Aktuell - save the date

Samstag, der 19. Juni ... ein @giler Tag an der Limm@t

 

 

Im Bildungsbereich stellt man sich immer wieder diese eine Frage: Wird Schule irgendwann „nach Corona“ mal wieder „normal“. Also etwa so: Die Lehrperson ist auf der Basis des Lehrplans gut vorbereitet für die Unterrichtsstunde und am Ende kann sie sagen: „Wunderbar. Heute habe ich meinen Stoff geschafft“. Und Schüler:innen in den analogen Schulbänken haben wieder dieses „normale“ Gefühl aus den früheren Zeiten. 

 

Die Sehnsucht in Zeiten des Onlinelernens nach der „Normalität“ ist logischerweise groß. Allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass es bei den Lernenden meist nicht in erster Linie um schulische Inhalte geht, sondern um soziale Vernetzung. Um das Menschsein eben. Gehen wir mal in analoge Vergangenheit vor zwei Jahren und schauen auf die Gefühlswelten der Akteure im Fachunterricht und auf den Stoff bezogen, dann ist das Bild dazu doch oft etwa so:

 

 

Nun haben Schüler:innen in den letzten Monaten zwangsläufig lernen müssen, selbstständiger zu laufen als im vorigen Bild. Klar, das Feld zieht sich möglicherweise in Sachen Fachkompetenz mehr auseinander. Aber in Sachen Selbstständigkeit und das „Sich auf sich selbst verlassen müssen“ haben alle zugelegt. Ob sie wollten oder nicht. (Ich will die aktuelle Situation natürlich nicht beschönigen - es werden auch einige wirklich abgehängt worden sein ... man muss für diese Kinder und Jugendlichen später spezielle Unterstützungen finden)

All das kommt also zwangsläufig an Lerneffekten hinzu. Und wird normalerweise vielleicht gerade in den Kopfnoten vermerkt. Mitarbeit: gut. Aber in Coronazeiten kommen häufig ganz neue Facetten der individuellen Lernprozesse zum Vorschein. Deutsch Mathe Selbstständigkeit Biss Englisch Einsatzbereitschaft Physik Teamfähigkeit Chemie Digitalisierungskompetenz usw. usw.... na ja, ich denke man versteht. Diese Kompetenzen der bisher nicht beachteten Dimension sollte man aber dringend in die Nachcoronazeit hinüberretten. Einbauen in die analoge Normalität des Unterrichts. Und dabei die aktuelle Ausbildung in Sachen digitales Netzwerklernen weiter aktiv nutzen.

„Aber was denn noch alles? Immer wenn wir gerade mal wieder Präsenzunterricht machen dürfen, dann müssen wir ja immer schnell Klassenarbeiten schreiben. Damit wir am Ende des Schuljahres Noten machen können. Und wenn Unterricht dann wieder „normal“ ablaufen kann, dann müssen wir erst einmal den vielen Stoff nachholen, damit es keine Wissenslücken gibt. Und zusätzlich geht da doch nichts mehr.“ So werden jetzt sicher manche Lehrende ausrufen. „Zur Bewertung von Selbstständigkeit, Biss Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, Digitalkompetenz und solchen Qualifikationen gibt es doch noch gar keine Vorlagen. Keine Ideen. Keine Anleitungen.“

Man stelle sich einmal vor, wie die gesamt Beurteilung von Schüler:innen wäre, wenn man als zweite Dimension neben den Fachnoten ganz andere Fähigkeiten hinzunehmen würde. Das Dach der Schule also im Kopf einmal wegnehmen. Ich behaupte, es wäre in beiden Dimensionen eine Gauss‘sche Verteilung.

Es gibt keine Ideen dazu? „Doch“ halte ich dagegen. „Aber es geht natürlich um eine ganz grundlegende Änderung, die gar nichts mit einer riesigen zusätzlichen Vorbereitung zu tun hat. Es geht um eine Verhaltensänderung der Lehrenden. Um eine Haltungsänderung der Lehrenden und Lernenden.


Ein guter Ansatz ist „Agilität als Haltung in der Schule“. Dr. Jean-Paul Munsch wird am 19. Juni in einer Keynote darüber reden. Der endgültige Titel der Veranstaltung steht noch nicht fest. 

Arbeitstitel: Die Sau im Dorf als pädagogischer Jungbrunnen. :-)

Denn viele werden doch insgeheim denken: Schon wieder eine Sau, die durch's Dorf gejagt wird.

Nein: Agilität sollte bleiben. 

Wir bereiten die Veranstaltung erst vor. Sie ist am Wachsen. Aber wir sagen schon einmal: Safe the date, wer sich durch Lehrpersonen der ersten Hochschule für agile Bildung (Zürich) inspirieren lassen will, um am nächsten Tag in die Schule zu gehen und diese ganz anders wahrzunehmen. Griffiger. Lebendiger. Entspannter. Effektiver. Befriedigender. Bunter.

 

Ja am 19. Juni lassen wir uns in die Karten schauen. Ich bin als alter Schulmeister, Pensionär und agiler Jungspunt in Zürich an der HfaB gelandet (Team Weiterbildung) und bin fasziniert, wie man Schule anders denken kann. https://hfab.ch/ Agil.

Dr. Jean-Paul Munsch und Prof. Dr. Dr. Christof Arn sind die beiden Gründer der privaten Hochschule. Ich schreibe hier bewusst die Titel dazu, obwohl die beiden sie fast nie verwenden. Aber sollte zufällig jemand aus irgendwelchen Bildungsbehörden hier vorbeikommen und nicken, dann sind solche Titel gut, um auch andere aus Bildungsbehörden besser überzeugen zu können, dass an der HfaB in Zürich nicht nur Pillipalli-Pädagogik entwickelt wird. Sondern ganz im Gegenteil: Die Pädagogik der Zukunft.

 

Ich frage jetzt einfach mal bei den beiden Gründern nach - gehöre ja inzwischen dazu und habe schnelle Vernetzung ... Freiburg-Zürich ... verrückte Zeiten ... Pairwriting ... gemeinsame Projekte, egal wo man sich befindet. Sich gegenseitig inspirieren ... zeitnah ... ortsfern ... etwas, was Millionen Schüler/innen als Kompetenz im Rücksack haben. Mehr als ihre Lehrer/innen, weil sie als digitale Natives sowieso viel leichteren Zugang zu solcher Kollaboration haben. Man muss es nur nutzen wollen. 

 

Ein Blog-Interview

Heinz Bayer spricht mit Christof Arn und Jean-Paul Munsch, den Gründern der Hochschule für agile Bildung.

 

HB: Christof. Du hast deinen Professorenjob an der pädagogischen Hochschule in Luzern an den Nagel gehängt, um eine eigene Hochschule zu gründen. Du hast in Luzern 8 Jahre lang agile Hochschuldidaktik unterrichtet und zu diesem Them geforscht. Warum um alles in der Welt hast du nicht das bestehende Gefäß der akkreditierten pädagogischen Hochschulen in der Schweiz genutzt, um zu versuchen, Agilität als anerkannten Inhalt zu implantieren? 

 

CA: Das ist ja der Clou: Ich habe dieses bestehende  Gefäß der akkreditierten Hochschulen nicht nur damals genutzt, ich nutze es weiterhin – ja, ich würde dem nicht mal «nutzen» sagen, sondern ich wirke mit, wo überall ich dazu eingeladen werde, und das ist gerade im Moment sehr häufig, aktuell laufen grad mehrere Mitwirkungen an Curriculumsentwicklungen. Die Frage ist also: Warum zusätzlich noch eine «Hochschule für agile Bildung»? Die Antwort hat interessanterweise ein Rektor einer Pädagogischen Hochschule für uns wunderbar auf den Punkt gebracht: Eine solche eigene Hochschule kann neue Dinge schneller machen – und damit einen Prototype entwickeln, den bestehende Pädagogische Hochschulen wieder kopieren oder sich einfach davon inspirieren lassen können. Wir wollen bewusst verschiedene Wege gleichzeitig gehen, so können diese einander ergänzen. Wir sind überzeugt, so besonders gut mit unseren Möglichkeiten zur Gesamtentwicklung beizutragen.

 

HB: Könntest du denn versuchen, in drei, vier Sätzen zu umreißen, was Agilität und Bildung an der HfaB im Kern bedeutet? So als Apptetithappen für Interessierte ... Vertiefung am 19. Juni.

 

CA: Agilität bedeutet, sich ganz am Lernen der Lernenden zu orientieren: Vollgas zu geben dafür, dass genau das passieren kann, was den Lernenden hilft; gut wahrnehmen, was bei den Lernenden passiert und im Moment kreative Ideen entwickeln, um genau jetzt gemeinsam gut auf das Lernziel hin unterwegs zu sein. Lehrendenagilität ist die Folge von Lernendenzentrierung. Es geht also nicht um Agilität, schon gar nicht um das Wort oder die Mode, sondern Agilität ergibt sich, wenn man fortlaufend hinschaut, Schritt für Schritt überlegt, was lernwirksam ist, was hilft. Dazu kommt: Während man hinschaut und kreativ den nächsten Schritt mit den Lernenden entwickelt, übt man selbst Agilität im Sinne von Situationsoffenheit bei Zielklarheit.

 

HB: Jean-Paul, wenn ich mir deine Beschäftigungsfelder ansehe, dann wird es dir auch ohne HfaB nicht langweilig. Ich zitiere: „Dr. Jean-Paul Munsch ist promovierter Philosoph, ausgebildeter Coach, Supervisor und Organisationsberater, Dialogprozessbegleiter, Familientherapeut und Konfliktberater.„ Kannst auch du unseren Leser/innen bitte kurz erzählen, was für dich der Antrieb war, dich in solch ein Abenteuer zu stürzen und eine eigene Hochschule zu gründen. Immerhin bist du ja so nebenbei noch immer für die Fachhochschule Nordwestschweiz tätig.

 

JPM: Nun, mit dem amerikanischen Philosophen Harry Frankfurt würde ich sagen: Weil ich vorhabe, weiterzuleben, ziehe ich es vor, mich nicht zu langweilen. — Aber im Ernst: Ich glaube, dass die Gründung viel mit meinem Freund und Alter Ego Christof Arn zu tun hat, den ich wohl für dieses Projekt treffen sollte. Und dann kommt hinzu, dass meine Tätigkeiten auch die Einblicke ins Bildungssystem, die ich im Laufe der Zeit gewinnen durfte, aufzeigen. Die Lehrpersonen sind der Schlüssel für die Veränderung des Systems. Dort gilt es anzusetzen.

Wir hatten ja zuerst versucht, eine bestehende PH für das Projekt zu gewinnen. Und als wir herausgefunden hatten, dass in der Schweiz jede Person eine Hochschule gründen kann, haben wir das vor 1 ½ Jahren gemacht. Es fühlte sich dann ein bisschen an wie eine Schwangerschaft, bei der mit der Grösse des Bauches auch das Bewusstsein für die Realität des Kommenden wächst. Aber ich gebe zu: Alle Beteiligten gingen über ihre Grenzen und Überforderung drohte zum Dauerzustand zu werden. Zum Glück kommen immer mehr Leute hinzu, die uns helfen, das Projekt agil stabiler zu machen.

 

HB: Und auch bei dir die Bitte um drei, vier Sätze zum Inhalt deiner Keynote am „agilen Infizierungstag am 19. Juni“. Agilität als Haltung in der Schule. Würdest du Lehrpersonen raten, den Aspekt Haltung einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, weil sie sich damit selbst etwas Gutes tun? Ihren Schüler/innen natürlich auch.

 

JPM: Auf alle Fälle! Das ist ein Gewinn für alle.— In meiner Keynote geht es darum, dass unser Handeln aus der Situation geboren werden kann. Das meint „agile Haltung“: Jede Situation ist anders und erfordert darum ein situatives — oder eben: agiles Verhalten. Zur Haltung gehören Rollenklarheit, ein Bewusstsein darüber, an welchen Prinzipien ich mich orientiere und die Fähigkeit, seine eigenen Annahmen immer wieder zu aktualisieren. Und ich werde über die Bedingungen einer agilen Haltung sprechen.

 

HB: Christof, Jean-Paul. Vielen Dank für den Einblick in eure Gedankenwelt.

 

Liebe Leser/innen

Falls es euch interessiert, was da zur Zeit in Zürich gedacht und entwickelt wird: Am 19. Juni werden Veronika Lévesque und ich (FAV und HfaB) diesen „agilen Tag an der Limm@t“ moderieren und begleiten. 

Die Anmeldung wird in Bälde hier verlinkt.

 

 

Die Tagungsplattform wird wieder Hopin.com sein, wie bei unserem agilen Barcamp im Januar. Das ist im Moment eine der Plattformen, auf denen man sich digital so innerhalb eines „digitalen Hauses“  bewegen kann, wie in einem analogen Tagungszentrum. Nämlich völlig frei. Ich nenne diese Möglichkeiten einer digitalen Tagung in der Zwischenzeit gerne 3D-Meeting. Wen die Theorie dazu näher interessiert: Ich werde mich am 19. Juni häufig in der Hausmeisterei aufhalten. 

 

 

Heinz Bayer alias Otto Kraz (digitaler Tagungshausmeister)


Kollaboratives Improvisationssammelsurium

Zur Erläuterung dieser Seiten, deren Aufbau sehr gewöhnungsbedürftig ist, weil sie seit 7 Jahren immer unter anderen Aspekten erweitert wurden.

 

Ich selbst bin der Schreiberling, aber die Inhalte sind immer entstanden aus verschiedenen Teamprojekten.

Aufeigenefaust.com startete 2013 mit einer fiktiven Laborschule samt eigener Geschichte - betrieben von einem Lehrer/innenteam vom Faust-Gymnasium mit einzelnen Fächerangeboten. Wir gaben uns damals fiktive Lehrernamen. Ich hatte meine Physikabteilung in einem eigenen Flügel der Schule. Von damals stammt auch der Otto Kraz, der auf diesen Seiten häufig auftaucht. Wir haben mit dieser fiktiven Laborschule echten Onlineunterricht gemacht ... ausprobiert, verworfen, angepasst, entwickelt ... und immer zusammen mit unseren Kunden untersucht, was gut funktioniert und was weniger.

Nach meiner Pensionierung habe ich diese Seiten mitgenommen. Immerhin war ich ja der Schreiberling. Ich habe eine Luuise-Coachausbildung gemacht und auch dort gerne Neues weiter ausprobiert. Und immer weiter gebloggt und geschrieben. Da ich mir immer noch ein wenig mit Fortbildungen die Laune des Unruheständlers hoch gehalten habe, habe ich diese Seiten natürlich auch immer für dieselben benutzt. bei Hattie lag einige Zeit mein Fokus. Und irgendwann landete ich als Tagungschronist beim Forum agile Verwaltung und fing an, mich für agile Prozesse zu interessieren. Bloggte bald auch dort und hatte mit ein paar agil aufgestellten Mitstreiter/innen ein Unterforum gegründet. Das Forum agil lernen und lehren. Oder wie ich es gerade lieber nenne: Das Forum kollaborative Improvisation. Ich lasse mich treiben und bin gespannt, was da noch alles kommen wird. Vielleicht ja in Kürze mit einem neu aufgelegten Programm für versetzungsgefährdete Schüler/innen. Denn eines ist mir als alter Schulmeister klar: Schule ist noch lange nicht fertiggedacht.

 

Mit den allerbesten Grüßen aus Weit im Winkl

Heinz Bayer alias Otto Kraz

 

p.s. Und klar, Helix ist so ein kleines, kompaktes Magazin, das wir vom Forum als Aushängeschild verwenden. Nach 40 Jahren Schulmeister ein wenig Herausgeber zu spielen tut auch ganz gut. 

Otto Kraz alias Heinz Bayer. 


Das letzte AKTUELL

Ich durfte für ein spannenden Buchprojekt pädagogische kritzeln. Also krazeln. :-)

Agilität und Bildung. Ist inzwischen bei visual books. erschienen.