielleicht wird man Ihnen später heftig dafür danken. 🙂 Aber natürlich ist das hier beschriebene Prinzip Wollen wollen eine Sache für alle Lernenden – bis ins hohe Alter.

Um was geht es?

Ich habe als Unterstufenberater am Faust-Gymnasium Staufen viele Jahre diesen Übergangsprozess von 4 nach 5 begleitet. Habe den Kontakt mit den Viertklasslehrer/innen gepflegt, den Viertklässler/innen unser Gymnasium gezeigt und ihnen das wesentlich Neue im Vergleich zur Grundschule erklärt. Ihnen speziell erklärt, dass sie lernen müssen, selbst zu laufen. Und dass sie dafür „wollen wollen“ müssen. Man nennt das Ding sonst „gute Arbeitshaltung“, aber wenn man Viertklässlern erklärt, sie müssten am Gymnasium eben nur die richtige Arbeitshaltung mitbringen, dann ist das zu abstrakt. „Ich muss wollen, dass ich will“ beschreibt es für Schüler/innen besser.

Wollen wollen kann man trainieren.Wenn sie dann später als Fünftklässler/innen bei uns angekommen waren, haben wir lange Zeit als Fünftklasslehrerteam erfolgreich mit speziellen Hausaufgabenheften gearbeitet, die wir selbst immer weiter angepasst und optimiert hatten. In denen schon ziemlich viele agile Elemente auftauchten – obwohl wir dieses Wort damals natürlich noch nicht benutzten. Nach meiner Pensionierung habe ich agile Denkweisen konkreter kennengelernt und die Hausaufgabenhefte zu Lerntagebüchern umgewandelt. Bei Books on Demand können Sie mal reinlesen, sollten Sie Schulkinder im Haus haben und gleichzeitig Lust auf den anderen Blickwinkel auf Schule. Machen Sie doch daraus selbst ein familieninternes gänzlich individuelles agiles Wollen wollen Heft – natürlich zusammen mit ihrer Tochter oder Ihrem Sohn. Es lohnt sich wirklich.

Aus gegebenem Anlass, dass mein ältester Enkel gerade in die Vierte geht, habe ich meine frühere Schüler-Beratungsarbeit wieder aufgenommen und versucht, kleine agile Kalenderblätter für Viertklässler zu krazeln und damit ein Konzept zu entwerfen, mit dem diese späteren Leistungsträger/innen, so sie wollen, ihr Wollen trainieren können.

Hier ist der agile Wollen wollen Kalender zum Ausdrucken, Umwandeln und Weiterentwickeln.

Hört sich für Sie vielleicht jetzt noch befremdlich an, aber ich habe Wollen-Training oft als Klassenlehrer mit meinen früheren Fünftklässlern und -innen durchgeführt, weil zu wenig Wollen vorhandene Talente nie zum Vorschein kommen lässt. Und ja: Wollen kann man trainieren, wenn man das will. Genau das ist der Knackpunkt, der sehr viel Fingerspitzengefühl verlangt.
Auch wenn der Wollen-Faktor klein ist, sollte man seine Auswirkung gut kennen. Weil dieser Faktor der wesentliche Joker im Spiel um bessere Noten ist.
Heinz Bayer

p.s. Ich habe früher ein paar Mal Wollen-wollen-Spezial-Zeugnisse für meine Fünftklässler/innen vergeben – neben den offiziellen Zeugnissen … und 8 Jahre später mit den Abizeugnissen verglichen. Der Fünftklass-Wollen-wollen-Faktor und die Abinote hatten immer eine viel höhere Korrelation als die Fachnoten in der Fünften mit der Abinote. Deshalb: Wollen wollen agil trainieren bringt‘s extrem.

Das Bild dazu gekrazelt – Otto Kraz

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Mathe agil

 

Liebe Leser/in. Gehen Sie selbst einmal in sich. Wie war das damals in Mathe? Gehören Sie auch zu denen, die tief innen drin dieses mathematische Ohnmachtsgefühl aus der Schulzeit noch immer mit sich herumtragen? Dieses kleine Schämen, dass man diese Mathe damals oft überhaupt nicht geblickt hat? Dieses innere doofe Unwohlsein, wenn Sie auch heute noch im hohen Alter einen Mathelehrer treffen? Diese Hilflosigkeit, wenn Sie an Mathe in der Mittelstufe denken? Obwohl das doch so lange her ist? Wenn Sie nicht zu denen gehören, die sich beim Stichwort Mathematik und Schule irgendwie klein fühlen, dann seien Sie froh.

 

All die anderen würde ich gerne von dieser vollkommen unnötigen Last befreien, die einzig und allein daher kommt, weil Sie in einer normalen Schule in einen normalen Matheunterricht gegangen sind und nicht in eine agile Schule mit einem agilen Matheunterricht.

Ich saß vor kurzem beim Bier neben einem Juristen, der nicht wusste, welche Fächer ich unterrichtet hatte. „Mathe und Physik.“ Und dann das übliche: „Oh je, in Mathe war ich schlecht in der Schule.“ Übrigens ändert sich häufig die Körperhaltung, wenn erwachsene Menschen Mathelehrern begegnen. Die kleine Ohnmacht kriecht bei vielen vollautomatisch in das sich erinnernde Blickfeld. Ich habe meinen üblichen Spruch von oben losgelassen. Wir kamen ins Gespräch über seinen Job. Ein Jurist, der für seine Firma zu 90% seiner Arbeitszeit komplexe Organisationsstrukturen erkennen, begreifen und entwickeln soll. Der unentwegt logische Strukturen überblicken und effektiv für seine Firma optimieren muss. „Mathematik in Reinform“ hielt ich ihm entgegen. „Was du als Jurist – wie ich höre ziemlich erfolgreich – beruflich gerade machst, ist pure Mathematik. Und du erzählst mir, dass du schlecht in Mathe warst? Hast du denn wenigstens das Gefühl, jetzt gut in Mathematik zu sein?“ Natürlich hatte er dieses Gefühl überhaupt nicht. Weil er die normale Schule mit dem normalen Matheunterricht durchlaufen hatte und dort hatte er irgendwann in der Mittelstufe den Durchhänger. Wie so viele dort den Durchhänger haben. Pubertät, Lehrer, Liebeskummer, Pear-Group, Stress zu Hause, Ehrgeiz&Frust undsoweiter undsoweiter …. suchen Sie für sich selbst was Passendes aus. Tausend Gründe. Dann entstehen natürlicherweise Lücken. Mit Lücken z.B. beim Umstellen von Gleichungen („niedere“ Mathematik) haut es einem aber jede Aufgabe in der höheren Mathematik um die Ohren. Logische Folge: Schlechte Noten. Also nicht „Ich bin eben schlecht in Mathe,“ sondern „Ich habe mir leider pubertäre mathematische Lücken im Kopf zugezogen und konnte dann meine mathematischen Fähigkeiten nie mehr zur Wirkung bringen. Notenmäßig. Obwohl ich vielleicht mathematisch ziemlich stark ticke.“ Ich wette, die allermeisten von Ihnen haben in der Schulzeit nie bewusst nach Lücken geforscht, um sie logischerweise zu schließen.

 

Im idealen agilen Mathematikunterricht entstehen diese Lücken nicht. Was natürlich nicht heißt, das jeder ein Mathe-Käpsele wäre, wie der Schwabe sagt. Aber erst ohne Lücken erkennt man seine echten mathematischen Fähigkeiten. Agile Mathematik setzt auf eigenständige Auseinandersetzung mit der mathematischer Landschaft, die sich vor einem Erstklässler eröffnet, sobald er in die Welt des „5 plus 3“ eintaucht. Oder dann des „5 plus 9“.  Au Backe, erinnern Sie sich? Der Schritt über die Zehn hinaus? Dezimalsystem? Stellenwertsystem? Machen Sie heute locker, ohne drüber nachzudenken. War aber mal richtig schwierig für Ihren Kopf. Man durfte ja die Finger nicht mehr benutzen.

 

Agile Mathematik ist ein wenig wie die Vision von Khan mit seiner Khan Academy.

 

https://upload-magazin.de/blog/5998-salman-khan/

 

KEINE LÜCKEN ZULASSEN. That‘s the point. Agil lernen. Khan beschreibt es bildlich: Der normale Matheunterricht ist so, als würde man einem Kind ein Fahrrad erklären, um zwei Wochen später abzuprüfen, wie gut es fahren kann. Anstatt so lange zu trainieren, bis es eben fahren kann. Agiles Lernen setzt auf LÜCKENLOSE Mathematik. Und auf das „Sich selbst um seine mathematische Grundlagenbildung kümmern.“

 

Ich weiß, für Sie kommt die Erkenntnis zu spät. Die Sache ist gelaufen. Ich hoffe, Sie nehmen es leicht. Und bitte nicht nachträglich auf Ihre Mathelehrer sauer werden. Agile Mathematik im nichtagilen Schulumfeld – das ist höchste Kunst. Aber vielleicht haben Sie ja Kinder. Zeigen Sie Ihnen doch mal das obere Bild.

 

Auf alle Fälle könnten Sie nach diesem Artikel doch zumindest Ihre eigene kleine mathematische Ohnmacht endgültig entsorgen. Falls Sie sie besitzen, wie so viele sie eben besitzen, diese kleine unnötige Ohnmacht aus Ihrer Schulzeit, die immer wieder behauptet, sie wären irgendwie schlecht in Mathematik.

 

Otto Kraz

 

p.s. Ich vertiefe das Ganze für Sie auch noch mit Hattie im Rucksack. In der weltweit größten Bildungs-Metastudie von dem australischen Bildungsforscher John Hattie findet man das Prinzip LÜCKENLOSE Mathematik an zweiter Stelle der Effektstärkenliste unter den 252 Faktoren, die Hattie unter die Lupe genommen hat.  Heißt natürlich nicht LÜCKENLOS, sondern „self-reported grades“ https://visible-learning.org/hattie-ranking-influences-effect-sizes-learning-achievement/ und bedeutet „Selbstbeurteilung der Schüler/innen“ oder „Einschätzung der eigenen Lernleistung“. https://visible-learning.org/de/glossar-hattie-begriffe/ In Sachen LÜCKENLOSE Mathematik bedeutet es: Ich muss die mathematischen Bausteine kennen, auf die ich mich verlassen kann und meine Lücken kennen, die ich füllen muss. Weil ich ja keinen Bock drauf habe, zum Beispiel in der 10. Klasse in Physik keine Aufgabe richtig rechnen zu können, nur weil ich in Sachen Umstellung einer Gleichung aus Klasse 7 in Mathe eine dauerhafte Lücke mit mir herumtrage.

 

p.s. Noch ein mathematischer Nachtrag samt Krazeleien zum Thema „252 untersuchte Faktoren und ihre Effektstärken.“

 

Zum Verständnis für Nichteingeweihte: „Die durchschnittliche Effektstärke aller von Hattie untersuchten Faktoren beträgt etwa 0,4.  “Häää, 0,4? Muss ich das verstehen?“ fragen sich jetzt sicher viele. Ich versuche es knapp: Angenommen Sie wären Mathelehrer und die Verteilung der Punkte bei einer Ihrer Standard-Klassenarbeiten sähe üblicherweise aus wie in nachstehender Figur.

 

 

Man nennt das die Normalverteilung. Der Abstand von der Mitte bis zum mathematischen Wendepunkten dieser Kurve (wenn die Kurve von immer steiler zu immer flacher übergeht) nennen wir Mathematiker die Standardabweichung. Spielen wir einmal durch, was passieren würde, wenn Sie den Fokus Ihres Unterrichtseinsatzes auf einen Hattie-Faktor mit der Effektstärke von 0,5 auf der Hattie-Skala legen würden – zum Beispiel das „Unterstreichen und Hervorheben“ für Ihren Unterricht konsequent als neues Prinzip einführen würden, während Sie vorher darauf überhaupt keinen Wert gelegt hätten. Wenn Sie also von unstrukturiertem Unterrichtsablauf auf strukturierten Ablauf wechseln würden, dann sagt die Studie, dass die Ergebnisse Ihrer neuen Standard-Klassenarbeit mit ihrem Mittelwert um die Hälfte der Standardabweichung verschoben würde, wenn man es bildlich übersetzt. (Die nächsten zwei Bilder).

 

 

Natürlich unterrichtet der normale Mathematiklehrer keinen komplett unstrukturierten Einheitsbrei, ohne dass seine Schüler/innen wissen, was wichtig ist und was nicht. Aber nicht bei jedem Lehrenden kommen diese Strukturen aus seinem Lehrerkopf auch bei den Lernenden an. Sagen wir es einmal so. Jeder weiß intuitiv, dass bewusstes „Unterstreichen und Hervorheben“ im Unterricht von wirklicher Bedeutung sein kann. Nichts anderes sagt die Studie mit der Effektstärke von 0,5 für „underligning and higlighting“.

 

 

Das zumindest ergeben die Statistiken aus Millionen von Schülerleistungsdaten weltweit, die das Team von John Hattie aus einer riesigen Menge von Einzelstudien zusammengetragen hat. D=1,5 ist übrigens die höchste Effektstärke.

 

Übertragen wir diese Überlegung doch einfach mal auf Sie und ihre früheren mathematischen Leistungsnoten. Nennen wir Sie Paul, der immer dieses 4+ Feeling in Mathe hatte. Sie sind also ausgestattet mit diesem „Eigentlich verstand ich das Ganze ja, aber die Noten waren trotzdem doof“-Gefühl. Hätten Sie damals in einem agil aufgestellten Unterricht gesessen, in dem Sie durch entsprechendes regelmäßiges Feedback zu einer guten Selbsteinschätzung der eigenen Lernleistung mit der Effektstärke 1,33 gekommen wären, dann wären Sie als Paul in den Zweierbereich vorgerückt. Das „Eigentlich verstehe ich es ja“ wäre durch konsequentes Füllen der Lücken real geworden. Was für ein schöner Traum.

 

Was ich Ihnen als alter Mathepauker einfach sagen will: Sagen Sie als Paul nie mehr, Sie wären schlecht in Mathematik gewesen. Denn: Sie haben einfach nur schlechte Noten geschrieben. Ansonsten wissen Sie es einfach nicht, was mathematisch in Ihnen steckt. Und wenn Sie das nächste Mal einen Mathelehrer treffen, zucken Sie nicht verschämt zusammen, sondern sagen Sie ihm doch einfach: „Möglicherweise wäre ich ja auch Mathelehrer geworden, wenn meine früheren Mathelehrer und -innen agil unterrichtet hätten…“

Der agile dritte Raum

„Third Space in Hochschulen

Ein Raum für neue Aufgaben

Neue akademische Handlungsfelder und professionelle Rollen von Akademikern haben in vielen Hochschulen einen Raum hervorgebracht, der weder im Kernbereich von wissenschaftlicher oder künstlerischer Lehre und Forschung noch in der Administration oder in der Hochschulleitung angesiedelt ist. Dieser Raum wird – in Anlehnung an soziologische Theorien (Salden 2013) – als Third Space bezeichnet. Darüber hinaus wird die Bildung von Third Spaces international als Zeichen dafür gesehen, dass die klassische binäre Einteilung einer Hochschule in ihren akademischen und ihren administrativen Bereich an Tragfähigkeit verliert (Whitchurch 2012/Salden 2013).“

( aus wissenschaftsmanagement.de 1/2015 )

 

Als ich im letzten Jahr als Chronist einer Tagung zum Thema Third Space an der FH Muttenz eine Zusammenfassung des Tages entwickeln sollte, habe ich mich dem mir neuen Begriff genähert, indem ich ihn aus dem Hochschulbereich in die Schule „übersetzt“ habe. Als Science Fiction, denn mit einem schulischen agilen Third Space würde Schule einen riesigen Schritt in Richtung Zukunft und in Richtung zufriedene Lehrer/innen und damit auch Schüler/innen machen können - das wurde mir recht schnell klar.

 

Es war einmal einmal vor ziemlich vielen Jahren.

Ein Science Fiction, der schon morgen in Baden-Württemberg und auch anderswo stattfinden könnte, würden Gelder dafür in die Hand genommen.

 

Wilde agile schulische Fantasien von Otto Kraz

 

Es war einmal vor ziemlich vielen Jahren, es mögen sicher 40 sein, da war die Welt in und um die Schulen im Ländle noch ziemlich in Ordnung. Die Eltern hielten sich überwiegend aus dem Geschäft mit der Vermittlung von Wissen heraus. Wer als Schüler zu schlechte Noten schrieb, der wurde einfach nach unten weitergereicht und war eben selbst schuld. So gab es damals einen kontinuierlichen Schüler-Fluss (weniger -innen), die vom Gymnasium auf die Realschule und von der Realschule auf die Hauptschule wechselten und dieses Vorgehen war allgemein anerkannt. Die Lehrer unterrichteten, die Schulverwaltung verwaltete, der Schulleiter leitete und alle waren zufrieden. Auch das Ministerium, denn es gab ja der Klagen wenig.

 

Das ging solange gut, bis die Studie mit dem schiefen Turm auf die Schulen im Lande zeigte und meinte, sie würden ihren Job nicht optimal machen. Da wurden die Eltern hellhörig und nervös und das Ministerium wurde hellhörig und nervös und man fragte sich, was denn jetzt zu tun wäre. Da wurden auch die Schulen hellhörig und nervös. Das sind wir nicht gewöhnt, dass man uns so sehr auf die Finger schaut,“ beschwerten sich viele Kollegen. „In meinen Unterricht lass ich mir doch nicht hineinreden“ ereiferten sich andere. „Das hat schon vor 20 Jahren gut funktioniert. Warum soll das jetzt alles anders werden?“

 

Aber die Zeiten wollten einfach nicht stehenbleiben und die Eltern wollten sich nicht mehr so einfach zurückhalten und die Journalisten fragten, warum denn Schulen in Finnland besser abschneiden würden. Da tauchten plötzlich Wörter auf, mit denen speziell viele Gymnasiallehrer so gar nichts anfangen konnten. Sozialkompetenz. Teamarbeit. Eigenständigkeit. „Ich habe Mathematik an der Hochschule studiert und ich unterrichte Mathematik. Und zwar äußerst gut.“ sagten viele Mathematiklehrer. „Was habe ich denn bitteschön mit Erziehung zu tun. Ja bin ich denn jetzt auch noch ein Sozialarbeiter?“ Und Ähnliches kam natürlich auch von den Englisch-, Deutsch- und Lateinlehrern. „Dieses  neumodische Zeug von Bildungsplan. Früher war das ein Lehrplan, bei dem man wusste, was zu machen ist. Dieses unentwegte Reformieren, das sitzen wir einfach aus.“

 

Aber die Zeiten wollten und wollten nicht stehenbleiben. Es gab immer mehr Studien, immer mehr neue Unterrichtsideen und man begann das Wort Schulentwicklung immer heftiger in die Schulen hineinzupressen. Was zur Folge hatte, dass es viele neue Aufgaben zu erledigen und damit viele neue Sitzungen und Konferenzen abzuhalten gab. Computer zogen in den Schulen ein und jemand musste sie installieren und warten. Die Schülerschaft wurde immer heterogener und das furchtbare Wort vom individualisiertem Unterricht drang in die Lehrerzimmer. Die Eltern wollten immer mehr mitreden und die Ganztagesschule drängte auf den Markt, weil zwei berufstätige Eltern inzwischen zur Normalität gehörten. „Ja was denn noch alles?“ riefen viele Lehrer an vielen Schulen in echter Verzweiflung. „Jetzt sollen wir noch die Eltern ersetzen, weil die nicht mehr richtig erziehen können. Und wir sollen einfach alles auch noch zusätzlich machen.“

 

Das ganze Zetern und Jammern an den Schulen half aber nichts. Denn auch die Schuldirektoren konnten sich nicht wehren. Auch ihnen wurden Aufgaben noch und noch auf‘s Auge gedrückt und je schneller die Welt sich außerhalb der Schule drehte, desto weniger hatten die Direktoren Zeit, sich um ihre eigentliche Aufgabe zu kümmern - Schule pädagogisch zu leiten. Auch die Schuldirektoren beschwerten sich immer häufiger und es sprach sich im Ländle herum, dass Schuldirektor kein wirklich erstrebenswerter Job mehr war. So gab es bald auch immer weniger Bewerber auf diese früher einmal sehr begehrten Stellen. Die Schulen im Lande waren an einem erbärmlichen Punkt angekommen: Jammernde Lehrer, jammernde Direktoren, aufgebrachte Eltern und ein kopfloses Ministerium, das keinen wirklichen Plan besaß.

 

Zu der Zeit tauchte in Stuttgart ein junges Start-Up namens Third Space im Kulturministerium auf und versprach Abhilfe. „Die Administration an den Schulen ist überlastet. Die Lehrer sind überlastet. Wir würden den Schulbetrieb komplett entlasten, wenn Sie uns das einmal machen lassen würden. Wie wäre es mit einer Versuchsschule?“ meinten die jungen Innovativen. „Wir machen all das professionell für die Schule, was in den letzten 20 Jahren auf das Lehrpersonal und die Administration hinzugekommen ist, ohne dafür Entlastung zu bekommen. Sie haben sogar noch die Deputatsstunden erhöht. „Die Kultusministerin, die von überall her den Gegenwind zur bisherigen Bildungspolitik spürte, nickte und meinte: „Also gut, versuchen Sie an einer Schule Ihrer Wahl Ihr Glück. Sie bekommen ein Gehalt wie ein Nebenlehrer, haben allerdings auch nur einen Jahresvertrag bis zu den Sommerferien.“

 

So kam es, dass die Lehrer des Heisenberg-Gymnasiums in Stuttgart ihr Glück kaum fassen konnten, als sich die drei Mitarbeiterinnen und die zwei Mitarbeiter in der ersten Gesamtlehrerkonferenz mit ihrem Konzept vorstellten. „Entlastung,“ jubelten sie. „Endlich echte Entlastung. Da können wir uns wieder richtig auf das Unterrichten konzentrieren. Was für ein Luxus.“ Die Mitarbeiter/innen von Third Space hatten ihr Arbeitsfeld vorgestellt und die Schule war begeistert. „Natürlich betreuen wir jetzt Ihr Computernetz ebenso wie die Lehrer- und Schülerbibliothek. Wir kümmern uns um die Organisation und Planung der Elternabende ebenso wie die Koordination der Ganztagesbetreuung. Wir machen für die Direktion die zeitaufwändigen Schülerstatistiken genauso wie die Bauleitung für die anstehende Renovierung des Biologie-Trakts. Wir betreuen die naturwissenschaftlichen Sammlungen ebenso wie die Materialräume der Gesellschaftwissenschaften. Und natürlich schaffen wir die Voraussetzungen für die Fremdevaluation im zweiten Halbjahr. Und wenn Sie weitere Aufgabenfelder für uns haben, dann melden Sie sich einfach. Wir haben unsere Zelte in den Räumen neben der Direktion aufgeschlagen.“ Die Konferenz ging mit tosendem Applaus zu Ende.

 

Die Begeisterung hielt auch im ersten halben Jahr komplett an, denn Third Space entpuppte sich als ein junges hocheffizientes Team von agil arbeitenden Spezialisten, die beruflich aus den unterschiedlichsten Bereichen kamen und sich sehr schnell und tief in die Anforderungen des Heisenberg-Gymnasiums einarbeiten konnten. Die Schule atmete sichtlich auf. Die Stimmung im Lehrerzimmer war nicht wiederzuerkennen. Und das Wichtigste: Die Schüler hatten manchmal das Gefühl, an eine ganz andere Schule gewechselt zu haben, so entspannt war plötzlich die Lage an ihrer Schule. Denn natürlich hatte Third Space auch die Koordination de Schüleraustausche übernommen und betreute den stark wachsenden außerunterrichtlichen Bereich, was das Schulklima spürbar positiv beeinflusste. Die Third Space Mitarbeiter waren ebenso fachkompetent wie auch verwaltungskompetent. „Third Space ist ein heftiger Schub in die Zukunft“ ließ Direktor Müller gerne in seinen Reden verlauten. Third Space war in aller Munde und auch einige Manager von Daimler, die ihre Kinder auf’s Heisenberg schickten, schwärmten im Konzern von den Zauberern des jungen Start Ups.

 

Im zweiten Halbjahr tauchten die ersten kleinen Irritationen auf. „Was hat der mir denn zu sagen?“ entrüstete sich Frau Meyer-Todde, eine Mathelehrerin, die für ihre Strenge, aber nicht für erfolgreichen Unterricht bekannt war. Ich mache diesen Job nun schon seit 20 Jahren und dieser junge Schnösel meint, er könne mir das Wasser reichen. Frank Paulsen von Third Space hatte sie gebeten, ein Selbstevaluationsblatt in ihrer 7. Klasse ausfüllen zu lassen, weil die Klasse mit Frau Meyer-Todde ihre Schwierigkeiten hatte und er zusammen mit ihr gerne der Ursache auf den Grund gegangen wäre. „Ich werde nach A13 bezahlt, er nach A9. Das sagt doch schon alles.“ meinte sie zu ihrer Sitznachbarin im Lehrerzimmer. „Er hatte selbst in Mathe nur unterdurchschnittliche Schulnoten, hat er mir dazuhin noch erzählt.“ Solche Geschichten  machten immer mehr die Runde, je näher die Fremdevaluation kam, bei der Direktor Müller den Fachunterricht in den Fokus der Untersuchungen gerückt hatte. Und wie das mit solchen Geschichten eben ist, die Akzeptanz von Third Space nahm ab, je weiter die Mitarbeiter des Start-Ups sich um den Unterricht der Kollegen im Rahmen der Evaluation kümmern mussten.

 

In der Anfangskonferenz des nächsten Schuljahres musste Direktor Müller seinem Kollegium eine traurige Mitteilung machen. Da sich Third Space am Ende des letzten Schuljahres am Heisenberg Gymnasium nicht mehr wirklich wohl gefühlt habe und der Vertrag nur befristet war, hätten sie das Angebot von Daimler nicht ausschlagen können, für das doppelte Gehalt in Festanstellung nun einen Third Space für den Konzern aufzubauen. Denn auch wenn im letzten Schuljahr sich am Ende viele über die Arbeit als Einmischung bei ihm beschwert hätten, die Auswirkungen dieses einen Jahres mit dem Start-Up wäre in den Ergebnissen der Fremdevaluation und auch in den Notenschnitten des letzten Schuljahres zweifelsfrei zu erkennen.

So kam es, dass das Heisenberg Gymnasium wieder in dieselben Klagen und dasselbe Jammern einstimmen musste, was man von all den anderen Schulen ja gewohnt war.

 

 

Ach kommen Sie, Frau Kultusministerin, träumen wird man ja noch dürfen. Ihr Otto Kraz

 

 

Weil man es schon immer so gemacht hat?

Es ist schon verrückt. Es gibt inzwischen doch recht viele Grundschulen, an denen Schüler/innen sehr viel Kompetenz mitbekommen, wie sie eigenständig lernen können. Und dann kommt die weiterführende Schule. Und? Ja klar wissen Sie es, was dann passiert. Diese Kompetenz verlernt man meistens wieder. Wie verrückt.

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Wie wäre es denn mit eduScrum
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Helix ... das Magazin des Forums agil lernen und lehren

 Agiles Lernen ... hört sich für Außenstehende irgendwie schnell intuitiv fassbar an, weil man das Wort agil ja eigentlich kennt. Für die, die das Wort agil inzwischen schon zu oft gehört haben, ist es vielleicht auch ein Kopfschüttler. „Unser Chef meint schon lange, dass wir agil arbeiten sollen“ habe ich vor kurzem gehört. „Aber es nervt.“ Da kam das Wort agil schon richtig altbacken rüber. Jeder, den ich bisher getroffen und zum Wissen zu seiner Vorstellung zu agil befragt habe, brachte eine andere Version mit. Deshalb sollte ich, wenn ich hier schon unser erstes Magazin anpreise, doch vielleicht die Vorstellungen des Forums agil lernen und lehren beschreiben. Ich nehme dazu am besten die Leitsätze unseres Hauptforums agile Verwaltung und übersetze sie.

 

 


LEITSÄTZE DES FORUMS AGILE VERWALTUNG

 

 

 

-   Das Ganze in den Blick nehmen, ... da höre ich jetzt niemand widersprechen. Übersetzt auf die Schule heißt das sowas wie „ Nicht nur sein Fach, sondern Menschen unterrichten.“ Denn es ist doch bitteschön klar, dass wir alle wollen, dass Schüler/innen nach ihrer Schulzeit als möglichst breit ausgebildete Persönlichkeiten mit hohem Selbstwertgefühl unsere Schule verlassen. Den ganzen Menschen in den Blick nehmen.

 

-   cross-funktionale Teams bilden ... da höre ich schon mehr „Aber“ auftauchen. „Aber Schüler/innen oder Student/innen müssen doch erst einmal etwas werden, bevor man sie als ebenbürtiges Teammitglied ins Boot holen kann.“ Nein, da müssen wir klar sagen: Agiles Arbeiten, da gehören die Lernenden mit ins Team. Simple not easy ... aber es lohnt sich heftig. Für beide Seiten.

 

 

-   mit überschaubaren Änderungen und Teilergebnissen experimentieren ... ja, das ist natürlich eine echte Schwierigkeit, aber man kann es lernen, damit umzugehen. Weg von den Jahresplänen, die man möglichst genau verfolgt, weil sie natürlich Sicherheit geben - hin zu dem kleinschrittigen und immer und immer wieder reflektierten Anpassen des Wegs, um das Ganze  im Blick zu haben

 

-   die Anspruchsberechtigten einbeziehen, ... ja das hatte ich schon oben erläutert. Lernende mit einbeziehen heißt das bei uns im Forum agil lernen und lehren. Anspruch auf Bildung.

 

-   sich regelmäßiges Feedback von innen und außen verschaffen ... auch das hatte ich oben erwähnt. Feedback, Feedback, Feedback. Ob man das in einem klaren Rahmen eines Scrum macht oder auf andere Art, das ist nicht das Wesentliche.

 

-   und so sein System immer angemessener machen... Das heißt zusammengefasst: Man startet mit dem Blick auf das Ganze - zusammen mit den Lernenden - um während des Lernprozesses kontinuierlich durch Feedbackschleifen den Weg zu optimieren.

 

 

 

Wenn man all dies in einem Wort ausdrücken will, dann kommt man bei dem Wort Haltung

 

heraus, die man ändern muss, will man vom traditionellen Unterrichten zum agilen Unterrichten wechseln. Dieses Heft soll davon erzählen.

 

 

 

Heinz Bayer

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Podcast gefällig?

Hier geht es zu alles-agil.

Und zu einem wunderbaren Podcast, der Agilität und Bildung sehr treffend erläutert.

Kann ich nur empfehlen. Otto Kraz

Kalenderblatt 7

Das ist für mich das Verrückte: Wer eigentlich ein gutes Unterrichtskonzept hat und sich wundert, dass es in der einen Schulklasse, mit der er gut auskommt, wunderbar funktioniert, aber in einer anderen Klasse damit klar untergeht, der sollte sich nicht mehr so viel mit dem Konzept beschäftigen, sondern mit dem "gut Auskommen". Also mit der Haltung. Augenhöhe professionell angehen, nicht zufällig. Agile Haltung ist hier angesagt. Das tut einem einfach selbst gut. Eigentlich verrückt einfach. Aber eben nur eigentlich. Dieses EIGENTLICH ist der eigentliche Knackpunkt. Otto Kraz 

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Weihnachts-Scrum-Board
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Kalenderblatt 6 - Weihnachten naht


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Das Helixprinzip - aus der Reihe Kalenderblätter

 

Das Helixkonzept:

Freiraum-Erforschung ist kein „Komm wir machen einfach mal“. Freiraum-Erforschung ist nur erfolgreich, wenn es klare Regeln für die einzelnen Akteure gibt. Wenn es klare Rollenverteilungen gibt. Wenn es regelmäßige und ernsthafte Reflexionen über das Erreichte gibt. Wenn es genaue Planungen für die weitere Arbeit gibt. Prinzip des Scrum nennen es die ITler mit ihrer agilen Herangehensweise. Ich würde es gerne breiter aufstellen.

 

Die Helix ist übrigens für uns Mathematiker eine Schraubenlinie um einen senkrechten Zylinder. Das Helixkonzept sind aufeinanderfolgende Abläufe einer Gruppe von Lernenden nach bestimmten Vorgaben. Team bilden, Rollen verteilen, Problemstellung begreifen, loslegen. So würde ich den Start in ein paar Helixrunden beschreiben, an deren Ende ein vorher definiertes Ziel liegt. Ausprobieren, anpassen, effektivieren ... und auf die eigene Stärke setzen. Und nach jeder Helixrunde reflektieren, diskutieren, weiterplanen. Der Lehrer als Begleiter, der allerdings seine Rolle als Begleiter sehr ernst nehmen muss. Helixbegleitung ist Fachwissen kombiniert mit konzentrierter Prozessbeobachtung bei den einzelnen Helixteams samt kontinuierlicher Rückmeldung. Der Begleiter ist aber trotzdem nicht der eigentliche Wissensgeber.

 

Helixbegleitung ist also alles andere als Zurücklehnen und Machenlassen. Aber Helixbegleitung ist auch sehr befriedigend, wenn man erst einmal verstanden hat, was in Schüler/innen an Fähigkeiten stecken, die sich beim Helixkonzept Raum verschaffen. Helixbegleitung setzt auf den "Schüler in sich selbst". Denn mal ganz ehrlich, jeder von uns kennt das Gefühl aus den Tiefen der eigenen Erinnerung. Selbst die Generaldirektorin eines multinationalen Konzerns. Da ist man Schüler/in gewesen und das Wissen hatte der Lehrer gepachtet. Und wenn man aufgerufen wurde, um etwas zu beantworten, dann kam man sich in vielen Fächern ziemlich beschränkt vor. Die meisten Lehrpersonen sagten einem damals aber nicht, dass man vielleicht sogar die Voraussetzungen für eine Generaldirektorin in sich stecken hätte. Oder eben die Voraussetzungen für so einen ganz normalen Erwachsenen, der dann später mal souverän Schüler/innen unterrichten würde.

 


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Das Helixkonzept - und die Sache mit dem Rollenangebot
Die übliche Schülerrolle ist für den normalen Menschen noch nie eine wahre Freude gewesen. Lernen als Forschen zu empfinden und dabei als Forscher eine Rolle in einem Forschungsteam zu übernehmen, das ist eine ganz andere Perspektive für das eigene Gefühl.
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Kalenderblatt 3

Ach ja, dieses agile Manifest. Am Anfang - und ich bin erst seit knapp zwei Jahren „infiziert“ - habe ich mich gefragt, was für einen Sinn es macht, sich in einer ganzen Branche immer und immer wieder auf dieses eine Manifest zu beziehen. Vier Sätze, die überall auftauchen, wenn man sich in agilen Denkwelten bewegt.  Nicht nur in der IT-Branche und in der Industrie. Inzwischen auch immer häufiger in der Verwaltung. Prinzip: Was im Manifest rechts steht ist schon wichtig, aber was links steht ist einfach wichtiger. Die Grundidee lautet: Es geht in erfolgreichen Prozessen immer um Menschen, ihre guten Beziehungen und ihre starke Zusammenarbeit. Es geht bei erfolgreichen Abläufe um die Haltung zu allen dabei Beteiligten, speziell um die Kunden. Außerdem sollte man Abläufe jederzeit verändern können, wenn man das als sinnvoll erachtet. Unentwegtes Ausprobieren und regelmäßiges Anpassen wird zum professionellen Handeln. Und natürlich kann man dieses Grundmuster auch auf Lernen und Lehren übertragen. Dogmatisch sollte man das Ganze nicht sehen. Trotzdem: Das agile Manifest führt einen in die richtige Richtung einer zukunftskompatiblen Herangehensweise an Lernprozesse. Finde ich.

 

Otto Kraz

 

 

 

Zum agilen Manifest gehören - so habe ich schnell gelernt- sogenannte Boards, auf die man Zettelchen klebt. To do - do - done. Na ja, dachte ich am Anfang. Zettelchen in Zeiten des digitalen Wandels? Bis ich verstanden habe, dass es auch im Digitalzeitalter noch richtig effektiv ist, eine Aufgabe im Team in lauter kleine Aufgabenschnipsel zu zerlegen, um sie sich dann Stück für Stück von dem To-Do-Feld zu holen. Pull statt Push, habe ich dann oft gelesen, wäre effektiver usw usw .....Und am besten mit Zettelchen zum Umhängen am realen Board. Ich habe selbst viele Boards entwickelt und ausprobiert. Nicht nur für Teams. Auch für mich selbst. Oder im Moment für meinen Enkel. 3. Klasse. Da taucht so langsam dieses Problem „Upps, ich hätte ja bis übermorgen zehn Seiten aus dem Matheheft rechnen müssen.“ Eine Langzeitaufgabe über zwei Wochen. „Hab ich glatt übersehen. Hiiiilfe.“ Wie kann man als Drittklässler die Flut von Aufgaben überblicken? Bin gespannt, wie mein Enkel mit der Idee umgehen wird. Die Zeit wird durch einen Stab visualisiert, der sich täglich einen Schritt nach links bewegt. Kann man natürlich auch an die Wand hängen und den Stab durch einen dünnen Karton ersetzen, den man oben am Board einhängt. Wie auch immer: Falls Sie auch ein Kind oder ein Enkelkind haben, einfach mal ausprobieren. Schulkinder blicken sowas riesig schnell.

 

Otto Kraz

 

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Freiraum-Erforschung-Blatt2

Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, dann habt ihr viel für die Zukunft getan. Das war das Motto, mit dem ein paar Kolleg/innen des Faust-Gymnasiums Staufen und seine damals hochaktiven Schüler/innen das Konzept

 

 „Schülerschule“ auf der EXPO2000 vorstellten. Ein Konzept, bei dem es um Freiraum-Entwicklung ging. Die Grundidee war schlicht: Wir hatten die Räume, wir hatten Lust, aktiven Jugendlichen die Verantwortung zu geben und wir hatten einen Chef, der Freiraumkonzepte zulassen konnte. Was dabei herauskam waren unzählige Teamgründungen durch hochaktive  „Leistungsträger der Zukunft“ im Verlauf von etwa zehn Jahren ... aus den unterschiedlichsten Bereichen, mit den unterschiedlichsten Ergebnissen: Was aber für alle freien Teambildungen zu beobachten war und was sich aus der heutigen Sicht der (inzwischen logischerweise) Leistungsträger der Jetztzeit rückblickend bestätigt: Freiraum-Erforschen bringt ein gewaltiges Maß an Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit vollautomatisch huckepack mit ins Boot der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

 


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Freiraum-Scrum-Kalenderblatt
Natürlich lassen sich Freiraumkonzepte gut mit agilem Handwerkszeug bestreiten. Denn eines muss immer klar sein: Freiraum-Erforschung ist nicht Laissez-Faire oder Rahmenlosigkeit. Freiraumerforschung benötigt Ziele und Rollen und Rahmen und Feedback und Prozessbeobachtung. Zum Beispiel mit einem Scrum-Board. Man darf es gerne auch anders nennen und es sich persönlich zurechtschneidern. Damit man es auch nutzt, denn es nützt sehr viel. Freiraum-Erforschung ist agiles Lernen und Lehren in besten Sinne.
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Freiraum-Erforschung

Liebe Leser/innen

 

Ich melde mich nach der Sommerpause wieder zurück. In den letzten Monaten durfte ich auf Veranstaltungen viele Lehrer/innen kennenlernen, die von ihren „agilen“ Projekten berichtet haben. Allerdings sagte kaum jemand "agil" und das Feld war weit aufgestellt. Ich selbst fasse agiles Lernen und Lehren auch in immer größerem Kontext auf. Spiele gerne mit neuen Begriffen. Willy Wijnands, der Begründer von eduScrum, sieht es eigentlich auch so. Im Schlusstext der eduScrum-Spielregeln steht:  

 

"eduScrum ist kostenlos und wird in Form dieses Guides angeboten. Die Rollen, Artefakte, Ereignisse und Regeln von eduScrum sind unveränderlich. Es ist zwar möglich nur Teile von eduScrum einzusetzen – aber das Ergebnis ist dann nicht eduScrum. eduScrum existiert nur in seiner Gesamtheit und funktioniert sehr gut als Container für andere Techniken, Methoden und Praktiken.“

 

Meine zwischenzeitliche Erfahrung: Die Idee von eduScrum hat sich inzwischen schon sehr schnell in Lehrerkreisen verbreitet. Viele experimentieren erfrischend kreativ mit der Grundidee. Ohne es dann eduScrum zu nennen. Und von Erfolgen habe ich immer dann gehört, wenn die Haltung Schüler/innen gegenüber gestimmt hat. Wenn Schüler/innen so ernst genommen werden, dass es nicht nur die Lehrperson so empfindet, sondern die Lernenden selbst. Übrigens keine Selbstverständlichkeit. Agiles Denken an Schulen würde ich inzwischen so beschreiben: Wer seinen Schüler/innen erfolgreich die Möglichkeit anbietet, Freiräume für die eigene Kompetenzentwicklung zu erforschen, um sich selbstständig und selbstbewusst (aber natürlich professionell begleitet) um die eigene Bildung zu kümmern, der arbeitet mit agilen Grundsätzen.

 

Freiraum-Erforschung sagen Sie??? Muss es sein, dass man schon wieder ein neues Wort in die Welt setzt. Meine Meinung: Ja klar. Warum denn nicht. Nur zu. Je mehr Lehrende mit eigenen agilen Konzepten arbeiten und experimentieren, desto mehr Zukunft wächst an unseren Schulen. Darum geht es doch.

 

Ihr Otto Kraz

 

 

 

p.s. Ich habe inzwischen die Idee der Scrum-Boards oder Kanban-Boards schätzen gelernt. Auch Schüler/innen mögen diese einfache Art von Prozessbegleitung durch viele kleine Post-Its. Auch hier gilt: Ausprobieren, was zu einem passt. Experimentieren, verwerfen, optimieren, anpassen, effektiv machen. Ich habe im nachfolgenden Kalenderblatt Oktober mal angefangen, Vorschläge zu unterbreiten. Und klar: Es muss nicht Scrum-Board heißen, um gut zu funktionieren.

 


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Agil Schule verwalten

Die kleine Serie agil Schule verwalten ging seit Juli auf www.agile-verwaltung.org weiter.

Sorry. Hatte ganz vergessen, die Beiträge unseres zentralen Blogs auch hier zu posten.

Otto Kraz


Agil schulverwalten

These: An allen Schulen arbeiten Kolleg/innen, die nur allzu gerne agil pädagogisch losziehen würden, würde man sie lassen. Im eigenen Klassenzimmer passiert ja oft auch schon ganz viel. Einzelne Schulleitungen schaffen es, trotz den üblichen Siloverwaltungsstrukturen in den Kultusministerien und Regierungspräsidien und Schulämtern, sich Freiraum zu ertrotzen und werden dann zu Leuchtturmschulen .... Was wäre aber, wenn man die Bildungs-Siloverwaltungen agil infizieren könnte?    Otto Kraz

„Das Forum agil lernen und lehren ist ein „Unterforum“ des Forums agile Verwaltung?“ höre ich ab und an. „Wie hängt das denn zusammen?“ Ich erkläre einmal mit meinen eigenen Beobachtungen an den vielen Schulen, die ich kenne. Überall sitzen Kolleg/innen, die agil ticken, ohne dass sie allerdings agil dazu sagen würden. Ich selbst hatte als junger Kollege riesiges Glück, einen agile Schulleiter zu haben, der uns jungen Wilden vertraut hat und uns machen ließ. Wir haben ausprobiert und Schüler/innen vertraut und diese ebenfalls viel Neuland machen lassen. Aus heutiger Sicht voll agil. Und äußerst befriedigend und erfolgreich. Inzwischen habe ich einige Schulen kennengelernt, denen es ähnlich geht wie uns damals. Ein Schulleiter, der trotz einengender Schulverwaltung Neues und Experimentelles zu- und damit Kolleg/innen und Schüler/innen stark werden lässt. Kontextsteuerung sagen die Schweizer dazu. Agil leiten nenne ich es inzwischen.

Dass Top-down bei der Softwareentwicklung nicht mehr effektiv ist, ist schon lange klar. Die Kunden hatten es geregelt. Öffentliche Verwaltungen stoßen heute häufig an Grenzen, weil die Aufgaben nicht mehr mit dem üblichen Silodenken aus den Papieraktenzeiten befriedigend zu bewältigen sind. Unzufriedene Kunden sind auch hier ein Motor zur Blickwinkeländerung. Das Forum agile Verwaltung trifft die zentralen Fragen der Verwaltungen im Kern - das muss ich als Nichtverwaltungsmensch in dieser Runde anerkennend feststellen. Und dann träume ich als Pädagoge doch gleich mal davon, dass irgendwann auch die Zeit kommen wird, in der man in den Schulverwaltungen feststellt, dass agiles Verwalten von Schulen einen fulminanten Flächenbrand an pädagogischem Feuerwerk auslösen kann, weil an der Basis des Lernens und Lehrens viele Lehrer/innen nur darauf warten, mehr Freiraum zu bekommen. Im Moment glauben allerdings außer mir noch wenige an diesen Paradigmenwechsel in Kultusministeriumskreisen und eins tiefer. Aber nur mal angenommen, jemand aus den Bildungssilos würde das hier lesen und sich fragen, wie agil kultusverwalten denn gehen könnte, dem würde ich antworten: Wir vom Forum agile Verwaltung könnten da selbstverständlich weiterhelfen. :-). Heinz Bayer

 

 

 


SPLITUP2WIN - eine Vertiefung

Warum es an der Zeit ist, über Agilität in der Schule nachzudenken

 

Dies sind vertiefende Überlegungen für die Teilnehmer/innen des Scrum-Days in Stuttgart  – deshalb für Blogformat eigentlich viel zu lang, aber vielleicht trotzdem für Interessierte in Sachen agiles Lernen und Lehren ein guter Einstieg – also bitte nur anfangen zu lesen, wenn die Zeit dazu da ist. Und sorry – es ist auch nicht so wirklich ausformuliert. Eher spontan in die Tasten gehauen, das mein Kopf zu der Veranstaltung zu SPLITUP2WIN gerade so alles ausspuckt. Damit der Workshop am Dienstag in Ruhe vertieft werden kann, so man will.                 

Heinz Bayer        9. Mai 2018

 

 

 

Kapitel 1 - Schule, Gehirn-Software und das agile Manifest

 

 

 

Würde ein heute sechsjähriger Junge, nennen wir ihn Otto, in die Steinzeit zurückgebeamt, dann würde er mit all seinem vorschulischen Wissen dort zu den Intellektuellen gehören. Noch ein wenig Muskelwachstum und Schnelligkeit für die Jagd und Otto würde zu den Leistungsträgern seiner Zeit gehören.

 

 

 

Um heute zu den Leistungsträgern unserer Zeit zu gehören, benötigt man ein ziemlich gewaltiges Softwareupdate seines körpereigenen Computers namens Gehirn. Klar, alles was Otto in der Steinzeit ausgemacht hätte, das macht ihn auch heute aus. Mit oder ohne Update. Wie charmant, wie schlagfertig, wie liebenswürdig, wie aufbrausend, wie merkfähig, wie kommunikativ, wie sozial, wie groß, wie gut aussehend, wie ... na ich denke, man versteht, was wir meinen ... das hat in erster Linie nichts mit diesem gefragten Software-Update für die heutige Zeit zu tun.

 

 

 

Wir Menschen wollten schon immer optimieren. Das macht uns offensichtlich aus. Wie optimiert man aber das Entwickeln neuer Software bzw Verbessern vorhandener Software? Also wie kann man Lernen optimieren?

 

 

 

Schauen wir doch einfach mal in die IT-Branche. Also Silicon Valley und so. Da war lange Zeit ein Konzept im Einsatz, das man Wasserfall-Modell nennt: Abarbeiten von vorgefertigten Planvorgaben - platt ausgedrückt. In der IT-Branche ist das schon lange nicht mehr der Normalfall, weil das Wasserfall-Konzept viel zu viele Probleme erzeugt, sodass sich durch den freien Markt der verschiedenen Anbieter von Software viele Firmen schnell zum Optimieren aufmachten, weil Softwarefirmen natürlich Software verkaufen wollen. Logisch. Ohne Kohle nix los. Deshalb ist diese Branche heute ziemlich agil aufgestellt. Weil eben optimaler für komplexe Prozesse aufgestellt. Und Softwareentwicklung ist hochkomplex. Deshalb gilt heute agil als normal: Keine langen Planvorgaben, kurze Entwicklungszyklen mit transparentem

 

Projektverlauf, Entwickler, die im Team und selbstorganisiert arbeiten ... weg vom Top down Prinzip ... eher Augenhöhe angesagt, weil dann die Fähigkeiten aller Mitarbeiter zum Tragen kommen. Um das Endprodukt möglichst optimal anbieten zu können. Undsoweiter undsoweiter.

 

 

 

 

 

Für die Softwarebranche ist das eine logische Folgerung gewesen, dass dort heute mit agilen Organisationsstrukturen wie Kanban, Scrum, Extreme Programming oder wie sie alle heißen, gearbeitet wird - mit den vielfältigen agilen Methoden, die alle auf dem agilen Manifest aufbauen. In dem es um Ausprobieren und Augenhöhe geht. Um Einbeziehung des Kunden und um ganz viel Kommunikation.

 

 

 

Was aber hat nun die Softwarebranche bitteschön mit Schule zu tun?

 

 

 

Nehmen wir den gebeamten Otto Steinzeit und den Heute-Otto. Zu einem überwiegenden Anteil identisch. Otto eben.

 

Der entscheidende Unterschied: Die aufgespielte Software.

 

Die Softwareentwickler: Das heutige Leben und - nicht so viel, wie man denkt, aber laufbahnentscheidend - die Schule. Also die Lehrer/innen. „Da fehlt doch das Entscheidende“, höre ich jemand einwenden: Richtig!!!!!!!! Der entscheidende Software-Entwickler ist der Besitzer des Computers. Also des Hirns. Man nennt ihn Schüler oder -in.

 

 

 

Zwischen der Steinzeit und heute fing das mit der Schule ja sehr bedächtig an. Ein paar wenige, die mit einem Hauslehrer lernen durften. Quasi eine kleine süße Lernmanufaktur. Eine kleine Werkstatt mit individuellem Lehren und Lernen. Was allerdings auch diese damals äußerst Bevorzugten meist so gar nicht als Vorzug empfanden. Da hat sich nicht viel geändert. Lernen war schon immer Arbeit. Ist einfach so.

 

Als man dann merkte, dass Bildung der Kids sich am Ende für alle rechnet und mit einer allgemeinen Schulpflicht eine Gesellschaft umgehend reicher wird, haben alle Regierungen, die was auf sich hielten, klar auf Bildung gesetzt. Natürlich nicht mehr individuell, aber zumindest gleich so fortschrittlich wie Henry Ford: Fließband. Standardisiert. Erfolgreich. Man wusste noch nicht so viel vom Mensch an sich und hielt den Trichter bezüglich Wissen aller Art für ein adäquates Werkzeug, mit dem der junge Mensch zu Bildung  kommt.

 

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Erst in Zeiten von Studien wie der von John Hattie erkennt man inzwischen eben nachweislich, dass der Computerbesitzer namens Schüler einen ganz wesentlichen Anteil an der Softwareentwicklung samt jedem neuen Update hat. Ja sicher, es war schon immer die Rede davon, dass die Verbesserung der Software auch damit zu tun hat, wie der Schüler den Lehrer schätzt. Dass man aber erkannt hat, dass der Hirnbesitzer der wesentliche Teil des Software-Entwicklerteams sein muss, das ist dann doch ein wenig neu. Hattie sei Dank. Und vielen anderen, die unermüdlich darauf hinweisen, dass Schüler ganz normale Menschen sind, nur eben im Moment noch jüngere. Dass Schüler deshalb auch genauso so ticken wie normale Menschen und ernst genommen werden wollen, wenn sie gute Software entwickeln sollen. Denn das kann man bei den Software-Schmieden lernen: Wenn du als Entwicklermensch selbstorganisierter arbeiten kannst, also mit im Entwicklungsboot sitzt, dann geht es dir besser und dann wird die Software besser. Oder wie es mit dem agilen Manifest ausgedrückt wird:

 

 

 

Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln,
indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen.
Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

 

 

 

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

 

 

 

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden,
schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.

 

Übersetzt in die Gehirnsoftwareschmiede heißt das: Schau erst mal, wie die Zusammenarbeit der Entwickler klappt. Also schau, wie das Team Schüler-Lehrer zusammen kommuniziert und stelle den Lehrplan mal in die zweite Reihe. (Sorry: Team Schüler*innen -Lehrer*innen ist mir gerade zu sperrig, das meine ich aber immer so) Und dann lege Wert auf eine solide wachsende Software und stelle die Noten dazu in die zweite Reihe. Stimmt ja auch. Weiß jeder, dass die früheren Schulnoten und die heutigen Kompetenzen als erwachsener Mensch und normaler Berufstätiger eher wenig miteinander zu tun haben. Dass man erkennt, wohin der Hase läuft, klar. Aber das war‘s dann auch schon. Jetzt wird es spannend beim Vergleich. Wer ist eigentlich der Kunde bei der Gehirnsoftwaredauerupdategeschichte namens Wissens- und Kompetenzschmiede Schule? Die Gesellschaft. Klar, die profitiert durch möglichst viele möglichst gut ausgebildete Köpfe. Deutschland ist ja nicht umsonst Exportweltmeister ... da stecken Köpfe dahinter, die durch Softwareschmieden gegangen sind.  Also bitteschön: Zuerst einmal Respekt für das deutsche Schulsystem. Hohes Niveau im weltweiten Vergleich. Wasserfallprinzip, Top Down, der eigentliche Chefentwickler sitzt bei Entscheidungsprozessen nicht mit im Boot. Trotzdem: Hohes Niveau. Nur dass klar ist, auf welcher Grundlage wir hier diskutieren. Wir waren beim Kunden, der beim agilen Arbeiten eine zentrale Rolle spielt, weil er bei der Softwareentwicklung mit kleinen iterativen Schritten (Beim Scrum heißen die Sprint) immer wieder mit einbezogen ist, damit er am Ende auch zufrieden ist. Das ist übrigens auch das zentrale Ziel bei der agilen Softwareentwicklung: Die Zufriedenheit des Kunden. Der Kunde sagt nicht erst nach einem Jahr Entwicklung etwas zum Endprodukt, sondern kann bei jedem Zwischenschritt Feedback geben und mit den Softwareentwicklern beschließen, die Richtung zu ändern, die Entwicklung anzupassen, wenn sich inzwischen Vorstellungen geändert haben oder Bedingungen, die man zu Prozessbeginn nicht absehen könnte. Früher war Loslegen ohne genauen Gesamtplan als unprofessionell verpönt. Heute ist es professionell, wenn Softwareentwickler mit einem groben Gesamtplan starten, um die Softwareentwicklungsschritte dann immer wieder kleinschrittig zu testen und optimiert anzupassen. Also: Der Kunde muss mit ins Boot. Wie soll das aber bei der Gehirnschmiede gehen? Die Gesellschaft mit ins Boot. Wir sagen: Die Gesellschaft sind die Bürger und die Bürger sind wir und wir sind normale Menschen und saßen alle mal in der Schule und waren auch da schon normale Menschen (auch wenn das die allermeisten von uns erwachsenen Menschen nicht auf dem Schirm haben ... verklärt war die Jugend eine tolle Zeit, aber sie wird für die überwiegende Mehrheit nur bei sich selbst wirklich ernst genommen, ohne das zu verbalisieren) Die erwachsenen berufstätigen Bürger der heutige Gesellschaft verbrachten also alle einmal als eigentlich sehr ernst zu nehmende Software-Chefentwickler in einer Schule ... zusammen mit Softwareentwicklungs-Coaches namens Lehrer*innen. In den Schulen vor einigen Jahrzehnten saß also die ganze Gesellschaft der Jetztzeit in jung. Soll heißen, wenn man das agile Manifest übersetzt und nach dem Kunden sucht, den man mit einbeziehen sollte, dann nimmt man doch am allerbesten die junge Gesellschaft, die ja sowieso vor Ort ist: Also die Klasse selbst. Chefsoftwareentwickler für individuelle Gehirnsoftware: Die Schülerin, der Schüler. Kunde und eigentlicher Auftraggeber (merken die aber erst 20 Jahre später so richtig): Die Schülerinnen, die Schüler. Der vierte Satz aus dem Manifest ist wieder einfach zu übersetzen: Schau als Lehrperson, wie sich die Software bei den einzelnen Kunden entwickelt und lass dich nicht einfach nur vom Lehrplan durch das Schuljahr treiben. Der Kunde selbst sollte Ahnung vom gesamten Prozess haben, immerhin ist er ja auch gleichzeitig Entwickler.

 

 

 

Na ja, die Softwarebranche hat die Vorteile des agilen Arbeitens zwangsläufig sehr schnell erkannt. Weil die ersten, die mit agilen Konzepten gearbeitet haben, den Wasserfallkonzeptsoftwareschmieden haushoch überlegen waren. Logisch. Versteht jeder, der einfach mal in sich selbst als ganz normalen Menschen reinfühlt. Wenn ich für mich sagen soll, wo ich mehr Einsatz bringe: In einem Team, in dem ich selbst mitentscheide, wie man als Entwicklungsteam einer neuen Software weiter vorgeht oder als Aufgabenempfänger, der Pläne abzuarbeiten hat, dann würde ich meinen: Sie wissen natürlich ganz genau, wo Sie mehr Energie einsetzen und damit mehr bringen würden. Weil Sie ja ganz normal wie ein Mensch ticken.

 

Na ja. Und Schüler sind auch nur Menschen. Aber eben auch die wirklich zentrale Figuren in der eigenen Softwareentwicklung.

 

 

 

Und genau deshalb ist es an der Zeit, die Softwareschmiede Schule auf agil umzustellen. Das Entwicklerteam Lehrer-Schüler als Team zu begreifen. Weil eben erfolgreicher.

 

 

 

Für Schulen gibt es allerdings keinen Markt der Konkurrenz. Schulen, die sich schon agil aufgemacht haben (meist ohne es übrigens auch mit agil zu betiteln) haben keinen direkten Einfluss auf andere Schulen, weil diese anderen Schulen ja nichts direkt davon merken. Also etwa durch sinkende Schülerzahlen. Weil immer mehr Leute Schule agil einkaufen würden, wenn man Schule einkaufen könnte.

 

 

 

Wie kann man aber Schule trotzdem ins agile Zeitalter hieven? Weil es Sinn macht. Weil diese Zeit gewaltig im Umbruch ergriffen ist. Weil die Probleme dieses Planeten so drängend vor der Haustür stehen, dass die Köpfe, die morgen diese Probleme zu bewältigen haben, weil sie ins Haus getreten sind, möglichst selbstbewusst, stark, eigenständig, kritisch und selbstbestimmend sein sollten.

 

 

 

 

 

Kapitel 2

 

 

 

eduScrum setzt auf die Chefentwickler

 

Klar, es gibt schon Schulen, in denen heftig agil gearbeitet wird. Leuchtturmschulen werden sie manchmal genannt und sie bekommen dann oft auch Preise dafür. Deutscher Schulpreis heißt dann sowas, oder Schule des Jahres. Es gibt viele tolle Ansätze von Seiten der Lehrpersonen, wie man Lernkultur in Schulen bringen kann. Es bewegt sich etwas in der Schullandschaft. Viele Kolleg/innen, die merken, dass Fließband nicht mehr zeitgemäß ist. Gute Voraussetzungen also für einen Schritt ins agile Schulzeitalter. Aber Leuchtturmschulen und einzelne, wenn auch immer mehr Kolleg/innen, die Unterricht durch starkes Coaching auf Seite der Lehrpersonen verändern wollen, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Fließband ist noch als Organisationsprinzip so dominierend wie eh und je. Wenn auch mit besserer Verpackung. Radikal anders wird Unterricht, wenn man die Chefentwickler*innen namens Schüler*innen ernsthaft mit ins Boot nimmt. Willy Wijands hat das am Ashram College in Alphen aan den Rijn in Südholland gezeigt, wie es gehen könnte. eduScrum hat er es genannt. Und die Sache basiert auf dem Scrum-Prinzip aus der agilen Softwareentwicklung. Ich muss hier erst einmal nicht viel dazuschreiben. Denn die Seiten von eduScrum verraten schon einmal sehr viel. Dort findet man auch einen richtigen Spielregelkatalog.

 

 

 

Kapitel 3

 

 

 

SPLITUP2WIN und das Einstiegsexperiment an der ganz normalen Schule

 

 

 

Wir haben uns vom Forum agil lernen und lehren auch unsere Gedanken dazu gemacht und stellen fest: Klasse Methode, aber für den normalen Lehrer in der normalen Schule eine heftig hohe Eingangshürde. Richtig viel Einsatz der Lehrperson dazu nötig. Also so einfach an der normalen öffentlichen Schule mit den normalen Lehrerkollegium und dem normalen Direktionsteam um die Ecke nicht wirklich umzusetzen. eduScrum setzt ein sehr hohes Maß an Haltung voraus. Und starke konsequente Einsatz der Lehrperson. Erst wenn eduScrum in einer gesamten Klasse über ein, zwei Jahre gelaufen ist, dann wird es zum agilen Selbstläufer. Das Forum agil lernen und lehren hat deshalb eine etwas kleinere Geschichte daraus gebaut, die man auch probehalber einmal in einer Klasse testen kann, um zu verspüren, wie sich agile Methoden eigentlich anfühlen. SPLITUP2WIN ist der aktuelle Arbeitstitel und man findet das Prinzip auf unserer Webseite  Wenn man sich mit Lehrer/innen aus der Stufe zusammenschließen kann, dann kann man auch mal die zweite Zusatzmethode mit einbeziehen. Projekt Reservetank ... ein Konzept, das praxiserprobt ist. Faust-Gymnasium Staufen. Jahrelang und erfolgreich. Und wohl auch in der Schweiz einigen Versetzungsgefährdeten geholfen hat .

 

Zusammen also Splitup2win

 

Bis hierhin sind es Ansätze, die noch allgemein gehalten sind und mit eduScrum, Luuise und dem Konzept Reservetank arbeitet. Zum Ausprobieren für ein Kapitel bzw. für ein Coaching auf der Metaebene für Versetzungsgefährdete.

 

 

 

Jetzt aber zu einem konkreten Konzept für die Einsteigerklasse an einem Gymnasium um die Ecke. Nicht Leuchtturmschule dazu notwendig, nur ein kleines Team und ein Schulleiter, der zulassen kann.

 

 

 

 

 

Kapitel 4

 

Der Verleih agiler Flügel - ein konkretes Konzept aus dem Hause agil lernen und lehren.

 

 

 

Hier skizzierte Idee basiert auf erfolgreich gelebten Projekten am Faust-Gymnasium Staufen - eingepackt in ein agiles Denkkonzept.

 

Teilkonzept 1 heißt Grundbildung. Vor 20 Jahren mit einem kleinen Lehrerteam für eine fünfte Klasse entwickelt und zusammen mit einer späteren Ärztin und einer späteren Journalistin konkret umgesetzt. Meine damaligen Mitstreiterinnen waren in der 12. Klasse und hatten ihre Hohlstunden so gelegt bekommen, dass sie mit den drei Grundbildungsstunden der Klasse zusammenfielen. Die Klasse hatte Grundbildung und eine Stunde Englisch, eine Stunde Deutsch und eine Stunde Musik weniger. Ich selbst war Klassenlehrer aber unterrichtete kein Fach. Ein starkes Experiment mit starkem Happy End. „Unsere Grundbildungsschüler/innen“ hatten 8 Jahre nach diesem Experiment einen Abiturschnitt von 1,9 ..  der Rest der Stufe von 2,5. Wir haben damals gut gefeiert, ohne es an die große Glocke zu hängen. Der didaktische Aufbau von Grundbildung war zwar sehr agil, aber auch sehr chaotisch in den Strukturen. Mit Hattie im Rucksack hätten wir den Erfolg auch gut begründen können, allerdings gab es die Studie damals noch nicht und auch keine passende Organisationsstruktur wie das heute mit agilen Konzepten möglich ist. Mehr im letzten pdf auf dieser Seite: Dem Link folgen.

 

Die beiden stärksten Hattie-Faktoren in der neuen Studie von 2017 sind der Lehreraustausch über die Klasse und den Unterricht mit 1,57 und die Selbsteinschätzung der Lernleistung schülerseits (1,33) und lehrerseits (1,29) Verstehen wie Schüler denken (1,28) und Schüler Experten sein lassen (1,2) lässt aus heutiger Sicht sagen: Klar musste das einen Erfolg bringen. Irgendwie. Irgendwann. Starke Faktoren bringen starke Wirkungen – und wenn es erst am Ende der Schulzeit ist. Das waren natürlich genau unsere zentralen Ansätze bei „Grundbildung“ vor 25 Jahren.

 

Teilkonzept 2 wie auch 3 wurden vor 10 Jahren ins Leben gerufen. Das Fünferhaus und der Flügelverleih. Ein eigener kleiner Pavillon mit 5 Klassenzimmern für 5 Anfangsklassen samt einer kleinen Aula und ein sehr innovatives und agil arbeitendes Lehrer*innenteam. Natürlich haben wir den Begriff agil nie verwendet, weil wir nichts davon wussten. Aber das Ding war Neuland und wir haben ausprobiert, verworfen, diskutiert, neu aufgestellt, optimiert, reflektiert ... oft zusammen mit unseren Schüler/innen bei Vollversammlungen in der fünferhauseigenen Aula. Ein Jahr später dann die Gründung des Flügelverleihs am Faust (kurz „Der Flügel“), einer selbst entwickelten Nachmittagsschule für Fünftklässler/innen ... Coachs waren Schüler/innen ab Klasse 9. www.fluegelverleih-am-faust.de war unsere Plattform für die Eltern.

 

So und jetzt der Versuch, mit der agilen Methodik ein agiles  Einstiegskonzept für eine fünfte Klasse  zu basteln.

 

Basteln ist hier agil gemeint: Also professionell ausprobieren. Den Mut besitzen, Neues zu wagen und dabei auch Fehler zu machen.

 

Deshalb müssen alle mit ins Boot. Direktion, Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen.

 

 

 

Aber mal langsam. Und lean-thinking. Kleiner Aufwand zu Beginn. Überschaubar. Nicht gleich mir der großen Theorie kommen ... Wir skizziere hier die Story ... ausprobieren, anpassen und entwickeln muss man es in der Praxis.

 

 

 

Fünfte Klasse ist sowieso ein Schnitt. Neue Schule, neue Klasse, neue Mitstreiter, neue Lehrer. Also kann durchaus eine neue Organisationsform dazukommen, ohne das das für Schüler/innen zusätzlich sonderlich aufregend ist. Neu und aufregend ist ja schon die Sache, dass man jetzt auf der Realschule, auf der Gemeinschaftsschule oder auf dem Gymi ist. Gute Startbedingungen für ein agiles Experiment.

 

 

 

Man hat den Eltern schon im Vorfeld signalisiert, dass man im nächsten Schuljahr ein Experiment  mit einer Klasse beginnen will. Eltern können bei der Anmeldung ankreuzen, dass ihr Kind auch in die agile Klasse kommen darf. 5a. Es gibt allerdings kein Recht auf 5a. Zufallsentscheidung plus Wohnort. Wie gehabt.

 

Nun benötigt man ein Lehrerteam, das richtig Lust hat, auszuprobieren, ob man mit der Visualisierung Gehirnsoftwareupdate plus agile Methoden sich nicht ein komfortables Arbeitsfeld Schule schaffen kann. Ziel eins: Den Kolleg/innen muss es dabei besser gehen als im üblichen Wasserfall-Fließbandmodus. Darauf ist strengstens vom Scrum-Master zu achten ... nehmen wir z.B. den Klassenlehrer oder die -in. Scrum-Team ist das Lehrerteam der Klasse. Die Regeln sind schlicht: Es muss Zeit für ein regelmäßiges Treffen des Scrumteams geben. Es darf natürlich auch völlig anders heißen. Denn es ist ja sowieso kein klassischer Scrum. Nur die agilen Elemente wie Kleinschrittigkeit, Ausprobieren als Professionalität, Augenhöhe für alle Beteiligten, Scrum-Board (oder besser Kanban-Board, da bringt man mehr unter), Sprint, Reviews und Retrospektiven, das sollte man als Grobraster ansetzen, um sich eine eigene Lernorganisationsstruktur zu bauen.

 

Hinzu kommt nun das Grundverständnis für das Lernen. Stichwort Gehirnsoftware updaten. Und der Schüler ist Chefentwickler. Muss in den Prozess einbezogen sein, damit der Prozess optimal abläuft. Für den Kunden (Schüler selbst und damit Gesellschaft) und für die Entwickler persönlich (Schüler wie Lehrer). Topsoftware äußert sich in guten Abschlussnoten. Der Rahmen ist vorgegeben - Lehrplan - aber man sollte sich als Team entspannen. Erst Ende Klasse sechs ist Deadline. Das Experiment läuft 2 Jahre.

 

John Hattie steht Pate. Auf Rang eins der neuesten Studie steht die Kommunikation der Lehrpersonen untereinander. Also natürlich über fachliche und schulische Inhalte. Genau das nutzt das Konzept. Nennen wir es - in Anlehnung an den Flügelverleih am Faust - den Verleih agiler Flügel. Kurz VaF. JJ Der VaF versteht sich als Entwicklungsmanufaktur für Gehirn-Software unter den Aspekten aktueller Bildungsstudien, speziell der Hattie Studie. Der Schuldirektor ist der Product Owner. Denn er hat darauf zu achten, dass die Schüler/innen am Ende der 6. Klasse fachlich zumindest so dastehen, als hätten sie den normalen Wasserfall-Unterricht absolviert. Dass sie im VaF natürlich viel mehr zusätzliche Kompetenzen einfahren ist zwingend. Weil die Prozesse im VaF völlig anders ablaufen und die Eigenständigkeit für Lernprozesse durch die Form des agilen Strukturaufbaus unausweichlich ist. Eltern müssen vorher klar, wissen, auf welches Experiment sie sich einlassen. Denn der große „Mehrwert“ von agilem Flügelverleih zum TopDown-Lernen zeigt sich noch nicht zwingend am Ende von Klasse sechs.

 

Die Mitspieler/innen:

 

ScrumTeam der Lehrpersonen sind 5 Fachlehrer/innen - die Klassenlehrperson muss natürlich mit dabei sein.

 

ScrumTeams der Lernenden sind Gruppen, die durch Fünfteln der Klassengröße entstehen. Frei gewürfelt. Warum 1/5 folgt gleich. Im Beispiel gehen wir von einer Klassenstärke von 25 aus. Also 5er Teams. Der Unterricht verläuft nach dem Prinzip SPLITUP2WIN ... allerdings stark portioniert. 5 Fächer sind involviert, in jedem Fach läuft bei jedem Kapitel ein Scrum-Team schneller als der Rest der Klasse, die ganz normal im verkleinerten Klassenverband unterrichtet wird. Zwischen den fünf Fachkolleg/innen existiert eine Absprache über die Länge der Zyklen, Sprints ... es bieten sich unterschiedliche Längen an, die in die Zeiten zwischen den Ferien, genannt Unterrichtszeit, passen. Wir denken an Zwei- bis Vierwochenzyklen.

 

In dieser Konstellation absolviert jede/r Schüler/in das ganze Jahr über in einem Fach mit seinem Team, das nach jedem Zyklus durch alle 5 Fächer neu (geschickt J) zusammengewürfelt wird, ein Fach im agilen Überholmodus. Und die Klasse erlebt dabei am Ende jedes Sprints ein Scrumteam, das als Lehrassistenz agiert und in der Diskussion um die optimalste Gehirnsoftware-Entwicklung die Position der Chefentwickler sehr gut einnehmen kann. Die Lehrer/innen erleben im VaF, dass auch schon Fünftklässler/innen ganz normale Menschen sind, die es lieben werden, ihre Entwicklerkompetenzen ausspielen zu können.

 

Zwei Rollen haben wir noch nicht aufgeführt. Da sind zuerst einmal die 5 Neuntklässler/innen, die die Scrum-Teams ein Jahr lang begleiten und - wie im Flügelverleih am Faust - auch an einem Hausaufgabennachmittag coachen. Hausaufgaben gibt es nicht. Dafür gibt es freie Zeiten, in denen die Schüler/innen mit ihren Lerntagebüchern arbeiten. Wie gesagt, einmal in der Woche unterstützt von ihrem Coach aus der Neunten. Diese Coachs sind als für Sprint Reviews mit im Boot und können von ihren Teams jederzeit um Hilfe angefragt werden. Sie bekommen für ihre Arbeit natürlich einen kleinen Ehrenamtsgehalt über Fördergelder des Jugendbegleiterprogramms. Nach dem Flügelverleih am Faust Vorbild. Nennen wir diese Coachs einmal VaF-Scrum-Coach, damit man mit dem Scrum-Master im Scrumteam pädagogisch experimentieren kann. Natürlich kann man Rollennamen auch komplett anders aufstellen, wir verwenden nur der Einfachheit Rollenbilder, die man aus den agilen Organisationsstrukturen schon kennt.

 

Wir würden auch noch einen Supervisor einführen, der für den Gesamtprozess als Prozessbegleiter fungiert. Und der im parallel aufgestellten Reservetank-Projekt für Schüler/innen mit Anlaufschwierigkeiten den Chefentwicklerblick einnehmen. Oberstufenschüler/innen ... Personal-Coachs für die gesamt Klasse ... ein Dreier-Team, damit auch dort ein Austausch stattfinden kann.

 

„Aber die Räume? Wie soll das denn gehen?“ höre ich manchen sagen. Wir meinen, wenn man das will, dann findet man Möglichkeiten. Und wenn man im Klassenzimmer selbst eine Zwischenwand mit Schallschutzplatten einbaut. Im Fünferhaus haben wir damals auch selbst Hand angelegt und uns unsere eigene Umgebung geschaffen. Aber in vielen Schulen stehen ja sogar Räume leer. Und bei Aufsichten gibt es inzwischen auch Videoüberwachung für die rechtliche Seite des Problems.

 

 

 

Kapitel 5

 

Konkreter Versuchseinstieg für eine/n einzelne/n Fünftklassklassenlehrer/in

 

 

 

Extrem wichtig bei allem: Grundlage ist das Selbstverständnis von den Schüler/innen, was ihre eigene Person betrifft. Ich erzähl es mal mit einem Mailwechsel innerhalb des Forums

 

 

 

Hallo Tobi...

 

was hältst du von der Idee, gar nicht die Besten, sondern aus jeder Leistungsgruppe eine/n zu nehmen (Bild) und ihnen Rollen zu geben. Wenn klar ist, dass die Leute mit den schlechteren Noten die besseren Fragen stellen können als die Käpsele, dann mach den Vierer zum Fragesteller, den Dreier zum Redakteur, den Zweier zum Unternehmer, der das Ganze im Blick halten soll und den Einser zum Wissenschaftler. Bilde crossfunktionale Teams ... die so einen Sprint aus verschiedener Perspektive beleuchten. Das ist doch genau das. Und später, wenn man nach einem Sprint die vier oder 5 Spezialisten für das nächste Kapitel (die sich natürlich auch Hausaufgaben geben dürfen: Recherche, Ausarbeitung etc) dann in den eigenen Unterricht einsetzt, dann könnten die ja auch rollieren, denn auch beim Erklären erklärt der Vierer sicher anders als der Einser ... vielleicht ja sogar besser.

 

Was meinst du? Heinz

 

 

 

Hallo Heinz

 

Klingt gut, glaube aber, der Fragesteller muss schon einiges von einer Sache verstanden haben, um gute Fragen oder überhaupt Fragen stellen zu können. Oft erlebe ich es so, dass keine Fragen kommen, weil gar nicht klar ist, wo bzw. wie man an ein Thema mit Fragen andocken könnte. Optimal wäre vermutlich ein Team von einem Vierer und einem Zweier. Der Zweier, der ganz gut durchsteigt, den Vierer durch das neue Gelände an die Hand nimmt und der Vierer so in der Lage ist, Fragen zu formulieren und den Blick des Zweiers für mögliche Verständnisschwierigkeiten schärft. Wenn die Struktur das hergibt...

 

Soweit

 

der Tobii

 

 

 

Hallo Tobi

 

Ja natürlich ... die vier oder fünf sind ja sowieso ein Team ... es geht ja beim Agilen auch immer um das Einnehmen verschiedener Rollen. Veronika vergibt manchmal richtige Fantasierollen in solchen Teams. Damit der Abteilungsleiter und die Sekretärin in einem Team auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Wenn also dann ein Jurist i.A. und eine Journalistin i.A. und ein Biolehrer i.A. und eine ITlerin i.A. (in Ausbildung) in so einem Team in deiner 5. Klasse zusammenarbeiten, dann muss ihnen zuallererst immer wieder vermittelt werden, dass dieses i.A. kein Spielchen ist, sondern der normale Gang der Zeit. Und dass es Sinn macht, wenn beim Programmieren von Gehirnsoftware, die ja für alle Berufe und Fachleute funktionieren soll, der Blick eines Juristen, einer Journalistin, eines Biolehrer und einer ITlerin viele Vorteile hat. Eigentlich kann jeder Fragesteller sein. Oder Abchecker. Oder Lückenfinder. Oder Board-Pfleger ... oder oder. Jeder kann für eine funktionierende Software einen wesentlichen Teil beitragen, wenn er den Entwicklungsprozess und die Softwareentwicklung und damit sich selbst ernst nimmt. Es muss jedem Schüler klar sein, dass eine schlechte Note in Mathe nicht heißt, dass man nicht später ein guter Mathematiker sein kann. Weil ja Denkweisen unterschiedlich sind und Geschwindigkeiten von Entwicklungen sowieso und Lücken aus der Grundschule vielleicht der Grund sind und überhaupt sind Noten nur Hilfsmittel, seinen Weg mit diesem Job Softwareentwickler gut hinzubekommen.

 

Wenn dann die Experten später in den Unterricht wieder eingebaut werden, sollten sie rollierend arbeiten, weil der Jurist anders erklärt als die ITlerin.

 

Praktisch würde ich übrigens ganz klein anfangen. So ein Roll-Trenn-Teil aus den Oberstufenräumen im Neubau (Wurden übrigens damals genau mit solchen Projekten unserer Hausaufgabenbetreuung angeschafft - nicht für die Oberstufe.) Und dann ausprobieren, wie das geht, wenn man ein Viererüberholteam hinter diese Wand setzt und ein Scrumboard an der Wand bastelt ... lass uns dran bleiben

 

Liebe Grüße

 

Heinz

 

 

 

So, jetzt wissen Sie, worauf sich das Bild am Anfang des Blogbeitrags bezieht.

 

                                                                                                          Otto Kraz

 

 

 

 

 

 

 

Inspiration Camp

Gastbeitrag von Jule Schmitz -

 

 

 

Kennst du das...?

 

Dein Traum ist es, nach der Schule auf Weltreise zu gehen nur weisst du noch nicht, wie du das organisieren sollst?

 

 

....

 

mehr im Text

 

Inspiration Camp

 

Kennst du das...?

 

Dein Traum ist es, nach der Schule auf Weltreise zu gehen nur weisst du noch nicht, wie du das organisieren sollst?

 

Du bist kreativ und  besonders talentiert in Sport, Musik, Kunst oder Theater und weißt nicht genau, wie du diese Talente beim Reisen einsetzen kannst und würdest am liebsten auch einen Job finden, in dem deine ganzen Talente gefragt sind?


 

Fühlst du dich oft so anders, mit deinen vielen kreativen und spannenden Ideen im Kopf und hättest gerne Menschen um dich, die genauso so ticken wie du ?

 

Möchtest du stattdessen lieber...

 

dich schon lange vor dem Abi auf deine Weltreise freuen und nur noch die Tage zählen bis es losgeht?

 

Klarheit über deine Talente und Stärken haben, damit du sie beim Reisen und in einem späteren Job gewinnbringend einsetzen kannst?

 

und eine Community an inspirierenden Menschen um dich haben, die von einander lernen wollen und mit denen du grandiose Momente teilst?

 

Diese Fragen habe ich mir so oft gestellt in meinem Leben und ich kenne die leichte Panik, wenn die anderen schon ihre Au-Pair-Stellen oder andere Pläne hatten und ich noch nicht genau wusste, wie es weitergeht.

 

Ich habe beim Reisen die Erfahrungen gemacht, an denen ich gewachsen bin und Begegnungen mit Menschen gehabt, die unvergesslich sind. Außerdem spreche seitdem englisch, französisch und spanisch fließend. Auch im Filmen und Fotografieren bin ich viel besser geworden, weil man es eben auf Reisen täglich macht und Bilder eben mehr sagen als 1000 Worte.

 

Außerdem gibt es viele kreative Menschen, die sich überall auf der Welt treffen und die dank Facebook und Internet wirklich gut zu finden sind.

 

All meine Fähigkeiten aus dem Journalismus, der kreativen Zirkuswelt, als Sprach- und Sportlehrerin möchte ich gerne an die nächste Generation weitergeben, und zwar an die, die begeisterungsfähig, (an-) packend und kreativ sind, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

 

Daher habe ich das INSPIRATION CAMP kreiert,

 

-       wo kreative junge internationale Menschen zusammenkommen,

-       in Coachingübungen sich über ihre Talente und Stärken bewusst werden,

-       Reisepläne schmieden,

-       Informationen über Volunteerprojekte und Reisevorbereitungen (und -krankheiten) erhalten,

-       Workshops in Fotografie und Storytelling besuchen können

 

und gemeinsam „sporteln“.

 

Für wen ist es gedacht?

 

Für vielbegabte, kreative Menschen von 16 – 22 Jahren, die sich nicht entscheiden können, was sie mit ihren Talenten machen können und keinen Mainstreamjob machen wollen.
Julia Schmitz und Veronika Levesque werden den jungen Menschen helfen, sich ihrer Kreativität und ihrer Träume bewusst zu werden, sie zum Reisen inspirieren und ihnen wichtige kommunikative Schlüsselqualifikationen beibringen wie Filmemachen oder Storytelling.
Gleichzeitig haben sie in einer internationalen, lebendigen Community viel Spaß mit Gleichgesinnten, netzwerken, finden Travelbuddies und erschaffen unvergessliche, kreative Momente und bekommen dadurch den Mut und das Selbstvertrauen, sich das Leben zu kreieren, das sie lieben.

Inspiration Camp

 

Wir werden uns vom 29.6. - 1.7.2018 in diesem wundervollem Naturcamp am Schluchsee im Schwarzwald treffen und Reisepläne schmieden, individuelle Werte und Talente herausfinden, Filmen und Fotografieren lernen, Sport machen, gemeinsam kochen und übers Leben philosophieren.

 

Kosten: 99 €, für Unterkunft und Frühstück und Verpflegung am Samstag.

 

Am Sonntag haben wir ein Angebot, beim Seglerhof günstig zu Mittag zu essen.

Anreise organisiert jeder selbst, es wird Fahrgemeinschaften von Freiburg aus geben.

 

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, wir nehmen noch Anmeldungen an bis zum 15.6.2018.

 

Die drei Tage sind aufgeteilt in die Workshopthemen:

 

VOR der Reise, WÄHREND der Reise, NACH der Reise. Lass dich überraschen.

 

Wenn du dich bei all dem angesprochen fühlst, komm doch in die Facebookgruppe, da gebe ich 1x die Woche in einem Livestream all mein Wissen zu den Themen, Talente finden, Reise planen und Netzwerken raus:)

 

Bewirb dich JETZT

 

Die Silos verlassen

Äußerst erstaunlich

 

1913 fand Henry Ford heraus, dass er mit dem Fließband viel effektiver Autos produzieren konnte.

1947 fand Taiichi Ohno heraus, dass man mit dem agilen Konzept des Kanban viel effektiver Toyotas produzieren konnte.

2001 wurde das agile Manifest für die Softwareentwicklung zum Renner in der IT-Branche, weil man merkte, dass man agil viel effektiver ein Produkt entwickeln kann.

2018 sitzen noch immer die allermeisten Lehrer/innen in ihren Silos und sind insgeheim genervt von den Fließbandstrukturen des Unterrichtens. Was fehlt sind agile Leitungsstrukturen und agilen Behördenstrukturen. Das System steckt noch ziemlich fest.

 

Dabei wäre es gar nicht so schwer. Und würde allen Beteiligten gut tun. Am meisten den Schüler*innen und den Lehrer*innen. Aber auch den Schulleiter*innen, wäre da nicht die übergeordnete Verwaltung, die dabei im Weg steht.

 

Die Leitung in Weit im Winkl ist auf alle Fälle komplett verändert. Lesen Sie dazu im Forum agile Verwaltung einen Blogbeitrag. Ihr Otto Kraz

Die glorreichen Sieben

Die sieben stärksten Hattie-Faktoren sollte man sich als Lehrer/in dringend genauer unter die Lupe nehmen. Sicher sagen viele, dass sie vieles davon in ihrem eigenen Unterricht vorfinden, aber sicher sagen viele, dass sie das nie gedacht hätten, dass es genau darauf ankommt. Deshalb: Stärken Sie Ihr Lehrerselbstbewusstein. Die fachliche Kompetenz ist es nicht, die eine gute Lehrperson ausmacht. Die wesentlichen Faktoren findet man an ganz anderer Stelle. Wenn Ihnen dass schon vorher klar war, gratuliere ich ganz herzlich. :-)

Otto Kraz


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Die Hattie-Spezialisten aus Brugg-Windisch

Wer fundiert über die Hattie-Faktoren lesen will, dem empfehlen wir natürlich die Pädagogische Fachhochschule in Brugg-Windisch und das dortige Luuise-Team um Professor Dr. Wolfgang Beywl.


Split4WinWin im Angebot

Ein ungewöhnliches Angebot für einen starken pädagogischen Tag an Ihrer Schule.

Das ‚Forum agil Lernen und Lehren’ versteht sich als loser Zusammenschluss von Menschen rund um das Thema agile Lernräume mit einem praktischen Einsatz im Jahr:

Wir bieten Ihnen kostenlos unsere Kompetenzen für einen pädagogischen Tag und erhalten dafür im Gegenzug selbst Erfahrungen und Räumlichkeiten für unsere eigene Jahrestagung.

Das Konzept für den Tag:

Lesen Sie hier weiter


Hattie sichtbar machen

Als ich die Hattie-Studie zum ersten Mal gelesen habe ... 2013 war ich noch Fachabteilungsleiter
für Schulentwicklung und neue Medien am Faust-Gymnasium in Staufen
... habe ich unentwegt genickt. In meinem Kopf wurden die Zahlen der Effektstärken
durch die Erfahrungen von 35 Berufsjahren irgendwie greifbar. Irgendwie sichtbar.
Irgendwie fühlbar. Aber nicht wirklich umsetzbar... für „alle Kolleg/innen“. Dabei
hätte ich es oft so gerne in die Köpfe meines Kollegiums einfach klammheimlich
hineingezaubert. Schulentwicklung über klammheimliche Haltungszauberei. „Es ist
einfach die Beziehungsebene. Wir haben das doch schon immer gesagt. Jetzt
bestätigt das die Hattiestudie.“ ... Weiter im pdf

 

Die  neue Hattie-Studie besitzt 252 Faktoren ... Um damit für das Konzept Split4WinWin arbeiten zu können, habe ich die stärksten 20 Faktoren mit den höchsten Effektstärken unter die Lupe genommen. Otto Kraz


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Hattie für die Praktikerin und den Praktiker greifbar machen
hattie sichtbar machen.pdf
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Osteridee 2018

Wie wäre es mit dem Splitten der Überforderten und der Unterforderten. eduScrum für die Unterforderten - Projekt Reservetank für die Überforderten. Hier die Darstellung, wie viele starke Hattie-Faktoren dafür sprechen. Wer es ausprobiert wird merken, dass die Hattie Studie die Wirklichkeit sehr gut beschreibt. "Zufriedene Lehrer/innen - dank Hattie" ... so müsste es eigentlich schon lange heißen. Leider haben die meisten Lehrer/innen Hattie schon lange wieder ins Regal gestellt und arbeiten weiter mit den schwachen Hattie-Faktoren - und sind natürlich damit nicht zufrieden.

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Die meisten starken Hattie-Faktoren in einem Konzept
Split4WinWin erweitert.pdf
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Split4WinWin - für Lernende

Das kleine Handbuch
für eine größere Sache
Mal angenommen, du bist eine Schülerin oder ein Schüler und du findest, dass deine Zeit in der Schule nicht wirklich effektiv genutzt wird.

Dass sich zu viele langweilen und zu viele nicht mitkommen.

Mal angenommen, du lebst in einer Klasse ohne Spießer, die was zu sagen haben. Spießer erkennt man daran, dass sie Probleme haben, andere gut sein zu lassen. Also dem Nachbarn das neue Auto zu neiden ... oder als Schüler einem Mitschüler zu neiden, dass er es blickt. Spießer eben. Das sind die, die gerne Streber rufen, um den eigenen Spießer zu vertuschen.

Also angenommen, die Spießer haben in eurer Klasse nichts zu sagen und eure Klassengemeinschaft ist im grünen Bereich.

Mal angenommen, ihr habt einen Lehrer oder eine Lehrerin, der/die immer wieder gerne Dinge ausprobiert, damit der Unterricht effektiver wird.

Dann ist die Idee von Split4WinWin vielleicht genau das Richtige, das ihr selbst erst einmal diskutieren solltet, um es dann eurer Lehrerin oder eurem Lehrer vorzustellen.

Mit der Bitte, es doch einfach mal mit euch und für euch auszuprobieren. Weil es nicht nur euch, sondern auch eurem Lehrer gut tut.

Otto Kraz 2018


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Split4WinWin - die Beschreibung für Schüler/innen ... um mit diesem Handbuch am Ende zur Lehrperson zu gehen, um zusammen mit ihr die Schule der Zukunft zu entwerfen. :-)
Handbuch_Lernende.pdf
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Split4WinWin

Es ist so eine Idee aus dem Hause agil lernen und lehren. Warum lässt man eigentlich nicht die Fitten losdüsen, damit sie sich das nächste Kapitel im Unterricht selbst aneignen ... mit EduScrum ... Parallel arbeitet man LUUISE selbstevaluierend mit dem Rest der Klasse, fügt dann alles wieder zusammen, um mit einigen Zusatzlehrkräften das Ding namens Unterricht viel effektiver zu gestalten.

Hol dir die Schüler/innen ins Boot.

Setze nicht auf Nostalgie, sondern auf Zukunft.

 

Split4WinWin ... ein praktiables Paket, bestehend aus einem EduScrum-Anteil und einem LUUISE Anteil.

- Handbuch herunterladen

- Lesen

- Loslegen

 

Viel Erfolg dabei

Otto Kraz

Das Handbuch, das hier in einer ersten schnell gestrickten Version vorliegt, ist für Lehrkräfte gedacht, die Lust haben, die Beziehungsebene zu ihren Schüler/innen auf den Prüfstand zu stellen und gleichzeitig die Unterforderten Ihrer Klasse auf Forschungsreise zu schicken.

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Split4WinWin - ein Konzept auf dem Hause agil lernen und lehren
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Forum agile Verwaltung - die Jahrestagung in Stuttgart

Der Eindruck des Tages

Ja ich muss schon sagen: Da bewegt sich etwas. Wenn von Hamburg bis Wien, von Leipzig bis Frankfurt, von Finanzbehörden über Stadtverwaltungen und bischöfliche Ordinariate, von Städtetagen, Ministerien und der deutschen Bundesbank fast 100 Teilnehmer/innen einer Tagung über agile Verwaltung nach Stuttgart reisen, dann muss man als jemand, der vor einem Jahr noch gar nichts über Agilität gehört hatte, schon ein wenig staunen. Ich durfte mal wieder - wie im letzten Jahr - meine "Visualisierungskünste" für unser Forum agile Verwaltung am Ende der Veranstaltung zum Revue passieren lassen - Man bekommt vielleicht so auch als interessierter Nichtteilnehmer einen kleinen Eindruck, warum sich so viele Experten aus allen möglichen Behörden, Ämtern und Verwaltungen nach Stuttgart aufgemacht haben.

Meine Visualisierungstechnik im Moment lautet: Hinterwendlinger Puppenkiste. :-) Viel Spaß beim Anschauen.

Otto Kraz - inzwischen auch einer vom Forum agile Verwaltung.

Forum agile Verwaltung

Ich finde, dasss es wirklich Mut macht, sich auf den Weg zu begeben, etwas in seinem eigenen Arbeitsfeld zu verändern. Weil es gut tut, zu wissen, dass es überall Menschen gibt, die über den Tellerrand der gängigen Abläufe einer Verwaltung hinausblicken.

In Zeiten, in denen nichts mehr so ist, dass man es für ein oder gar zwei Jahre festschreiben könnte, ist agiles Denken einfach dringend angesagt. Ausprobieren, optimieren, überprüfen, verwerfen, verbessern, weiter ausprobieren, Fehler machen, Fehler analysieren, effektiver machen, weiter ausprobieren.

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Den Bahnhof verstehen ...

... im Haus zum platzenden Knoten

oder Die Tiny-Wings-Methode und die Sache mit der Agilität.

Ich soll hier auf dem Blog des Forums agile Verwaltung den Part übernehmen, das agile Denken auch für das Lehren und Lernen Stück für Stück aufzuarbeiten. Als alter Schulmeister, der 35 Jahre lang Physik und Mathematik unterrichtete und das Glück hatte, viel ausprobieren zu dürfen. Speziell auch außerunterrichtlich. Agilen Schulleitungen sei Dank. Deren Motto: Raum lassen. Zulassen. Vertrauen. Ungewöhnliche Wege von Lehrpersonen aushalten lernen. Und nun habe ich gerade eine alte Datei gefunden, die wir damals mit einem digitalen Rundbrief-pdf an unsere Eltern geschickt haben, um ihnen das Faust-Gymnasium in Staufen und die vielen Facetten des Lernens in dieser Lehranstalt näher zu bringen. Faust-aktuell – eine gute Möglichkeit, mit einem Klick alle Eltern zu erreichen. Ich lasse Sie erst einmal ein wenig hineinlesen. (Zur Erklärung: Flügelverleih haben wir damals die kleine Nachmittagsschule für unsere Fünft- und Sechstklässler getauft, die im Flügel von einem speziellen Schülerkollegium älterer Schüler/innen betreut wurden.)

„Stimmt, Sie haben recht. Wir betreuenden Lehrer/innen vom Flügelverleih am Faust lieben die etwas anderen Namen. Weil es dann einfacher ist, pädagogisches Neuland ohne spezielle Erwartungen von außen zu betreten. Nachhilfe – da hat jeder eine Vorstellung, wie sie abläuft. „Den Bahnhof verstehen“ hieß deshalb im letzten Jahr unsere Spezial-Flügelverleih-Nachhilfeschule, in der sich Schüler/innen am Nachmittag allein oder in kleinen Gruppen in verschiedenen Fächern coachen lassen konnten. Neuland. Spontannachhilfe. Klassenarbeitsvorbereitungsnachhilfe. Schwierige Mathehausaufgaben-mit-Unterstützung-lösen“-Nachhilfe. Wir hatten an zwei Tagen einen Überhang an Lerncoaches in der Nachmittagsschule. So entstand diese Idee. Kapazitäten waren frei. Zweites Halbjahr. Als es für manche brenzlig wurde. Auch unsere erste Skype-Ferienschule entstand in diesem Zusammenhang. Pfingsten 2012. Ferienlernaktive Schüler/innen konnten sich anmelden, um ein spezielles Problem von einem der Skype-Coachs erklärt zu bekommen, mit dem sie sich gerade herumschlugen und keine Antwort fanden. Arbeiten nach dem Tiny-Wings-Prinzip aus dem Hause Flügelverleih. Das war auch Grundlage beim „Den-Bahnhof-verstehen“. Tiny-Wings-Prinzip? Sagt Ihnen nichts? Tiny Wings ist ein kleiner Vogel, der noch nicht so richtig fliegen kann. Eine Spiel-App aus dem Apple Store. Ein einfaches kleines Spiel, das 2011 zum Spiel des Jahres gekürt wurde. Es funktioniert ganz einfach. Man muss einem kleinen Vogel, der einen Tag lang versucht, möglichst weit zu fliegen und dabei möglichst viele wertvolle Dinge mitzunehmen, durch Unterstützung helfen. Unterstützen heißt, den Bildschirm berühren. Dann zieht er seine kleinen Stummelflügel ein und überlässt sich der Gravitationskraft und dem Spieler. Löst man die Berührung, flattert er wieder selbst.

Die Kunst, an einem Tag möglichst viele Punkte zu bekommen und möglichst weit zu fliegen, besteht darin, immer im richtigen Moment kurz zu unterstützen, um den Vogel dann selbst fliegen zu lassen. Die TINY-WINGS-METHODE im „den Bahnhof verstehen“-Projekt funktionierte genauso. Nachhilfe ist aus unserer Sicht nur dann sinnvoll, wenn man genau weiß, an welcher Stelle sie ansetzen muss. Punktgenau. Nicht andauernd. Wenn man bei Tiny Wings dauernd den Daumen auf den Bildschirm legt, bekommt der kleine Vogel zwar ein wenig mehr Punkte als wenn man ihn den ganzen Tag lang alleine den Berg herunterflattern lässt, aber es ist überhaupt kein Vergleich zum gezielten Unterstützen. Das gezielte Unterstützen besitzt vollkommen andere Erfolgsaussichten. Dauernde Nachhilfe bringt im Allgemeinen einfach nur Beruhigung, kein Tiny-Wings-Gefühl. Das Tiny-Wings-Gefühl ist das Erfolgsgefühl eines kleinen Vogels, der merkt, dass er eigentlich selbst schon ganz schön viel kann. „Ich nehme jetzt Nachhilfe“ hören wir so oft von Schülerinnen und Schülern, die dann im Unterricht und bei den Hausaufgaben den Kampf um die eigene Kompetenz weiter reduziert haben, weil… „sie nehmen ja jetzt Nachhilfe.“ Oftmals ist Nachhilfe sogar Noten verschlechternd, weil sich Schüler am Ende ganz auf den Nachhilfeunterricht verlassen und im Unterricht gar nicht mehr richtig aufpassen.

Deshalb: Die TINY-WINGS-METHODE setzt auf sehr viel Eigeneinsatz mit möglichst minimaler Lerncoachbegleitung. Wenn man bei Tiny Wings, ohne zu wissen, wann man unterstützen muss, auf den Bildschirm drückt, also sporadisch, dann hat der kleine Vogel übrigens auch keinen Erfolg. Zu erkennen, an welcher Stelle die Unterstützung notwendig war, war Aufgabe der Bewerber beim „Den Bahnhof verstehen“-Projekt des Flügelverleihs im Haus zum Platzenden Knoten. … Ja man musste sich bewerben, aktiv …“

Ich erinnere mich noch gut an dieses eine Jahr mit den viel zu vielen Lerncoaches. Und die Idee des Bahnhofs, die ein Schüler/innenteam ausgetüftelt hatte. Heute würde ich im Rückblick sagen, der Flügelverleih war an sich ja schon von Anfang an hochagil … eine Sache der Haltung, der Augenhöhe. Und ein großes Experiment mit dauernder kleinschrittiger Anpassung an neue Gegebenheiten. Eine sehr befriedigende Zusammenarbeit mit den Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen, Personalleiter/innen … der Zukunft, um gemeinsam optimale Betreuungsstrukturen zu entwickeln, von denen wir vorher nicht wussten, wie sie am besten funktionieren würden. Am Anfang waren bis zu 80 Lerncoaches auf fünf Tage verteilt. Eine starke Truppe mit eigenen pädagogischen Abenden und einem wöchentlichen kurzen Stand-Up vor der eigentlichen Betreuungszeit. Während die Kleinen nebenan eine Spielrunde absolvierten.

Ich habe diese Flügelzeit als Lehrer genossen, weil wir ohne Vorgaben mit Schüler/innen als Kolleg/innen zusammenarbeiten konnten. Das Konzept ist nicht direkt auf den Unterricht übertragbar, die Denkweise schon. Schüler/innen sind ganz normale Menschen, nur im Moment noch ziemlich junge. Aber ohne Frage die Fachleute der Zukunft. Wer sie nicht aktiv in den Lernprozess mit einbezieht, der verschenkt sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten. Lässt Kompetenzen ungenutzt. Und verzichtet ganz nebenbei auf einen hohen Zufriedenheitsfaktor als Lehrperson.

Tiny Wings sollte dauernd in Schülerköpfen sein: Möglichst viel selbst fliegen. Und ebenso in Lehrerköpfen: Möglichst viel selbst fliegen lassen.  Weil das am Ende die höchste Punktzahl ergibt.

Heinz Bayer

p.s. Hier mehr zur Tiny Wings Methode zum Download als pdf

Forum agiles Leiten, Lehren, Lernen und Forschen

Als Jeff Sutherland 2001 zusammen mit sechzehn unabhängigen Software-Methodologen für die IT-Branche das agile Manifest für Software Entwicklung und die 12 Leitsätze dazu schrieb, konnte eine kleine Gruppe von Lehrer/innen am Faust-Gymnasium Staufen ein eigenverantwortliches außerunterrichtliches pädagogisches Konzept für Schülerprojekte entwickeln.

Voraussetzung: Der damalige Schulleiter

  • ließ komfortable Entwicklungsspielräume zum pädagogischen Experimentieren zu,
  • verteidigte sie Richtung Oberschulamt
  • aber auch Richtung Kollegium der „alten Schule“.

Dieses pädagogische Projekte-Konzept würde man im heutigen Sprachgebrauch als agil bezeichnen. Es handelte sich nämlich um Schülerprojekte, in denen die Schüler/innen selbst die Hauptverantwortlichen für den Inhalt, die Entwicklung und den Erfolg der Projekte waren.

Nicht nur in der IT-Branche, sondern auch an den Schulen war damals die Zeit, in der Veränderungen und neue Entwicklungen dringend gefragt waren. An vielen Schulen entstanden kleine individuelle agile Entwicklungszentren, deren Ideen auch tendenziell in die offizielle Didaktik und Pädagogik ausstrahlten, die sich aber nur an einzelnen Schulen zu agilen Konzepten für ein ganzes Kollegium entwickeln konnten. Eine erfolgreiche Vernetzung der agilen „Entwicklungszellen“ fand nie in der nötigen Breite statt.

Unter anderem in der späten Aufarbeitung unseres damaligen außerunterrichtlichen pädagogischen Konzepts, das unter dem Namen „Schülerschule“ offizielles dezentrales EXPO2000 Projekt wurde, entwickelte sich 2017 über Netzwerke und sehr viele Zufälligkeiten ein Forum von aktiven Pädagog/innen aus Schule, Hochschule und Verwaltung, die sich unter dem Dach des Forums agile Verwaltung http://www.agile-verwaltung.org zum Forum agiles Leiten, Lehren, Lernen und Forschen zusammengefunden haben.

Unsere Ziele

Schule und Hochschule sind noch lange nicht in der Zukunft angekommen. Sie sind meist noch viel zu starr, zu unflexibel. Es gibt zwar viele agile Inseln, die aber meist ohne Vernetzung und oftmals nur durch hohen persönlichen Einsatz einzelner Lehrkräfte existieren. Deshalb ist unser Ziel, zur Vernetzung von agilen Prozessen an Schulen und Hochschulen beizutragen. Wir sehen darin einen sinnvollen Beitrag für die Schule und Hochschule der Zukunft. Leiten, Lehren, Lernen und Forschen muss in erster Linie eine Sache der Haltung werden – agiles Leiten, Lehren, Lernen und Forschen ist in erster Linie eine Sache der Haltung.

Zwei konkrete Projekte

Das Forum agiles Leiten, Lehren, Lernen und Forschen plant konkret

  1. einmal im Jahr an einer Schule, die unser Team zu einem pädagogischen Tag zum Thema agiles Leiten, Lehren, Lernen und Forschen einlädt, die ganze Palette von Agilität im Bildungsbereich in Vorträgen und Workshops anzubieten (In Kürze mehr an dieser Stelle – es ist eine Win-Win Projekt: Wir bringen die Inhalte, die Schule stellt die Räumlichkeiten) und aus dieser Veranstaltung
  2.  ein Skript zur Tagung herauszubringen – zu der sich natürlich auch interessierte Teilnehmer/innen von außerhalb der Schule anmelden können – das hier über den Blog des Forums agile Verwaltung veröffentlicht und verbreitet wird.

Ansonsten versteht sich das Forum als mögliche Austauschplattform von agil denkenden Pädagog/innen aus diversen Arbeitsbereichen. Wohin dann genau die Reise führt, wird sich zeigen. Wir sind selbst sehr gespannt.

Das pädagogisch agile Manifest des Forums

Jeff Sutherland und seine damaligen Mitstreiter haben das agile Manifest mit den 4 Leitsätzen und den 12 Prinzipien dahinter niedergeschrieben.

Ich versuche nachfolgend einmal, das Manifest als erste Diskussionsgrundlage für Forumsinteressierte ins Pädagogische zu übersetzen und bleibe dabei möglichst nahe an der ursprünglichen Form. Was natürlich zur Folge hat, dass die Sätze manchmal etwas konstruiert wirken – aber es geht ja um die Frage, ob man sich das agile Manifest von Sutherland überhaupt ins Pädagogische übersetzen lässt.

Die vier Leitsätze
  1. Menschen und Interaktionen stehen über Didaktik und Methodik
  2. Funktionierendes Leiten, Lehren, Lernen und Forschen steht über Protokollen und Dokumentationen
  3. Erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kunden (Schüler/innen, Student/innen) steht über dem krampfhaften Blick auf Leistungsmessung.
  4. Schnelles Reagieren auf Veränderung steht über dem Befolgen eines langfristigen Plans.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die vier agilen Leitsätze nicht heißen, dass Didaktik und Methodik oder Pläne keinen Wert besitzen. Es geht um die Gewichtung.

Die 12 Prinzipien

Den Kunden (Schüler/in, Student(/in) durch die rechtzeitige und kontinuierliche Lieferung wertvoller agiler Lehr-, Lern und Forschungsprozesse zufrieden zu stellen ist unsere höchste Zielsetzung. (Eine kleine Ergänzung muss sein. Haltungsebene: Die Lernenden sind Kunden, die Lehrenden Dienstleister. Agile Ausführungsebene: Die Lehrenden sind im Scrum-Sinne Product Owner, die Lernenden Co-Product Owner. Hier steckt der wesentliche Unterschied zwischen IT-Branche und der Schule/Hochschule.)

Wir begrüßen Änderungen der Anforderungen, z.B. ausgelöst durch den aktuellen Lernstand der Schüler/innen im Unterricht, auch wenn diese scheinbar zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt. Agiler Unterricht nutzt die Anpassung der Unterrichtsschritte für den Vorteil der Kunden (Schüler/in, Student/in)

Wir passen erfolgreichen Unterricht oder erfolgreiche Projektarbeit häufig an, alle paar Wochen oder Monate, wobei wir die kürzeren Zeiträume bevorzugen.

Lehrende und Lernende arbeiten in Unterrichtsphasen täglich in agilen Prozessen zusammen.

Soweit möglich, setzt die agile Leitung motivierte Lehrpersonen in den Projekten ein. Sie handelt nach dem Prinzip: Gib ihnen die Umgebung und Unterstützung, die sie brauchen, und vertraue ihnen, dass sie den Job bestens erledigen. Kontextsteuerung lautet hierfür der entsprechende Begriff.

Die Konversation von Angesicht zu Angesicht ist die effizienteste und effektivste Art der Informationsaustausches und dies in einem Unterrichtsteam von Lehrenden und Lernenden.

Das primäre Maß für gute Schule oder Hochschule ist der erkennbare Wissens-, Entwicklungs- und Kompetenzzuwachs!

Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Beteiligten sollten ein gleichbleibendes Tempo ohne Unterbrechung einhalten, weil Kontinuität gehirngerechter ist. (Ergänzung: Ferien dürfen nicht als wochenlange Gehirnarbeitspausen verstanden werden, sondern sollten mit entspannten, aber effektiven Ferien-Gehirn-Beschäftigungsfeldern gefüllt werden. )
Gute technische Ausstattung, gute Lernumgebung und deren fortwährende Beachtung verbessern die Agilität. (Ergänzung: Technische Ausstattung und gute Lernumgebung sind nur Unterstützung für agile Lehren und Lernen. Alleine bessere technische Ausstattung einer Schule bringt noch keinerlei Verbesserung der Lernergebnisse. Können sogar eine Verschlechterung bedeuten, wenn sich Lehrpersonen auf die „Kraft der Technik“ verlassen.)

Einfachheit ist essentiell.

Die erfolgreichsten Wissens-, Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklungen entstehen in Teams, die sich selbst organisieren.

Das Team reflektiert in regelmäßigen Intervallen darüber, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.

Unsere eigenen Ergänzungen zur agilen Pädagogik

Natürlich ist Softwareentwicklung nicht wirklich vergleichbar mit Wissens-, Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung. Umso erstaunlicher ist es, dass die 4 agilen Leitsätze samt den 12 Prinzipien ins Pädagogische übersetzt schon einen großen Teil zum Verständnis des agilen Leitens, Lehrens, Lernens und Forschens ausmachen, so wie wir es verstehen.

Wir sehen agiles Lehren, Lernen und Forschen in sehr vielfältig existierenden und noch entwickelbaren Ansätzen. Die klare Ausrichtung von EduScrum von Willy Wijands und seinem Team spielt sicher eine Vorreiterrolle. Das Unterrichtsevaluationskonzept LUUISE von Wolfgang Beywl und seinem Team ist dabei auch sicher ein starkes Konzept, um den Weg zu agilem Lehren und Lernen zu öffnen. Die beiden Ansätze sind deshalb auch personell in unserem Forum vertreten. Wir begrüßen aber natürlich alle agilen Ansätze, die vom veralteten „Ich bin die Lehrperson, habe das Wissen und gebe es jetzt an euch weiter“ – Prinzip abweicht und den Schüler/ die Schülerin als eigenständige Person in den Lehr- und Lernprozess mit einbezieht. Auch wenn der Ansatz nur einzelne kleine Elemente des agilen Denkens enthält. „Schülerschule ist eine Sache des Menschenbildes“ hat es am Faust in EXPO-Zeiten geheißen. So sehen wir das noch heute.

Wir drücken unsere Ansicht von agiler Pädagogik am besten in einem Bild aus.

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Forum agiles Lehren und Lernen

Bevor ich in meiner losen Blogbeitragsfolge zum Thema agiles Lehren und Lernen hier beim Forum agile Verwaltung zu konkreten Ansätzen komme, werde ich einmal versuchen, für mich selbst eine passende Vorstellung von Agilität in diesem Bereich zu entwerfen.

„Die vier Dimensionen von Agilität“ lese ich da gerade bei Prof. Dr. Stephan Fischer – Direktor am Institut für Personalforschung, Hochschule Pforzheim.

Die vier Dimensionen von Agilität: Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kundenzentriertheit und Haltung … Und ich versuche es, in meine alte Schulwelt einzuordnen.

Unsere Kunden waren manchmal junge Menschen, denen man schon in der Anfangsklasse am Gymnasium angesehen hatte, dass sie bald schulische Schwierigkeiten bekommen würden. Weil sie zwar Fähigkeiten hatten, diese aber nicht wirkungsvoll ausspielen konnten. Der Kunde: Zum Beispiel ein hibbeliger Fünftklässler, der nicht ruhig sitzen kann und der seiner Leidenschaft frönt, unentwegt und charmant Späßchen zu machen. Aber man kann sich bei solch einem Fünftklässler vorstellen, dass diese Fähigkeiten und der Charme des Unkonventionellen in den nächsten 15 Jahren z.B. einen respektablen Staatsanwalt heranreifen lässt, wenn man den jungen Mann bis zum Abitur passabel begleiten könnte. (Haltung)

 

Bei einem agilen Projekt, das ich hier kurz beschreiben will, gab es damals etwa 10 von diesen charmanten aber schwierig beschulbaren späteren Staatsanwälten, Lehrern oder Bankern in der Jahrgangsstufe fünf. Und mein Team hatte Lust, präventiv zu arbeiten und erfand „Jump and Win“. (Kundenzentriertheit und Anpassungsfähigkeit).

Wir haben die zehn wackeren Knaben zu dem Projekt eingeladen und ihnen erzählt, dass sowas in der Industrie höllisch viel Geld kosten würde. Der Ablauf: Einmal in der Woche Treff zum Jump in der Mittagspause: Turnhalle … 10 Trampolins .. 10 Funkkopfhörer auf dem Kopf … Und dann hüpfen. Den Schulvormittag mental weghüpfen. Um sich nebenbei von den beiden betreuenden Lehrern den Blickwinkel auf Lernprozesse ändern zu lassen.

Zumindest haben wir das versucht. Eine kleine Sendestation und ein Mikro … Direkt auf die Ohren … Der Körper beschäftig, das Hirn aufnahmefähig, so unser Ansatz. Wissenschaftlich unterlegt? Nö, natürlich nicht. Wir hatten Lust, wir hatten eine Idee, wir haben sie ausprobiert (Anpassungsfähigkeit. Geschwindigkeit). Auch unsere Kunden waren dann des Öfteren am Mikrofon und haben ihren 9 Mithüpfern erzählt, wie sie selbst am besten schulische Probleme knacken würden. Nach einer halben Stunde Hüpfens haben wir dann immer zusammen in der Mensa gegessen, das Lerntagebuch, das es zum Kurs gab, besprochen und die Jungs danach zum Flügelverleih entlassen, unserer schuleigenen Nachmittagsschule.

Soweit Jump&Win und klar würde ich heute sagen: Voll agil diese Aktion damals. Wenn auch der Erfolg nur bei drei der Zehn direkt sichtbar wurde. Aber sicher hat dieses verrückte Hüpfen bei allen eines hinterlassen: „Ich werde ernst genommen.“ Wir haben diesen Aufwand wahrscheinlich auch deshalb kein zweites Mal betrieben, weil die Ergebnisse nicht so direkt für alle erfolgreich wurden. Das „Definition of Fun“ hat auch für agile Schulmeister eine wichtige Bedeutung.

Ich würde als jemand, der bis vor einem Jahr überhaupt nicht wusste, dass so manches in seinem Lehrerleben von Wissenschaftlern begrifflich in den Bereich Agilität gepackt wird, einmal folgende These aufstellen: An allen Schulen gibt es Schulmeister&innen, die so ticken wie mein damaliges Team und ich. Die experimentieren und ausprobieren und verwerfen und anpassen und den Kunden Schüler im Auge haben. Die genau wissen, dass der Kunde Schüler in 15 Jahren natürlich als ernsthafter Leistungsträger der Zukunft in der Welt herumlaufen wird, weil die Gesellschaft ja nicht 10.00 € pro Jahr und Schüler/in nur zum Noten-bekommen in Schule investiert. Dass es nicht um das eigene Fach geht, sondern um die Komplexität jedes einzelnen jungen Menschen, die es in der Gesamtheit zu fördern gilt. Am besten agil. Ich zitiere Professor Fischer „Definition: Agilität als höchste Form der Anpassungsfähigkeit.“

Und klar ist doch: Der Unterricht muss möglichst gut an den Kunden angepasst werden und nicht der Kunde möglichst gut an den Unterricht. Also: Es gibt an allen Schulen agiles Lehren und Lernen. Aber es sind eher Inseln in einem Meer des Unterrichtens, wie das unsere Großeltern schon kannten. Was spricht denn dagegen, die Inseln zu vernetzen, um das Meer zu infizieren … um am Ende Schulen für unsere Enkel&innen entstehen zu sehen, in denen sich komfortabel leben lässt.

Wir haben deshalb das Forum agiles Lehren und Lernen unter dem Dach des Forums Agile Verwaltung gegründet (FAL&L) und basteln jetzt agil an der Vernetzung. Die erste Tagung kommt bestimmt … Also 2018. Man benötigt ja auch als Agiler trotzdem Zeit für eine gute Vorbereitung.

Schülerschule meets eduScrum

Heinz Bayer

 

Ich erzähle Ihnen jetzt zuerst einmal eine ganz alte Geschichte … um dann aus dieser Geschichte die Kurve zum agilen Lernen und Lehren zu bekommen.

Ich war 35 Jahre lang Lehrer. Physik und Mathematik. Und die Story heißt Schülerschule.

Wir hatten vor einem Vierteljahrhundert am Faust-Gymnasium in Staufen als Team nach 10 Jahren intensiver Vertrauenslehrerarbeit etwas komplett Verrücktes festgestellt:

Schüler/innen sind ganz normale Menschen, nur jünger!

Sie sind Lehrkraft und Sie wussten das schon? Das haben Sie auch wirklich verinnerlicht? Chapeau. Wir haben für diese Erkenntnis 10 Jahre benötigt. Wussten Sie auch, dass man mit diesen normalen jungen Menschen außerhalb des Unterrichts den  Wahnsinn veranstalten kann, wenn man ihnen den nötigen Raum und genügend Vertrauen gibt? Wussten Sie auch schon? Ganz großer Respekt.

Dann ist agiles Lehren für Sie genau das Richtige.

Zum Beispiel EduScrum. Ich habe bisher nur davon gelesen und gehört. Aber die Grundidee finde ich als alter Praktiker, der verinnerlicht hat, dass Schüler/innen trotz Pubertät ganz normale Menschen sind, ganz wunderbar.

„Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu ­begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan“, hatten wir damals zu EXPO-Zeiten beschrieben, wie wir unsere außerunterrichtliche Arbeit sahen. Mit dem Konzept „Schülerschule“ vertraten wir … 3 Lehrer und 50 hochaktive Schüler/innen …. Baden-Württemberg mit einem eigenständigen Expo2000 Projekt. Die Jury fand das Konzept deshalb expo-würdig, weil sie solche Möglichkeiten gerne selbst in ihrer eigenen Schulzeit gehabt hätten. Haben sie uns auf Nachfragen erzählt, weil wir selbst ein wenig irritiert waren, dass unsere Bewerbung so einfach genommen wurde. Klar, wenn Politiker, Wirtschaftsführer und andere Macher an ihre eigene Schulzeit zurückdenken, dann ist Schule meist zu eng, zu reglementiert, zu lehrplangesteuert und zu ausbruchsicher.

Wir hatten damals einfach Folgendes gemacht. Weil Jugendliche ja ganz normale Menschen sind, haben wir die schon an der Schule komplett selbstständig rangelassen. Zum Beispiel die zukünftigen Journalist/innen an Jahrbücher, Infoblätter, Webseiten und Zeitungen, zukünftige Organisatoren aller Art an Musikveranstaltungen. zukünftige ITler ans Schulnetz, usw. Win-Win für jede Schule. Nein, keine AGs, eher selbstständige Schülerfirmen der besonderen Art, Teams ohne Lehrer, selbstplanend und selbstagierend. Wir Verbindungslehrer waren sowas wie ein Back-Office. So würde man das wohl bei den Agilen bezeichnen.

Wenig Einsatz, große Ausbeute. Rockcaféteam, OpenAir Team, Tonstudio-Team, Netzwerkteam, Eventmanagement-Team, Jahrbuchteam, Solare Zellen, Hausaufgabenbetreuungsteam, Filmteam, Grafikteam, Schülerbüroteam und und und. Diese normalen jungen Menschen und zukünftigen Leistungsträger mit ihren vielfältigen Fähigkeiten brachten viele viele Teams auf die Welt. Und wenn die Aktiven Abi machten, ohne Nachfolger zu haben, dann gab es das Team eben nicht mehr. Gearbeitet haben sie in der Rückerinnerung wie Scrum-Teams. Haben sich immer wieder neu ausprobiert. Immer wieder neu aufgestellt und nach Optimierung gesucht.

Ja klar, außerunterrichtlich. Sie haben ja recht. Und auch nur die Aktiven und Hochaktiven. Also außerunterrichtlich aktive Scrumteams und die Scrummaster dazu.

Aber bitte. Warum sollte es nicht auch im Unterricht selbst funktionieren. EduScrum in den Niederlanden lässt grüßen. (http://eduscrum.nl/de/) Klar, für den Unterricht benötigt man ein anderes Konzept. Im Außerunterrichtlichen reicht für die Aktiven der bereitgestellte Freiraum und los geht’s. Im Unterricht braucht es einen klaren starken Rahmen, in dem der freie Raum fest integriert ist. Haltegriffe für die nicht so Aktiven. Agilität. Scrum. Warum eigentlich nicht. Was in der Wirtschaft und in der Verwaltung Prozesse zum Teil extrem verbessern kann, kann in der Schule nicht falsch sein. Schüler/innen sind normale Menschen. Wir hatten das schon.

 

„Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu beweisen, sich selbstständig und eigenverantwortlich  Lehrplaninhalte anzueignen, aktiv zu werden, ernst genommen zu werden, dann habt ihr viel für die Jugendlichen selbst und für die Entwicklung des Unterrichtens getan.“

So würde ich EduScrum und andere agilen Ansätze im Lernen und Lehren beschreiben, wie die Bedeutung einer jederzeit möglichen agilen Entwicklung für den eigenen Unterricht zu sehen ist. Das Tolle an der Sache: Wer aufbrechen will, seinen Unterricht agil zu gestalten, der kann das ja jederzeit tun. Agilität passt in den Einzelunterricht und in den ganz normalen Lehrplan. Man muss sich allerdings trauen, es auszuprobieren.

Wir werden in den folgenden Monaten dieses Thema konkreter beleuchten … Schulen, Hochschulen, berufliche Bildung … Samt EduScrum oder anderen agilen Ansätze für Ihren Unterricht.

Denn eines wird Ihnen selbst klar, wenn Sie sich einmal die erfolgreichsten Projekte Ihrer eigenen Arbeit betrachten: Da steckte sicher sehr oft viel Ausprobieren, Ernstnehmen und Freiraum für Ihre Schüler/innen und dauerndes Anpassen dahinter. Also agiles Lernen.

Wir bleiben dran.

Offener Brief an die Kultusministerin

Sehr geehrte Frau Kultusministerin,

Ich bin nun seit fast zwei Jahren aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden … und eine meiner letzten größeren Amtshandlungen als Abteilungsleiter für Schulentwicklung am Faust-Gymnasium in Staufen war die Koordination der ersten Fremdevaluation an unserer Schule.

Hiiiilfe … was für ein riesiger Zeitaufwand. Viele der Aktivsten meiner Kolleginnen und Kollegen waren monatelang für andere Aktivitäten blockiert. So viele Sitzungen, so viele Überlegungen, so viel Einsatz …

 

Und alles, um am Ende zu erfahren, was wir als aktive und recht innovative Schule natürlich schon vorher wussten: Unsere starken Seiten hatten wir nun schwarz auf weiß als exzellent begutachtet bekommen, und unsere Schwächen wurden als verbesserungswürdig gekennzeichnet. Auch die kannten wir allerdings schon vorher. Und wir haben mit großem Aufwand ein riesiges Portfolio im Intranet erstellt, in dem man nun vieles nachlesen könnte, wenn man etwas wissen will.

Die Praxis ist allerdings eine ganz andere. Denn natürlich fragt man in der Realität normalerweise die richtigen Kollegen beim Kaffee und bekommt die Infos viel direkter auf die  aktuelle Situation bezogen. Angepasst. Agil. Individuell. Konkret. Die Arbeitsfelder, in denen wir Ihrem Ministerium versprochen hatten, bis zur nächsten Fremdevaluation in ein paar Jahren „anzugreifen“, lagen natürlich in Bereichen, die uns als Schulleitung machbar erschienen. Also nicht  lokalisiert im größten, zentralen und entscheidenden Arbeitsfeld von Schule: Dem Fachunterricht der einzelnen Kolleginnen und Kollegen. Wir suchten einfacher evaluierbare Themen. Ich würde meinen, dass das fast alle Schulen so machten. Obwohl die meisten genau wissen, dass sich ihre Schule dadurch nur unwesentlich verändern wird. Aber Auftrag ist Auftrag und als Beamter setzt man das einfach um. Darauf haben wir immerhin den Eid geleistet.

Nun haben Sie die Fremdevaluation erst einmal auf Eis gelegt, weil Sie die Evaluationsberater/innen wieder in den Unterricht schicken wollen. 70 Deputate würde das ausmachen, habe ich gelesen. Ich wage zu behaupten, dass sich keine Schule bei Ihnen darüber beschwert hat. Ich selbst meine auch: Gut so. Aber bitte: Legen Sie die Fremdevaluation nicht nur auf Eis, um dann später weiterzumachen wie bisher. Ich würde den Schulen in Baden-Württemberg wünschen, dass Sie bei der Evaluation auf Reset drücken könnten. Die Evaluation gehört angepasst und auf die Füße gestellt. Sie sollten aus den freiwerdenden Stunden nicht nur Deputate basteln, um Lücken zu stopfen, sondern zumindest mit einem Teil der Berater echtes Evaluations-Neuland betreten. Sie sollten Selbstevaluationsmöglichkeiten für Lehrende mit modernen Inhalten füllen und diese den Schulen anbieten. Zur Unterstützung von echter Schulentwicklung. Nicht zur Überprüfung eines in sich sehr starren Systems.

 

Ich habe mich nach meiner Pensionierung in der Schweiz in Sachen direkte Selbstevaluation im Unterricht weiterbilden lassen. LUUISE … Lehrpersonen unterrichten und untersuchen integriert, sichtbar und effektiv …. Sie werden davon gehört haben. Immerhin wurde diese Weiterbildung auch inzwischen von Ihrem Ministerium für einige Kolleg/innen aus dem Berufsschulbereich gebucht. Ein lohnender Schritt. Eine Methode, kleinschrittig, angepasst, veränderbar, individuell, mitten im Unterricht angesiedelt …

Und – ich habe in der Schweiz eine Schule kennengelernt, in der alle Kolleg/innen in jedem Schuljahr ein kleines LUUISE-Projekt oder ein anderes kleines agiles Projekt ausprobieren (müssen) und es dann auf dem schuleigenen pädagogischen Marktplatz vorgestellt haben. Jeder gibt dort einmal im Jahr einen Einblick in seine eigene kleine Selbstevaluation und seine eigene Unterrichtsentwicklung. Ein pädagogischer Austausch der Superlative, völlig unaufgeregt und vielfältig ohne Ende. Genuss pur für einen, der als Schulentwickler an seiner eigenen Schule meist nur über Schüler/innen aus dem Kerngeschäft seiner Kolleg/innen erfahren hat.

Formative Evaluation des Unterrichts heißt es bei Hattie. Diese Selbstevaluation tut gut, ist effektiv und lässt sich agil an die Gegebenheiten einer Klasse anpassen. In der Hattie-Studie steht sie an dritthöchster Position in der Rangliste für erfolgreiches Lernen. Effektstärke 0,9. „Lernen sichtbar machen“ heißt Hatties Buch zur Studie.

„Lernen sichtbar machen“ ist auch die zentrale Aussage beim Selbstevaluationskonzept LUUISE, Lernen sichtbar machen taucht auch bei eduScrum auf. Bei einer Methode, in der Schüler/innen selbst zu den Hauptakteuren werden. Die Methode ist der IT-Branche entlehnt und setzt auf Agilität beim Lernen. Kleinschrittigkeit. Anpassung, Flexibilität. Quasi Luuise für Lernende. Es existieren inzwischen einige agile Ansätze, die auch auf Schüler/innen setzen. Auf Ausprobieren, verwerfen, neu aufstellen und weiterarbeiten. Und es werden mehr. Der agile Profi probiert kleinschrittig und setzt nicht nur Pläne um. Lässt den Lernenden selbst für sein Lernen Verantwortung übernehmen. Und setzt auf Augenhöhe. Aber Agilität im Unterricht verlangt nach agilen Schulstrukturen.

Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten 20 Jahren weltweit eine große Richtungsänderung im Denken um Schule und Lernen erleben werden. In dieser sich in rasendem Tempo verändernde Welt lassen sich auch Schulen nicht mehr mit schulischen Langzeitplänen und starren Schulhierarchien zukunftsfähig machen. Man muss auf die einzelnen Akteure setzen können und zwar agil, nicht in starren Grenzen. Die Zukunft benötigt alle guten Ideen. Wie schön wäre es doch, wenn Baden-Württemberg da vorne mitspielen würde.

Sehr geehrte Frau Ministerin, die Zeit ist überreif für wirkliche Veränderungen an unseren Schulen. Da schlummern Schätze in den Köpfen der Lehrenden und der Lernenden. Luuise, Scrum, Agilität, Hirnforschung, Studien und viele neue Erkenntnisse über Lernprozesse bevölkern die moderne Pädagogik. Aber Schulen werden nach wie vor geführt wie ein klassisches Unternehmen. Die Pyramide mit den Anweisungen von oben nach unten. Und die Spitze wird vom Ministerium auch noch überhäuft mit einer Unmenge an Aufgaben, die nichts mit dem zentralen Auftrag von Schule zu tun haben.

In der IT-Branche hat man schon lange gemerkt, dass dies nicht mehr zeitgemäß ist. Weil man damit kein Geld mehr verdient. Weil die Konkurrenz nicht schläft.

Auch an Schulen ist die pyramidenförmige Schulorganisation schon lange nicht mehr zeitgemäß. Gäbe es eine freie Konkurrenz unter Schulen und eine echte Eigenständigkeit der Schulen selbst, dann wäre die heutige Schule innerhalb kurzer Zeit ausgestorben. Weil die Eltern ihre Kinder nur noch auf die erfolgreicheren Schulen schicken würden, die es schaffen, die Kompetenzen von Lernenden und Lehrenden effektiver zu nutzen. Meine zentrale These: Das uralte Organisationsschema Schulverwaltung verhindert die Zukunft unserer Schulen.

Die Eigenständigkeit der Schweizer Schulen lässt zukunftskompatible Szenarien an einzelnen Schulen viel leichter zu – ein Genuss, das vor Ort beobachten zu können. Aber auch die Schweiz steht erst am Anfang.

Sehr geehrte Frau Ministerin, klar, ich weiß: Bei uns in BW ist das alles nicht so einfach. Die Tradition. Die ganze Schulverwaltung ist ein riesiger Dampfer, der seit vielen Jahrzehnten vor sich hinfährt. Politiker lassen das Schiff unentwegt unterwegs im Inneren umbauen, anstatt endlich zu bemerken, dass es die Fahrt-Richtung ist, die dringend geändert werden sollte.

In meinen 35 Jahren Gymnasiallehrerzeit habe ich Schulentwicklung „von oben“ meist unter den Aspekten Klassengröße – also Deputate und Lehrerzahlen – bzw. Lehrplanrevisionen – also fachliche Inhalte – erlebt. Und an der Schule selbst unter dem Aspekt „Methodik“, wie man Unterricht „besser“ machen kann. Damit die Schüler/innen mehr Spaß am Lernen haben. Man mag die Hattie-Studie  im Einzelnen kritisieren, die Gesamtaussage kann man aber definitiv nicht vom Tisch wischen. Klassengröße und Methoden gehören nicht zu den wesentlichen Faktoren für effektive Lernprozesse. Und darum geht es doch an Schulen. Genau darum. Selbstevaluation,  Selbsteinschätzung der Lernenden und die Beziehungsebene zwischen Lehrenden und Lernenden gehören dagegen zu den Faktoren mit den höchsten Effektstärken. LUUISE, Scrum&Co, Agilität, professionelles Ausprobieren zulassen durch eine wesentliche höhere Eigenständigkeit der Schulen, das ist meiner Meinung nach der Weg in die Zukunft der Schulen.

Dabei müssten Sie keine Angst vor zu hohen Kosten haben. Sie würden dabei auf die ungehobenen Schätze in den Köpfen von Lehrenden und Lernenden setzen … auf die hohe Effektivität von agilen Lernprozessen. Um die Richtung des Dampfers zu ändern, müssten Sie aktuell nur ein wenig an der Eigenständigkeitsschraube von Schulen drehen und als Aufsichtsbehörde das Vertrauen gewinnen, dass agile Verwaltung im Schulbereich keine Utopie sein muss. Der Tipp eines pensionierten alten Schulentwicklungshasen: Einfach mal mit einer Schule anfangen und bei der Entwicklung direkt zuschauen.

Und genießen.

Und vielleicht mit einem Teil der freiwerdenden Kolleg/innen aus der Fremdevaluation einen kleinen aber feinen Think Tank „Zukunft“ gründen.

Man würde Ihnen ein Denkmal setzen. 

Mit den allerbesten Grüßen aus dem Unruhestand

Heinz Bayer

Agiles Lernen und Lehren – Eindrücke vom Kennenlerntreffen am 6. Juli 2017

 „Eigentlich schade“, denke ich nach dem Zusammentreffen von Menschen aus Schule, Hochschule, Verwaltung und Industrie in Stuttgart – Kennenlerntreffen Agiles Lernen und Lehren stand in der Einladung.

„Eigentlich schade, jetzt kann ich den Sack voller Eindrücke und neuer Ideen gar nicht direkt anwenden. Befinde ich mich doch seit zwei Jahren im Unruhestand.“ Aber ich denke auch: „Wie großartig, dass ich viele pädagogischen und damals für viele scheinbar verrückten Ansätze, die ich in meinen 35 Jahren als Gymnasiallehrer ausprobieren durfte, jetzt auch benennen kann.“

„Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu ¬begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan“, war schon vor 20 Jahren die Grundaussage unseres Teams für den außerunterrichtlichen Bereich. Was haben wir da alles zusammengescrumt.

Und ich höre am Donnerstag zufrieden dem Vortrag über eduScrum zu und denke: Wie wunderbar, es gibt noch viel mehr Menschen auf dieser Welt, die das Ausprobieren zur Maxime erheben. Die sagen, dass man Lernprozesse nicht langfristig planen kann und dass man die Lernenden selbst viel mehr ins Boot und damit in die Verantwortung ziehen muss.

Augenhöhe ist ein Begriff, der immer wieder fällt. Selbstbestimmtes Lernen, Scrum, Sprint, Review, Backlog. Ich selbst kenne diese Begriffe übrigens erst seit 6 Monaten. Ich staune über die Vielfalt der Beiträge von Hochschule, Schule, Verwaltung und betrieblicher Ausbildung und finde: Sehr, sehr großartig, dieses Ding mit dem Attribut agil. Der Möglichkeiten viele und immer die Aussage im Hinterkopf: Agil ist Haltung, Scrum ist Augenhöhe.

 

 

Ich bin nach 35 Schuljahren mit großer Zufriedenheit über diese 35 Jahre in den Unruhestand gegangen. Nach der Veranstaltung in Stuttgart habe ich gedacht: Gesund, entspannt und zufrieden, weil ich immer wieder irgendwie und irgendwas gescrumt habe. Scrumen durfte, weil ich immer Schulleiter hatte, die uns machen ließen. Ausprobieren, was geht und was weniger. Gesund und zufrieden, weil Schule ein großartiger Lebensort ist, speziell wenn man die üblichen Bahnen verlässt, sich auf Unbekanntes einlässt und die Schüler&innen als zukünftige Leistungsträger sieht.

Ich drücke nach diesem ersten Treffen mit fast 20 ebenso wie ich agil Angesteckten ganz doll die Daumen, dass sich dieses Denken in die deutschen Schulen und Hochschule schleichen kann – auch in die Verwaltungen und in die beruflichen Ausbildungszentren. Als eine Möglichkeit, effektiver und zufriedener für Lehrende und für Lernende dem starken Lernen eine Bahn zu brechen.

Kennenlerntreffen Agiles Lernen und Lehren in Stuttgart. Dieser Tag hat sich mehr als gelohnt. Von meiner Seite aus ein großes Dankeschön an alle Beteiligten.

 

Heinz Bayer