Schule neu denken

Für alle, die Schule-today in irgendeiner Rolle verantworten, wird das eine wesentliche Aufgabe für Schule-tomorrow sein. Mal ehrlich: Die meisten Pädagog:innen spüren es garantiert. Doch gemach: Das Denken-ändern ist ja erst einmal ganz entspannt. Aber mit verändertem Denken verändert sich die Realität später so viel leichter. Behaupten wir an der Hochschule für agile Bildung in Zürich. Also lassen Sie sich doch als Leser:in erst einmal auf völlig neues Schule-denken ein. Und bitte: Denken Sie aktiv mit. Die Welt benötigt dieses komplett neue Denken von Schule, damit die heutigen Schüler:innen den Paradigmenwechsel zwischen der Welt heute und der Welt in 100 Jahren einigermaßen unbeschadet überstehen kann. Mit der heutigen Schulausbildung samt den üblichen Lehrplänen wird das leider nicht gelingen. 

8 Milliarden

Also wissen Sie, eigentlich …. Eigentlich ist es am Ende dann doch vielleicht ziemlich einfach. Also in 100 Jahren. In den nächsten 100 Jahren geht die Erdbevölkerung wieder zurück. Wahrscheinlich erreichen wir noch nicht mal 10 Milliarden. Immer mehr Regionen unseres Planeten sind bevölkerungsentwicklungsmäßig komplett rückläufig. Am Ende wird wohl nach dem arabischen Raum noch der afrikanische Raum übrig bleiben … bis dann auch dort die „Reproduktionsrate“ unter 2 fallen wird. Und sie wird es. Gnadenlos. Und dann? Werden wir Menschen … bis dahin hoffentlich im Einklang mit der Natur … uns auf eine Welt mit 5 oder auch irgendwann nur mit 2 Milliarden Menschen einpendeln? So weit will ich hier gar nicht visionieren. Aber das Ende des Bevölkerungswachstums wird kommen. Da sind sich die allermeisten Expert:innen einig. Warum? Na ja, Bildung für Mädchen … Berufstätigkeit von Frauen … weniger Kinder. So einfach.

Aber dann wird es echt schwierig. In Südkorea gibt es inzwischen eine Reproduktionsrate von 0,8. Aber viele alte Menschen. Nach dem kurz-unter-10-Milliarden-Höhepunkt wird das für alle Regionen der Welt das wesentliche Problem darstellen. Quasi die Umkehrung der heutigen Flüchtlingsproblematik. Die Welt wird weltweit nach jungen Menschen lechzen. Aber sie nicht bekommen. In Südkorea gibt es übrigens inzwischen so manche Grundschulklassen, die mit alten Menschen aufgefüllt werden, damit die Schule noch existieren kann. Ich finde eigentlich, das ist eine wunderbare Idee für die Zukunft. Denn es wird ohne Frage sowieso einen kompletten Paradigmenwechsel geben müssen. Die allgemein übliche Vorstellung, dass die Jungen die Alten versorgen, wird in den nächsten 100 Jahren einem radikalen Wandeln unterzogen werden müssen. Ja müssen. Denn die Menschheit wird definitiv aufhören, zu wachsen. Faszinierend, weil wir die erste Spezies auf diesem Planeten sein werden, die sich die Balance ihrer Population - durch Bildung - selbst einrichten wird. 
Völlig unklar ist allerdings der Übergang … und der wird wohl dramatisch werden, weil wir Menschen uns diese Entwicklung natürlich jetzt noch nicht so richtig vorstellen können. Wir werden es aber garantiert in den nächsten 100 Jahren umsetzen müssen. Uns werden die Menschen ausgehen und deshalb brauchen wir ein völlig neues Denken. Es wird nicht mehr sein können, dass der „verdiente Ruhestand“ für viele 20 oder 30 Jahre dauert.

Ich weiß, so etwas ist heute noch nicht zu verhandeln, aber schon heute darüber nachzudenken, ob man nicht irgendwann in der Zukunft die Zeit nach der Verrentung komplett anders denken muss, das macht wirklich Sinn. Man sollte sich langsam an solche Gedanken gewöhnen.

Und nochmals: Es wird am Ende die Bildung von Mädchen sein, auf die es ankommen wird, um die Bevölkerungsentwicklung zu stoppen. Und es wird auf die Bildung aller heutigen Schüler:innen weltweit ankommen, damit möglichst viele kluge und kreative Köpfe auf der Welt diesen ungeheuer schwierigen Übergang in eine schrumpfende Gesellschaft vollziehen können.

Übrigens: Kennen Sie das Projekt Drawdown?
Dort wird eindrucksvoll belegt, was Mädchenbildung in Regionen mit hohem Bevölkerungswachstum bewirkt.
 

Betriebssystem Denken

Mal ehrlich: Wer kann sich heute vorstellen, dass Schule sich so verändern wird, dass Lehrende und Lernende gemeinsam an der Bildung der Lernenden arbeiten und Lernende gleichzeitig auch ganz selbstverständlich Lehrende sind. Beamt man sich gedanklich hundert Jahre in die Zukunft, dann fällt es im Rückblick um so viel leichter. Man nennt es Zukunftswerkstatt für das eigene Gehirn. Es lockert die eigene Bereitschaft, „verwegen“ zu denken. 😎😎 Und ohne eine ziemlich heftige Verwegenheit werden wir die Zukunft nicht meistern. Doch in den Schulbänken sitzen die Macher:innen der Zukunft. Sie besitzen möglicherweise die richtigen Ideen für die riesigen Aufgaben, vor der die Menschheit steht. Machen wir uns doch als Lehrerinnen und Lehrer nichts vor. Wir sind nicht die Berufssparte der Visionäre. Wir sind die, die Lehrpläne souverän erfüllen können, wenn man uns nicht zu viele Zusatzaufgaben zumutet. Neben Lehrplan Visionen zu spinnen, dafür wurden wir nicht ausgebildet. Ist ja auch nicht schlimm. Wir müssen eigentlich „nur“ das Steuern ein wenig aus der Hand geben und starke Schüler:innen mit ins Boot holen. Weil sie das besitzen, was wir nicht haben: Die natürliche Fähigkeit, unbekümmert und verwegen Visionen zu spinnen. Genau das braucht die Zukunft unseres Planeten und wir sollten diesen Schatz heben.

Die Veränderung des Denkens ist wie ein kontinuierliches Update eines Betriebssystems. Wenn sich das Betriebssystem verbessert, können plötzlich viel komplexere Programme daraus laufen. Wenn sich das Denken in Richtung Future verändert, können darauf neue Projekte wachsen, an die man früher nie auch nur gedacht hatte, geschweige den geglaubt hatte, dass man sie irgendwann umsetzen könnte. Der Mensch an sich ist sehr entwicklungsfähig und noch lange nicht an seinen Grenzen angekommen. Davon bin ich überzeugt.

Kernfusion?

Das Verbrennen von fossilen Rohstoffen sollten wir dringendst zurückschrauben …

Ich bin Physiker. Wir Physiker glauben meist daran, dass wir auch die schwierigsten Probleme am Ende lösen können. Dass Rückschläge auch Chancen beinhalten. Na ja. Als ich noch Physik unterrichtet habe, war Kernfusion der Prozess, der im Innern unserer Sonne stattfindet und eigentlich für unsere komplette Energieversorgung verantwortlich ist. Aber stelle mal auf der Erde eine Situation her, die die Bedingungen in der Sonne simulieren kann, um das geniale Prinzip zu uns auf die Erde zu holen. Das letzte Mal, als ich mich vertieft damit beschäftigt hatte, da war alles noch irgendwie sehr unklar. Ob man es überhaupt schaffen könnte. 10 Jahre später ist das Unmöglichkeitsgefühl dem Optimismus gewichen. Es scheint irgendwann Wirklichkeit werden zu können. Und Kernfusion wäre eigentlich die Lösung … aber eben erst für die Generation meiner Ururenkel:innen. "Frühestens ab 2100" sagen viele Expert:innen. Bis dahin muss man dringend möglichst viele kluge Köpfe dabei unterstützen, den klaren Weg von fossilen hin zu alternativen Energiequellen als machbare Herausforderung anzusehen und umgehend aktiv zu werden. Und natürlich: Langfristig an Projekten wie der Kernfusion zu arbeiten.

Wo die klugen Köpfe für die Zukunft sitzen? Na wo wohl.

Wir Pädagog:innen sind konkret und zwar jetzt gefragt. Wir sind dabei gefragt, unseren Schüler:innen Startrampen für eine Zukunft zu bauen, die keiner kennt. Wenn wir die 100 Jahre bis zum möglichen Durchbruch der Kernfusion nicht überbrücken lernen, ohne gefühlt unterzugehen, dann hat die Menschheit ein richtiges Problem.

 

Fortsetzung folgt

Von der Zukunft aus denken

Ein Blogbeitrag unseres Forums agile Verwaltung geht mir nicht mehr aus dem Kopf. „Muss der Kapitalismus sterben, damit die Erde überlebt?“  Eine Buchbesprechung von „Das Ende des Kapitalismus“ von Ulrike Herrmann. Wolf Steinbrecher aus unserem Forum agile Verwaltung hat den Inhalt mit einer fiktiven Zukunft ohne permanentes Wachstum für Verwaltungen einmal weitergedacht: „… Ich versuch mal kurz und arrogant zu formulieren: Für eine Verwaltung, die  sich den gigantischen Überlebensaufgaben der Gesellschaft stellen will, stellt Agilität das Betriebssystem dar. Ein Betriebssystem ist bekanntlich keine ‚App‘….“ Also keine Handlungsanweisung, wie man die Zukunft nach all den aktuellen Multikrisen meistern kann. 

 

Ja stimmt, der Blogbeitrag treibt mich um. Habe natürlich auch das Buch gelesen. Deshalb werde ich in den nächsten Wochen an dieser Stelle zeichnerisch versuchen, die Bildung für die Zukunft von der Zukunft aus zu denken. Auch ich bin überzeugt, Agilität oder entwicklungsorientiertes Denken ist ein Betriebssystem. Eines für die Zukunft. Entwicklungsorientiertes Denken ist in der Lage, unvorhergesehene Geschehnisse nicht als Zumutung zu empfinden, sondern als Normalität im Leben. Und je mehr man sich breit darüber Gedanken macht, wie die Welt aussehen wird, wenn irgendwann einmal das Sinken des Bruttoinlandsprodukt nicht mehr als Horror-Warnzeichen einer Krise gewertet wird, umso leichter wird man diese heute noch schwierigst zu denkende Entwicklung für uns Menschen positiv umsetzen können. 

 

Die Erde und ihre Ressourcen sind endlich … die Atmosphäre ist ein globaler Player. Ich habe früher Physik, Mathematik und Geografie unterrichtet und dabei natürlich auch die Zusammenhänge der globalen Erwärmung. Und die Aussichten für unseren Planeten. Und nein, ich habe es trotzdem nicht gedacht, dass ich persönlich noch diese physikalisch hochspannende Fähigkeiten von Kohlendioxid, die Leben auf der Erde seit Millionen von Jahren überhaupt erst ermöglichten, so dramatisch negativ spürbar erleben würde. Ich habe mich da heftig getäuscht. Ein echter Schock. Aber wie meinte schon der Philosoph Karl Popper: „Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative! “ 

 

Ich habe vier Enkelkinder. Wenn meine Urenkel:innen einmal so alt sind wie ich, schreiben wir - so in etwa - das Jahr 2122. Könnte theoretisch sogar sein, ich lerne sie noch kennen, ein paar meiner Urenkel:innen. Die Generation meiner Enkel:innen und Urenkel:innen werden in einer Welt leben, die nicht durch kluge Pläne ins Lot gebracht werden kann, welche man heute in der Schule lernt. Die heutige Schule kann ihren Schüler:innen auf die Zukunft noch keine Antwort geben. Aber die heutige Schule könnte sie für diese ungewisse Zukunft ausbilden. Entwicklungsorientiert. Mit neuem Denken ausgestattet. Resilienzorientiert. Zufriedenheitsorientiert. Zivilisationserhaltungsorientiert. Sie als Akteure mit in die Ausbildung einbeziehen. Kinder stellen so häufig eigentlich richtige Fragen, bei denen Erwachsene aber meist nur den Kopf schütteln. Weil Kind ja nicht weiß, wie die harte Wirklichkeit aussieht. Aber Kind weiß oft intuitiv besser, wie die Zukunft aussehen wird. „Kinder an die Macht“ singt Grönemeyer. Und meint genau das damit. Augenhöhe. Haltung. Blickwinkeländerung.

Vielleicht sollte man deshalb zusammen mit Lernenden die Pädagogik selbst vom Ende her denken … Wie müsste denn die Schule aussehen, wenn es nicht mehr darum geht, dass man durch Bildung persönlich möglichst gute Aufstiegschancen bekommt, sondern Bildung in erster Linie für den Erhalt der menschlichen Zivilisation und die Zufriedenheit des Individuums stattfindet?

 

Entwicklungsorientierte Bildung für den Erhalt der Zivilisation und die Zufriedenheit des Individuums. Denken und spinnen Sie einfach für sich selbst einmal mit. Denn davon bin ich überzeugt: Unser „normales“ Denken kann die Aufgaben der Zukunft nicht erfassen. Wir müssen unser Denken massiv ändern.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

 


the bored brain - das gelangweilte Gehirn

Nur so ein kleines Probe-Heftchen, aber vielleicht kann es ja jemandem gerade dabei helfen, seiner Tochter oder seinem Sohn einen kleinen Visions-Input zu geben. Ein Versuch kann nicht schaden.

Es hilft vielleicht, wenn der Weg im Moment in Richtung "aber sowas von keinen Bock auf Schule" geht. 

Konkret: Das pdf ausdrucken (zweiseitiger Druck) und dann mit der Schere und drei Schnitten horizontal die Doppelseiten vorbereiten, die ineinandergelegt und geheftet zum Pixi-Büchlein wird.

Mein Tipp ... deshalb hier auch wirklich nur als Gekrazel, damit man die Scheu vor dem eigenen Visualisieren verliert ... die Idee aufnehmen und auf sein eigenes Kind "feinregulieren".  

Dass solche Konzepte funktionieren, wenn Kind in Not ist, hat auch das Projekt Reservetank gezeigt, bei dem 77 nichtversetzte Schüler:innen am Ende doch versetzt wurden. 

Und früher, an meiner eigenen Schule, haben wir zwei, drei Monate vor den Zeugnissen alle Versetzungsgefährdeten zu einem Projekt eingeladen, in dem es nur darum ging, zu erläutern, wie man ein Gehirn auf Plus polen kann, um dann durchzustarten. Wir hatten über Jahre die Zahl der Nichtversetzungen halbiert ... minimaler Einsatz maximaler Output. Schon allein der Effekt, wenn man alle Versetzungsgefährdeten in eine Gruppe packt und die sich als Team verstehen, versetzt Berge.

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Das gelangweilte Gehirn
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OECD-Lernkompass 2030


Schon ziemlich verrückt. Da zeigt die Hattie-Studie und auch der OECD Lernkompass 2030 klar in Richtung Entwicklungsorientierte Bildung, aber in der Realität der Schulen ist noch nicht einmal die Kompetenzorientierung so richtig angekommen … wir Menschen scheinen uns mit der guten, alten Wissensorientierung besser zu fühlen. „Schon bei deinem Uropa war das so - und aus dem ist auch was geworden.“ Für fühlen uns besser und verschlafen dabei die Zukunft. Eltern, Lehrende, Lernende, alle. Ich suche gerade nach einem schrillen Wecker. Otto Kraz

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Schulanfang und Zauber inne

Liebe Eltern von Erstklässler:innen

Zum Schulbeginn finden Sie hier einen Tagesfeedbackkalender samt Starterheft zum langsamen Einstieg für Noch-nicht-Schreiberlinge  ... jetzt sind die Hefte auch gedruckt zu erhalten ... epubli sei Dank. In Farbe als das besondere Geschenkidee für Menschen, die wissen, welche positiven Effekte gute Feedback-Boards aller Art im Beruf haben können. Das können sie auch schon in der Grundschule - man muss die Grundidee nur entsprechend anpassen. 

Otto Kraz

Dies ist der Haupt-Tagesfeedbackkalender als pdf-Datei. Samt allen pädagogisch wissenschaftlichen Grundlagen, die zu seiner Entstehung geführt haben. Würden Ärzt:innen heute Studienergebnisse ignorieren, würde man wild den Kopf schütteln. Die Forschungsbilanz des Bildungsforschers John Hattie "Visible Learning" (Hattie 2009) bietet eine Gesamtschau von über 50 000 Einzelstudien über ein breites Spektrum von 138 Einflussfaktoren zum Lernerfolg (2009 ... inzwischen 95 000 Einzelstudien mit über 300 Faktoren aus Daten von 300 Millionen Lernenden) sollte man auch nicht ignorieren. Und man sollte als Erstklasseltern wissen, dass ganz oben in der Liste der effektivsten Faktoren für erfolgreiches Lernen das Tagesfeedback steht. Mehr dazu im Heft. 

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Achtung Schere

Au Backe.

„… Was ihrer Tochter bevorsteht, ist kein Sonderfall in Sachsen-Anhalt. Der Plan, im kommenden Schuljahr eine Vier-Tage-Woche möglich zu machen, kommt von ganz oben. In einem Papier, für das Bildungsministerium und Landesschulamt verantwortlich zeichnen, wird das »4 plus 1«-Modell als Reformkonzept gehandelt. Es sollten »Freiräume in der konzeptionellen Unterrichtsplanung und Unterrichtsdurchführung« geschaffen werden, heißt es in dem Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt…. Spiegel online Juli 22

 

Im Ernst?

Corona hat es doch gezeigt: Die Idee ist eigentlich aus Sicht eines Pädagogen total super. Ein Tag selbstständiges Arbeiten, 4 Tage Schule. Manche Schulen hatten im ersten Lockdown solche Konzepte gestrickt. Aber leider: Das Konzept ist eben nur was für die Schulstarken,  nicht für die Schulschwachen. Obwohl die Schulschwachen genau solch ein Konzept für ihre Eigenständigkeit und ihr Selbstwertgefühl wunderbar nutzen könnten … könnten sie es nutzen. Dann würden sie viel leichter zu Schulstarken als in der Fünftagewochenschule. Fazit: Die normale Schule ist mit der Idee überfordert, weil ihr Handlungs-Rahmen leider zu eng ist.

 

Zwischenreingerufen

Ich verwende die Begriffe plakativ und sollte es erklären. Schulstark / Schulschwach. Die Begriffe beziehen sich wie üblich auf die Noten. Nun weiß man aus vielen Studien, dass Berufserfolg und Schul-Notenerfolg ohne Zusammenhang sind. Anders ausgedrückt: Es gibt keine Studie, die einen Zusammenhang zwischen den jährlichen Schulnoten und dem späteren beruflichen Erfolg nachweisen könnte. Aber es gibt viele Studien, die den Zusammenhang zwischen Eigenständigkeit, Eigenengagement, Reflexionsfähigkeit und Selbstbewusstsein mit dem späteren beruflichen Erfolg herstellen. Das Verrückte: Man benötigt für diese Erkenntnis gar keine Studien. Man muss dieser Frage nur einmal im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis nachgehen. Dann hat man seine eigene Studie, auf die man sich verlassen kann.

 

Riesenschildkröte?

Die Bildungssystem ist schon irgendwie etwas Großartiges. Sie hat etwas von einer Riesenschildkröte, die einen sehr weise und lebensklug anschaut und man sieht es ihr an: Sie meint es ganz ehrlich. Und man übernimmt ihre Meinung gerne und irgendwie intuitiv. „Never change a running system" meint sie und setzt auf das Althergebrachte. Weil ihr das Neue doch sehr suspekt und zu unsicher ist, denn es entwickelt sich ja so richtig entwicklungsorientiert weiter. Auf das Alte kann man sich verlassen. Zumindest die auf der oberen Seite der Schere. Riesenschildkröte, es tut mir leid. Aber du bis leider echt in die Jahre gekommen und siehst wohl auch viel schlechter.

 

Und jetzt?

Na ja, wenn Sie mich schon so fragen. Ich würde sagen: Entwicklungsorientiert denken. Das „4 plus 1“ - Modell ist eine starke Idee, die in dem normalen Schulsystem aber nicht für alle wirksam wird. Auch Corona hat die Schere zwischen den Schulstarken und -schwachen vergrößert. Einfach übel für all die Berufsstarken, die den (absurden aber realen) Makel des Schulschwachen oft lebenslang mit sich herumtragen. Tragisch für die Schulschwachen, die genau wegen der Schere nicht in den normalen selbstbewussten Berufsstarken überwechseln können, weil ihr vergeigter Schul-Abschluss da einen Riegel vorgeschoben hat. Obwohl die Schulnoten eigentlich nix aussagen … wir hatten das schon.

Also entwicklungsorientiert denken.

 

Ja wie?

Vielleicht ja mit Konzepten aus dem Buch über „Entwicklungsorientierung als Paradigmenwechsel“. Denn mal ganz unter uns: Wenn die Lehrkräfte fehlen und man deshalb eine Viertageschulwoche einführen will, dann bedarf es eines wirklichen Paradigmenwechsels. Sonst geht das aber sowas von schief. 

 

Geht‘s vielleicht genauer?

Nö, das Problem ist leider zu groß, als dass man hier schnelle Antworten von der Hochschule für agile Bildung geben könnte. Aber mir fällt spontan ein alter Blogbeitrag ein, in dem ich mal wieder wie schon mal, an das Kultusministerium BW einen offenen Brief geschrieben hatte.

 

Schüler:innen?

Ja klar. Und natürlich auch Pensionär:innen mit sprechenden Fachbüchern. Und pädagogisch entwicklungsorientiert tickende Schulexterne mit Einsatzlust. Alle an einen runden Tisch. Und dann entwickeln. Vor Ort. Mit allen Fähigkeiten, die man mit allseitiger Augenhöhe auf den Tisch legen kann. Sich an der Entwicklung orientieren, heißt es auch hier. Nicht nach einem Plan vorgehen. Und mir persönlich fällt eben wie schon immer ein riesiger ungehobener Schatz ein: Die Fähigkeiten von Schüler:innen. Und inzwischen fallen mir als Pensionär durch meine sprechenden Physikmagazine auch die vielen Pensionär:innen ein. Aber bitte nicht vor der Klasse, sondern als Background „on demand“. Für die Schülermentor:innen.

 

 

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Abi-Vorbereitung für Vorschul-Kids

Den Titel meine ich tatsächlich ernst. Ich war vor meiner Pensionierung Mathe- und Physiklehrer an einem Gymnasium und habe mich oft geärgert, dass junge naturwissenschaftlich begabte Menschen mein Lieblingsfach Physik in der Oberstufe deshalb nicht wählten, weil sie meinten, sie würden Physik nicht blicken. Dabei blickten sie meist nur nicht das einfache Mittelstufenrechnen, das man eben benötigt, um aus physikalischen Phänomenen reale physikalische Werte zu erhalten. 

Was mich immer am meisten verwundert hat war das Phänomen, dass viele meiner Schüler:innen offensichtlich nie wirklich die Philosophie des Dezimalssystems verstanden hatten und deshalb mit Zehnerpotenzen große Probleme hatten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, an welcher Stelle in den Lehrplänen die Philosophie des Zehnersystems eingebaut ist. Wahrscheinlich irgendwann in der Grundschule inmitten vom "Rechnen" ... eingebaut als Zählen mit Stellenwertsystem ... und dann wieder vergessen, wie großartig und wertvoll dieses System ist. Aber wenn man die Idee des Stellenwertsystems vergessen hat, dann kann man beim Rechnen nicht so einfach drauf zurückgreifen. Und das ist sehr schade für eine mögliche zukünftige Naturwissenschaftlerin / einen möglichen zukünftigen Naturwissenschaftler. Weil sie vielleicht einfach nur deshalb in diesem gefragten beruflichen Umfeld nie ankommen werden. Begründung: "Ich habe Physik nie geblickt."

Nun habe ich als Vierfach-Opa im Umfeld meiner Enkelkinder mitbekommen, wie von vielen Eltern schon vor der Grundschule Addieren und Subtrahieren geübt wird ... immer in der Annahme, dass das einen Startvorteil bringen würde. Dabei bringt es am Ende vielleicht sogar einen Nachteil, weil die Schule am Anfang ohne echte Aha-Momente in Mathematik abläuft. Diese Aha-Momente, die das Leben so prickelnd machen. Da Vorschul-Kids aber völlig natürlich ins Zählen kommen, auch ohne Elternunterstützung ... weil Zählen wie eine Erweiterung der Sprache ist und automatisch gelernt werden will ... liegt es doch nahe, die Kulturgeschichte des Zählens, die weltweit im Zehnersystem angekommen ist (und in der Digitalisierung im Zweiersystem) unseren Vorschul-Kids näherzubringen. Denn das ist spannend und hilft und hält damit vielleicht bis ans Ende der Schulzeit und damit in den Physikunterricht, der damit entspannter werden kann, weil man Zehnersystem und Zehnerpotenzen schon seit dem Kindergarten kennt. 

Einen Versuch ist es wert, finde ich. Und habe deshalb für meine eigenen Enkel eine kleine Geschichte geschrieben. Hier ist sie.

Otto Kraz. 


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FAV-Konferenz und die AHAs

Ich habe es nochmals ausprobiert und ja: Ich empfehle es zur Nachahmung. Die AHA-Chronik einer Konferenz. Bei der FAV-Konferenz in Ettlingen am 15. Juni war ich zumindest als Chronist sehr zufrieden. Die Teilnehmer:innen dazu bekommen, dass sie ihre AHA-Momente des Tages als Sätze an den Tagungschronisten schicken, der sie dann visualisiert. Ein ganz anderer Blick auf eine Tagung ... wie ein Gedankenpuzzle ... und gut zum Weiterdenken beim Betrachten.

Hier geht es zur Vertiefung. Otto Kraz

Mein Lieblingsbild des Tages als Nichtverwalter.

Entwicklungsorientierte Großeltern

Open Questions - eine ganz eigene Erfahrung

Wir hatten die Veranstaltung am 11. Mai - letzter Blogbeitrag - mit einem neuen Format versucht: Die Autor:innen des gerade eben erschienen Buches Entwicklungsorientierte Bildung bei Beltz Verlag stellten ihren Buchbeitrag kurz vor und brachten selbst offene Fragen mit. So kam es schnell zu intensiven Diskussionen. Daneben gab es ein kleines Visualisierungsexperiment. Ich war selbst nicht in den Diskussionsrunden dabei, hatte aber alle Teilnehmer:innen aufgefordert, mir Aha-Sätze in den Chat zu schreiben, die ich dann visualisieren wollte und am Ende präsentieren. Aha-Sätze? Wenn man so eine Veranstaltung mitmacht, dann klickt es ja immer mal wieder im Kopf. Aha-Momente des Lebens. Ja und so habe ich die Veranstaltung selbst über Aha-Sätze mitgemacht und gezeichnet. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte ich auch schon viel gezeichnet, sodass am Ende ein echtes Bilderbuch zum Buch entstand.

Und irgendwann beim Staubsaugen hat mein Kopf plötzlich gemeint, zu entwicklungsorientierte Bildungsweisheiten müssten eigentlich auch Großeltern Zugang bekommen, weil sie heutzutage ja häufig Einfluss auf den Familien-Fokus Schule haben - oft positiv aber auch oft negativ. Na ja, dann habe ich die Krazeleien, von denen ich meinte, sie könnten was für Opas und Omas sein, zu einem schnellen Skript zusammengebaut. Als Vierfachopa ist meine Sicht ja vielleicht genau die richtige, meinte mein Kopf. Das Ergebnis stelle ich hier einmal ins Netz. Vielleicht kann es dazu beitragen, dass Schule für den einen oder die andere Schüler:in entspannter wird.

Heinz Bayer alias Otto Kraz 

Meinungen gerne direkt an otto.kraz@aufeigenefaust.com

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Ein schnelles Skript zum Diskutieren
Entwicklungsorientierte Grosseltern Web.
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Entwicklungsorientierung - 11. Mai - Online

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Dies ist der Versuch, mit "sprechenden Bildern" ein bald erscheinendes Buch zum Thema Entwicklungsorientierung zu beschreiben und zu bewerben. 

Ich habe den Part übernommen, als pensionierter Gymnasiallehrer, der heute im Team Weiterbildung an der Hochschule für agile Bildung in Zürich mitwirkt, den ersten Band einer Reihe von drei Büchern zu diesem Thema zu lesen und mit dem Blick durch meine Praktikerbrille zu visualisieren. Also eine sehr persönliche Interpretation einiger Aspekte des Buches. Damit man einen ersten Eindruck über die Inhalte bekommt.

Der erste Band dieser Reihe ist ein eher wissenschaftlich gehaltenes Buch ... aber voll mit pädagogischem Sprengstoff, der viele Fragen aufwirft. Die es zu beantworten gilt. Damit sich die Idee, dass Entwicklungsorientierung Wissensorientierung und Kompetenzorientierung in sich aufnehmen kann, um Bildung zukunftskompatibel zu machen, weiterentwickeln kann. Deshalb auch die Veranstaltung am 11. Mai. Ein Treffen, um die Ideen des ersten Buches weiterzuentwickeln. Ein Austausch über einen notwendigen Paradigmenwechsel.                Heinz Bayer alias Otto Kraz April 2022

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Ukraine, Flucht und Schule - Folge zwei

Weil ich nach meinem letzten Blogbeitrag nun schon einige Male angefragt wurde, wie ich die Idee denn konkret weiterspinnen würde und ob man nicht die Schulen auch mit einbeziehen könnte, spinne ich gerne einmal weiter.

 

Eines sollte ich vielleicht noch erwähnen. In meinem Kopf laufen natürlich dabei Überlegungen ab, was ich selbst wohl als junge geflohene Lehrkraft machen würde - samt einem verfügbaren großen Onlineschatz an Unterrichtsmaterialien, Erfahrungen damit und einem eigenen Netzwerk von Lehrerinnen und Lehrern - befände ich mich jetzt im Ausland und könnte mich aktiv einbringen. 

 

 

Ich bin nach einigen Rückmeldungen von "Kneipenschule" auf "Schulfiliale" umgeschwenkt. Sorry, Kneipe ist für mich als Pensionär, Weintrinker und Lebensgenießer ein wunderbarer Ort. Aber ich sehe es umgehend ein … nur weil die Versorgung von ukrainischen Schulkindern in Kneipen in den normalen Arbeitsbereich passt, sind Kneipen nicht der beste Ort für das Konzept.

Nennen wir es also doch besser eine Filiale von Schule.

Schulfiliale.

Etwa Räume in Gemeindezentren, Altersheimen, Vereinsheimen, Eiscafés, Bürgerzentren, Theatern, Konzerthäusern etc … Und klar, auch wenn sich Schule zutraut, einen Raum in der Schule zur Schulfiliale zu erklären, dann kann Schulfiliale auch in der Schule funktionieren.

Zukunftswerkstatt Schulfiliale

Man nehme … Eine: Initiator:in, der/die eine Schule samt einer Filiale nebenan findet, die diese ganz eigene Kraft der Idee verstehen kann und mitzieht.

Von Schulseite aus würde folgende Aufgabe bestehen: Zustimmung der Direktion, Anmeldung der ukrainischen Schulkinder. Ansprechlehrer:in. Aktive Schüler:innen höherer Jahrgänge, denen man eigenverantwortliche Aufgaben überlassen kann. Zugang zum Schulkopierer. Papier und Stifte.

Von Filialseite aus wäre es die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Verpflegung samt WLAN-Anschluss.

Im üblichen lokalen Fall würde es sich ja wahrscheinlich meist „nur“ um 5 bis 15 Kinder und Jugendliche handeln … also überschaubar.

Bezahlung: Offizielle Fördertöpfe, die ja schon bei Corona entstanden und nun eben etwas umgemünzt werden müssten. Immerhin WinWin. Theoretisch könnte das natürlich auch innerhalb der Schule gehen, wenn es freie Räumlichkeiten gäbe … aber ich nehme an, dass schon allein Aufsichtspflicht und Schulverordnungen dem schnellen Prozess im Wege stehen würden.

Und es geht ja hier um schnelles Handeln.

Also gehen wir als „Starter-Set“ z.B. von 10 Schüler:innen aus 5 Klassenstufen aus. Dazu ein:e ukrainische Lehrer:in mit ihrem natürlichen eigenen Lehrer:innen Netzwerk … entweder mit Deutschkenntnissen (oder ein:e Dolmetscherin müsste dabei sein). Bezahlung sollte kreativ gedacht werden. Vom Jugendbegleiterprogramm über europäische Bildungsprogramme bis hin zu regionalen Fördertöpfen oder Spendengeldern.

Eine kleine Gruppe im Starter-Set müsste sich nun konkret "zusammenzoomen", um Folgendes abzuklären: Inwieweit ist das ukrainische Online-Lehrangebot so gestaltet, dass man es auch angepasst an Schulfilialen agil nutzen kann. Oder entwicklungsorientiert, wie wir in Zürich an der Hochschule für agile Bildung dazu sagen.

Die nächsten technischen Schritte würden von dieser Klärung abhängen. Kann eine ukrainische Lehrperson schon plattformmäßig individuell alle Klassenstufen in der Schulfiliale begleiten oder muss man in Zusammenarbeit mit einer Plattform wie etwa https://scobees.com/ eine kluge Vernetzung neu aufstellen.

Papier und Kopiermaterial bezieht die Schulfiliale über die Schule. Den persönliche aktive Austausch realisieren Schüler:innen. Deutschkurse werden am Nachmittag neu gedacht und sind reine „Schüler:innenschulen“ - entwickeln sich also auch innerhalb des Schulbereichs, aber außerhalb der zusätzlichen Lehrer:innenbelastung.

Trotzdem wäre natürlich Austausch auf Lehrer:innen-Ebene sehr sinnvoll - aber eher, weil es sinnvoll wäre, der schleppenden Digitalisierung an deutschen Schulen (Ich spreche dabei nicht von technischer Ausstattung - sondern von Lern-Plattformen wie https://scobees.com/ ) einen Schubs in die Zukunft zu geben.

Also Lernen von der Ukraine anstatt Willkommensklassen einrichten.

Gut wäre natürlich immer auch ein:e Bürgermeister:in mit im Boot, weil sicher irgendwelche Verwaltungsprobleme auftauchen werden.

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Ukraine, Flucht und Schule

Entwicklungsorientierung statt Willkommensklassen

Ukrainische Schulkinder in Deutschland

Stark-Watzinger für »Willkommensklassen« nach dem Vorbild von 2015

(Spiegel-online 20.3.22)

 

„Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat »Willkommensklassen« nach dem Vorbild von 2015 angeregt, um junge Geflüchtete aus der Ukraine an deutschen Schulen zu unterrichten. »Wir können von den Erfahrungen von damals profitieren«, sagte sie »t-online«. Die Abläufe seien an vielen Schulen bereits bekannt... Sie gehe davon aus, dass mindestens ein Drittel der Geflüchteten unter 18 Jahre alt sei. »Wir müssen auf beides vorbereitet sein: dass viele Kinder und Jugendliche auf absehbare Zeit zurückkehren – aber auch darauf, dass sie länger hierbleiben«, sagte Stark-Watzinger.“

 

Auch Backe.

Höchste Zeit, Bildung wirklich ganz neu zu denken

 

Wie war das 2015 in Deutschland mit den Willkommensklassen? Ja klar. Wirklich sehr gut gemeint. Ich ging damals gerade in Pension und habe in einem kleinen Team Schüler:innen in einem Flüchtlingsheim unterstützt. Aber die Aussage: „Die Abläufe sind an vielen Schulen schon bekannt,“ als wäre es ja alles super einfach gelaufen, da muss ich doch sagen: Au Backe.

Nein, kein Lehrerbashing. Ich sags mal ganz ohne Schuldzuweisung:

Die aktuellen Rahmenbedingungen für Bildung in Deutschland sind einfach

nix für Krise!!!

Die sind was für eine stabile ruhige entspannte Welt, in der so ein Lehrplan auch mal 20 Jahre gelten darf. Und sorgfältige 10 Jahre Vorbereitung benötigt. Die Welt hat sich aber verändert. Das iPhone kam vor 15 Jahren auf den Markt. Das Virus vor 3 Jahren in die Welt. Der Überfall auf die Ukraine begann vor 3 Wochen.

Ich nenne unser wissensorientiertes Bildungssystem jetzt der Einfachheit halber mal Heinz (beliebter Jungenname nach dem Krieg), die zaghafte Kompetenzorientierung Stefanie und Stefan (Lieblingsnamen in den Siebzigern) und entwicklungsorientiertes Lernen und Lehren Emilia. (Top-Vorname 2021)

 

Heinz überlegt sich angesichts Hunderttausender geflohener ukrainischer Schulkinder, wie man diese in das bestehende System integrieren könnte und verzweifelt umgehend. Er will so gerne das Gesicht wahren, aber ihm ist eigentlich klar, dass er dafür einfach zu alt ist. Seine jahrzehntelange Erfahrung bringt ihm keine Vorteile. Im Gegenteil. Er würde für diese Aufgabe mindestens 4 Jahre Vorlauf brauchen. Aber er hat nie gelernt, anders zu denken. Und er ist immer noch der Chef.

Stefanie und Stefan sind auch ziemlich verwirrt. Kompetenzen fördern ist ja vielleicht im Moment nicht wirklich angesagt, meinen die Zwillinge und überlassen dem Chef die Planung.

Emilia hingegen denkt komplett anders. Sie ist ja noch jung. Sie kennt das klare Ziel und würde gerne umgehend loslegen. Emilia plant nie im Detail. Sie würde diejenigen vernetzen, die sich vernetzen lassen. Aber klar: Sie kann nur Vorschläge machen. Heinz ist der Chef.

Das Ziel für Emilia: Die Schulkinder sind jetzt hier und müssen jetzt in die Schule gehen. Und zwar in eine ukrainische Schule mit ukrainischem Lehrplan, (nicht in eine deutsche Willkommensklasse) denn sie werden ihr Land wieder aufbauen - wann genau ist ungewiss, aber sie werden es tun.

Und sie sollten es aufrecht und stark tun.

 

Die obere Visualisierung erzählt nur eine grobe Idee von Emilia. Es ist eine erste Skizze, aber so könnte man umgehend beginnen. Wäre nicht Heinz der Chef. :-)

Emilia meint natürlich auch, dass es gleichzeitig sinnvoll wäre, nebenher auch noch Deutsch zu lernen … man weiß ja nicht, wie lange alles dauern wird. Außerdem ist Mehrsprachigkeit immer eine starke Kompetenz. Aber Deutsch lernen wäre doch am besten bei Paten aus der Ecke aktiver Jugendlicher aufgehoben. Meint Emilia.

 

Gruß Heinz Bayer alias Otto Kraz.  - Team Weiterbildung an der Hochschule für agile Bildung in Zürich

 

p.s. Sprechende Unterrichtsmaterialien? Mehr dazu hier: 

 

 

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Entwicklungsorientierte Bildung

Am 22. Juni 22 erscheint beim Beltz-Verlag ein Buch über Entwicklungsorientierte Bildung. Wir diskutieren schon am 11.Mai 22 mit einigen Autoren über den Inhalt.

Die Online-Veranstaltung an der HfaB ist kostenlos und dient der Weiterentwicklung des Themas. Denn es folgen noch zwei weitere Bände in dieser Reihe. 

Entwicklungsorientierung hört sich eigentlich harmlos an, ist aber ein echter Paradigmenwechsel in der Bildung. Nach Wissensorientierung und Kompetenzorientierung verlangt die schneller drehende Welt nach einem ganz neuen Blick auf Bildung. Genaueres siehe QR-Code.

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QR-agil … unbürokratisch, kreativ, sofort

Im Moment kommen Hunderttausende ukrainische Schulkinder in Europa an.

Ursprünglich wollte ich aufbauend auf meinen letzten Blogbeitrag von der Weiterentwicklung der sprechenden Physikmagazine schreiben. Weil ich doch inzwischen noch die QR-Code-Möglichkeit eingesetzt habe und dann sehr einfach mit Hilfe von epubli.de auch Magazine ausdrucken lassen kann. Eigentlich eine Weiterbildungsidee für unsere Hochschule für agile Bildung in Zürich. Aber eigentlich auch direkt umsetzbar für ukrainische Schulkinder?

Denn ja, diese QR-Code-Technik kann jede:r ganz leicht einsetzen. Das funktioniert auch für Arbeitsblätter. Man kann Arbeitsblätter „zum Sprechen“ bringen und damit den Lernenden die Möglichkeit eröffnen, zeitlich unabhängig von der Lehrperson zu lernen. Und als Lehrperson bekommt man damit die Möglichkeit, leistungsstarke Schüler:innen mit agilen Ansätzen „von der Pädagogenleine“ zu lassen. Um sie später wieder als „Lehr-Assistent:innen“ einzubeziehen. Ich ziehe übrigens vor epubli den Hut, weil man einerseits schnell Hefte online und kostenlos als pdf zur Verfügung stellen, aber auch gleichzeitig denselben Inhalt „on demand“ als gedrucktes Magazin bzw Workbook bestellen kann. Mehr dazu unter aufeigenefaust.com/physik/

Jetzt blogge und spinne ich mit dieser Grundidee gleich einmal weiter.

Im Moment fliehen Hunderttausende aus der Ukraine. Darunter viele Schulkindern… Sie könnten zu einer sehr starken Generation heranwachsen. Der ungeheure Mut ihres eigenen Volkes könnte sie lebenslang tragen. Könnte. Sie wurden brutalst aus dem laufenden Schuljahr herausgerissen, sind aktuell entwurzelt und brauchen dringend wieder Schule. Jetzt. Sofort. Überall. Und zwar starke Schule. Ukrainische Schule. Nicht die Schule des aktuellen Aufenthaltslandes. Nicht deutsche Schule mit deutschen Inhalten. Aber wie?

Ukrainisch sprechenden Blätter

Ich stelle hier eine grobe Konzeptskizze in den Raum – vielleicht kann ich eine Behörde „infizieren“, die mit ukrainisch schutzsuchenden Schulkindern zu tun hat. Vielleicht auch eine Aktivgruppe, die gut vernetzt arbeitet.

Spiegel-Online titelt heute: Bildungsministerin Stark-Watzinger: „Aus der Ukraine geflüchtete Lehrkräfte sollen an deutschen Schulen helfen.“ Vielleicht ist das ja die richtige Behörde.

Eine Behörde, die sich fragt, wie sie für diese Kinder Schule schnell und effektiv organisieren kann. Es muss darum gehen, dass ukrainische Schulkinder umgehend weiter „normale“ Schule „besuchen“. Das funktioniert natürlich nur mit ungewöhnlichen Ansätzen. Angepasst an die aktuellen Möglichkeiten … und ausgestattet mit Smartphones. Die Schulräume könnten auch Gaststätten sein, die morgens nicht benutzt werden. Da wäre schon die Versorgung geklärt. Ukrainische Betreuer:innen müssten nicht unbedingt Lehrkräfte sein.

Das Ziel: So viel Schulnormalität wie möglich für die ukrainischen Schüler:innen. Momentan einzige Normalität wären die ukrainischen Lehrpläne … alles andere wurde aus der Normalität herausgebombt.

Man könnte geflohene ukrainische Lehrer:innen vernetzen, die sich absprechen, welche Klassenstufen sie in welchem Fach in diesem agilen Konzept übernehmen. Da es um ukrainische Lehrpläne geht und auf Ukrainisch unterrichtet wird, ist es egal, in welchem Land sich die Schüler:innen aufhalten. Auch nach der Rückkehr in ihre Heimat ist das entstandene Material gut einsetzbar.

Ich bin ja eher zufällig über diese Idee gestolpert, sprechende Physikmagazine zu zeichnen. Aber sie lässt sich eben sehr einfach und schnell umsetzen. Ein Smartphone und Papier genügen. Das Ziel  sollte sein, umgehend massenhaft ukrainisches Unterrichtsmaterial verfügbar zu machen, das auch ohne Schulgebäude, Klassen und Lehrer:innen überall einsetzbar ist. Wir reden von einer Übergangszeit, nicht von einem dauerhaften Aufenthalt. Niemand ist mit Schulbüchern und Lehrplänen geflohen. Aber die Köpfe der geflohenen Pädagog:innen haben den Schatz der Bildung mit über die Grenzen getragen. Auch aus der Ukraine selbst könnte Unterstützung kommen.

Ein fiktiver technische Ablaufplan … als Diskussionsgrundlage

1. Vernetzen und Absprachen treffen

2. Arbeitsblatt um Arbeitsblatt entwerfen … es geht nicht um Perfektion, es geht um schnelle Umsetzbarkeit.

3. „Besprechen“ des Blattes als mp3 … Geht auch mit Smartphone und einer einfachen Aufnahme-App

4. Z.B. auf Soundcloud hochladen oder auf die Cloud eines QR-Code-Generators

5. QR-Code des Audio-Files erstellen – Ausdrucken – Auf das Arbeitsblatt kleben … Oder digital einbauen.

6. Abfotografieren oder Scannen und über das Internet verfügbar machen.

Und klar: Das ist nur die technische Seite. Aber sie wäre auf alle Fälle umgehend umsetzbar.

2015 war ich frisch pensioniert und habe syrische Schulkinder in einem Flüchtlingsheim betreut. Die Eingliederung in das deutsche Schulsystem war ein riesiger Bruch, musste aber sein, weil es kein direktes absehbares Zurück gab.

Ich bin überzeugt, dass es für die ukrainischen Schulkinder ein klares und starkes Zurück gibt. Deshalb sollte man jetzt agil und ukrainisch Schule online wachsen lassen – mitten in Deutschland und auch in anderen europäischen Staaten.

Unbürokratisch, kreativ, sofort.

Vernetzt, zukunftsorientiert, europäisch.

Stark, aufrecht, selbstbewusst.

Und unterstütze gerne.

otto.kraz@aufeigenefaust.com

Schule agil boostern – eine Handlungsanweisung

Vorgeplänkel

Ja stimmt, ich bin dieser alte Schulmeister und Pensionär des Forums agile Verwaltung, der inzwischen auch bei der frisch gegründeten Hochschule für agile Bildung gelandet ist. Ich habe das große Glück, noch immer ein wenig in Sachen Schulentwicklung gehört zu werden, ohne dass ich neue Ideen auch in der harten Realität überprüfen muss. 🙂 Ideen entwickeln, sie weiterreichen und manchmal sehen, welche Erfolge sie entwickeln können, ist eine sehr befriedigende Lebenssituation.

Split4WinWin

Wir hatten vor dreieinhalb Jahren ein verrücktes Angebot unseres Forums agil lernen und lehren in diesem Blog veröffentlicht. Das Gesamtpaket kam damals nicht zum Einsatz, aber Split4WinWin wurde danach an mehreren Schulen ausprobiert. Allerdings nur von Lehrpersonen, die sich sowieso schon mit agilen Unterrichtsformen auskannten. Denn die Idee war ohne diese Vorkenntnisse schwierig umzusetzen. Agilität in der Bildung ist in erster Linie eine Sache der Haltung zwischen Lehrenden und Lernenden. Deshalb ist die Lehrer:innenausbildung bei uns an der HfaB in Zürich auch ziemlich anders aufgestellt als üblich. Denn die richtige Haltung ist zwar eigentlich „simple, but not easy“ beschreibt es Prof. Dr. Christof Arn, einer der Gründer der Hochschule, wenn er über gute Bildung spricht. „Gute Bildung ist schlicht gute Zusammenarbeit. Zwischen Lehrenden und Lernenden.“ meint er.

Die eigene Haltung ändern, das weiß jeder von sich selbst, das ist ein echt hartes Geschäft. Eben not easy. 

Ich stelle Ihnen hier mal wieder eine schlaue agile Idee in den Raum.

Und es wäre schön, wenn Sie sich als Leser:in diese Idee merken könnten, um sie irgendwann im Gespräch mit einer Lehrerin oder einem Lehrer im Freundeskreis so ganz nebenbei einmal einzustreuen, um ein klein wenig eigene agile Schulentwicklung zu betreiben. 

Das sprechende Physikmagazin

Das Einstreuen geht etwa so: Sie sitzen bei Kaffee und Kuchen, und ein:e Freund:in am Tisch – Lehrer:in – klagt über die Belastungen von Schule, speziell in Coronazeiten.

Sie: „Sag mal, da fragt sich in einem Blog des Forums agile Verwaltung ein alter Schulmeister namens Otto Kraz (Physik und Mathe – Otto Kraz ist mein pädagogischer Künstlername), ob seine verrückte agile Unterrichtsidee auch für den ganz normalen Unterricht durchführbar wäre. Oberstufe Physik. Ohne dass man irgendeine Ahnung oder Ausbildung in agiler Didaktik gemacht hat.“ 

Wenn Ihr:e Gesprächspartner:in ein klein wenig positiv zuckt – man merkt sowas – geht das Gespräch etwa so weiter. „Also dieser Otto Kraz meint, alle bekannten physikalischen Schulbücher wären sowas wie abgedruckter Frontalunterricht. Ungeeignet, damit selbstständig forschenden Physikschüler:innen einen effektiven Rahmen zu geben. Agile Schulbücher müssten klar das Ziel definieren, aber eben nicht jeden Schritt des Wegs bis dorthin. Müssten viel Raum für eigene Ideen lassen. Für eigenes Experimentieren.“ 

Falls jetzt tatsächlich Staunen und weiteres Interesse entsteht, wäre ein Bild nicht schlecht.

Dieses Bild hat man „zufällig“ auf dem Smartphone abgespeichert und zückt es jetzt. „Schau mal, so in etwa stellt sich dieser alte Kraz das vor. Er experimentiert gerade selbst mit diesem Format. So ein Skript könnte aber jede Lehrperson für sich selbst entwickeln. Kraz meint, Lehrpersonen wären sowieso eher Individualisten. Er selbst war ja auch mal Schulmeister.“ 

Nicken auf der anderen Seite? Dann also weiter. 

„Und jetzt die Kraz‘sche These: Wenn man einer kleinen starken aktiven Gruppe im Physikunterricht das Kapitel 8 und 9 in Form eines sprechenden agilen Physikbüchleins in die Hand drückt und … 

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19. Juni - eine Übersicht

19. Juni - Save the date

Werbung ohne Ende

Werbetrailer 3

Noch ein Werbetrailer

Kraz`sche Werbung 19. Juni

Agilität erlebbar machen

Atmosphäre

Der Mensch

Agile Plattform - Hopin.com

Bildungsarthrose

Agil unterrichten - konkret - 19. Juni

Ja es wird sich lohnen. Selbst wenn man nur die Zeit dafür hat, sich die Keynotes der beiden Hochschulgründer anzuhören und anzusehen. Die Gründung einer agilen Hochschule für Bildung in Zürich. Abenteuerland. Und jeder und jede aus dem Bildungsbereich spürt es in der Praxis: Bildung  uss dringend neu gedacht werden. Aber warum nicht innerhalb der bestehenden Pädagogischen Hochschulen? Christof Arn beschreibt es so: „... Eine solche eigene Hochschule kann neue Dinge schneller machen – und damit einen Prototype entwickeln, den bestehende Pädagogische Hochschulen wieder kopieren oder sich einfach davon inspirieren lassen können. Wir wollen bewusst verschiedene Wege gleichzeitig gehen, so können diese einander ergänzen. Wir sind überzeugt, so besonders gut mit unseren Möglichkeiten zur Gesamtentwicklung beizutragen.„ 

Save the date. 19. Juni .... online an der Limmat. https://hfab.ch/portfolio-items/tagung-agil-unterrichten-konkret/

eZürich - wie war es eigentlich?

Ich erzähle es einmal mit zwei Blogbeiträgen.

Zuerst einmal auf englisch der von Azra Meyer 

On 16 January 2021, I attended the Hochschule für agile Bildung - HfaB’swonderfully organized and completely interactive virtual training course “Agilität und Bildung." We used “Hopin” and “Miro” online tools to discuss what it means to be agile. We also shared experiences from the worlds of education and business. And it was immediately clear to me that we should bring these two worlds together and use educational tools in business to transform a customer into a student again; to encourage the learning process because that is what being Agile means:

Accept that learning is an integral part of working!

Weiterlesen auf dem Blog der Kreuzwerker:innen

Und dann noch aus der Hausmeisterei der Tagung:

Von Daniela Lund und Heinz Bayer

Die agile Welt ist für so einen älteren Herren und Pensionär wie mich eine echte Herausforderung und gleichzeitig auch ein echter Jungbrunnen. Viel besser als Kreuzworträtsel lösen. Ich erzähle einmal, wie es sich für mich als „technischer Hausmeister“ einer Onlineveranstaltung der besonderen Art anfühlte, für die wir hier im Blog an Weihnachten geworben hatten. Da mir Daniela Lund vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg dankenswerterweise den vor der Veranstaltung geäußerten Wunsch erfüllt hat, eine kritische persönliche Rückmeldung von außen zu geben, flechte ich die Sicht des Tagungshausmeisters in das Feedback einer Teilnehmerin ein. Kommentiere also einen Kommentar aus einer anderen Perspektive.

Weiterlesen auf dem Blog des Forums agile Verwaltung

https://agile-verwaltung.org/2021/01/21/hausmeisterei-der-tagung-agilitat-bildung-in-ezurich/

 Oder anders ausgedrückt: Ziemlich sehr gut. 😎😎

See you in eZürich

Das Buch Agilität und Bildung, das am Samstag anlässlich der Veranstaltung Agilität und Bildung veröffentlicht wird, hat schon einen Werbe-Film, allerdings noch ohne Crowdfunding-Start

Anmeldung für eZürich. https://hfab.ch/tagung-anmeldung/

Inversionstagung am 16. Januar

Ja stimmt, solche Tagungen gibt es ja eigentlich nicht. Es wäre etwas so, als würde man eine Schultag erleben, bei dem sich 4 Lehrer:innen um eine:n Schüler:in kümmern. Und sich gleichzeitig noch den Blickwinkel des Lernenden als zusätzliche Expertise in ihre Überlegungen mit einbauen. Wenn sechs verschiedene agile „Häuser“ Expertise austauschen und das Ganze zu einer ungewöhnlichen Online-Tagung machen, dann darf man sehr gespannt sein.

Und weil es so etwas ja noch nicht gibt, haben wir gleich mal ein paar Begriffe dazu erfunden: Inversionstagung. Inversionakonferenz. Inversionskongress .

Gruß: Otto Kraz ... der an dieser Tagung viel Insiderwissen zum Thema „Kollaborative Improvisationsinversionstagung online“ zum Besten geben wird. 😎😎😎

Happy New Year - See you am 16. Januar

Das Expert/innen-Team der 5 Häuser

Die Veranstaltung hat also den besonderen Charme. Es warten in eZürich n der Limmat viel mehr Expert:innen und Referent:innen als man das je erlebt hat. 💪💪👍👍👍😎. Und die Teilnehmer/innen werden sich auch noch mit ihrer eigenen Expertise an den Stehtischen einbringen. Danach weiß man mit allen Sinnen, was Agilität und Bildung für ein starker spannender, zukunftsorientierter und praktikabler Ansatz für den eigenen Arbeitsbereich ist. 

Die blinden Weisen und der Elefant

Es sind Expert/innen aus verschiedenen Institutionen und Foren. Zusammen mit unseren Gästen auf der Konferenz werden wir zeigen, was online alles kann. 😎😎😎

Der Ablauf der Tagung

Der 4-Otto-Scrum

Ja das war wirklich wie ein Weihnachtssprint. Am Dienstag letzter Woche war klar, dass die Veranstaltungswerbung auf unserer Forumsseite der agilen Verwaltung am Donnerstag rauskommen würde. Die 4 Ottos waren eine Spontanidee im kleinen Kreis ... damit kann ich auch ganz gut umgehen. In eine Rolle schlüpfen und diese Rolle dann spielen lassen. In unserem Falle sind die 4 Ottos zu den Hausmeistern unserer Tagung am 16. Juni geworden ... die Werbekampagne läuft jetzt eine Woche ... und es wird sicher mit das Spannendeste, das ich in den letzten Jahren als Pensionär mitmachen durfte. Man darf gespannt sein. Bleiben Sie dran. 😎😎

Heinz Bayer

p.s. Das Format hat sich innerhalb der Woche angepasst, nachdem ich die Information bekam, Instagramm wäre für die Studenten und -innen, die wir von der Hochschule für agile Bildung ja zum Referendariat in Zürich gewinnen wollen, wichtiger als Facebook und Instagramm. Deshalb also Quadrat und unter 60 Sekunden. Ich bin ja lernfähig. War immerhin über 35 Jahre Lehrer. 😎😎

Scotty beam me ab nach Zürich - das Liedlein

Ja klar, dieses Werbeformat für eine wunderbare Veranstaltung am 16. Januar in eZürich zum Thema Agilität und Bildung unterliegt natürlich auch der Agilität. Das Format passt sich so langsam ein. 

Scotty beam me ab nach Zürich

Digitale Abbildung der analogen Normalität

Doch es gibt sie schon, die Plattformen, auf denen man sich bewegen kann wie im normalen analogen Leben. Zum Beispiel Hopin. https://hopin.com/
Wer es live kennenlernen will, der komme einfach am 16, Januar nach eZürich ins Kongresszentrum der Hochschule für agile Bildung. https://hfab.ch/
U
m zu erfahren, dass Online- Meetings alles andere als eindimensional sein müssen.

Gruß Otto Kraz

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Die 4 Ottos - Folge 3

Ja klar, wir schreiben hier, damit du nach Zürich kommst. Denn je mehr kommen, desto verrückt toller wird diese Veranstaltung und desto mehr Start-Up-Kapital schwemmt es in die Kasse des Abenteuer-Start-Ups Hochschule für agile Bildung in Zürich. https://hfab.ch/ Und das, dafür stehen wir, ist ein Beitrag für die Zukunft der Bildung. Otto Kraz hoch vier. 😎😎🎄🎄

Ja um ganz ehrlich zu sein. Wir finden das Beste am agilen Denken, dass Schüler&innen und Student&innen und Lernende allgemein direkt und professionell und ernstgenommen und auf Augenhöhe mit ins Bildungsboot geholt werden. Eine Hochschule, die Referendare und -innen von vorneherein schon so ausbildet: Der Traum eines Schulmeister-Opas. 👍😎

eZürich Werbestaffel Folge 2

Folge 2 - Das agile Kongresszentrum

Mal ganz ehrlich, so unter uns: Diese Möglichkeit der Vernetzung und des schnellen Beamens z.B. nach Zürich ist schon etwas heftig Lebensbereicherndes, wenn man es im Kopf auch so einzuordnen versteht. Vor 20 Jahren (In Worten zwanzig Jahren) hatten wir an unserem Gymnasium ( Ja wir Ottos waren im letzen Berufsleben einmal Physik- und Mathelehrer an einem großen Gymnasium ) ein Zukunftsprojekt ins Leben gerufen. Im Rahmen von „Schule ans Netz“ haben wir den Wahnsinn von „eMails schreiben mit französischen Schüler:innen“ in die Welt gesetzt. Wir waren echte Vorreiter. 😎😎 Ich wiederhole: Zwanzig Jahre ist das her. Gefühlt zweihundert. 

16. Januar - eine hochagile Angelegenheit - Folge 1

Ok, ich versuche alles einmal möglichst knapp zusammenzufassen. Da wird es eine Veranstaltung in eZürich geben, also online. Aber anders als normal. Nicht eindimensional wie meist, sondern agil mindestens fünfdimensional. Wir hätten möglichst viele dabei. Es könnten 1000 sein, aber wir wären mit 100 hochzufrieden. Die Idee, ein Buch über Agilität und Bildung zeitgleich mit einer exklusiven Tagung zum Thema Agilität und Bildung herauszubringen, bzw zeitgleich mit einer exklusiven Tagung ein Buch herauszubringen, das die Welt der Bildung umtreiben wird, das fanden wir ziemlich cool. 😎😎

Die Grundinformationen

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Agilität und Bildung

An dieser Stelle wird man sich vielleicht in Kürze über das Buch Agilität und Bildung vernetzen, informieren, auseinandersetzen und selbst etwas beitragen können. Ist eine Idee, die gerade erst entstanden ist. Eine noch interne Diskussionsangelegenheit.

Helix 3 - agil leiten

Führung ständig abgeben und neu verteilen, ohne die Führung abzugeben. Stimmt, hört sich irgendwie paradox an. 

Wird aber auf Seite 13 aufgelöst. Agil leiten ist natürlich schon ziemlich anders als "normal" leiten.

Loslassen können und trotzdem alles im Griff haben. Zumindest das Große und Ganze. Zukunftsmusik?

Schauen Sie ins Magazin. Dort werden Sie eines Besseren belehrt. 

Zulassen und vertrauen .. und trotzdem die Verantwortung tragen.

Geht natürlich nur gemeinsam. Augenhöhe und Verantwortung auf beiden Seiten. 

 


Das nachgebaute Klassenzimmer - online

Ich habe dieses Thema in den letzten Monaten und Wochen immer mal wieder beschrieben ... meist in unserem Blog des Forums agile Verwaltung. Mehr dazu hier.

Überall dort, wo Lehrer/innen diesen Ansatz gewählt haben, kommen nur positive Rückmeldungen. Aber offensichtlich ist die "Scheu" davor noch viel zu groß. Für viele ein Scheinberg, wie ich das hier ja schon früher einmal gekrazelt hatte.

Dabei ginge es so einfach.

Würde man endlich die IT-affinen Schüler/innen mit ins Boot holen.

Dass es funktioniert, und zwar erstaunlich gut, das weiß man inzwischen. Ich rede von einer digitalen Abbildung einer konkreten Klasse im Netz. Dabei meine ich jetzt noch nicht Austausch von Unterrichtsmaterial, sondern die Möglichkeit, eine Klasse in Teams aufzuteilen und diese Teams in der digitalen Abbildung in BreakOut Rooms, Gruppenräumen, Teamtreffs oder wie man sie immer nennen will, miteinander arbeiten zu lassen. Mit der Option, dass man als Team jemand zur Lehrperson schicken kann, um etwas zu fragen und als Lehrperson die Möglichkeit hat, durch alle Gruppenräume zu gehen, um seinen Schüler/innen über die Schulter zu sehen. Und klar: Es muss einen Hauptraum geben, in dem man alle versammeln kann, um Vorträge von den Lernenden und Inputs der Lehrperson anzuhören. Auch ohne digitalen Materialaustausch funktioniert diese virtuelle Klassenzimmerwelt sehr gut ... als Grundlage kann man ja problemlos auf die Fachbücher zurückgreifen, die die Schüler/innen besitzen.

Der Weg bis zur problemlosen Parallelnutzung der virtuellen Klassenzimmerwelt ist eigentlich recht kurz ... aber da die meisten Lehrkräfte im Moment mit dem regulären Normal-Unterricht unter Corona-Bedingungen wirklich ausgelastet sind, sollten sich Schulen überlegen, ob sie nicht freigestellte Kolleg/innen haben, die sich einarbeiten lassen, um dann für die Kolleg/innen die Einrichtung des virtuellen Klassenzimmers zu übernehmen. Ein paar Mal mitgemacht, wird es auch für völlig IT-ferne Lehrpersonen ein problemloses Arbeiten damit (wenn sie es wollen, das natürlich vorausgesetzt) - speziell wenn es in jeder Klasse neben einem/r Klassensprecher/in auch eine/n Klassentechniker/in gibt. Für mich die einfachste Variante wäre es natürlich, für die Einrichtung paralleler virtueller Abbildungen der Klassen von Schüler/innen höherer Klassenstufen übernehmen zu lassen. Denn das sind die wahren Spezialisten.

Man sollte diese Vorbereitung möglichst schnell umsetzen ... schon jetzt schließen wieder die ersten Schulen und schicken ihre Schüler/innen ins Homeschooling. Mit einem parallelen virtuellen Klassenraum ist das dann keine so große Aufregung mehr. Ich drücke natürlich uns allen die Daumen, dass der Herbst und Winter corona-glimpflich an den Schulen vorbeigeht.

Gruß

Otto Kraz

 

p.s. Aber nun denke man einmal coronafrei die Möglichkeiten durch, die sich ergeben könnte, wenn jede Klasse ein digitales Abbild hätte und wie selbstverständlich damit umgehen könnte. Da sind kollaborativen Improvisationsideen Tür und Tor geöffnet.

Selfmadeschool - ein StartUp Konzept

Liebe Leserin, lieber Leser

Mal angenommen, Sie haben Kinder so ab 14 Jahre in der Schule. Und sie waren sich in den letzten Monaten mit ihnen einig, dass man das nächste Schuljahr anders angehen sollte. Weil es wegen Corona noch immer überhaupt nicht normal sein wird. Dann schlage ich Ihnen ein spannendes Familien-Experiment für die Ferien vor.

Früher haben Sie Ihren Kindern sicher ab und zu Märchen vorgelesen. Lesen Sie ihnen doch heute einmal ein Schul-Märchen vor (oder lassen sie selbst lesen), in dem Ihre Tochter oder Ihr Sohn selbst zentral darin vorkommt. Und reden Sie dann einfach mal darüber. Es wird sich möglicherweise extrem lohnen. Für die ganze Familie. Allerdings ... Diese Fiktion ist nur dann umsetzbar, wenn Sie sich selbst mit Kommentaren komplett zurückhalten. Wenn die Idee zündet, zündet sie. Wenn Sie gefragt werden, antworten Sie. Aber antworten Sie nicht, wenn Sie nicht gefragt werden. :-)

Ich habe schon in meiner aktiven Schulmeisterzeit immer bemängelt, dass man im aktuellen Schulsystem Schüler&innen viel zu wenig fordert und ernst nimmt. Sollte Ihre Tochter oder Ihr Sohn bis zum Schluss diesem Sommermärchen lauschen (oder es fertig lesen) und nicht vorher gelangweilt einschlafen, dann sollten Sie das StartUp-Unternehmen ihres Nachfahren unbedingt agil unterstützen. Aber bitte ... nur antworten, wenn Sie gefragt werden. :-)

Sie tun damit extrem viel für die Zukunft Ihrer Tochter oder ihrem Sohn.

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Werde schon heute Unternehmer/in
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Kollaborative Improvisation in alten Gemäuern. Kapitel 1

 

"122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 . Löse auf nach x."

 

Die alten Gemäuer:

Der Lehrplan, die Klassenstufen nach Alter geordnet, die Noten, die Zeugnisse, die Abschlüsse.

 

Der kreativ gestaltbare Raum in den alten Gemäuern

Die kollaborative Improvisationsdidaktik - mit seinen Schüler/innen kleinschrittig mit dauerndem gegenseitigen Feedback ausprobieren, wie man gemeinsam zu einen vorgegebenen Ziel aus dem alten Gemäuer kommt, dem festgelegten Lehrplanziel.

 

Ich nehme einmal Weit im Winkl (vorletzter Blogbeitrag) als Zukunftswerkstatt und gehe in die Realisierungsphase: Was könnte ich morgen tun, wenn ich als Mathelehrer mitten im Gleichungsauflösen nach einer Unbekannten stecke?

 

Ich hänge es als ehemaliger Mathe-& Physiklehrer an einer kleinen konkreten Rechenaufgabe auf:  „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 . Löse auf nach x.“ Eigentlich ganz simpel, wenn man bei der Erklärung des Mathelehrers gerade voll auf Empfang und nicht abgelenkt war. Aber wir schreiben Klasse 8. Tanz der Hormone, Umbau der Gehirnzellen. „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2“ ist da nicht wirklich relevant für das Gehirn. Obwohl das Ergebnis von 2 nicht kompliziert ist. Wenn man Pech hat, entsteht an dieser Stelle seiner Karriere als Mathematiker eine entscheidende Lücke. Die drei Jahre später bei den Aufgaben zur Gravitation dann nichtbegreifbare Spuren hinterlässt. F=Gamma mal Masse 1 mal Masse 2 geteilt durch Radius hoch zwei. So ziehen sich zwei Massen an. Eine übliche Aufgabe. Berechne den Anstand zweier Massen. Den Erdradius berechnen können, wenn man die Anziehungskraft auf 1 kg kennt (9,81 Newton) und die Erdmasse. (5,972 × 10^24 kg) An solche Aufgaben werden aus vielen eigentlich begabten Physikern, Klimaforschern und Weltrettern dann letztendlich doch Betriebs- und Volkswirte oder Juristen .... weil sie drei Jahre vorher in der 8. Klasse diese Lücke im Hirn produziert hatten und sich dann die schlechten Physiknoten mit dem üblichen „Physik blick ich überhaupt nicht“ abgetan haben. Anstatt zu erkennen: „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2“ hab ich damals wohl nicht kapiert, weil ich Liebeskummer hatte.

 

Jetzt spielen wir die Szene einmal in der Phase Corona-experimental durch. Der Bildungsplan sagt zu den zu erlangenden Kompetenzanforderungen: „Die Schüler/innen verstehen die Auflösung einer Gleichung nach einer Unbekannten.“ Nun stellen Sie sich einmal den pädagogischen Wahnsinn vor, der Lehrer würde sich nicht an die Tafel stellen, um vorzurechnen, wie man 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 nach x auflösen kann, sondern er würde sagen, dass es doch z.B. eine Möglichkeit wäre, zu lernen, wie man die Aufgabe kapieren würde, sich das Video, das er verlinkt hätte, so lange anzugucken, bis man es verstanden hat. Weil es in der Klasse 11 wirklich wichtig wäre. Oder dass man selbst als Schüler/in nach Wegen suchen würde, um sich dann mit dem Lehrer abzustimmen. Oder dass man sich das im eigenen Schüler-Team (sorry, ich schreibe jetzt einfach Schüler, wenn ich natürlich Schüler/innen meine ... man möge mir verzeihen) von seinem Mathecoach aus der Klasse 9 erklären lassen könnte oder dass man das einfach im Buch mal nachlesen könnte oder oder ... auf alle Fälle sollte der gemeinsame Plan sein, dass am Ende der Geschichte 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 für jeden verständlich wäre. Und jeder Schüler dauernd etwas zu tun hätte. Keinen Leerlauf. Natürlich wäre auch möglich, dass drei Teams von Schülern einen Vortrag ihres Lehrers zu 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 hören wollen. Auch dann würden sie völlig anders aufpassen als üblich. Kollaborative Improvisation, um den Bildungsplan zu erfüllen, der da heißt „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 kann der Schüler nach x auflösen“, ist eine komplette Umstellung des Lernens in der Schule ... innerhalb der alten Gemäuer. Kollaborative Improvisation ist ein Konzept, das stärkere Bildung ermöglicht ... trotz Corona ...

Statt heftiges Klagen würde das Konzept echte Zukunftsgefühle erzeugen.

Das Prinzip für Lehrende: Du gehst in die Klasse und du erzählst das Ziel des Bildungsplans ... altes Gemäuer, nix dran zu rütteln. 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2. Muss jeder nach x auflösen können. Dass man damit später ausrechnen können muss, wie groß die Erde ist, das könnte eine Erklärung sein, warum man 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 überhaupt umstellen können sollte. Aber vielleicht entsteht der Drive auch aus einem einfachen Gespräch über das Leben an sich und das Lernen im Speziellen. Über die Herausforderungen der Zukunft. Darüber, dass man die Zukunft nur meistern kann, wenn man die Köpfe trainiert. Improvisation auch schon hier. Aber kollaborativ. Den Bildungsplan gemeinsam erkämpfen. Und dabei niemand zurücklassen.

Improvisieren bedeutet kleinschrittig sich vortasten, um sich dem Ziel 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 effektiv zu nähern ... Fehler zuzulassen, dauernd Feedback einzubauen und sich eben auf alle zu verlassen. Lernende wie Lehrende. Gemeinsam. Es darf keinen Streber mehr geben und keinen schlechten Matheschüler. Allen muss klar sein, dass man sich heute in der Wissenschaft einig ist, dass es im System der Alterklassenstufen an den Schulen sein kann, dass ein späterer Spitzen-Ingenieur für Wasserstofftechnik nur deshalb schlechte Noten in Mathe schreibt, weil er komplexer denkt als die anderen und ihm deshalb nie die Zeit in den Klassenarbeiten reicht. Oder dass er (oder sie) in der mathematischen Gehirnentwicklung den langsameren Modus in der DNA hat ... und deshalb scheinbar Mathe nicht kann. Dabei ist es nur das Hamsterrad Schule, das diesen Eindruck erzeugt. Dafür kann er oder sie aber andere Dinge, die auch den aktuell schnelleren Matheblickern viel bringen können. Gemeinsam den Berg von 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 zu besteigen ist WinWin pur. Für alle.

 

Übrigens ein großes aktuelles Plus auch in Noch-Coronazeiten ... weil man nicht die ganze Zeit die ganze Klasse in einem Raum versammelt hat. Da passen selbst Container für selbstständig arbeitende Gruppen dazu oder abgetrennte Gruppentische in den Gängen bei offenen Fenstern.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

 

Folge 2 ... Flipped Classroom

Kollaborativer Improvisationsunterricht

Elisabeth Theisohn aus unserem Forum hat mir irgendwann einmal das schöne Wort „Improvisationsdidaktik“ zugeworfen und ich konnte seither nicht mehr vergessen. Sie hat es in einem Zusammenhang verwendet, in dem sie den Begriff von der Musik auf Unterricht allgemein übertragen hatte. Tobias Kanthak (auch aus unserem Forum) hat sich als Lehrer und Jazzmusiker auch mit diesem Begriff beschäftigt. „Bei der Improvisationsdidaktik geht es nicht darum, irgendwas zu machen. Im Jazz ist auch nicht das Ziel, irgendwas zu spielen. Improvisation bedarf täglicher mehrstündiger Übung. Aber niemand würde einem Jazzmusiker wirklich zuhören, welcher lediglich transkribierte Soli oder eigens komponierte Soli spielt, in der Hoffnung, dass seine Mitmusiker darauf spontan eingehen. Nein, Improvisationsdidaktik lebt von spontanem Zusammenspiel und aufeinander Eingehen aller Beteiligten. Und auf je mehr Erfahrung und Übung ein Jazzmusiker zurückgreifen kann, desto spannender, interessanter und überzeugender wird der Moment der freien Improvisation. .... Als Jazzmusiker gehe ich in der Band auch auf alle ein - ein perfektes spontanes Zusammenspiel. Jeder ist dabei individuell, nicht alle haben dieselbe Rolle und nicht alle haben die gleichen (musikalischen) Kompetenzen.

Ich nehme hier einmal den Ball auf und erweitere den Begriff des agilen Experimentierens (ernsthafte Improvisation) mit dem Fokus auf das Kollaborative.

Also für die Schule verwendet:

 

 Ich nehme jetzt einfach mal folgenden Begriff als Arbeitstitel für die folgende Blogreihe

 

Das pädagogische Konzept der kollaborativen Improvisation 

 

Meine ersten Begriffsfindungsversuche will ich den Leser/innen nicht vorenthalten.

Kollaborative Improvisationsdidaktik

Kollaborative Improvisationspädagogik

Kollaborative Improvisationszentrale

Kollaborativer Improvisationsstehtisch

Kollaborative Improvisationsabteilung

Kollaborative Improvisationslandschaft

Kollaboratives Improvisationsdenken

Kollaboratives Improvisationsgefühl

Kollaborative Improvisationshaltung

Kollaborative Improvisationsintelligenz

Kollaborativer Improvisationsunterricht

Kollaborative Improvisationsstunde

Kollaboratives Improvisationstool

Kollaborative Improvisationsplattform

Kollaborative Improvisationsdigitalisierung

Kollaboratives Improvisationstheater

Kollaborative Improvisationsprojekt

Kollaborative Improvisationskonzept

Kollaborative Improvisation

Schule der kollaborativen Improvisation

Laborschule der kollaborativen Improvisation

Abteilung der kollaborativen Improvisation

 

Ich nehme jetzt also

Das pädagogische Konzept der kollaborativen Improvisation

 

Ich werde versuchen, diesen Neubegriff der kollaborativen Improvisation Kapitel um Kapitel zu füllen. Vielleicht können Überlegungen eines alten Gymnasiallehrers, der in den letzten Monaten Einblick in viele Corona-Konzepte vieler aktiver Kolleg/innen bekommen hat, ein paar aktiven Kolleg/innen eine kleine Hilfe dabei sein, sich in ihrem zeitgemäßen pädagogischen Denken nicht so allein zu fühlen. 

 

Es gibt schon sehr lange sehr viele Ansätze von erfolgreicher zeitgemäßer Pädagogik, aber die alten Gemäuer der klassischen Schule halten sich weltweit, als gäbe es einfach keine Gehirnforschung, keine Bildungsstudien, keine Wissenschaft des Lernens und als gäbe es immer noch nur diese Ideen, die vor 2-300 Jahren einmal umwerfend waren: Vorne steht ein Lehrer und erzählt denen in den Bänken, wo es lang geht. Ja klar, immer ein wenig modernisiert und aufgehübscht ... aber am Ende die uralte Sache, wie man Schule zu machen hat. Was man als Schüler/in wissen muss. Obwohl eigentlich jeder weiß, dass man heute gar nicht mehr wirklich wissen kann, was man am Ende wirklich wissen und lernen muss. Damit man in 20 Jahren auf die Anforderungen der Zukunft die richtigen Antworten finden kann. Und damit man sich in der Zukunft auch persönlich zurechtfindet.Grundlagen klar. Aber dann?

Nur mal angenommen, Corona könnte helfen, dass die Lockerungen nicht bewirken würden, dass man einfach wieder zurück geht zu den alten Strukturen der Old School, dann wäre das doch erstrebenswert - von der Zukunft aus betrachtet.

Old School ... scheinbar unkaputtbar. Weil das ja zumindest immer einigermaßen ganz gut funktioniert hat. Ein weltweites Phänomen. Ein 300jähriges scheinbares Erfolgsrezept. In Wirklichkeit so, als würde eine hoch entwickelte Gesellschaft wie die unsere bei Corona z.B. nicht auf Virologen hören. Verrückt. Aber da für Schulen Corona auch nach den Sommerferien nicht vorbei sein wird, könnte man doch da ein wenig an den alten Gemäuern rütteln. Oder Neues in die alten Gemäuer bringen. Auf Wissenschaftler/innen hören. Gehirnforscher/innen lauschen. School as usual ist nach den Sommerferien Augenwischerei. Also wäre es doch besser, zumindest ein Schuljahr lang ein bärenstarkes hochspannendes und zukunftsorientiertes Experimentierfeld zu bedienen als einen dauerklagenden Lebensraum von Lehrenden, Lernenden und Eltern.

 

Ich plädiere für

kollaborative Improvisation in jahrhundertealten Gemäuern.

 

Fortsetzung folgt

 

Weit im Winkl 2020

Aus aktuellem Anlass eines Beitrags auf unserem Blog des Forums agile Verwaltung haben wir hier die Geschichte von Weit im Winkl etwas überarbeitet hier noch einmal in den Blog gestellt.

Übrigens: Alle Bilder sind immer cc by ottokraz ... also frei verwendbar.

Die Struktur und die Ideen der teilautonomen Laborschule in Weit im Winkl ... eine schon beinah 10 Jahre alte Geschichte von einigen pädagogisch zukunftsspinnenden Menschen, die sich immer wieder neu anpasst.

Wir verstehen den Sinn einer solchen Geschichte als Möglichkeit, mit fiktiven Vorschlägen Diskussionsmaterial für zeitgemäße Bildung zu liefern. Keine Blaupause, aber einen Ideenstrauß von Möglichkeiten ... und zwar - und das ist uns wichtig ... innerhalb des bestehenden Schulsystems. Wir bringen es hier mal wieder in den Fokus, weil es unserer Meinung nach ein guter Zeitpunkt wäre, von Weit im Winkl ein paar zentrale Ideen in die reale Nach-Coronazeit zu übertragen.

 

Wir befinden uns an einer fiktiven Schule, bei der die Idee „Lass einfach mal los, dann hast du zwei Hände frei“ lustvoll durchgespielt werden darf. Für Fortbildner/innen, für Berater/innen, für Lehrende und Lernende, für Eltern und nicht zuletzt für Menschen aus Bildungsbehörden, die aktuell nach neuen Wegen suchen.

 

Eingebettet sind dieser Ideenstrauß in eine kleine Geschichte, mit der auch diese Webseiten begannen.

 

Der Text ist als Puzzle zu verstehen, der sich im Laufe der letzten Jahre immer wieder etwas verändert und erweitert hat. Deshalb stilistisch vielleicht ein wenig holprig. Man möge als Leser/in ein wenig Nachsicht üben.

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Lieber Pull als Push

Ich denke, man versteht es, was ich meine. Otto Kraz

Ich weiß, ich erzähle all das hier von außerhalb. Als Pensionär. Als jemand, der nicht mehr mitten drin steht. Der gut reden kann. Ich weiß, wie extrem viel Einsatz gerade an den Schulen von den allermeisten Lehrer/innen gebracht wird. Und wie viel Lehrerbashing auf der anderen Seite der Eltern unterwegs ist. Dabei müsste die Wut der Eltern nicht auf die Lehrer*innen, sondern auf das Bildungssystem gerichtet sein. Für mich ein völlig erstaunliches Phänomen: Die allermeisten Eltern stehen zu dieser komplett veralteten Ruine Schule mit diesen Lehrplänen, diesen Noten, diesem Noten-Fach-Leistungsanspruch, dem geordneten Gebäude von der uralten Dreigliedrigkeit, dem Sitzenbleiben als Druckmittel, dem "Wer schnell Arbeitsblätter bearbeiten kann ist der Chef"-Denken ... der völlig veralteten Meinung, Schulnoten hätten irgendetwas mit beruflichem Erfolg zu tun. Dabei könnten alle Mamas und Papas jederzeit selbst im eigenen Freundeskreis blitzschnell herausbekommen, dass dieses Notenstarren aller Beteiligten komplett neben der Spur läuft. Dass späterer beruflicher Erfolg und schon gar nicht Lebenserfolg irgendetwas mit den Schul-Noten zu tun hat. Aber für die allermeisten von uns oft lebenslang wirksam ist. Noten sind gut als Hinweisschilder, als Hingucker, als Berater, als Denkanstöße, als Leitplanken, Nachdenkimpuls, als Schienbeinstupser. Aber das wäre es auch schon. 

Wie wäre es denn, wenn man Corona nutzen würde, um einmal genau darüber nachhaltig umzudenken. Um als Eltern zusammen mit den Lehrer/innen und mit den Schüler/innen an diesem Bildungssystem mal so richtig zu kratzen. In Richtung Neuaufstellung. In Richtung Zukunft, die ja langfristig genauso schlecht planbar ist wie die aktuelle Krise - die die Herausforderungen der Zukunft jetzt im Schnelldurchgang präsentiert.

- Lehrer/innen: Jetzt ist die Chance, ganz viel Neues auszuprobieren, um nicht mehr nur dem schlichten Diktat des Bildungsplanes zu folgen.

- Eltern; Jetzt wäre es an der Zeit, einmal über die eigene Schulzeit nachzudenken und nicht in Muster zurück zu fallen, die man früher gehasst hat.

- Schüler/innen: Jetzt wäre es an der Zeit, sich freizuschwimmen - um zu spüren, wer man wirklich ist, was man kann, wo man seine Stärken und Schwächen hat und wie gut es sich anfühlt, für sich selbst zu lernen und nicht für ein System Schule, das in Wirklichkeit eine uralte Ruine ist. Die aber uns alle nach wie vor voll im Griff hat.

Gruß

Otto Kraz

Fühlt sich richtig nach Schule an.

Öffentlich rechtliche Lernplattformen

Nein, kein Gerücht, nur eine schöne Vision. Eine, die Christof Arn in unserem Oster-Helix in die Welt gesetzt hat. (Rechte Seite zum Download)

Ein Auszug: " ....Wir brauchen, im Interesse der Demokratie, eine öffentliche, staatliche Suchmaschine (realistisch: zunächst für den deutschsprachigen Raum) und zwei, drei öffentliche, staatliche Social Media (darunter auch eines mit Video Conferencing). Diese müssen sich durch Neutralität, Transparenz und kompromisslose Privacy auszeichnen...."

 

Man stelle sich das einmal vor. Eine öffentlich rechtliche Videoplattform und ich könnte mir dort als Lehrer/in eine Klasse mit Gruppenräumen einrichten und ich hätte dort eine/n Ansprechpartner/in, der/die mich an die Hand nimmt, um es mir am Anfang einfach mal in Ruhe zu zeigen. Weil es selbst für den inzwischen Normalbenutzer von Videoplattformen nicht ganz so einfach ist wie es aussieht, sicher mit Gruppenräumen umzugehen. Ich hätte mir das Schloss Blackboard sicher nicht so einfach zugetraut, obwohl ich einmal Netzwerkbetreuer war und auch schon lange auf Videomeetings unterwegs bin. Aber bei Blackboard Collaborate kann man Coaches buchen. Diese "Stunde an die Hand nehmen" war für mich Gold wert und deshalb unser 50jähriges Abitreffen auf Schloss Blackboard ein großer Erfolg. 

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Gruppenräumen in Videomeetings viel entspannter und effektiver Unterricht zu machen ist ein echter Scheinberg. Das ist wie mit dem Scheinriesen. :-)

Vielleicht schnappt ja jemand diese Idee auf, der oder die beruflich mit Online-Lernen zu tun hat und sich klar macht, dass auch nach Corona in dieser Idee mit den Gruppenräumen ein riesiges Potenzial steckt. Später dazu mehr.

Gruß Otto Kraz

Nur noch ein kleiner Schritt

Wer jetzt schon seine Schüler/innen in Gruppen digital in sein Klassenzimmer holt, der sollte nur noch einen kleinen Schritt machen: Gruppenräume verwenden und damit Zeit und Nerven sparen, Gruppenbeziehungen fördern und wirklich ins Unterrichten kommen.

Man könnte natürlich auch noch ein Webinar zum Thema eduScrum machen  (Kommt bald ... wird hier veröffentlicht) und dann ist man für die Zukunft gerüstet. 


Der Lehrplan kann gerade nicht die Richtschnur sein.

Liebe Kolleg/innen, lieber Kollegen an Schulen und Hochschulen

Liebe Bildungsverwalter/innen

Wer beim Homeschooling oder Distance Learning darauf gesetzt hat, den Lehrplan 1:1 umzusetzen, also weiterhin schlicht auf die "vorgeschriebenen" Inhalte zu setzen, der ist noch nicht in der Wirklichkeit angekommen. Der hat sich nicht unter Schüler/innen und Eltern umgehört. Der hat sich nicht mit Kolleg/innen ausgetauscht. 

Wir haben uns in unserem Forum agile Verwaltung  und in unserem Forum agil lernen und lehren einmal ziemlich spontan umgehört, um die Frage zu stellen, was für eine Antwort folgendes kleine Filmchen auslöst. Welche neuen Vorstellungen in Schule, Hochschule und Verwaltung auftauchen. Welche Tools man erfolgreich nutzen kann und wo man auf gute Erfahrungen zurückgreifen kann.

Die Antwort aus den agilen Tiefen der beiden Foren kann man hier zur Inspiration lesen. Wir präsentieren: Unser Spezial-Oster-Helix-Magazin 2020.

Otto Kraz

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Vorne auf der Welle

Liebe zukünftigen Leistungsträger&innen.

Hier noch zu Beginn der wohl denkwürdigsten Osterferien eures Lebens ein Bildchen, das ich in meinem Schulmeisterleben wohl am häufigsten an die Tafel gezeichnet habe. Um darauf hinzuweisen, dass man mit einem veränderten Blickwinkel Schule, weg von blöden Lehrern, doofen Hausaufgaben und ungerechten Noten ... das kann man einfach nicht ändern, da hat man keinen Einfluss drauf ... hin zu den eigenen Fähigkeiten und Stärken, also hin zu dem, was viele von euch in den letzten 3 Wochen Schule zu Hause bemerken konnten, Schule ganz anders sehen kann. Als zukünftige/r Leistungsträger/in. Denn wenn du dir klar machst, dass du in ein paar Jahren definitiv keine Schülerin, kein Schüler mehr sein wirst und in 10 Jahren in der Berufsausbildung oder im Beruf steckst ... als ganz normaler Mensch, der eben jetzt noch jung ist, noch etliche Grundlagen einpacken muss, bis es dann für englischsprachige Videokonferenzen oder mathematische Grundlagen im Studium als Virologe reicht ... dann werden blöde Lehrer, doofe Hausaufgaben oder ungerechte Noten zu Papiertigern. Schöne Ostern. Otto Kraz

Und meine Grundbehauptung gilt: Wenn du es schaffst, in den Osterferien über diesen Blog der letzten Wochen nachzudenken (Wer hier auf der Seite neu landet, der kann diesen Workshop für Köpfe zukünftiger Leistungsträger jederzeit nachholen, indem er/sie auf Start zurück geht) nur im Kopf den Schalter umzulegen, dann stehst du, wenn die Schule wieder beginnt, vorne auf der Welle, ohne dass du Schulstoff gebüffelt hast.


Perspektivenwechsel - heute für Lehrer&innen

Und dieselbe Sache gibt natürlich auch für Lehrpersonen. Die wichtigen Grundlagen sind nach der Hattie-Studie ein wenig anders als bei den Schülern. Hier ist der Männchen an der Pumpe der Lehrer.

Schlossbau durch Perspektivenwechsel

Nach den Erkenntnissen der weltweit größten Bildungsstudie. der Hattie-Studie, sind die Bereiche unter dem Schloss für die Noten genauso wichtig wie das Lernen selbst. Der Untergrund bestimmt die Größe des Schlosses. Ohne einen stabilden Untergrund kein stabiles Schloss.


Prozent? Was's das?

Ja stimmt ... ich hatte gesagt, dass ich dann mal weg bin. Aber in Sachen Prozentrechnen muss ich als alter Mathe-Schulmeister doch noch was auf meine Art loswerden. Jetzt übrigens nicht in erster Linie für euch Schüler/innen, sondern für euch ganz persönlich, die ihr Opas und Omas habt, die in Sachen Prozent offentlichtlich extrem häufig überhaupt keine Peilung mehr haben. Aber zumindest ihr solltet ihnen das doch bitteschön professionell erklären können, dass sie danach kapieren, warum sie im Moment. nicht mehr just for fun in den Supermarkt gehen sollten. Prozentrechnen. Klasse 7. Haut rein und überzeugt eure Omas und Opas. Bitte. Der Otto


Es ist Zeit für einen Perspektivenwechsel

Das "Schule ist doof" im Kopf ist ein Klotz am Bein. Otto Kraz

Willkommen in der 3. Woche ohne Schule. Zeit für einen Perspektivenwechsel auf dieselbe. Als Lehrer/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Schüler/innen alles so drauf haben. Als Schüler/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Lehrer/innen eigentlich so alles drauf haben. Als Eltern hat man inzwischen gemerkt, dass Unterrichten doch nicht so einfach ist. Und jetzt?

Perspektivenwechsel. Ich habe ihn für Schüler/innen einmal getrickfilmt. Für Neuankömmlinge: Der Perspektivenwechsel wurde seit 2 Wochen hier entworfen. Um zu verstehen, gehe man bitte auf START. Vier Erfolg. Es lohnt sich.

Otto Kraz

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Elfte

Ich hatte gestern versprochen, noch was zum Thema Streber und Spießer zu sagen.

Zuerst aber etwas zur Gehirnforschung. Die Natur hat uns Menschen mit verschiedenen Hirnabteilungen ausgestattet. Ich vereinfach mal extrem, aber so lässt sich leichter erklären, wie man von Montag auf Dienstag plötzlich viel besser in der Schule werden kann - nachhaltig  ... allerdings braucht es dazu ein kleines Kunststück. Man müsste eigentlich "nur" den Schalter von der Nix-wie-weg-Hirnabteilung in die Coole-Sache-Hirnabteilung umlegen können und man würde merken, dass sich Schule plötzlich völlig anders anfühlt. Denn die Abteilung Nix-wie-weg ist der Hirnbereich, der genau dann eingeschaltet wird und schnell und umgehend arbeitet, wenn ein Ungeheuer aus dem Gebüsch herauskommt. Dann haut man einfach schnell mal ab, um zu überleben. Heute gibt es diese wilden Tiere nicht mehr, die aus dem Gebüsch herauskommen. Dafür gibt es z.B. Vokabeltests, die am nächsten Tag angekündigt sind. Auch da lernen die meisten mit dem Nix-wie-weg-Hirn. Leider ist diese Abteilung zwar schnell und abrufbar unterwegs, aber vergisst das Ungeheuer auch schnell wieder. Hätte man als Steinzeitmensch all die Gefahren des Lebens nachhaltig abgespeichert, dann wäre man irgendwann an diesem Leben verzweifelt. Die schönen Dinge des Lebens, die werden aber immer im Coole-Sache-Hirn verarbeitet und das ist eine ganz andere Angelegenheit. Mit dieser Gehirnabteilung wird Lernen, also Abspeichern, Ausprobieren, Experimentieren, Angreifen, Umsetzen, Besser-werden, Gut-sein-wollen, neugierig-sein etc ... nicht gerade zum Kinderspiel, aber alles macht einfach viel mehr Laune und ist um ein Vielfaches erfolgreicher. Bei weniger Anstrengung und Arbeitseinsatz. Da bekommt Schule und Lernen was von Freizeit. Ich weiß, allein so ein Satz schüttelt so manchen Schüler. :-)

Nun gibt es Menschen, die haben das Glück, dass sie einfach leicht lernen. Warum auch immer sei dahingestellt. Natürlich machen sie das im Coole-Sache-Hirn, das viele Schüler/innen für die Schule überhaupt nicht kennen. Die Nix-wie-weg-Lerner und -innen nennen die Coole-Sache-Hirn-Lerner oft Streber. Ein Unwort. Denn eigentlich will das ja jeder. In der Schule locker lernen, sich leicht Dinge merken können und Lust haben, am Ball zu bleiben und vorne auf der Welle zu stehen. Aber aus welchen Gründen auch immer haben alle Nix-wie-weg-Lerner überhaupt keine Vorstellung, dass sie auch für das Thema Schule eine Coole-Sache-Abteilung im Hirn besitzen. Also drücken sie ihren Neid auf die Coole-Sache-Lerner durch den Schlachtruf "Du Streber!" aus. Na ja und Neid, das ist bekanntlich die kleine Schwester vom Spießer, der dem Nachbarn das neue Auto nicht gönnt. Ja das war der Zusammenhang. Euer Otto Kraz


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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zehnte

Und wieder muss ich den neu hier Eintreffenden eine kleine Erklärung abgeben. Diese Videos sind zwei Jahre alt und haben über 70 Versetzungsgefährdeten geholfen, versetzt  zu werden. Jetzt dienen dieselben Videos den hier mitlesenden und zuschauenden Schüler/innen und späteren Leistungsträger/innen der Gesellschaft über eine Blickwinkeländerung auf Schule zu einer völlig andere Leistungssteigerung in der Schule selbst zu verhelfen. Stark zurückzukommen aus dieser unwirklichen Homeschoolingzeit. 

Deshalb hier nochmals das Bild dazu. Ich habe es wirklich sehr oft erlebt. Diese Umschalten von heute auf morgen. Aber es hat sich in der Pädagogik leider noch nicht durchgesetzt. :- )Aber es reicht mir ja auch, wenn ich immer wieder von einzelnen zukünftigen Leistungsträgern und - innen rückgemeldet bekomme, was einfach nur durch eine andere Einstellung an Zeit an ödem Paukens eingespart werden kann. Und das Lernen selbst zur Entspannung wird. Es ist allerdings auch ein echter Paradigmenwechsel. Wer ihn vollzogen hat, der sagt zu jemand, der einen als "Streber" bezeichnet, "Spießer der Zukunft" und dreht sich ganz cool um. Aber dazu später mehr.

Otto Kraz

 

 

 

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Ich weiß, ich wiederhole mich - aber hier schlagen immer wieder neue Leute auf und wenn man dann einfach zum Beispiel diesen podcast number seven ohne Vorinformation anschaut, dann steht man im Wald. Deshalb zurück auf Start.

Und wenn einmal Verwirrung entsteht wegen den Noten. In der Schweiz ist die 6 aus Deutschland eine 1. :-) Otto Kraz

p.s. Heute erzählt das Gesicht unseres damaligen Projekts, Sascha d'Angelo, Pilot bei der Suisse, wie er selbst seine Blickwinkeländerung erlebt hat.

Liebe Lehrer/innen

Ich denke, die beiden Wochen waren für viele ein dauerndes Suchen nach den richtigen Plattformen. Gestern kam auch noch Google mit einer Schulplattform dazu. Ich habe es nur gelesen und mich gefragt, ob es nicht genau jetzt richtig wäre, sich einmal mit seinen Kolleg/innen an der Schule über die Erfahrungen auszutauschen, die so viele jetzt selbst gemacht haben. Weil es ja keine wirklichen Erfahrungen gibt. Vielleicht könnten dann ein paar auch mal bei Google spickeln und was draus lernen. Oder eine Idee verwenden? Ich bin nicht mehr im Schuldienst. Aber der Überblick über den Aufbau sieht nicht schlecht aus - wenn man mal vom Datenschutzproblemen, Abhängigkeiten etc absieht. :-) Deshalb: Ausprobieren und die besten Dinge für die Zeit nach Corona merken.

 

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Als Text heute ein Bild. Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Achte

Für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern

Keine Sorge, die Schweizer Reihe wird morgen fortgesetzt. Na ja,  bis ich fertig geschrieben habe, bis heute. Ich versuche heute mit einer Geschichte zu erklären, warum ich so sehr auf die Haltung der Schule und den Lehrern gegenüber Wert lege. Warum ich behaupte, wer als Lernende/r und gleichzeitig zukünftige/r Verantwortungsträger/in im Beruf und als Mama oder Papa (Ja klar, später mal) in den drei Wochen Homeschooling ohne Schule und direktem Notendruck lernt, wie Lernen individuell funktioniert und dabei den Blick auf Schule ändert, der kann nach den Osterferien, sollte da die Schule wieder öffnen, locker und aufrecht einsteigen. Wer in diesen 3 Wochen aber das Gefühl aufbaut, dass er dem Druck der vielen Arbeitsblätter nicht gewachsen und ohne Lehrer als Dompteur des Lernens hilflos ist, für den werden diese 3 Wochen auf ein Negativkonto gebucht. Der Ausfall von 3 Wochen Stoffvermittlung ist in Wirklichkeit kein Problem. Weil es allen so geht. Ich hatte selbst kurz vor dem Abitur ein Kurzschuljahr. Weil man den Schulanfang von Februar auf September geschoben hatte. Ein halbes Schuljahr weniger Stoffvermittlung. Man hat es uns nach dem Abi nicht angemerkt. :-) Weil es ja für alle gleich war.

Ich versuche jetzt noch einmal meinen speziellen Ansatz hier auf diesem Blog speziell für Lernende, aber dadurch natürlich auch für aufgeregte Eltern von Lernenden und nebenbei auch klammheimlich für Lehrende, zu erläutern.

Hier eine Geschichte zum Thema - ein Ausschnitt aus einem früheren Filmchen von mir. Die einfache Technik dieses Visualisierens werde ich später hier auch für Lehrende erläutern - habe ich versprochen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Siebte

Für die Lernenden

Für alle, die hier zum ersten Mal aufschlagen: Hier werden täglich Filmchen hochgeladen, die zu einem Projekt gehören, das über 70 Schweizer versetzungsgefährdete Schüler/inen vor zwei Jahren retten sollten ... und gerettet haben. Ich weiß, hier kommen keine Versetzungsgefährdeten vorbei, aber viele haben gerade Angst, den Anschluss an die Mitschüler/innen zu verlieren, die  ja ebenso wie ihr die Aufgaben eurer Lehrer/innen im "Homeoffice" bewältigen müssen. Habt übrigens auch Nachsicht mit euren Lehrer/innen. Ich weiß inzwischen aus vielen Berichten, dass gerade auf beiden Seiten - auf der Seite der Lernenden&Eltern und der Seite der Lehrenden&Behörden sehr viel unternommen wird. Dass probiert wird, was geht und was nicht geht. Wer erwartet, dass es doch eine Blaupause für diese Situation geben müsste, der täuscht sich eben. Solch eine Situation gab es auf dieser Welt noch niemals. Ihr werdet später Zeitzeugen in der Geschichte sein und später eigene Geschichten erzählen können, die es nur einmal gibt. "Daraus könnten wir verzichten" meint ihr? Ja ... ich auch. Also bitte: Habt Nachsicht mit euren Lehrer/innen, die bisher immer wussten, wie man am besten unterrichtet. Je mehr ihr jetzt rückmeldet, was funktioniert und was nicht, wo man nachbessern könnte und wo man etwas streichen sollte, desto besser wird die Entwicklung eurer Ausbildung. Nehmt sie also selbst mit in die eigene Hand. Bildet Teams, wo es geht. Gebt euren Lehrer/innen ehrliches Feedback und macht euch klar: Eure Lehrer/innen könnt ihr im Moment nicht fragen, wie man am besten solch eine Krise meistert. Aber zusammen mit ihnen könnt ihr ganz viel verändern. Ja ich weiß: Eine sehr unwirkliche Aussage. Aber wir leben in unwirklichen Zeiten. Euer Otto Kraz

p.s. Ich wollte eigentlich am Anfang nur sagen: Wer hier neu aufschlägt, sollte bei den ersten Videos dieser Reihe anfangen und höchstens ein Video pro Tag anschauen. Es geht nicht darum, mit einem Marathon von 10 Filmen am Stück den Blickwinkel zu ändern und ein stärkerer Schüler zu werden. Dieser Prozess bedarf viel Nachdenken und viele Gespräche mit Freunden und -innen darüber. Und über Schule an sich.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Sechste

Heute auch mal für die Mamas und Papas

Homeschooling war gestern und heute auch eins der großen Themen beim riesig großen Hackathon WirVsVirus

Sehr beeindruckend, wie viele tausend Menschen Ideen zusammen entwickelt haben. In dem Zusammenhang habe ich auch Sabine Schwittek von den Verwaltungsrebellen "getroffen" - virtuell eben - und sie hat mir für diesen Blog ein wunderbares Dokument überlassen, das ich veröffentlichen darf. Sabine ist selbst gerade Mama im Homeschool-Office ihrer beiden Söhne. Vielleicht kann es Sie als Mutter oder Vater inspirieren, die Woche für Ihre Kinder planbarer zu machen.

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Agiles Homeschooling
Eine starke Grundidee, um in der zweiten Woche einmal zu experimentieren.
Agiles Homeschooling_V1.2.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.1 MB
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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Fünfte

Liebe Fachleute der Zukunft. Ich erkläre euch noch einmal kurz, was es mit dieser kleinen Motivationsfilmreihe auf sich hat. Ihr habt nun eine Woche Schule ohne Lehrer/in hinter euch. Und ihr werdet sicher merken, dass diese Sache doch gar nicht ganz so einfach ist. Das liegt unter anderem natürlich daran, das ihr solche eigenständige Arbeit überhaupt nicht gewöhnt seid. Schulen arbeiten meistens nach wie vor nach dem Prinzip, dass die Lehrperson den Zeittakt vorgibt. Findet ihr die Lehrperson gut, dann ist das eher einfach. Findet ihr sie doof, eher schwierig. So ticken unsere Köpfe. Aber jetzt habt ihr keine Lehrperson mehr, die den Zeittakt vorgibt. Ihr habt meist nur die Aufgabenstellung und Arbeitsblätter. Jetzt könnt ihr nur noch euch selbst gut finden, denn jetzt gebt ihr den Zeittakt vor. Sich selbst gut zu finden funktioniert am besten, wenn man seinen Blick auf das Lernen vom Üblichen weg in eine ganz andere Richtung lenkt. Weg von Schule und Noten. Hin zur Zukunft von euch selbst als Leistungsträger oder -in der selben. Also der Zukunft. Denn sorry, wenn ich sagen muss. Man steckt als Gesellschaft nicht fast 10 000 Euro jedes Jahr in deine persönliche Schulausbildung, dass du später nichts draus machst. Du wirst also gnadenlos einmal Verantwortungsträger oder -in sein. Und dafür solltest du einfach möglichst klug aus der Schulzeit herauskommen. Also hau rein und schau dir in der zweiten Woche Schule ohne Lehrperson einmal dieses  Verantwortungsträgerdasein ganz in Ruhe an. Es stört dich niemand dabei.

Gruß Dein Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Vierte

Diese Reihe kleiner Lern-Motivations- und Blickwinkeländerungsfilme haben vor zwei Jahren mitgeholfen, 73 versetzungsgefährdete Schweizer Neuntklässler/innen davor zu bewahren, sitzenzubleiben. Der Hintergrund für die damalige Aktion: Die Schüler/innen  von 17 Schulen hätten keine Klasse gehabt, in die sie sitzenbleiben hätten können. Also wurde die Idee eingesetzt, an der Motivationsschraube zu drehen.

Jetzt nach einer Woche HomeOffice für Schüler/innen könnten die Filme für den einen oder die andere vielleicht helfen, an der eigenen Motivationsschraube zu drehen. Und dafür den Blickwinkel auf Schule zu verändern. Der Aufwand ist klein, die Effektivität vielleicht riesig.  Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Dritte

Für alle, die sich erst heute einklinken. Startet nicht hier, sondern hier. Sonst versteht ihr manches nicht, was dieser Film für Absichten hat.

Und dann noch etwas. Wie wäre es, wenn ihr euer Wissen über Prozentrechnung an eure Großväter oder Großmütter weitergeben könntet. Denn eure Großeltern scheinen das echt vergessen zu haben. 33% aktuelle Steigerung der Infektionen in Deutschland heißt eben nicht, dass jeden Tag 33 Infizierte hinzukommen. Ihr habt das Wissen. Erzählt es euren Großeltern. Erklärt ihnen das doch einmal mathematisch, warum sie keinen lustigen Corona-Stammtisch mehr abhalten sollten, weil ihr keine Lust hättet, an Ostern auf ihre Geschenke zu verzichten. 😎😎😎

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zweite

Schön, dass du noch dabei bist. Wer sich neu zugeschaltet hat, der beginne bitte am Anfang dieser speziellen Corona-Reihe.

Für alle anderen ist inzwischen vielleicht klar geworden, dass hier der Fokus für die nächsten Wochen nicht auf Methoden zur agilen kollaborativen Zusammenarbeit liegt - das läuft so nebenher. Es geht darum, diese unwirklichen Zeiten aktiv zu nutzen, um sich zusammen mit einem Lernteam das Thema Schule einmal ganz anders durch den Kopf gehen zu lassen. Weil es Sinn macht, neben den Hausaufgabe, die man bekommen hat, eine ganz andere Stärke entwickeln zu lernen. Die Stärke, wenn man einmal wirklich versteht, wie Lernprozesse ablaufen und was Selbstmotivation für ein großartiger Antrieb sein kann. Und das hat nichts mit Schule zu tun. Nur mit Lernen. Lernen bekommt eine andere Perspektive, wenn man sich darauf einlassen kann. Die richtige Blickwinkeländerung auf Lernprozesse macht Schule nach Corona einfacher und erfolgreicher.

Projekt Reservetank

Die Filme, die ich hier für euch jetzt in den nächsten Tagen einbauen werde, habe ich vor zwei Jahren schon einmal benutzt, um über 70 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen in der Schweiz mental dabei zu unterstützen, nicht sitzenzubleiben. Der politische Grund, warum ich diesen Job bekam, hieß: Sie durften nicht sitzenbleiben, weil es aufgrund von aktuellen Schulentwicklung für diese 9.Klässler/innen keine Nachfolgeklassen gab. Wie groß der Anteil dieser Inputreihe an dem Erfolg war, sei einmal dahingestellt. An allen Schulen waren mit mir vernetzte Begleitlehrer/innen, die mit einem Heft und den Videos versucht hatten, die Schüler/innen vor Ort fit zu machen.

Auf alle Fälle wurden alle versetzt.

ich hatte es gestern schon angedeutet. Ich mache seit Jahren diese mentalen offenen Versetzungsprojekte - meist um Ostern herum. Damit sich junge Menschen in Not selbst aus dem Sumpf ziehen können. Meine Behauptung, auch ohne diese Not: Wer Durchschnittnoten hat und wenig Ehrgeiz, bessere Noten zu schreiben, der profitiert trotzdem enorm, wenn er sich einmal über Lernprozesse, Gehirnforschung und agiles Lehren seine Gedanken macht. Bessere Noten ohne mehr zu lernen. Und außerdem Schule ganz anders sehen. Das wäre mein Tipp für alle, denen ihr schulischer Ist-Zustand reicht, die aber trotzdem nichts dagegen hätten, wenn sie echte Motivation verspüren würden, das zu tun, was man in der Schule eben so tut. Leben und lernen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Erste

Liebe alle, die ihr in ein paar Jahren diese Welt mitverantwortlich im Griff halten müsst und Noten dann keine Rolle mehr spielen werden. Nur noch eure Kompetenzen und Fähigkeiten, die ihr bis dahin im Rucksack tragt.

 

Ich habe das ja gestern schon gesagt, das ich hier keinen agilen Scrum-Kurs für drei Wochen vorstellen will. Das ist etwas, was ich eher Lehrer/innen empfehlen würde, sich in diese Richtung aufzumachen. Weil es auch Lehrer/innen gut tut, mit selbstständigen Schülerteams zusammenzuarbeiten.

Mir geht es aber um diese 5 Wochen bis nach den Osterferien. Und ich behaupte, dass ihr, auch wenn ihr auch nur jeden der folgenden Tage ernsthaft versucht, euren Blickwinkel auf Schule zu verändern, dann als andere Schüler/innen nach den Osterferien zurückkommt. Aufrechter und selbstbewusster. Weil ihr dann viel über das Lernen an sich mitgenommen habt. Und klar, wenn ihr es dann noch verknüpft mit dem Fach-Lernen im Team, dann ist es doppelt erfolgreich.

Ich setze meine Blickwinkeländerungskampagne für euch hier einmal fort. Und zwar mit der Geschichte von einem Job, den ich vor zwei Jahren gemacht habe. Ein wenig Mission impossible - von außen gesehen. Die Aufgabenstellung: 73 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen, die nicht sitzenbleiben durften, weil es keine Nachfolgeklassen gab. Ein reines Mentalprojekt mit der schlichten Idee, dass man nur bewusst an der eigenen Selbstmotivationsschraube drehen muss und die Welt sieht plötzlich völlig anders aus. In Notsituationen funktioniert das auch wunderbar. Letztendlich, habe ich mir sagen lassen, wurden alle versetzt.

Die Quintessenz des Filmchens: Man kann sich selbst aus dem Sumpf ziehen, wenn man den richtigen Rahmen dafür findet. In den letzten 15 Jahren war es ein spannendes Arbeitsfeld von mir, durch pure Motivationssteigerung solche Prozesse loszutreten. Allerdings funktionierte es immer nur entweder bei Versetzungsgefährdeten oder bei sehr starke Schüler/innen. Das große Mittelfeld konnte ich nie erreichen, weil da wohl die Noten kein wirkliches Problem darstellten und keine Not existierte. Schade fand ich das immer. Weil es ja nicht darum geht, auf Noten zu schauen, sondern auf den genussvollen Lernprozess, wenn man in der Lage ist, sich ihn genussvoll zu gestalten. Deshalb versuche ich es gerade mal wieder klammheimlich. :-) Immerhin sind die Zeiten möglicherweise durch diese landesweiten Schulschließungen genau richtig dafür. Vielleicht empfinden gerade doch so einige, wie es sich anfühlen würde, wenn es keine Schule gäbe. Wie es sich anfühlt, sich selbst dazu zu bekommen, etwas zu lernen. Ohne den Lehrer vorne an der Tafel.

Das Motto hier auf diesem Blog für die nächsten Tage könnte sein: "Ändert euren Blickwinkel und kommt gestärkt und selbstbewusst aus dieser unwirklichen Phase unseres Lebens wieder heraus."

Wenn schon Corona, dann sollte man vielleicht doch ein wenig für die Zukunft tun. Als zukünftiger Verantwortungsträger. Mit der eigenen Bildung, die man aktiv vorantreibt, wäre da schon viel erreicht.

Morgen mehr davon.

Gruß

Otto Kraz

Corona-Scrum - die Dritte

Liebe Leistungsträger der Zukunft

Ich versuche einmal kurz den Inhalt des heutigen Videos zusammenzufassen. Es geht im Moment nicht darum, schnell mal eduScrum für Schüler/innen aufzubauen. Klar, Willy Wijnands setzt mit seinen Schüler/innen schon im normalen Unterricht die Plattform Learnbeat.com ein, über die sich die Schüler/innen vernetzen und als Team zusammenarbeiten. Klar könnte man jetzt hergehen, und richtige eduScrumteams zusammenstellen und mit den Spielregeln arbeiten, die dafür entwickelt wurden.Es gibt ja inzwischen viele Plattformen, mit denen ihr als Schülerteam arbeiten könntet, aber in erster Linie geht es um eure Grundhaltung der ganzen Situation gegenüber.

 

Wenn euer Lehrer jetzt für 3 Wochen Arbeitsblätter ausgegeben hat, die ihr selbstständig durcharbeiten sollt, dann werdet ihr merken, dass diese Form des Unterrichts nicht unbedingt hochmotivierend ist. Allein in eurem Zimmer. Klar, notwendig, ja das seht ihr ja ein, aber die Motivation hält sich in Grenzen. Außer euer Lehrer oder die Lehrerin kommt auf die Idee, euch reihum immer mal wieder anzurufen, um nachzufragen, wo es Probleme gibt. Das wäre sicher ein echter Motivationsschub. Aber noch motivierender wäre es, wenn ihr euch selbst eure eigene Cloud mit einem Team von 3 oder 4 Leuten eurer Klasse entwickelt. Mit Cloud meine ich nicht unbedingt eine digitale Plattform wie Slack - kostenlos für kleine Teams. Mit Cloud meine ich schon eine Videokonferenz per Skype, ein Gruppen-Chat mit WhatsApp   oder einfach nur zu dritt oder viert telefonieren.

Um sich beim Lernen zu unterstützen. Um sich auszutauschen, Fragen zu stellen und zu beantworten und sich das Gefühl zu nehmen, einsam und alleine vor einem großen Stapel Arbeitsblätter zu sitzen, die nach den Osterferien abgefragt werden. Wenn ihr euch zusammenschließt und eure eigene Ideen dafür umsetzt, dann passiert genau das, was ich im Film gekrazelt habe. Ich habe es einmal an einem Beispiel durchgespielt, bei dem es darum geht, in den drei Wochen eigene Lücken zu füllen. Zum Beipsiel Mathe. Stellt euch vor, euer Team würde es in diesen 3 Wochen schaffen, geschickt und effektiv zusammen die Schwachstellen von allen zu stärken, dann würdet ihr vollautomatisch viel mehr Kompetenz spüren, ihr hättet euren eigenen Weg gefunden und optimiert und damit eure Selbstständigkeit vergrößert. Das Trampolin könnte sich aufrichten und ihr euch freispringen. Ich hoffe ihr versteht bis dahin, was ich meine.

Selbst wenn ihr nur dieses Teamprinzip für euch herausfindet, das am besten zu euch passt und die Zusammenarbeit im Netz oder per Telefon testet, dann erzeugt ihr für eure Motivation dem Lernen gegenüber einen riesigen Schub.

Ich werde in den nächsten Tagen weiter an diesem Thema dranbleiben. Wie kann ich meinen Blickwinkel auf Schule und Lernen so verändern, dass alles einfacher geht. Und nebenbei die Noten besser werden. Otto Kraz

For teachers

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Corona-Scrum - die Zweite

Ja ich denke, die Visualisierung der Selbstbestimmungstheorie zur Motivation erklärt sich selbst. Man sollte, wenn man effektiv lernen will, immer wissen, warum man das tut. Wenn es also eine Methode gibt, die die drei Grundbedürfnisse von uns Menschen - egal in welcher Kultur und in welchem Alter - zu bedienen in der Lage ist, dann sollte man darüber Bescheid wissen. Es macht immer Sinn, das Warum zu kennen, wenn man loslegen will. Und das "Weil es unmittelbar gut tut" liegt uns Menschen immer näher als das "Du lernst nicht für den Lehrer, du lernst für das Leben." Stimmt zwar, fühlt sich aber live mit all den Noten leider anders an. Morgen wird es um das Thema Plattformen und Tools für Teamarbeit im Homeoffice gehen.

Gruß

Otto Kraz

Schulfrei zum Durchstarten

Ein paar Tipps für zukünftige Leistungsträger/innen, die sich etwas Gutes tun wollen.


Liebe zukünftige Virologin, lieber zukünftige Bauingenieur, liebe zukünftige Designerin, lieber zukünftige Psychologe, liebe zukünftige Umweltbehördenleiterin, lieber zukünftige Lehrer, liebe zukünftige StartUp-Gründerin etc ... Ich denke, du verstehst, oder? Du bist jung, du hast noch ein langes Leben vor dir und du nennst dich im Moment noch Schüler oder -in. Doch diese Berufsbezeichnung wird von recht kurzer Dauer sein. Auch wenn dir die Schulzeit manchmal sehr lang vorkommt. Übrigens, eine sehr starke Zeit, sagen alle, die sie hinter sich haben. Ich versuche aber jetzt nach dieser langen Ansprache doch einmal, schnell auf den Punkt zu kommen.

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Bessere Abitursnoten - dank Corona?

Liebe Abiturienten und -innen

Ich habe dieses Blogbeitragsfilmchen aus dem letzten Jahr einfach wieder eingestellt, weil das Lernkonzept, das dahinter steckt, nach wie vor sehr effektiv ist. Ich begleite seit einigen Jahren wenige Lerngruppen mental bei der Abivorbereitung - und hatte meist speziell das Mathe-Abitur im Blick. Sehr erfolgreich, wie ich immer rückgemeldet bekam. Dabei hatte ich immer nur das Konzept beigesteuert. In Coronazeiten würde ich aber meinen: Übertragt das Konzept auf alle Fächer, in denen ihr euch vorbereiten müsst. Schwimmt euch frei. Nehmt die Vorbereitung selbst in die Hand. Bildet Teams. Nutzt digitale Plattformen, Videokonferenzen, Telefonkonferenzen etc. Wenn nicht ihr, wer soll es denn sonst richten. Das Schulsystem ist normalerweise nicht auf solche Ausnahmesituationen eingestellt. Die Schule wird zugemacht, aber das Abi steht trotzdem bald an. Aber die Erfahrung von Lehrer/innen, die schon immer so unterrichten, dass Schüler/innen selbstständig mit einem Rahmenwerk namens eduScrum den Lehrplan erobern, zeigt: Es geht alles viel schneller und effektiver. Klar, dazu gehört im Normalfall, dass man es gelernt hat, Lehrpersonen eher als Berater denn als Anleiter zu sehen. Da euch aber jetzt sowieso nichts anderes übrig bleibt, versucht es doch einfach einmal. Ihr werdet staunen. Und eure Abinoten werden es euch danken.

Gruß

Otto Kraz


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Zeitgemäß unterrichten in Corona-Zeiten

Liebe Kolleg/innen.

Als ein alter ehemaliger Gymnasiallehrer, der mit ein paar Mitstreiter/innen vor vielen Jahren digitalen Unterricht ausprobiert hat ... technisch kein Hexenwerk, wenn man es wirklich will und die Zeit dazu besitzt ... ich war damals der Physiklehrer Otto Kraz in der Laborschule in Weit im Winkl https://physikmaschine.jimdofree.com/physik/  - https://www.aufeigenefaust.com/weit-im-winkl/die-geschichte/die-schul-story/ Wenn ihr jetzt nächste Woche, wenn der Wahnsinn beginnt, dass alle Schulen schließen und die meisten von euch ein wenig hilflos erzählen werden, dass sie digital unterrichten leider nicht können. Ich hätte da als Schulopa eine große Bitte: Gebt die digitalen Plattformen und Vernetzungsideen bitte euren Schüler/innen in die Hand und euch als Berater/in in die Hände eurer Schüler/innen. Ihr selbst solltet einfach Links heraussuchen, die gerade zum aktuellen Unterricht passen würden. Z.B. als Mathe- und Physiklehrer/in hättet ihr jetzt endlich einmal Zeit, um etwa in der Khan Academy zu stöbern. https://de.khanacademy.org/ Denn damit und anderen Online-Lerninhalten und mit der Plattform, die eure Schüler/innen für euch bauen können, würdet ihr umgehend und sofort sehr wohl in der Lage sein, digital zu unterrichten.  Mein Tipp: Es wäre genau jetzt an der Zeit, agiles Lernen und Lehren umzusetzen.

Und wenn ihr euch ohne eigenes Rahmenwerk - nur auf die Hilfe der Schüler/innen angewiesen - hilflos fühlt, dann der Tipp, dass ihr euch mit den Spielregeln von eduScrum ja den Rahmen stecken könntet.

http://eduscrum.nl/en/file/CKFiles/Der_eduScrum_Guide_DE_1.2.pdf

Ja das wäre mein schneller kontruktiver Beitrag als Unruheständler in diesen sich wirklich sehr unruhig anfühlenden Zeiten.

 

Otto Kraz

 

p.s. Noch was ganz Wichtiges: Macht Fehler bei all dem Neuen. Traut euch. Probiert. Experimentiert. Entwickelt. Verändert. Geht in kleinen Schritten vor. Holt euch permanentes Feedback von euren Schüler/innen. Optimiert kontinuierlich. Traut euch. Es lohnt sich, weil es gut tut.

Der Blick auf agile Abläufe durch die Brille des dreibeinigen Trampolins

Dies ist mein aktuelle Blogbeitrag für das Forum agile Verwaltung - aber keine Sorge - es geht auch viel um Pädagogik.

 

Wer das Forum agile Verwaltung schon länger kennt, der weiß, dass ich als Gründungsmitglied einen sehr speziellen Part im FAV spiele ... den mit der ganz eigenen Außensicht - ohne wirklich tieferes Verständnis von Verwaltungsabläufen zu besitzen, aber ausgestattet mit einem sehr hohem Interesse an funktionierenden Verwaltungen - speziell natürlich Bildungsverwaltungen - quasi als ganz normaler Verwaltungskunde. Ein Part von mir im FAV: Agile Denkmuster mit verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Ich selbst komme aus dem Bildungsbereich. Deshalb habe ich auch die Rolle des Betriebssystems im Forum agil lernen und lehren übernommen. In der pädagogischen Abteilung des FAVs. Bis 2015 war ich Gymnasiallehrer und Schulentwickler. Ich zeichne gerne, ich visualisiere mit Hochgenuss komplexe Zusammenhänge, um sie verständlicher zu machen. Zeitgemäße Bildung ist komplex, die Welt ist komplex, Verwaltungen müssen zeitgemäß auf eine komplexe Welt reagieren lernen.

Für meine persönliche Beschreibung der Schulentwicklung im Lande füge ich ein Bild ein und überlasse Ihnen als Betrachter die Interpretation.

Wenden wir uns aber nun der Verwaltung zu. Ich habe für die Tagungschronik unserer diesjährige Jahreskonferenz in Ettlingen nach einem roten Faden gesucht und habe dabei den Fokus nicht auf die Effektivität agiler Prozessabläufe gerichtet, sondern auf den persönlichen Mehrwert für jeden Einzelnen, der sich auf agile Prozesse einlässt.

Weil der persönliche Mehrwert der stärkste Treibstoff für Veränderungen ist. Dabei fiel mir als Beobachtungsgrundlage die Selbstbestimmungstheorie ein, die in den 80er Jahren entstand und seither als eine feste Größe in der Motivationsforschung gilt. Weil ich in Sachen Visualisierung immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten bin und gerade über ein Animations-App gestolpert war, entstanden das dreibeinige Trampolin als Visualisierungsidee. Inzwischen denke ich, dass dieses Trampolin für so manchen Zeitgenossen eine schnelle Methode sein könnte, um agiles Mindset zu erklären und weiterzuentwickeln. Um im Job Erfolg zu haben und sich gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Motivation ist persönlicher Treibstoff und dieser Treibstoff tut gut. Sich was Gutes tun ist auch ein echter Gesundheitsfaktor und wenn sich dann noch die eigene Behörde stark dabei entwickeln kann, dann passt es doch für alle.

Näheres habe ich Ihnen als Fünfminutenfilm zusammengebastelt.
Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich.

Heinz Bayer alias Otto Kraz

 

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Ist agile Schule zeitgemäße Schule?

 

Ich war einmal Geografie-, Mathematik- und Physiklehrer und heute als Unruheständler und Vierfach-Opa fände ich es ganz wunderbar, wenn man die Möglichkeiten von agilem Lernen und Lehren schon ganz normal in die ganz normalen Schulen geholt hätte. Und das geht auch immer mehr Lehrer/innen so, weil sie im Schulalltag merken, dass dieses überall geforderte und für VUCA-Zeiten absolut notwendig individuelle Lernen mit dem normalen gewohnten Unterrichten nicht mehr zu machen ist. Leider merkt man die Mangelerscheinung bei den Lernenden erst nach der Schulzeit, weshalb der Druck auf die Schulen nicht so groß ist wie etwa bei den öffentlichen Verwaltungen. Aber wenn man einmal Lehrpersonen nach der Zufriedenheit mit ihrer pädagogischen Arbeit fragt, dann erfährt man sehr wohl die aktuelle Dringlichkeit. Wenn man sich die Schulen anschaut, die in den letzten Jahren den Deutschen Schulpreis bekommen haben und sich in den prinzipiellen Vorstellungen von agilem Lernen und Lehren ein wenig auskennt, dann wird klar: Da wurden immer agil aufgestellte Schulen ausgezeichnet. Meist sind es einzelne Direktor/innen, die den Mut aufbringen, sich mit einem aufgeschlossenen Kollegium auf einen Weg zu machen, den man ja nicht wirklich kennt. Schuttertal ist jüngst so ein Beispiel aus meiner eigenen Region. Die Grundschule Schuttertal. Sie werden dort natürlich nicht das Wort agile Schule finden, aber im Sinne der Vorstellung von unserem Forum agil lernen und lehren ist sie das natürlich. Zeitgemäße Bildung könnte man auch schlicht und treffend dazu sagen, wie es Déjan Mihajlovic aus unserem Forum gerne benennt.

Für einen wie mich, der Schulentwicklung Richtung zeitgemäßer Schule auch nach meiner Pensionierung noch äußerst spannend findet, nicht zuletzt weil meine Enkelkinder sich in den alten Schulstrukturen bewegen, stellt sich für mich die Frage: Warum tun sich eigentlich alle Beteiligten so schwer mit dem „Schule neu denken“?

In viel zu vielen Familien finden im Moment wieder diese heißen Diskussionen über die richtige weiterführende Schulwahl statt – außer da steht eine satte Gymnasialempfehlung im Raum. Dann zögern die meisten Eltern auch heute nicht. Mit dem großartigen „Auf dem Gymnasium hat mein Kind die Zukunft in der Tasche“-Gefühl. Was natürlich alles andere als „mein Kind wird jetzt für seine Zukunft fit gemacht“ bedeutet.

Wenn ich mir wünschen dürfte, wie der Übergang zu den weiterführenden Schulen ablaufen sollte, dann träume ich mit einem Bild einmal für Sie vor mich hin.  Zusammen mit dem Blogtext und einem Link zu Split4WinWin dürfte es sich selbst erklären.

Ich erzähle Ihnen zum Verständnis auch noch Geschichte namens „Grundbildung“, die sich an meiner Schule vor einem Vierteljahrhundert abgespielt hat.

 

Wenn du ein Lehrer bist, den neben dem eigenen Fach das Ganze am Schulbetrieb fasziniert und du hast einen agil denkenden und handelnden Schuldirektor, dann hast du sehr großes Glück gehabt. Wenn dir der kleine Ausschnitt deiner eigenen Fächer beruflich genug ist, dann nerven dich vielleicht Leute wie ich, die in der aktiven Zeit immer darauf gedrängt haben, das man erkennt, dass Schule so viel mehr ist als nur der Fächerkanon.

Wir schreiben das Schuljahr 1992/93 … irgendwie lag für mich nach 13 Jahren Schuldienst das Gefühl in der Luft, dass sich Schule verändern müsse. Ich war damals auch schon 13 Jahre als Vertrauenslehrer unterwegs und gewohnt, Unterricht durch die Augen von Lernenden zu sehen. Aufbruchstimmung in meinem Bauch. Euphorie, was Schule einem Lehrer – der sein Fach Physik liebt, aber noch mehr die Möglichkeiten starker Persönlichkeitsentwicklung von Schüler/innen – alles bieten kann, wenn er machen darf. Wenn er einen Direktor hat, der zulassen kann. Es war auch die Zeit, in der sich meine beiden Töchter in die Pubertät verabschiedeten und ich der Meinung war, dass meine klugen Ausführungen zum Leben und zum Lernen nicht mehr wirklich bei ihnen ankamen. Für mich war das kein wirkliches Problem, hatte ich doch immer ein paar „Pubertätsberaterinnen“ an der Seite – Schülerinnen aus der Oberstufe, die mich aus ihren eigenen Erfahrungen heraus immer gut beruhigen konnten. Ein großer Vorteil, wenn man als Vertrauenslehrer mit Schüler/innen zwangsläufig auf Augenhöhe zusammenarbeitet.

Trotzdem wollte ich meine Lebensweisheiten für meine Töchter loswerden und erfand das wachsende Beratungsbuch für Heranwachsende, das ich an eine bestimmte Stelle in mein Arbeitszimmerregal stellte und in das ich handschriftlich das aufschrieb, was ich eigentlich gerne meinen Töchtern direkt gesagt hätte. Über Schule und das Leben. Der Autopädakt, eine Kladde, in die man immer neue Seiten einklemmen konnte.

Ich habe für Interessierte das ganze „Buch“ ins Archiv von Otto Kraz gelegt.

In meiner damaligen Physikklasse 11 saßen eine Ärztin und eine Journalistin in Ausbildung, die nach einer Erzählung über mein Familienprojekt  dringend mitlesen wollten, weil sie sich selbst als Autopädakten zu erkennen gaben. Selbsterziehend. Über den Tellerrand des Schülerdaseins blickend. Da war ich schon  nicht mehr allein mit meinen Überlegungen zum Thema Schule und Leben und bekam ein exzellentes Feedback zu meinen Überlegungen – von Expertinnen, die den Blick auf Schule durch die Augen der Lernenden direkt selbsterlebend beurteilen konnten. Ich habe sehr viel dabei gelernt und im Januar 1994 hatten wir nach vielen Diskussionen über das, was Schüler/innen eigentlich benötigen, um Schule aufrecht und selbstbewusst zu durchlaufen, einen verrückten Entschluss gefasst.  Wir wollten einen Antrag an unseren Direktor stellen, ob wir ein Experiment wagen dürfen. Grundbildung. Ein neues Fach für eine fünfte Klasse, in dem es keine Noten gab. In dem alles gelernt werden sollte, was die neuen Gymnasiasten als Handwerkszeug benötigten, um ihre Fähigkeiten optimal entwickeln zu können. Wie das genau aussehen sollte, war uns noch nicht klar, klar war nur unser Ziel. Trotzdem hatten wir natürlich für unseren Antrag schon vage Pläne aufgelistet, was wir alles mit den Schüler/innen unternehmen wollten. Drei Stunden in der Woche, dafür eine Stunde weniger Englisch, Deutsch und Musik  – denn diese Fächer wollten wir sowieso sehr kreativ  abdecken. Ich sollte Klassenlehrer werden, aber kein Fach unterrichten und Gisa und Sabine, die Ärztin und die Journalistin in Ausbildung, sollten ihre Hohlstunden so gelegt bekommen, dass wir immer als Team arbeiten konnten. Die Deutsch- Englisch- und Musikkollegen, die hierbei mitmachen würden, hatten wir auch schon ausgeguckt, bevor wir den Antrag abgaben.

Ich weiß nicht mehr so genau, ob wir eigentlich daran geglaubt hatten, dass solch ein Projekt überhaupt genehmigungsfähig wäre, aber für uns war schon der Antrag einfach wichtig gewesen.

Ich glaube, wir konnten unser Pädagogenglück zuerst nicht wirklich fassen.

„Machen Sie“ meinte unser Schuldirektor damals kurz und knapp und lachte. „Und denken Sie daran, die Eltern immer gut zu informieren.“

Wir durften planen. Schuljahr 1994/95. Neuland pur. Keinerlei Vorgaben. Nur unsere eigenen Ideen, beeinflusst von der damaligen Aufbruchstimmung an Schulen, dass sich etwas ändern muss.

Heute würde es sicher nicht mehr so leicht von Fünftklasseltern geschluckt, wenn sie zu Schuljahresbeginn erfahren würden, dass ihr Kind in eine Pilotklasse kommen würde, in der der Klassenlehrer das dreistündige Fach Grundbildung unterrichten würde und ihre Kinder dafür weniger Deutsch, Englisch und Musik hätten. Die Stimmung unter Eltern in der damaligen Zeit kann man vielleicht damit am besten beschreiben, dass wir für alle Eltern der anderen fünften Klassen Krisensitzungen abgehalten haben, um diese zu beruhigen. Denn der allgemeine Elternmeinung hieß damals: Wir wollen auch etwas Neues für unsere Kinder. Dabei hatten wir damals noch keine wirklichen Konzepte, nur große Ziele. Und die Idee, die Schüler/innen permanent in den Prozess mit einzubinden. Das Klassenzimmer war oft wie ein kleines Parlament strukturiert. Sprecher, Protokollant, Moderator, Rednerliste etc. Und dann kam immer zuerst die Störungsrunde. „Störungen gehen vor“ war damals eine aktuelle wichtige Erkenntnis – Themenzentrierte Interaktion (TZI) lässt grüßen. Aber wir waren ein starkes Lehrerteam. Meine Kolleg/innen fanden das Projekt mehrheitlich ziemlich verrückt und schräg, aber ich hatte nach 13 Jahren Vertrauenslehrerarbeit in einem starken Team eine gewisse pädagogische Narrenfreiheit. Immerhin war ich auch als Fachkollege  anerkannt. „Meine“ Abitursergebnisse in Physik waren immer vorzeigbar. Das gibt Sicherheit einem gymnasialen Kollegium gegenüber.

Ich verkürze jetzt. Das Jahr war sehr turbulent. Wir haben experimentiert, wir haben verworfen, wir haben nachgebessert, wir haben uns regelmäßig Feedback von den Schüler/innen und den Eltern geholt, wir haben durchleuchtet, wir haben unsere eigenen Grundbildungszeugnisse erfunden. Wir haben viel gelacht und ich war oftmals himmerhoch jauchzend, aber oft auch zerstört, weil es nicht so klappte, wie ich dachte, dass es funktionieren müsste. Unsere Klasse war „handelsüblich“. Die ganze Bandbreite von Schülerpersönlichkeiten. Und einige, die richtig nervten. Weil sie natürlich auch nicht wirklich verstehen konnten, welche Ziele wir eigentlich bei unserem Zeitungsschreiben, unseren Filmdrehs, unseren Musikprojekten, unseren Ausflügen, unseren Parlamentssitzungen, unseren vielen pädagogischen Sitzungen, unseren Lebensberatungsstunden etc hatten. Das sollte sich erst Jahre später zeigen.

Das Projekt Grundbildung ging ein Jahr lang, dann habe ich in der 6. Klasse noch ein Jahr Geographie unterrichtet.   Danach waren unsere Grundbildungsschüler/innen sich selbst überlassen. Es gab keine direkten Anzeichen, dass unser Experiment erfolgreich gewesen wäre. Ich selbst habe oft daran gezweifelt, bekam ich doch von manchen Kollegen, als unsere Leute in die Mittelstufe kamen, häufig die Rückmeldung: „Also deine Grundbildungsleuten, die nerven. Sie wollen immer Störungsrunden. Und sind echt widerspenstig.“ Ja klar, das hatten wir ihnen natürlich beigebracht. Nicht alles zu schlucken. Wissen zu wollen, warum etwas sinnvoll ist. Zu reflektieren. Infrage zu stellen. Sich selbst eigene Gedanken zu Lernprozessen zu machen. Das Leben in die eigene Hand zu nehmen.

Ich habe natürlich auch in der Mittelstufe immer die Zeugnislisten der Stufe angesehen und „unsere Grundbildungsleute“ mit „den anderen“ verglichen. Ich wusste ja nicht wirklich, ob diese „Widerspenstigkeit“ sich eventuell negativ auf das Lernen auswirken würde. War aber nicht so. In der Oberstufe bekam ich von denselben Kollegen, die in der Mittelstufe genervt waren, viele positive Rückmeldungen. „Deine Grundbildungsleute machen den Mund auf. Sie tragen meinen Unterricht. Sie haben echte Meinungen, die sie vertreten. Sind aktiv.“ Was für ein Hochgefühl für mich, Jahre danach. Und dann das Abitur. Ich wollte natürlich wissen, wie der Abiturschnitt unserer Grundbildungsleute war. Habe die Liste durchforstet und die Durchschnitte berechnet. Und war im echten Pädagogen-Glück. Klar, keine Beweisführung, keine wissenschaftliche Begleitung. Aber eine riesiges Erfolgsgefühl. Wir haben gut gefeiert.

Die Grundbildungsleute hatten einen Abiturschnitt von 1,9 eingefahren, der Rest des Jahrgangs einen Schnitt von 2,5. Ein Unterschied von 0,6 Punkten. Für mich sensationell. Aus heutiger Sicht für mich auch erklärbar. Damals waren es die eigenen Bauchgefühle von einem Physiklehrer, einer Ärztin und einer Jorunalistin. Heute würde ich Hattie hinzuziehen.

In der neuesten Hattie Studie taucht an allererster Stelle die kollegiale Zusammenarbeit auf. Grundbildung war permanente kollegiale Zusammenarbeit. Nicht nur wir als Lehrer/innenteam, das sich dauernd über das Geschehen ausgetauscht hatte. Sondern wir mussten natürlich auch mit den anderen Fachkolleg/innen in der Klasse regelmäßig konferieren. Was meinen Sie, was in unseren Störungsrunden alles zu Tage trat, was wir natürlich den Lehrern mitteilen mussten, auch wenn es oft nicht so einfach war. Wir hatten, das sei erwähnt, eine ganz normale Durchmischung von Lehrern. Bis auf Englisch und Musik keine spezielle Auswahl. Mit Englisch und Musik war unser Fach Grundbildung ja direkt verknüpft und die Kollegin und der Kollege waren mit im pädagogischen Experimentierboot. Der Deutschlehrer war einverstanden, aber nicht eingebunden.

Zurück zu Hattie: Die Klassengemeinschaft – ein wichtiges Arbeitsfeld in unserem Konzept. Die Zusammenarbeit der Schüler/innen untereinander. Das gegenseitige Erklären, das selbstständige Arbeiten, das permanente Arbeiten an der Lehrer-Schüler-Beziehung. Auch mit den Kollegen, mit denen unsere Schüler/innen ihre Probleme hatten. Wir standen ja immer in der Diskussion mit ihnen. Und dann: Ein Jahr heftige Feedbackkultur für unsere Schüler/innen. Ich glaube, dass das natürlich prägte und nicht mehr so einfach verloren ging. Ja, wenn man die ersten 20 starken Faktoren bei Hattie betrachtet, dann steckten in Grundbildung beinah alle Faktoren in der einen oder anderen Weise mit drin. Die ersten 20 Faktoren sind Faktoren, die nicht direkt mit den Fächern verknüpft sind.

„Grundbildung nach Hattie“ würde ich heute den Eltern von damals sagen. „Ungewöhnlich, weil Sie erst in ein paar Jahren wissen, dass es wirklich stimmt, was die Hattie-Studie sagt.  Aber mal ganz ehrlich: Die Untersuchung von  Millionen von Schülerdaten in der weltgrößten Bildungsmetaanalyse über Metaanalysen kann nicht ganz falsch liegen. Finde ich. Nein Quatsch, da bin ich natürlich vollkommen überzeugt davon.

Wir haben unseren damaligen Fünftklässler/innen auf alle Fälle, das habe ich von vielen als heute Erwachsene rückgemeldet bekommen, ein fette Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben können. Und das ist – abgesehen von einem sehr guten Abiturzeugnis – für das Leben an sich etwas vom Feinsten. Übrigens sehe ich heute noch immer die vierte, fünfte und sechste Klasse als einen äußerst günstigen Zeitpunkt im Leben von uns Menschen, in dem wir schon sehr viel verstehen können, ernsthafte Lebensabsichten aufbauen, aber noch nicht im Kokon der Pubertät verschwunden sind.

Grundbildung als Einstieg in Klasse 5. Damals eine verrückte aber auch eine sehr erfolgreiche Idee – heute ist sie gar nicht mehr so verrückt. Behaupte ich.

 

Heinz Bayer alias Otto Kraz

Agil arbeiten – oder – sich trauen, die Lambda-Schwelle zu messen.

Liebe Leserin, lieber Leser

Weihnachten 2019. Wir vom Forum agile Verwaltung wünschen Ihnen natürlich nur das Allerbeste. Und möglichst geringe Lambda-Schwellen 2020.

„Lambda-Schwellen?“ sagen Sie. „Was soll das denn sein. Sowas habe ich doch überhaupt nicht.“

Und ich sage Ihnen heute am zweiten Weihnachtsfeiertag: Das Lambdaschwellenproblem ist ein permanent störendes, aber zu knackendes Problem, das die Evolution uns Menschen einfach in die Wiege gelegt hat. Uns allen. Auch Ihnen.

Ich bin Physiker. Lambda ist bei uns das Zeichen für die Wellenlänge. Und weil für den Erfolg als Lehrende in Schulen und Hochschulen die Beziehung zwischen ihnen und den Lernenden eine entscheidende Rolle spielt, aber das Wort Beziehung schon zu sehr belegt ist, setze ich dafür gerne die Lambda-Ebene ein. Die richtige Wellenlänge zwischen zwei Personen. Weil man eine gute Wellenlänge zwischen Lehrenden und Lernenden durch klare Werte festlegen kann, die auch praktisch messbar ist. Die man benennen kann. Es hat nicht mit Nähe zu den Lernenden zu tun. Man kann auch eher distanziert arbeiten und trotzdem eine starke positive Lambda-Ebene zu seinen Schüler/innen besitzen.

Im Forum agil lernen und lehren haben wir eine starke Lambda-Ebene z.B. so beschrieben:

  1. Ernst nehmend – gegenseitig
  2. Selbstreflektierend – auf beiden Seiten
  3. Akzeptierend – gegenseitig
  4. Fehler zulassend – gegenseitig
  5. Zielorientiert – mit derselben Zielrichtung
  6. Vorwurfslos – beidseitig

Sie stehen noch immer im Nebel? Keine Sorge. Es ist ein wirklich komplexes Ding, diese Lambaebene zwischen uns Menschen. Egal ob es um Schüler und Lehrer, um Ehepartner oder um Verwalter und ihre Kunden geht. Sorry, natürlich auch immer -innen. Ich versuche es einmal mit einem Bild:

Eine Lambda-Schwelle nenne ich einmal die Abweichung vom Ideal.  Eine 20% Schwelle und ein 80% Lambda-Faktor wäre z.B. ein wunderbarer Wert, wenn er beidseitig bestehen würde und man über ihn Bescheid wüsste. Verstehen Sie schon, was ich meine?

in meiner Zeit als Vertrauenslehrer an einer großen Schule habe ich Konflikte zwischen Kollegen und Schülern (immer auch -innen) zu einem großen Teil dadurch gelöst, dass ich Missverständnisse aufgeklärt habe. Dass ich versucht habe, Lambda-Schwellen, die es auf Schülerseite gab, abbauen zu helfen. Zwei falsch platzierte Sätze eines Lehrers, die nicht aufgeklärt werden, können jahrelang eine Lambdaschwelle auf Schülerseite aufbauen, die das Lernen um ein Vielfaches erschwert, vom Lehrer selbst aber gar nicht erkannt werden. Aber ein einzelnes gutes Gespräch kann so eine Schwelle auch umgehend in sich zusammenfallen lassen. Es liegt in der Hand des Lehrenden, diese Schwellen aufzuspüren.

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Agiles Lernen und die Hattie-Studie

Hattie sagt Ihnen etwas, oder? Der neuseeländische Professor, der in Australien forscht und lehrt und eine riesigen Studie darüber herausgebracht hat, was eigentlich wirklich effektiv beim Lernen ist. Lernen, das ist so eine völlig verrückte Sache. Da gibt es Experten noch und noch.

Spüren Sie einmal in sich hinein und Sie werden merken: „Ja klar bin ich ein Experte. Ich habe da so ein starkes Bauchgefühl, was für meine Kinder oder Enkel das Richtige ist.“ Vor 50 Jahren haben auch Ärzte meist so behandelt. Aus dem Bauch – ausgestattet mit viel Erfahrung. Heute käme kaum ein Arzt mehr auf die Idee, entgegen wissenschaftlichen Studien seine Patienten zu behandeln.

Eltern, Großeltern, Lehrer/innen und Bildungsbehörden machen das noch immer. Aus dem Bauch der Erfahrungen schöpfen. Anstatt z.B. einmal die Hattie-Studie auf Schule und Hochschule anzuwenden. Dann würde sich Schule rasant ändern müssen. Dann würde Schule in die agilen Startlöcher gehen. Denn Hatties Metastudie zeigt ganz klar: Am effektivsten ist Schule und Hochschule und Lernen allgemein mit einem agilen Mindset. Wir vom Forum agil lernen und lehren haben dazu unser zweites Magazin herausgebracht. Helix 2.

Klicken und blättern. Als pdf auch auf https://www.aufeigenefaust.com/

 

Wenn Sie z.B. wissen wollen, warum Professor Christof Arn – der 10 Jahre agile Hochschuldidaktik an der Hochschule in Luzern geforscht und gelehrt hat – meint, er hätte den einen Satz gefunden, den John Hattie am Telefon sagen würde, würde er gefragt, wie er die Hattie-Studie in einem Satz zusammenfassen würde, dann sollten Sie Helix 2 auf Seite 6 lesen. Christof Arn tippt auf folgenden Satz:

„When these professionals see learning occurring or not occurring, they intervene in calculated and meaningful ways to alter the direction of learning to attain various shared, specific, and challenging goals.“ (Hattie 2009, Seite 22)

Mehr verrate ich noch nicht. Sie werden sich wundern, wieviel agiles Lernen und Lehren Professor Arn diesem einen Satz entlocken kann. Wenn Sie also kompetent etwas über die weltweit größte Bildungsstudie aussagen können wollen, dann sollten Sie unbedingt in Helix 2 blättern.

Mit den besten Grüßen vom Forum agil lernen und lehren

www.aufeigenefaust.com

Heinz Bayer

Wollen wollen agil trainieren

Wenn man einen Enkel hat, der in der 4. Klasse seiner Arbeit nachgeht und von Elternabenden erzählt bekommt, erinnert man sich als alter Schulmeister schnell daran, wie viel Aufregung in der Luft um diese armen jungen Menschen liegt und wie diese Aufregung den Lebensfokus ganzer Familien verändern kann. Sollten Sie also im Freundes- und Bekanntenkreis jemand kennen, dessen Sprößling sich mental auf den Wechsel zur weiterführenden Schule vorbereitet und damit die ganze Familie in Alarmstimmung versetzt, dann verschicken Sie doch einfach den Link zu diesem Artikel – vielleicht wird man Ihnen später heftig dafür danken. 🙂 Aber natürlich ist das hier beschriebene Prinzip Wollen wollen eine Sache für alle Lernenden – bis ins hohe Alter.

Um was geht es?

Ich habe als Unterstufenberater am Faust-Gymnasium Staufen viele Jahre diesen Übergangsprozess von 4 nach 5 begleitet. Habe den Kontakt mit den Viertklasslehrer/innen gepflegt, den Viertklässler/innen unser Gymnasium gezeigt und ihnen das wesentlich Neue im Vergleich zur Grundschule erklärt. Ihnen speziell erklärt, dass sie lernen müssen, selbst zu laufen. Und dass sie dafür „wollen wollen“ müssen. Man nennt das Ding sonst „gute Arbeitshaltung“, aber wenn man Viertklässlern erklärt, sie müssten am Gymnasium eben nur die richtige Arbeitshaltung mitbringen, dann ist das zu abstrakt. „Ich muss wollen, dass ich will“ beschreibt es für Schüler/innen besser.

Wollen wollen kann man trainieren.Wenn sie dann später als Fünftklässler/innen bei uns angekommen waren, haben wir lange Zeit als Fünftklasslehrerteam erfolgreich mit speziellen Hausaufgabenheften gearbeitet, die wir selbst immer weiter angepasst und optimiert hatten. In denen schon ziemlich viele agile Elemente auftauchten – obwohl wir dieses Wort damals natürlich noch nicht benutzten. Nach meiner Pensionierung habe ich agile Denkweisen konkreter kennengelernt und die Hausaufgabenhefte zu Lerntagebüchern umgewandelt. Bei Books on Demand können Sie mal reinlesen, sollten Sie Schulkinder im Haus haben und gleichzeitig Lust auf den anderen Blickwinkel auf Schule. Machen Sie doch daraus selbst ein familieninternes gänzlich individuelles agiles Wollen wollen Heft – natürlich zusammen mit ihrer Tochter oder Ihrem Sohn. Es lohnt sich wirklich.

Aus gegebenem Anlass, dass mein ältester Enkel gerade in die Vierte geht, habe ich meine frühere Schüler-Beratungsarbeit wieder aufgenommen und versucht, kleine agile Kalenderblätter für Viertklässler zu krazeln und damit ein Konzept zu entwerfen, mit dem diese späteren Leistungsträger/innen, so sie wollen, ihr Wollen trainieren können.

Hier ist der agile Wollen wollen Kalender zum Ausdrucken, Umwandeln und Weiterentwickeln.

Hört sich für Sie vielleicht jetzt noch befremdlich an, aber ich habe Wollen-Training oft als Klassenlehrer mit meinen früheren Fünftklässlern und -innen durchgeführt, weil zu wenig Wollen vorhandene Talente nie zum Vorschein kommen lässt. Und ja: Wollen kann man trainieren, wenn man das will. Genau das ist der Knackpunkt, der sehr viel Fingerspitzengefühl verlangt.
Auch wenn der Wollen-Faktor klein ist, sollte man seine Auswirkung gut kennen. Weil dieser Faktor der wesentliche Joker im Spiel um bessere Noten ist.
Heinz Bayer

p.s. Ich habe früher ein paar Mal Wollen-wollen-Spezial-Zeugnisse für meine Fünftklässler/innen vergeben – neben den offiziellen Zeugnissen … und 8 Jahre später mit den Abizeugnissen verglichen. Der Fünftklass-Wollen-wollen-Faktor und die Abinote hatten immer eine viel höhere Korrelation als die Fachnoten in der Fünften mit der Abinote. Deshalb: Wollen wollen agil trainieren bringt‘s extrem.

Das Bild dazu gekrazelt – Otto Kraz

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Mathe agil

 

Liebe Leser/in. Gehen Sie selbst einmal in sich. Wie war das damals in Mathe? Gehören Sie auch zu denen, die tief innen drin dieses mathematische Ohnmachtsgefühl aus der Schulzeit noch immer mit sich herumtragen? Dieses kleine Schämen, dass man diese Mathe damals oft überhaupt nicht geblickt hat? Dieses innere doofe Unwohlsein, wenn Sie auch heute noch im hohen Alter einen Mathelehrer treffen? Diese Hilflosigkeit, wenn Sie an Mathe in der Mittelstufe denken? Obwohl das doch so lange her ist? Wenn Sie nicht zu denen gehören, die sich beim Stichwort Mathematik und Schule irgendwie klein fühlen, dann seien Sie froh.

 

All die anderen würde ich gerne von dieser vollkommen unnötigen Last befreien, die einzig und allein daher kommt, weil Sie in einer normalen Schule in einen normalen Matheunterricht gegangen sind und nicht in eine agile Schule mit einem agilen Matheunterricht.

Ich saß vor kurzem beim Bier neben einem Juristen, der nicht wusste, welche Fächer ich unterrichtet hatte. „Mathe und Physik.“ Und dann das übliche: „Oh je, in Mathe war ich schlecht in der Schule.“ Übrigens ändert sich häufig die Körperhaltung, wenn erwachsene Menschen Mathelehrern begegnen. Die kleine Ohnmacht kriecht bei vielen vollautomatisch in das sich erinnernde Blickfeld. Ich habe meinen üblichen Spruch von oben losgelassen. Wir kamen ins Gespräch über seinen Job. Ein Jurist, der für seine Firma zu 90% seiner Arbeitszeit komplexe Organisationsstrukturen erkennen, begreifen und entwickeln soll. Der unentwegt logische Strukturen überblicken und effektiv für seine Firma optimieren muss. „Mathematik in Reinform“ hielt ich ihm entgegen. „Was du als Jurist – wie ich höre ziemlich erfolgreich – beruflich gerade machst, ist pure Mathematik. Und du erzählst mir, dass du schlecht in Mathe warst? Hast du denn wenigstens das Gefühl, jetzt gut in Mathematik zu sein?“ Natürlich hatte er dieses Gefühl überhaupt nicht. Weil er die normale Schule mit dem normalen Matheunterricht durchlaufen hatte und dort hatte er irgendwann in der Mittelstufe den Durchhänger. Wie so viele dort den Durchhänger haben. Pubertät, Lehrer, Liebeskummer, Pear-Group, Stress zu Hause, Ehrgeiz&Frust undsoweiter undsoweiter …. suchen Sie für sich selbst was Passendes aus. Tausend Gründe. Dann entstehen natürlicherweise Lücken. Mit Lücken z.B. beim Umstellen von Gleichungen („niedere“ Mathematik) haut es einem aber jede Aufgabe in der höheren Mathematik um die Ohren. Logische Folge: Schlechte Noten. Also nicht „Ich bin eben schlecht in Mathe,“ sondern „Ich habe mir leider pubertäre mathematische Lücken im Kopf zugezogen und konnte dann meine mathematischen Fähigkeiten nie mehr zur Wirkung bringen. Notenmäßig. Obwohl ich vielleicht mathematisch ziemlich stark ticke.“ Ich wette, die allermeisten von Ihnen haben in der Schulzeit nie bewusst nach Lücken geforscht, um sie logischerweise zu schließen.

 

Im idealen agilen Mathematikunterricht entstehen diese Lücken nicht. Was natürlich nicht heißt, das jeder ein Mathe-Käpsele wäre, wie der Schwabe sagt. Aber erst ohne Lücken erkennt man seine echten mathematischen Fähigkeiten. Agile Mathematik setzt auf eigenständige Auseinandersetzung mit der mathematischer Landschaft, die sich vor einem Erstklässler eröffnet, sobald er in die Welt des „5 plus 3“ eintaucht. Oder dann des „5 plus 9“.  Au Backe, erinnern Sie sich? Der Schritt über die Zehn hinaus? Dezimalsystem? Stellenwertsystem? Machen Sie heute locker, ohne drüber nachzudenken. War aber mal richtig schwierig für Ihren Kopf. Man durfte ja die Finger nicht mehr benutzen.

 

Agile Mathematik ist ein wenig wie die Vision von Khan mit seiner Khan Academy.

 

https://upload-magazin.de/blog/5998-salman-khan/

 

KEINE LÜCKEN ZULASSEN. That‘s the point. Agil lernen. Khan beschreibt es bildlich: Der normale Matheunterricht ist so, als würde man einem Kind ein Fahrrad erklären, um zwei Wochen später abzuprüfen, wie gut es fahren kann. Anstatt so lange zu trainieren, bis es eben fahren kann. Agiles Lernen setzt auf LÜCKENLOSE Mathematik. Und auf das „Sich selbst um seine mathematische Grundlagenbildung kümmern.“

 

Ich weiß, für Sie kommt die Erkenntnis zu spät. Die Sache ist gelaufen. Ich hoffe, Sie nehmen es leicht. Und bitte nicht nachträglich auf Ihre Mathelehrer sauer werden. Agile Mathematik im nichtagilen Schulumfeld – das ist höchste Kunst. Aber vielleicht haben Sie ja Kinder. Zeigen Sie Ihnen doch mal das obere Bild.

 

Auf alle Fälle könnten Sie nach diesem Artikel doch zumindest Ihre eigene kleine mathematische Ohnmacht endgültig entsorgen. Falls Sie sie besitzen, wie so viele sie eben besitzen, diese kleine unnötige Ohnmacht aus Ihrer Schulzeit, die immer wieder behauptet, sie wären irgendwie schlecht in Mathematik.

 

Otto Kraz

 

p.s. Ich vertiefe das Ganze für Sie auch noch mit Hattie im Rucksack. In der weltweit größten Bildungs-Metastudie von dem australischen Bildungsforscher John Hattie findet man das Prinzip LÜCKENLOSE Mathematik an zweiter Stelle der Effektstärkenliste unter den 252 Faktoren, die Hattie unter die Lupe genommen hat.  Heißt natürlich nicht LÜCKENLOS, sondern „self-reported grades“ https://visible-learning.org/hattie-ranking-influences-effect-sizes-learning-achievement/ und bedeutet „Selbstbeurteilung der Schüler/innen“ oder „Einschätzung der eigenen Lernleistung“. https://visible-learning.org/de/glossar-hattie-begriffe/ In Sachen LÜCKENLOSE Mathematik bedeutet es: Ich muss die mathematischen Bausteine kennen, auf die ich mich verlassen kann und meine Lücken kennen, die ich füllen muss. Weil ich ja keinen Bock drauf habe, zum Beispiel in der 10. Klasse in Physik keine Aufgabe richtig rechnen zu können, nur weil ich in Sachen Umstellung einer Gleichung aus Klasse 7 in Mathe eine dauerhafte Lücke mit mir herumtrage.

 

p.s. Noch ein mathematischer Nachtrag samt Krazeleien zum Thema „252 untersuchte Faktoren und ihre Effektstärken.“

 

Zum Verständnis für Nichteingeweihte: „Die durchschnittliche Effektstärke aller von Hattie untersuchten Faktoren beträgt etwa 0,4.  “Häää, 0,4? Muss ich das verstehen?“ fragen sich jetzt sicher viele. Ich versuche es knapp: Angenommen Sie wären Mathelehrer und die Verteilung der Punkte bei einer Ihrer Standard-Klassenarbeiten sähe üblicherweise aus wie in nachstehender Figur.

 

 

Man nennt das die Normalverteilung. Der Abstand von der Mitte bis zum mathematischen Wendepunkten dieser Kurve (wenn die Kurve von immer steiler zu immer flacher übergeht) nennen wir Mathematiker die Standardabweichung. Spielen wir einmal durch, was passieren würde, wenn Sie den Fokus Ihres Unterrichtseinsatzes auf einen Hattie-Faktor mit der Effektstärke von 0,5 auf der Hattie-Skala legen würden – zum Beispiel das „Unterstreichen und Hervorheben“ für Ihren Unterricht konsequent als neues Prinzip einführen würden, während Sie vorher darauf überhaupt keinen Wert gelegt hätten. Wenn Sie also von unstrukturiertem Unterrichtsablauf auf strukturierten Ablauf wechseln würden, dann sagt die Studie, dass die Ergebnisse Ihrer neuen Standard-Klassenarbeit mit ihrem Mittelwert um die Hälfte der Standardabweichung verschoben würde, wenn man es bildlich übersetzt. (Die nächsten zwei Bilder).

 

 

Natürlich unterrichtet der normale Mathematiklehrer keinen komplett unstrukturierten Einheitsbrei, ohne dass seine Schüler/innen wissen, was wichtig ist und was nicht. Aber nicht bei jedem Lehrenden kommen diese Strukturen aus seinem Lehrerkopf auch bei den Lernenden an. Sagen wir es einmal so. Jeder weiß intuitiv, dass bewusstes „Unterstreichen und Hervorheben“ im Unterricht von wirklicher Bedeutung sein kann. Nichts anderes sagt die Studie mit der Effektstärke von 0,5 für „underligning and higlighting“.

 

 

Das zumindest ergeben die Statistiken aus Millionen von Schülerleistungsdaten weltweit, die das Team von John Hattie aus einer riesigen Menge von Einzelstudien zusammengetragen hat. D=1,5 ist übrigens die höchste Effektstärke.

 

Übertragen wir diese Überlegung doch einfach mal auf Sie und ihre früheren mathematischen Leistungsnoten. Nennen wir Sie Paul, der immer dieses 4+ Feeling in Mathe hatte. Sie sind also ausgestattet mit diesem „Eigentlich verstand ich das Ganze ja, aber die Noten waren trotzdem doof“-Gefühl. Hätten Sie damals in einem agil aufgestellten Unterricht gesessen, in dem Sie durch entsprechendes regelmäßiges Feedback zu einer guten Selbsteinschätzung der eigenen Lernleistung mit der Effektstärke 1,33 gekommen wären, dann wären Sie als Paul in den Zweierbereich vorgerückt. Das „Eigentlich verstehe ich es ja“ wäre durch konsequentes Füllen der Lücken real geworden. Was für ein schöner Traum.

 

Was ich Ihnen als alter Mathepauker einfach sagen will: Sagen Sie als Paul nie mehr, Sie wären schlecht in Mathematik gewesen. Denn: Sie haben einfach nur schlechte Noten geschrieben. Ansonsten wissen Sie es einfach nicht, was mathematisch in Ihnen steckt. Und wenn Sie das nächste Mal einen Mathelehrer treffen, zucken Sie nicht verschämt zusammen, sondern sagen Sie ihm doch einfach: „Möglicherweise wäre ich ja auch Mathelehrer geworden, wenn meine früheren Mathelehrer und -innen agil unterrichtet hätten…“

Der agile dritte Raum

„Third Space in Hochschulen

Ein Raum für neue Aufgaben

Neue akademische Handlungsfelder und professionelle Rollen von Akademikern haben in vielen Hochschulen einen Raum hervorgebracht, der weder im Kernbereich von wissenschaftlicher oder künstlerischer Lehre und Forschung noch in der Administration oder in der Hochschulleitung angesiedelt ist. Dieser Raum wird – in Anlehnung an soziologische Theorien (Salden 2013) – als Third Space bezeichnet. Darüber hinaus wird die Bildung von Third Spaces international als Zeichen dafür gesehen, dass die klassische binäre Einteilung einer Hochschule in ihren akademischen und ihren administrativen Bereich an Tragfähigkeit verliert (Whitchurch 2012/Salden 2013).“

( aus wissenschaftsmanagement.de 1/2015 )

 

Als ich im letzten Jahr als Chronist einer Tagung zum Thema Third Space an der FH Muttenz eine Zusammenfassung des Tages entwickeln sollte, habe ich mich dem mir neuen Begriff genähert, indem ich ihn aus dem Hochschulbereich in die Schule „übersetzt“ habe. Als Science Fiction, denn mit einem schulischen agilen Third Space würde Schule einen riesigen Schritt in Richtung Zukunft und in Richtung zufriedene Lehrer/innen und damit auch Schüler/innen machen können - das wurde mir recht schnell klar.

 

Es war einmal einmal vor ziemlich vielen Jahren.

Ein Science Fiction, der schon morgen in Baden-Württemberg und auch anderswo stattfinden könnte, würden Gelder dafür in die Hand genommen.

 

Wilde agile schulische Fantasien von Otto Kraz

 

Es war einmal vor ziemlich vielen Jahren, es mögen sicher 40 sein, da war die Welt in und um die Schulen im Ländle noch ziemlich in Ordnung. Die Eltern hielten sich überwiegend aus dem Geschäft mit der Vermittlung von Wissen heraus. Wer als Schüler zu schlechte Noten schrieb, der wurde einfach nach unten weitergereicht und war eben selbst schuld. So gab es damals einen kontinuierlichen Schüler-Fluss (weniger -innen), die vom Gymnasium auf die Realschule und von der Realschule auf die Hauptschule wechselten und dieses Vorgehen war allgemein anerkannt. Die Lehrer unterrichteten, die Schulverwaltung verwaltete, der Schulleiter leitete und alle waren zufrieden. Auch das Ministerium, denn es gab ja der Klagen wenig.

 

Das ging solange gut, bis die Studie mit dem schiefen Turm auf die Schulen im Lande zeigte und meinte, sie würden ihren Job nicht optimal machen. Da wurden die Eltern hellhörig und nervös und das Ministerium wurde hellhörig und nervös und man fragte sich, was denn jetzt zu tun wäre. Da wurden auch die Schulen hellhörig und nervös. Das sind wir nicht gewöhnt, dass man uns so sehr auf die Finger schaut,“ beschwerten sich viele Kollegen. „In meinen Unterricht lass ich mir doch nicht hineinreden“ ereiferten sich andere. „Das hat schon vor 20 Jahren gut funktioniert. Warum soll das jetzt alles anders werden?“

 

Aber die Zeiten wollten einfach nicht stehenbleiben und die Eltern wollten sich nicht mehr so einfach zurückhalten und die Journalisten fragten, warum denn Schulen in Finnland besser abschneiden würden. Da tauchten plötzlich Wörter auf, mit denen speziell viele Gymnasiallehrer so gar nichts anfangen konnten. Sozialkompetenz. Teamarbeit. Eigenständigkeit. „Ich habe Mathematik an der Hochschule studiert und ich unterrichte Mathematik. Und zwar äußerst gut.“ sagten viele Mathematiklehrer. „Was habe ich denn bitteschön mit Erziehung zu tun. Ja bin ich denn jetzt auch noch ein Sozialarbeiter?“ Und Ähnliches kam natürlich auch von den Englisch-, Deutsch- und Lateinlehrern. „Dieses  neumodische Zeug von Bildungsplan. Früher war das ein Lehrplan, bei dem man wusste, was zu machen ist. Dieses unentwegte Reformieren, das sitzen wir einfach aus.“

 

Aber die Zeiten wollten und wollten nicht stehenbleiben. Es gab immer mehr Studien, immer mehr neue Unterrichtsideen und man begann das Wort Schulentwicklung immer heftiger in die Schulen hineinzupressen. Was zur Folge hatte, dass es viele neue Aufgaben zu erledigen und damit viele neue Sitzungen und Konferenzen abzuhalten gab. Computer zogen in den Schulen ein und jemand musste sie installieren und warten. Die Schülerschaft wurde immer heterogener und das furchtbare Wort vom individualisiertem Unterricht drang in die Lehrerzimmer. Die Eltern wollten immer mehr mitreden und die Ganztagesschule drängte auf den Markt, weil zwei berufstätige Eltern inzwischen zur Normalität gehörten. „Ja was denn noch alles?“ riefen viele Lehrer an vielen Schulen in echter Verzweiflung. „Jetzt sollen wir noch die Eltern ersetzen, weil die nicht mehr richtig erziehen können. Und wir sollen einfach alles auch noch zusätzlich machen.“

 

Das ganze Zetern und Jammern an den Schulen half aber nichts. Denn auch die Schuldirektoren konnten sich nicht wehren. Auch ihnen wurden Aufgaben noch und noch auf‘s Auge gedrückt und je schneller die Welt sich außerhalb der Schule drehte, desto weniger hatten die Direktoren Zeit, sich um ihre eigentliche Aufgabe zu kümmern - Schule pädagogisch zu leiten. Auch die Schuldirektoren beschwerten sich immer häufiger und es sprach sich im Ländle herum, dass Schuldirektor kein wirklich erstrebenswerter Job mehr war. So gab es bald auch immer weniger Bewerber auf diese früher einmal sehr begehrten Stellen. Die Schulen im Lande waren an einem erbärmlichen Punkt angekommen: Jammernde Lehrer, jammernde Direktoren, aufgebrachte Eltern und ein kopfloses Ministerium, das keinen wirklichen Plan besaß.

 

Zu der Zeit tauchte in Stuttgart ein junges Start-Up namens Third Space im Kulturministerium auf und versprach Abhilfe. „Die Administration an den Schulen ist überlastet. Die Lehrer sind überlastet. Wir würden den Schulbetrieb komplett entlasten, wenn Sie uns das einmal machen lassen würden. Wie wäre es mit einer Versuchsschule?“ meinten die jungen Innovativen. „Wir machen all das professionell für die Schule, was in den letzten 20 Jahren auf das Lehrpersonal und die Administration hinzugekommen ist, ohne dafür Entlastung zu bekommen. Sie haben sogar noch die Deputatsstunden erhöht. „Die Kultusministerin, die von überall her den Gegenwind zur bisherigen Bildungspolitik spürte, nickte und meinte: „Also gut, versuchen Sie an einer Schule Ihrer Wahl Ihr Glück. Sie bekommen ein Gehalt wie ein Nebenlehrer, haben allerdings auch nur einen Jahresvertrag bis zu den Sommerferien.“

 

So kam es, dass die Lehrer des Heisenberg-Gymnasiums in Stuttgart ihr Glück kaum fassen konnten, als sich die drei Mitarbeiterinnen und die zwei Mitarbeiter in der ersten Gesamtlehrerkonferenz mit ihrem Konzept vorstellten. „Entlastung,“ jubelten sie. „Endlich echte Entlastung. Da können wir uns wieder richtig auf das Unterrichten konzentrieren. Was für ein Luxus.“ Die Mitarbeiter/innen von Third Space hatten ihr Arbeitsfeld vorgestellt und die Schule war begeistert. „Natürlich betreuen wir jetzt Ihr Computernetz ebenso wie die Lehrer- und Schülerbibliothek. Wir kümmern uns um die Organisation und Planung der Elternabende ebenso wie die Koordination der Ganztagesbetreuung. Wir machen für die Direktion die zeitaufwändigen Schülerstatistiken genauso wie die Bauleitung für die anstehende Renovierung des Biologie-Trakts. Wir betreuen die naturwissenschaftlichen Sammlungen ebenso wie die Materialräume der Gesellschaftwissenschaften. Und natürlich schaffen wir die Voraussetzungen für die Fremdevaluation im zweiten Halbjahr. Und wenn Sie weitere Aufgabenfelder für uns haben, dann melden Sie sich einfach. Wir haben unsere Zelte in den Räumen neben der Direktion aufgeschlagen.“ Die Konferenz ging mit tosendem Applaus zu Ende.

 

Die Begeisterung hielt auch im ersten halben Jahr komplett an, denn Third Space entpuppte sich als ein junges hocheffizientes Team von agil arbeitenden Spezialisten, die beruflich aus den unterschiedlichsten Bereichen kamen und sich sehr schnell und tief in die Anforderungen des Heisenberg-Gymnasiums einarbeiten konnten. Die Schule atmete sichtlich auf. Die Stimmung im Lehrerzimmer war nicht wiederzuerkennen. Und das Wichtigste: Die Schüler hatten manchmal das Gefühl, an eine ganz andere Schule gewechselt zu haben, so entspannt war plötzlich die Lage an ihrer Schule. Denn natürlich hatte Third Space auch die Koordination de Schüleraustausche übernommen und betreute den stark wachsenden außerunterrichtlichen Bereich, was das Schulklima spürbar positiv beeinflusste. Die Third Space Mitarbeiter waren ebenso fachkompetent wie auch verwaltungskompetent. „Third Space ist ein heftiger Schub in die Zukunft“ ließ Direktor Müller gerne in seinen Reden verlauten. Third Space war in aller Munde und auch einige Manager von Daimler, die ihre Kinder auf’s Heisenberg schickten, schwärmten im Konzern von den Zauberern des jungen Start Ups.

 

Im zweiten Halbjahr tauchten die ersten kleinen Irritationen auf. „Was hat der mir denn zu sagen?“ entrüstete sich Frau Meyer-Todde, eine Mathelehrerin, die für ihre Strenge, aber nicht für erfolgreichen Unterricht bekannt war. Ich mache diesen Job nun schon seit 20 Jahren und dieser junge Schnösel meint, er könne mir das Wasser reichen. Frank Paulsen von Third Space hatte sie gebeten, ein Selbstevaluationsblatt in ihrer 7. Klasse ausfüllen zu lassen, weil die Klasse mit Frau Meyer-Todde ihre Schwierigkeiten hatte und er zusammen mit ihr gerne der Ursache auf den Grund gegangen wäre. „Ich werde nach A13 bezahlt, er nach A9. Das sagt doch schon alles.“ meinte sie zu ihrer Sitznachbarin im Lehrerzimmer. „Er hatte selbst in Mathe nur unterdurchschnittliche Schulnoten, hat er mir dazuhin noch erzählt.“ Solche Geschichten  machten immer mehr die Runde, je näher die Fremdevaluation kam, bei der Direktor Müller den Fachunterricht in den Fokus der Untersuchungen gerückt hatte. Und wie das mit solchen Geschichten eben ist, die Akzeptanz von Third Space nahm ab, je weiter die Mitarbeiter des Start-Ups sich um den Unterricht der Kollegen im Rahmen der Evaluation kümmern mussten.

 

In der Anfangskonferenz des nächsten Schuljahres musste Direktor Müller seinem Kollegium eine traurige Mitteilung machen. Da sich Third Space am Ende des letzten Schuljahres am Heisenberg Gymnasium nicht mehr wirklich wohl gefühlt habe und der Vertrag nur befristet war, hätten sie das Angebot von Daimler nicht ausschlagen können, für das doppelte Gehalt in Festanstellung nun einen Third Space für den Konzern aufzubauen. Denn auch wenn im letzten Schuljahr sich am Ende viele über die Arbeit als Einmischung bei ihm beschwert hätten, die Auswirkungen dieses einen Jahres mit dem Start-Up wäre in den Ergebnissen der Fremdevaluation und auch in den Notenschnitten des letzten Schuljahres zweifelsfrei zu erkennen.

So kam es, dass das Heisenberg Gymnasium wieder in dieselben Klagen und dasselbe Jammern einstimmen musste, was man von all den anderen Schulen ja gewohnt war.

 

 

Ach kommen Sie, Frau Kultusministerin, träumen wird man ja noch dürfen. Ihr Otto Kraz

 

 

Weil man es schon immer so gemacht hat?

Es ist schon verrückt. Es gibt inzwischen doch recht viele Grundschulen, an denen Schüler/innen sehr viel Kompetenz mitbekommen, wie sie eigenständig lernen können. Und dann kommt die weiterführende Schule. Und? Ja klar wissen Sie es, was dann passiert. Diese Kompetenz verlernt man meistens wieder. Wie verrückt.

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Wie wäre es denn mit eduScrum
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Helix ... das Magazin des Forums agil lernen und lehren

 Agiles Lernen ... hört sich für Außenstehende irgendwie schnell intuitiv fassbar an, weil man das Wort agil ja eigentlich kennt. Für die, die das Wort agil inzwischen schon zu oft gehört haben, ist es vielleicht auch ein Kopfschüttler. „Unser Chef meint schon lange, dass wir agil arbeiten sollen“ habe ich vor kurzem gehört. „Aber es nervt.“ Da kam das Wort agil schon richtig altbacken rüber. Jeder, den ich bisher getroffen und zum Wissen zu seiner Vorstellung zu agil befragt habe, brachte eine andere Version mit. Deshalb sollte ich, wenn ich hier schon unser erstes Magazin anpreise, doch vielleicht die Vorstellungen des Forums agil lernen und lehren beschreiben. Ich nehme dazu am besten die Leitsätze unseres Hauptforums agile Verwaltung und übersetze sie.

 

 


LEITSÄTZE DES FORUMS AGILE VERWALTUNG

 

 

 

-   Das Ganze in den Blick nehmen, ... da höre ich jetzt niemand widersprechen. Übersetzt auf die Schule heißt das sowas wie „ Nicht nur sein Fach, sondern Menschen unterrichten.“ Denn es ist doch bitteschön klar, dass wir alle wollen, dass Schüler/innen nach ihrer Schulzeit als möglichst breit ausgebildete Persönlichkeiten mit hohem Selbstwertgefühl unsere Schule verlassen. Den ganzen Menschen in den Blick nehmen.

 

-   cross-funktionale Teams bilden ... da höre ich schon mehr „Aber“ auftauchen. „Aber Schüler/innen oder Student/innen müssen doch erst einmal etwas werden, bevor man sie als ebenbürtiges Teammitglied ins Boot holen kann.“ Nein, da müssen wir klar sagen: Agiles Arbeiten, da gehören die Lernenden mit ins Team. Simple not easy ... aber es lohnt sich heftig. Für beide Seiten.

 

 

-   mit überschaubaren Änderungen und Teilergebnissen experimentieren ... ja, das ist natürlich eine echte Schwierigkeit, aber man kann es lernen, damit umzugehen. Weg von den Jahresplänen, die man möglichst genau verfolgt, weil sie natürlich Sicherheit geben - hin zu dem kleinschrittigen und immer und immer wieder reflektierten Anpassen des Wegs, um das Ganze  im Blick zu haben

 

-   die Anspruchsberechtigten einbeziehen, ... ja das hatte ich schon oben erläutert. Lernende mit einbeziehen heißt das bei uns im Forum agil lernen und lehren. Anspruch auf Bildung.

 

-   sich regelmäßiges Feedback von innen und außen verschaffen ... auch das hatte ich oben erwähnt. Feedback, Feedback, Feedback. Ob man das in einem klaren Rahmen eines Scrum macht oder auf andere Art, das ist nicht das Wesentliche.

 

-   und so sein System immer angemessener machen... Das heißt zusammengefasst: Man startet mit dem Blick auf das Ganze - zusammen mit den Lernenden - um während des Lernprozesses kontinuierlich durch Feedbackschleifen den Weg zu optimieren.

 

 

 

Wenn man all dies in einem Wort ausdrücken will, dann kommt man bei dem Wort Haltung

 

heraus, die man ändern muss, will man vom traditionellen Unterrichten zum agilen Unterrichten wechseln. Dieses Heft soll davon erzählen.

 

 

 

Heinz Bayer

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Podcast gefällig?

Hier geht es zu alles-agil.

Und zu einem wunderbaren Podcast, der Agilität und Bildung sehr treffend erläutert.

Kann ich nur empfehlen. Otto Kraz

Kalenderblatt 7

Das ist für mich das Verrückte: Wer eigentlich ein gutes Unterrichtskonzept hat und sich wundert, dass es in der einen Schulklasse, mit der er gut auskommt, wunderbar funktioniert, aber in einer anderen Klasse damit klar untergeht, der sollte sich nicht mehr so viel mit dem Konzept beschäftigen, sondern mit dem "gut Auskommen". Also mit der Haltung. Augenhöhe professionell angehen, nicht zufällig. Agile Haltung ist hier angesagt. Das tut einem einfach selbst gut. Eigentlich verrückt einfach. Aber eben nur eigentlich. Dieses EIGENTLICH ist der eigentliche Knackpunkt. Otto Kraz 

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Weihnachts-Scrum-Board
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Kalenderblatt 6 - Weihnachten naht


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Das Helixprinzip - aus der Reihe Kalenderblätter

 

Das Helixkonzept:

Freiraum-Erforschung ist kein „Komm wir machen einfach mal“. Freiraum-Erforschung ist nur erfolgreich, wenn es klare Regeln für die einzelnen Akteure gibt. Wenn es klare Rollenverteilungen gibt. Wenn es regelmäßige und ernsthafte Reflexionen über das Erreichte gibt. Wenn es genaue Planungen für die weitere Arbeit gibt. Prinzip des Scrum nennen es die ITler mit ihrer agilen Herangehensweise. Ich würde es gerne breiter aufstellen.

 

Die Helix ist übrigens für uns Mathematiker eine Schraubenlinie um einen senkrechten Zylinder. Das Helixkonzept sind aufeinanderfolgende Abläufe einer Gruppe von Lernenden nach bestimmten Vorgaben. Team bilden, Rollen verteilen, Problemstellung begreifen, loslegen. So würde ich den Start in ein paar Helixrunden beschreiben, an deren Ende ein vorher definiertes Ziel liegt. Ausprobieren, anpassen, effektivieren ... und auf die eigene Stärke setzen. Und nach jeder Helixrunde reflektieren, diskutieren, weiterplanen. Der Lehrer als Begleiter, der allerdings seine Rolle als Begleiter sehr ernst nehmen muss. Helixbegleitung ist Fachwissen kombiniert mit konzentrierter Prozessbeobachtung bei den einzelnen Helixteams samt kontinuierlicher Rückmeldung. Der Begleiter ist aber trotzdem nicht der eigentliche Wissensgeber.

 

Helixbegleitung ist also alles andere als Zurücklehnen und Machenlassen. Aber Helixbegleitung ist auch sehr befriedigend, wenn man erst einmal verstanden hat, was in Schüler/innen an Fähigkeiten stecken, die sich beim Helixkonzept Raum verschaffen. Helixbegleitung setzt auf den "Schüler in sich selbst". Denn mal ganz ehrlich, jeder von uns kennt das Gefühl aus den Tiefen der eigenen Erinnerung. Selbst die Generaldirektorin eines multinationalen Konzerns. Da ist man Schüler/in gewesen und das Wissen hatte der Lehrer gepachtet. Und wenn man aufgerufen wurde, um etwas zu beantworten, dann kam man sich in vielen Fächern ziemlich beschränkt vor. Die meisten Lehrpersonen sagten einem damals aber nicht, dass man vielleicht sogar die Voraussetzungen für eine Generaldirektorin in sich stecken hätte. Oder eben die Voraussetzungen für so einen ganz normalen Erwachsenen, der dann später mal souverän Schüler/innen unterrichten würde.

 


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Das Helixkonzept - und die Sache mit dem Rollenangebot
Die übliche Schülerrolle ist für den normalen Menschen noch nie eine wahre Freude gewesen. Lernen als Forschen zu empfinden und dabei als Forscher eine Rolle in einem Forschungsteam zu übernehmen, das ist eine ganz andere Perspektive für das eigene Gefühl.
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Kalenderblatt 3

Ach ja, dieses agile Manifest. Am Anfang - und ich bin erst seit knapp zwei Jahren „infiziert“ - habe ich mich gefragt, was für einen Sinn es macht, sich in einer ganzen Branche immer und immer wieder auf dieses eine Manifest zu beziehen. Vier Sätze, die überall auftauchen, wenn man sich in agilen Denkwelten bewegt.  Nicht nur in der IT-Branche und in der Industrie. Inzwischen auch immer häufiger in der Verwaltung. Prinzip: Was im Manifest rechts steht ist schon wichtig, aber was links steht ist einfach wichtiger. Die Grundidee lautet: Es geht in erfolgreichen Prozessen immer um Menschen, ihre guten Beziehungen und ihre starke Zusammenarbeit. Es geht bei erfolgreichen Abläufe um die Haltung zu allen dabei Beteiligten, speziell um die Kunden. Außerdem sollte man Abläufe jederzeit verändern können, wenn man das als sinnvoll erachtet. Unentwegtes Ausprobieren und regelmäßiges Anpassen wird zum professionellen Handeln. Und natürlich kann man dieses Grundmuster auch auf Lernen und Lehren übertragen. Dogmatisch sollte man das Ganze nicht sehen. Trotzdem: Das agile Manifest führt einen in die richtige Richtung einer zukunftskompatiblen Herangehensweise an Lernprozesse. Finde ich.

 

Otto Kraz

 

 

 

Zum agilen Manifest gehören - so habe ich schnell gelernt- sogenannte Boards, auf die man Zettelchen klebt. To do - do - done. Na ja, dachte ich am Anfang. Zettelchen in Zeiten des digitalen Wandels? Bis ich verstanden habe, dass es auch im Digitalzeitalter noch richtig effektiv ist, eine Aufgabe im Team in lauter kleine Aufgabenschnipsel zu zerlegen, um sie sich dann Stück für Stück von dem To-Do-Feld zu holen. Pull statt Push, habe ich dann oft gelesen, wäre effektiver usw usw .....Und am besten mit Zettelchen zum Umhängen am realen Board. Ich habe selbst viele Boards entwickelt und ausprobiert. Nicht nur für Teams. Auch für mich selbst. Oder im Moment für meinen Enkel. 3. Klasse. Da taucht so langsam dieses Problem „Upps, ich hätte ja bis übermorgen zehn Seiten aus dem Matheheft rechnen müssen.“ Eine Langzeitaufgabe über zwei Wochen. „Hab ich glatt übersehen. Hiiiilfe.“ Wie kann man als Drittklässler die Flut von Aufgaben überblicken? Bin gespannt, wie mein Enkel mit der Idee umgehen wird. Die Zeit wird durch einen Stab visualisiert, der sich täglich einen Schritt nach links bewegt. Kann man natürlich auch an die Wand hängen und den Stab durch einen dünnen Karton ersetzen, den man oben am Board einhängt. Wie auch immer: Falls Sie auch ein Kind oder ein Enkelkind haben, einfach mal ausprobieren. Schulkinder blicken sowas riesig schnell.

 

Otto Kraz

 

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Freiraum-Erforschung-Blatt2

Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, dann habt ihr viel für die Zukunft getan. Das war das Motto, mit dem ein paar Kolleg/innen des Faust-Gymnasiums Staufen und seine damals hochaktiven Schüler/innen das Konzept

 

 „Schülerschule“ auf der EXPO2000 vorstellten. Ein Konzept, bei dem es um Freiraum-Entwicklung ging. Die Grundidee war schlicht: Wir hatten die Räume, wir hatten Lust, aktiven Jugendlichen die Verantwortung zu geben und wir hatten einen Chef, der Freiraumkonzepte zulassen konnte. Was dabei herauskam waren unzählige Teamgründungen durch hochaktive  „Leistungsträger der Zukunft“ im Verlauf von etwa zehn Jahren ... aus den unterschiedlichsten Bereichen, mit den unterschiedlichsten Ergebnissen: Was aber für alle freien Teambildungen zu beobachten war und was sich aus der heutigen Sicht der (inzwischen logischerweise) Leistungsträger der Jetztzeit rückblickend bestätigt: Freiraum-Erforschen bringt ein gewaltiges Maß an Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit vollautomatisch huckepack mit ins Boot der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

 


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Freiraum-Scrum-Kalenderblatt
Natürlich lassen sich Freiraumkonzepte gut mit agilem Handwerkszeug bestreiten. Denn eines muss immer klar sein: Freiraum-Erforschung ist nicht Laissez-Faire oder Rahmenlosigkeit. Freiraumerforschung benötigt Ziele und Rollen und Rahmen und Feedback und Prozessbeobachtung. Zum Beispiel mit einem Scrum-Board. Man darf es gerne auch anders nennen und es sich persönlich zurechtschneidern. Damit man es auch nutzt, denn es nützt sehr viel. Freiraum-Erforschung ist agiles Lernen und Lehren in besten Sinne.
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Freiraum-Erforschung

Liebe Leser/innen

 

Ich melde mich nach der Sommerpause wieder zurück. In den letzten Monaten durfte ich auf Veranstaltungen viele Lehrer/innen kennenlernen, die von ihren „agilen“ Projekten berichtet haben. Allerdings sagte kaum jemand "agil" und das Feld war weit aufgestellt. Ich selbst fasse agiles Lernen und Lehren auch in immer größerem Kontext auf. Spiele gerne mit neuen Begriffen. Willy Wijnands, der Begründer von eduScrum, sieht es eigentlich auch so. Im Schlusstext der eduScrum-Spielregeln steht:  

 

"eduScrum ist kostenlos und wird in Form dieses Guides angeboten. Die Rollen, Artefakte, Ereignisse und Regeln von eduScrum sind unveränderlich. Es ist zwar möglich nur Teile von eduScrum einzusetzen – aber das Ergebnis ist dann nicht eduScrum. eduScrum existiert nur in seiner Gesamtheit und funktioniert sehr gut als Container für andere Techniken, Methoden und Praktiken.“

 

Meine zwischenzeitliche Erfahrung: Die Idee von eduScrum hat sich inzwischen schon sehr schnell in Lehrerkreisen verbreitet. Viele experimentieren erfrischend kreativ mit der Grundidee. Ohne es dann eduScrum zu nennen. Und von Erfolgen habe ich immer dann gehört, wenn die Haltung Schüler/innen gegenüber gestimmt hat. Wenn Schüler/innen so ernst genommen werden, dass es nicht nur die Lehrperson so empfindet, sondern die Lernenden selbst. Übrigens keine Selbstverständlichkeit. Agiles Denken an Schulen würde ich inzwischen so beschreiben: Wer seinen Schüler/innen erfolgreich die Möglichkeit anbietet, Freiräume für die eigene Kompetenzentwicklung zu erforschen, um sich selbstständig und selbstbewusst (aber natürlich professionell begleitet) um die eigene Bildung zu kümmern, der arbeitet mit agilen Grundsätzen.

 

Freiraum-Erforschung sagen Sie??? Muss es sein, dass man schon wieder ein neues Wort in die Welt setzt. Meine Meinung: Ja klar. Warum denn nicht. Nur zu. Je mehr Lehrende mit eigenen agilen Konzepten arbeiten und experimentieren, desto mehr Zukunft wächst an unseren Schulen. Darum geht es doch.

 

Ihr Otto Kraz

 

 

 

p.s. Ich habe inzwischen die Idee der Scrum-Boards oder Kanban-Boards schätzen gelernt. Auch Schüler/innen mögen diese einfache Art von Prozessbegleitung durch viele kleine Post-Its. Auch hier gilt: Ausprobieren, was zu einem passt. Experimentieren, verwerfen, optimieren, anpassen, effektiv machen. Ich habe im nachfolgenden Kalenderblatt Oktober mal angefangen, Vorschläge zu unterbreiten. Und klar: Es muss nicht Scrum-Board heißen, um gut zu funktionieren.

 


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Agil Schule verwalten

Die kleine Serie agil Schule verwalten ging seit Juli auf www.agile-verwaltung.org weiter.

Sorry. Hatte ganz vergessen, die Beiträge unseres zentralen Blogs auch hier zu posten.

Otto Kraz


Agil schulverwalten

These: An allen Schulen arbeiten Kolleg/innen, die nur allzu gerne agil pädagogisch losziehen würden, würde man sie lassen. Im eigenen Klassenzimmer passiert ja oft auch schon ganz viel. Einzelne Schulleitungen schaffen es, trotz den üblichen Siloverwaltungsstrukturen in den Kultusministerien und Regierungspräsidien und Schulämtern, sich Freiraum zu ertrotzen und werden dann zu Leuchtturmschulen .... Was wäre aber, wenn man die Bildungs-Siloverwaltungen agil infizieren könnte?    Otto Kraz

„Das Forum agil lernen und lehren ist ein „Unterforum“ des Forums agile Verwaltung?“ höre ich ab und an. „Wie hängt das denn zusammen?“ Ich erkläre einmal mit meinen eigenen Beobachtungen an den vielen Schulen, die ich kenne. Überall sitzen Kolleg/innen, die agil ticken, ohne dass sie allerdings agil dazu sagen würden. Ich selbst hatte als junger Kollege riesiges Glück, einen agile Schulleiter zu haben, der uns jungen Wilden vertraut hat und uns machen ließ. Wir haben ausprobiert und Schüler/innen vertraut und diese ebenfalls viel Neuland machen lassen. Aus heutiger Sicht voll agil. Und äußerst befriedigend und erfolgreich. Inzwischen habe ich einige Schulen kennengelernt, denen es ähnlich geht wie uns damals. Ein Schulleiter, der trotz einengender Schulverwaltung Neues und Experimentelles zu- und damit Kolleg/innen und Schüler/innen stark werden lässt. Kontextsteuerung sagen die Schweizer dazu. Agil leiten nenne ich es inzwischen.

Dass Top-down bei der Softwareentwicklung nicht mehr effektiv ist, ist schon lange klar. Die Kunden hatten es geregelt. Öffentliche Verwaltungen stoßen heute häufig an Grenzen, weil die Aufgaben nicht mehr mit dem üblichen Silodenken aus den Papieraktenzeiten befriedigend zu bewältigen sind. Unzufriedene Kunden sind auch hier ein Motor zur Blickwinkeländerung. Das Forum agile Verwaltung trifft die zentralen Fragen der Verwaltungen im Kern - das muss ich als Nichtverwaltungsmensch in dieser Runde anerkennend feststellen. Und dann träume ich als Pädagoge doch gleich mal davon, dass irgendwann auch die Zeit kommen wird, in der man in den Schulverwaltungen feststellt, dass agiles Verwalten von Schulen einen fulminanten Flächenbrand an pädagogischem Feuerwerk auslösen kann, weil an der Basis des Lernens und Lehrens viele Lehrer/innen nur darauf warten, mehr Freiraum zu bekommen. Im Moment glauben allerdings außer mir noch wenige an diesen Paradigmenwechsel in Kultusministeriumskreisen und eins tiefer. Aber nur mal angenommen, jemand aus den Bildungssilos würde das hier lesen und sich fragen, wie agil kultusverwalten denn gehen könnte, dem würde ich antworten: Wir vom Forum agile Verwaltung könnten da selbstverständlich weiterhelfen. :-). Heinz Bayer

 

 

 


SPLITUP2WIN - eine Vertiefung

Warum es an der Zeit ist, über Agilität in der Schule nachzudenken

 

Dies sind vertiefende Überlegungen für die Teilnehmer/innen des Scrum-Days in Stuttgart  – deshalb für Blogformat eigentlich viel zu lang, aber vielleicht trotzdem für Interessierte in Sachen agiles Lernen und Lehren ein guter Einstieg – also bitte nur anfangen zu lesen, wenn die Zeit dazu da ist. Und sorry – es ist auch nicht so wirklich ausformuliert. Eher spontan in die Tasten gehauen, das mein Kopf zu der Veranstaltung zu SPLITUP2WIN gerade so alles ausspuckt. Damit der Workshop am Dienstag in Ruhe vertieft werden kann, so man will.                 

Heinz Bayer        9. Mai 2018

 

 

 

Kapitel 1 - Schule, Gehirn-Software und das agile Manifest

 

 

 

Würde ein heute sechsjähriger Junge, nennen wir ihn Otto, in die Steinzeit zurückgebeamt, dann würde er mit all seinem vorschulischen Wissen dort zu den Intellektuellen gehören. Noch ein wenig Muskelwachstum und Schnelligkeit für die Jagd und Otto würde zu den Leistungsträgern seiner Zeit gehören.

 

 

 

Um heute zu den Leistungsträgern unserer Zeit zu gehören, benötigt man ein ziemlich gewaltiges Softwareupdate seines körpereigenen Computers namens Gehirn. Klar, alles was Otto in der Steinzeit ausgemacht hätte, das macht ihn auch heute aus. Mit oder ohne Update. Wie charmant, wie schlagfertig, wie liebenswürdig, wie aufbrausend, wie merkfähig, wie kommunikativ, wie sozial, wie groß, wie gut aussehend, wie ... na ich denke, man versteht, was wir meinen ... das hat in erster Linie nichts mit diesem gefragten Software-Update für die heutige Zeit zu tun.

 

 

 

Wir Menschen wollten schon immer optimieren. Das macht uns offensichtlich aus. Wie optimiert man aber das Entwickeln neuer Software bzw Verbessern vorhandener Software? Also wie kann man Lernen optimieren?

 

 

 

Schauen wir doch einfach mal in die IT-Branche. Also Silicon Valley und so. Da war lange Zeit ein Konzept im Einsatz, das man Wasserfall-Modell nennt: Abarbeiten von vorgefertigten Planvorgaben - platt ausgedrückt. In der IT-Branche ist das schon lange nicht mehr der Normalfall, weil das Wasserfall-Konzept viel zu viele Probleme erzeugt, sodass sich durch den freien Markt der verschiedenen Anbieter von Software viele Firmen schnell zum Optimieren aufmachten, weil Softwarefirmen natürlich Software verkaufen wollen. Logisch. Ohne Kohle nix los. Deshalb ist diese Branche heute ziemlich agil aufgestellt. Weil eben optimaler für komplexe Prozesse aufgestellt. Und Softwareentwicklung ist hochkomplex. Deshalb gilt heute agil als normal: Keine langen Planvorgaben, kurze Entwicklungszyklen mit transparentem

 

Projektverlauf, Entwickler, die im Team und selbstorganisiert arbeiten ... weg vom Top down Prinzip ... eher Augenhöhe angesagt, weil dann die Fähigkeiten aller Mitarbeiter zum Tragen kommen. Um das Endprodukt möglichst optimal anbieten zu können. Undsoweiter undsoweiter.

 

 

 

 

 

Für die Softwarebranche ist das eine logische Folgerung gewesen, dass dort heute mit agilen Organisationsstrukturen wie Kanban, Scrum, Extreme Programming oder wie sie alle heißen, gearbeitet wird - mit den vielfältigen agilen Methoden, die alle auf dem agilen Manifest aufbauen. In dem es um Ausprobieren und Augenhöhe geht. Um Einbeziehung des Kunden und um ganz viel Kommunikation.

 

 

 

Was aber hat nun die Softwarebranche bitteschön mit Schule zu tun?

 

 

 

Nehmen wir den gebeamten Otto Steinzeit und den Heute-Otto. Zu einem überwiegenden Anteil identisch. Otto eben.

 

Der entscheidende Unterschied: Die aufgespielte Software.

 

Die Softwareentwickler: Das heutige Leben und - nicht so viel, wie man denkt, aber laufbahnentscheidend - die Schule. Also die Lehrer/innen. „Da fehlt doch das Entscheidende“, höre ich jemand einwenden: Richtig!!!!!!!! Der entscheidende Software-Entwickler ist der Besitzer des Computers. Also des Hirns. Man nennt ihn Schüler oder -in.

 

 

 

Zwischen der Steinzeit und heute fing das mit der Schule ja sehr bedächtig an. Ein paar wenige, die mit einem Hauslehrer lernen durften. Quasi eine kleine süße Lernmanufaktur. Eine kleine Werkstatt mit individuellem Lehren und Lernen. Was allerdings auch diese damals äußerst Bevorzugten meist so gar nicht als Vorzug empfanden. Da hat sich nicht viel geändert. Lernen war schon immer Arbeit. Ist einfach so.

 

Als man dann merkte, dass Bildung der Kids sich am Ende für alle rechnet und mit einer allgemeinen Schulpflicht eine Gesellschaft umgehend reicher wird, haben alle Regierungen, die was auf sich hielten, klar auf Bildung gesetzt. Natürlich nicht mehr individuell, aber zumindest gleich so fortschrittlich wie Henry Ford: Fließband. Standardisiert. Erfolgreich. Man wusste noch nicht so viel vom Mensch an sich und hielt den Trichter bezüglich Wissen aller Art für ein adäquates Werkzeug, mit dem der junge Mensch zu Bildung  kommt.

 

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Erst in Zeiten von Studien wie der von John Hattie erkennt man inzwischen eben nachweislich, dass der Computerbesitzer namens Schüler einen ganz wesentlichen Anteil an der Softwareentwicklung samt jedem neuen Update hat. Ja sicher, es war schon immer die Rede davon, dass die Verbesserung der Software auch damit zu tun hat, wie der Schüler den Lehrer schätzt. Dass man aber erkannt hat, dass der Hirnbesitzer der wesentliche Teil des Software-Entwicklerteams sein muss, das ist dann doch ein wenig neu. Hattie sei Dank. Und vielen anderen, die unermüdlich darauf hinweisen, dass Schüler ganz normale Menschen sind, nur eben im Moment noch jüngere. Dass Schüler deshalb auch genauso so ticken wie normale Menschen und ernst genommen werden wollen, wenn sie gute Software entwickeln sollen. Denn das kann man bei den Software-Schmieden lernen: Wenn du als Entwicklermensch selbstorganisierter arbeiten kannst, also mit im Entwicklungsboot sitzt, dann geht es dir besser und dann wird die Software besser. Oder wie es mit dem agilen Manifest ausgedrückt wird:

 

 

 

Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln,
indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen.
Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

 

 

 

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

 

 

 

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden,
schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.

 

Übersetzt in die Gehirnsoftwareschmiede heißt das: Schau erst mal, wie die Zusammenarbeit der Entwickler klappt. Also schau, wie das Team Schüler-Lehrer zusammen kommuniziert und stelle den Lehrplan mal in die zweite Reihe. (Sorry: Team Schüler*innen -Lehrer*innen ist mir gerade zu sperrig, das meine ich aber immer so) Und dann lege Wert auf eine solide wachsende Software und stelle die Noten dazu in die zweite Reihe. Stimmt ja auch. Weiß jeder, dass die früheren Schulnoten und die heutigen Kompetenzen als erwachsener Mensch und normaler Berufstätiger eher wenig miteinander zu tun haben. Dass man erkennt, wohin der Hase läuft, klar. Aber das war‘s dann auch schon. Jetzt wird es spannend beim Vergleich. Wer ist eigentlich der Kunde bei der Gehirnsoftwaredauerupdategeschichte namens Wissens- und Kompetenzschmiede Schule? Die Gesellschaft. Klar, die profitiert durch möglichst viele möglichst gut ausgebildete Köpfe. Deutschland ist ja nicht umsonst Exportweltmeister ... da stecken Köpfe dahinter, die durch Softwareschmieden gegangen sind.  Also bitteschön: Zuerst einmal Respekt für das deutsche Schulsystem. Hohes Niveau im weltweiten Vergleich. Wasserfallprinzip, Top Down, der eigentliche Chefentwickler sitzt bei Entscheidungsprozessen nicht mit im Boot. Trotzdem: Hohes Niveau. Nur dass klar ist, auf welcher Grundlage wir hier diskutieren. Wir waren beim Kunden, der beim agilen Arbeiten eine zentrale Rolle spielt, weil er bei der Softwareentwicklung mit kleinen iterativen Schritten (Beim Scrum heißen die Sprint) immer wieder mit einbezogen ist, damit er am Ende auch zufrieden ist. Das ist übrigens auch das zentrale Ziel bei der agilen Softwareentwicklung: Die Zufriedenheit des Kunden. Der Kunde sagt nicht erst nach einem Jahr Entwicklung etwas zum Endprodukt, sondern kann bei jedem Zwischenschritt Feedback geben und mit den Softwareentwicklern beschließen, die Richtung zu ändern, die Entwicklung anzupassen, wenn sich inzwischen Vorstellungen geändert haben oder Bedingungen, die man zu Prozessbeginn nicht absehen könnte. Früher war Loslegen ohne genauen Gesamtplan als unprofessionell verpönt. Heute ist es professionell, wenn Softwareentwickler mit einem groben Gesamtplan starten, um die Softwareentwicklungsschritte dann immer wieder kleinschrittig zu testen und optimiert anzupassen. Also: Der Kunde muss mit ins Boot. Wie soll das aber bei der Gehirnschmiede gehen? Die Gesellschaft mit ins Boot. Wir sagen: Die Gesellschaft sind die Bürger und die Bürger sind wir und wir sind normale Menschen und saßen alle mal in der Schule und waren auch da schon normale Menschen (auch wenn das die allermeisten von uns erwachsenen Menschen nicht auf dem Schirm haben ... verklärt war die Jugend eine tolle Zeit, aber sie wird für die überwiegende Mehrheit nur bei sich selbst wirklich ernst genommen, ohne das zu verbalisieren) Die erwachsenen berufstätigen Bürger der heutige Gesellschaft verbrachten also alle einmal als eigentlich sehr ernst zu nehmende Software-Chefentwickler in einer Schule ... zusammen mit Softwareentwicklungs-Coaches namens Lehrer*innen. In den Schulen vor einigen Jahrzehnten saß also die ganze Gesellschaft der Jetztzeit in jung. Soll heißen, wenn man das agile Manifest übersetzt und nach dem Kunden sucht, den man mit einbeziehen sollte, dann nimmt man doch am allerbesten die junge Gesellschaft, die ja sowieso vor Ort ist: Also die Klasse selbst. Chefsoftwareentwickler für individuelle Gehirnsoftware: Die Schülerin, der Schüler. Kunde und eigentlicher Auftraggeber (merken die aber erst 20 Jahre später so richtig): Die Schülerinnen, die Schüler. Der vierte Satz aus dem Manifest ist wieder einfach zu übersetzen: Schau als Lehrperson, wie sich die Software bei den einzelnen Kunden entwickelt und lass dich nicht einfach nur vom Lehrplan durch das Schuljahr treiben. Der Kunde selbst sollte Ahnung vom gesamten Prozess haben, immerhin ist er ja auch gleichzeitig Entwickler.

 

 

 

Na ja, die Softwarebranche hat die Vorteile des agilen Arbeitens zwangsläufig sehr schnell erkannt. Weil die ersten, die mit agilen Konzepten gearbeitet haben, den Wasserfallkonzeptsoftwareschmieden haushoch überlegen waren. Logisch. Versteht jeder, der einfach mal in sich selbst als ganz normalen Menschen reinfühlt. Wenn ich für mich sagen soll, wo ich mehr Einsatz bringe: In einem Team, in dem ich selbst mitentscheide, wie man als Entwicklungsteam einer neuen Software weiter vorgeht oder als Aufgabenempfänger, der Pläne abzuarbeiten hat, dann würde ich meinen: Sie wissen natürlich ganz genau, wo Sie mehr Energie einsetzen und damit mehr bringen würden. Weil Sie ja ganz normal wie ein Mensch ticken.

 

Na ja. Und Schüler sind auch nur Menschen. Aber eben auch die wirklich zentrale Figuren in der eigenen Softwareentwicklung.

 

 

 

Und genau deshalb ist es an der Zeit, die Softwareschmiede Schule auf agil umzustellen. Das Entwicklerteam Lehrer-Schüler als Team zu begreifen. Weil eben erfolgreicher.

 

 

 

Für Schulen gibt es allerdings keinen Markt der Konkurrenz. Schulen, die sich schon agil aufgemacht haben (meist ohne es übrigens auch mit agil zu betiteln) haben keinen direkten Einfluss auf andere Schulen, weil diese anderen Schulen ja nichts direkt davon merken. Also etwa durch sinkende Schülerzahlen. Weil immer mehr Leute Schule agil einkaufen würden, wenn man Schule einkaufen könnte.

 

 

 

Wie kann man aber Schule trotzdem ins agile Zeitalter hieven? Weil es Sinn macht. Weil diese Zeit gewaltig im Umbruch ergriffen ist. Weil die Probleme dieses Planeten so drängend vor der Haustür stehen, dass die Köpfe, die morgen diese Probleme zu bewältigen haben, weil sie ins Haus getreten sind, möglichst selbstbewusst, stark, eigenständig, kritisch und selbstbestimmend sein sollten.

 

 

 

 

 

Kapitel 2

 

 

 

eduScrum setzt auf die Chefentwickler

 

Klar, es gibt schon Schulen, in denen heftig agil gearbeitet wird. Leuchtturmschulen werden sie manchmal genannt und sie bekommen dann oft auch Preise dafür. Deutscher Schulpreis heißt dann sowas, oder Schule des Jahres. Es gibt viele tolle Ansätze von Seiten der Lehrpersonen, wie man Lernkultur in Schulen bringen kann. Es bewegt sich etwas in der Schullandschaft. Viele Kolleg/innen, die merken, dass Fließband nicht mehr zeitgemäß ist. Gute Voraussetzungen also für einen Schritt ins agile Schulzeitalter. Aber Leuchtturmschulen und einzelne, wenn auch immer mehr Kolleg/innen, die Unterricht durch starkes Coaching auf Seite der Lehrpersonen verändern wollen, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Fließband ist noch als Organisationsprinzip so dominierend wie eh und je. Wenn auch mit besserer Verpackung. Radikal anders wird Unterricht, wenn man die Chefentwickler*innen namens Schüler*innen ernsthaft mit ins Boot nimmt. Willy Wijands hat das am Ashram College in Alphen aan den Rijn in Südholland gezeigt, wie es gehen könnte. eduScrum hat er es genannt. Und die Sache basiert auf dem Scrum-Prinzip aus der agilen Softwareentwicklung. Ich muss hier erst einmal nicht viel dazuschreiben. Denn die Seiten von eduScrum verraten schon einmal sehr viel. Dort findet man auch einen richtigen Spielregelkatalog.

 

 

 

Kapitel 3

 

 

 

SPLITUP2WIN und das Einstiegsexperiment an der ganz normalen Schule

 

 

 

Wir haben uns vom Forum agil lernen und lehren auch unsere Gedanken dazu gemacht und stellen fest: Klasse Methode, aber für den normalen Lehrer in der normalen Schule eine heftig hohe Eingangshürde. Richtig viel Einsatz der Lehrperson dazu nötig. Also so einfach an der normalen öffentlichen Schule mit den normalen Lehrerkollegium und dem normalen Direktionsteam um die Ecke nicht wirklich umzusetzen. eduScrum setzt ein sehr hohes Maß an Haltung voraus. Und starke konsequente Einsatz der Lehrperson. Erst wenn eduScrum in einer gesamten Klasse über ein, zwei Jahre gelaufen ist, dann wird es zum agilen Selbstläufer. Das Forum agil lernen und lehren hat deshalb eine etwas kleinere Geschichte daraus gebaut, die man auch probehalber einmal in einer Klasse testen kann, um zu verspüren, wie sich agile Methoden eigentlich anfühlen. SPLITUP2WIN ist der aktuelle Arbeitstitel und man findet das Prinzip auf unserer Webseite  Wenn man sich mit Lehrer/innen aus der Stufe zusammenschließen kann, dann kann man auch mal die zweite Zusatzmethode mit einbeziehen. Projekt Reservetank ... ein Konzept, das praxiserprobt ist. Faust-Gymnasium Staufen. Jahrelang und erfolgreich. Und wohl auch in der Schweiz einigen Versetzungsgefährdeten geholfen hat .

 

Zusammen also Splitup2win

 

Bis hierhin sind es Ansätze, die noch allgemein gehalten sind und mit eduScrum, Luuise und dem Konzept Reservetank arbeitet. Zum Ausprobieren für ein Kapitel bzw. für ein Coaching auf der Metaebene für Versetzungsgefährdete.

 

 

 

Jetzt aber zu einem konkreten Konzept für die Einsteigerklasse an einem Gymnasium um die Ecke. Nicht Leuchtturmschule dazu notwendig, nur ein kleines Team und ein Schulleiter, der zulassen kann.

 

 

 

 

 

Kapitel 4

 

Der Verleih agiler Flügel - ein konkretes Konzept aus dem Hause agil lernen und lehren.

 

 

 

Hier skizzierte Idee basiert auf erfolgreich gelebten Projekten am Faust-Gymnasium Staufen - eingepackt in ein agiles Denkkonzept.

 

Teilkonzept 1 heißt Grundbildung. Vor 20 Jahren mit einem kleinen Lehrerteam für eine fünfte Klasse entwickelt und zusammen mit einer späteren Ärztin und einer späteren Journalistin konkret umgesetzt. Meine damaligen Mitstreiterinnen waren in der 12. Klasse und hatten ihre Hohlstunden so gelegt bekommen, dass sie mit den drei Grundbildungsstunden der Klasse zusammenfielen. Die Klasse hatte Grundbildung und eine Stunde Englisch, eine Stunde Deutsch und eine Stunde Musik weniger. Ich selbst war Klassenlehrer aber unterrichtete kein Fach. Ein starkes Experiment mit starkem Happy End. „Unsere Grundbildungsschüler/innen“ hatten 8 Jahre nach diesem Experiment einen Abiturschnitt von 1,9 ..  der Rest der Stufe von 2,5. Wir haben damals gut gefeiert, ohne es an die große Glocke zu hängen. Der didaktische Aufbau von Grundbildung war zwar sehr agil, aber auch sehr chaotisch in den Strukturen. Mit Hattie im Rucksack hätten wir den Erfolg auch gut begründen können, allerdings gab es die Studie damals noch nicht und auch keine passende Organisationsstruktur wie das heute mit agilen Konzepten möglich ist. Mehr im letzten pdf auf dieser Seite: Dem Link folgen.

 

Die beiden stärksten Hattie-Faktoren in der neuen Studie von 2017 sind der Lehreraustausch über die Klasse und den Unterricht mit 1,57 und die Selbsteinschätzung der Lernleistung schülerseits (1,33) und lehrerseits (1,29) Verstehen wie Schüler denken (1,28) und Schüler Experten sein lassen (1,2) lässt aus heutiger Sicht sagen: Klar musste das einen Erfolg bringen. Irgendwie. Irgendwann. Starke Faktoren bringen starke Wirkungen – und wenn es erst am Ende der Schulzeit ist. Das waren natürlich genau unsere zentralen Ansätze bei „Grundbildung“ vor 25 Jahren.

 

Teilkonzept 2 wie auch 3 wurden vor 10 Jahren ins Leben gerufen. Das Fünferhaus und der Flügelverleih. Ein eigener kleiner Pavillon mit 5 Klassenzimmern für 5 Anfangsklassen samt einer kleinen Aula und ein sehr innovatives und agil arbeitendes Lehrer*innenteam. Natürlich haben wir den Begriff agil nie verwendet, weil wir nichts davon wussten. Aber das Ding war Neuland und wir haben ausprobiert, verworfen, diskutiert, neu aufgestellt, optimiert, reflektiert ... oft zusammen mit unseren Schüler/innen bei Vollversammlungen in der fünferhauseigenen Aula. Ein Jahr später dann die Gründung des Flügelverleihs am Faust (kurz „Der Flügel“), einer selbst entwickelten Nachmittagsschule für Fünftklässler/innen ... Coachs waren Schüler/innen ab Klasse 9. www.fluegelverleih-am-faust.de war unsere Plattform für die Eltern.

 

So und jetzt der Versuch, mit der agilen Methodik ein agiles  Einstiegskonzept für eine fünfte Klasse  zu basteln.

 

Basteln ist hier agil gemeint: Also professionell ausprobieren. Den Mut besitzen, Neues zu wagen und dabei auch Fehler zu machen.

 

Deshalb müssen alle mit ins Boot. Direktion, Lehrer/innen, Eltern und Schüler/innen.

 

 

 

Aber mal langsam. Und lean-thinking. Kleiner Aufwand zu Beginn. Überschaubar. Nicht gleich mir der großen Theorie kommen ... Wir skizziere hier die Story ... ausprobieren, anpassen und entwickeln muss man es in der Praxis.

 

 

 

Fünfte Klasse ist sowieso ein Schnitt. Neue Schule, neue Klasse, neue Mitstreiter, neue Lehrer. Also kann durchaus eine neue Organisationsform dazukommen, ohne das das für Schüler/innen zusätzlich sonderlich aufregend ist. Neu und aufregend ist ja schon die Sache, dass man jetzt auf der Realschule, auf der Gemeinschaftsschule oder auf dem Gymi ist. Gute Startbedingungen für ein agiles Experiment.

 

 

 

Man hat den Eltern schon im Vorfeld signalisiert, dass man im nächsten Schuljahr ein Experiment  mit einer Klasse beginnen will. Eltern können bei der Anmeldung ankreuzen, dass ihr Kind auch in die agile Klasse kommen darf. 5a. Es gibt allerdings kein Recht auf 5a. Zufallsentscheidung plus Wohnort. Wie gehabt.

 

Nun benötigt man ein Lehrerteam, das richtig Lust hat, auszuprobieren, ob man mit der Visualisierung Gehirnsoftwareupdate plus agile Methoden sich nicht ein komfortables Arbeitsfeld Schule schaffen kann. Ziel eins: Den Kolleg/innen muss es dabei besser gehen als im üblichen Wasserfall-Fließbandmodus. Darauf ist strengstens vom Scrum-Master zu achten ... nehmen wir z.B. den Klassenlehrer oder die -in. Scrum-Team ist das Lehrerteam der Klasse. Die Regeln sind schlicht: Es muss Zeit für ein regelmäßiges Treffen des Scrumteams geben. Es darf natürlich auch völlig anders heißen. Denn es ist ja sowieso kein klassischer Scrum. Nur die agilen Elemente wie Kleinschrittigkeit, Ausprobieren als Professionalität, Augenhöhe für alle Beteiligten, Scrum-Board (oder besser Kanban-Board, da bringt man mehr unter), Sprint, Reviews und Retrospektiven, das sollte man als Grobraster ansetzen, um sich eine eigene Lernorganisationsstruktur zu bauen.

 

Hinzu kommt nun das Grundverständnis für das Lernen. Stichwort Gehirnsoftware updaten. Und der Schüler ist Chefentwickler. Muss in den Prozess einbezogen sein, damit der Prozess optimal abläuft. Für den Kunden (Schüler selbst und damit Gesellschaft) und für die Entwickler persönlich (Schüler wie Lehrer). Topsoftware äußert sich in guten Abschlussnoten. Der Rahmen ist vorgegeben - Lehrplan - aber man sollte sich als Team entspannen. Erst Ende Klasse sechs ist Deadline. Das Experiment läuft 2 Jahre.

 

John Hattie steht Pate. Auf Rang eins der neuesten Studie steht die Kommunikation der Lehrpersonen untereinander. Also natürlich über fachliche und schulische Inhalte. Genau das nutzt das Konzept. Nennen wir es - in Anlehnung an den Flügelverleih am Faust - den Verleih agiler Flügel. Kurz VaF. JJ Der VaF versteht sich als Entwicklungsmanufaktur für Gehirn-Software unter den Aspekten aktueller Bildungsstudien, speziell der Hattie Studie. Der Schuldirektor ist der Product Owner. Denn er hat darauf zu achten, dass die Schüler/innen am Ende der 6. Klasse fachlich zumindest so dastehen, als hätten sie den normalen Wasserfall-Unterricht absolviert. Dass sie im VaF natürlich viel mehr zusätzliche Kompetenzen einfahren ist zwingend. Weil die Prozesse im VaF völlig anders ablaufen und die Eigenständigkeit für Lernprozesse durch die Form des agilen Strukturaufbaus unausweichlich ist. Eltern müssen vorher klar, wissen, auf welches Experiment sie sich einlassen. Denn der große „Mehrwert“ von agilem Flügelverleih zum TopDown-Lernen zeigt sich noch nicht zwingend am Ende von Klasse sechs.

 

Die Mitspieler/innen:

 

ScrumTeam der Lehrpersonen sind 5 Fachlehrer/innen - die Klassenlehrperson muss natürlich mit dabei sein.

 

ScrumTeams der Lernenden sind Gruppen, die durch Fünfteln der Klassengröße entstehen. Frei gewürfelt. Warum 1/5 folgt gleich. Im Beispiel gehen wir von einer Klassenstärke von 25 aus. Also 5er Teams. Der Unterricht verläuft nach dem Prinzip SPLITUP2WIN ... allerdings stark portioniert. 5 Fächer sind involviert, in jedem Fach läuft bei jedem Kapitel ein Scrum-Team schneller als der Rest der Klasse, die ganz normal im verkleinerten Klassenverband unterrichtet wird. Zwischen den fünf Fachkolleg/innen existiert eine Absprache über die Länge der Zyklen, Sprints ... es bieten sich unterschiedliche Längen an, die in die Zeiten zwischen den Ferien, genannt Unterrichtszeit, passen. Wir denken an Zwei- bis Vierwochenzyklen.

 

In dieser Konstellation absolviert jede/r Schüler/in das ganze Jahr über in einem Fach mit seinem Team, das nach jedem Zyklus durch alle 5 Fächer neu (geschickt J) zusammengewürfelt wird, ein Fach im agilen Überholmodus. Und die Klasse erlebt dabei am Ende jedes Sprints ein Scrumteam, das als Lehrassistenz agiert und in der Diskussion um die optimalste Gehirnsoftware-Entwicklung die Position der Chefentwickler sehr gut einnehmen kann. Die Lehrer/innen erleben im VaF, dass auch schon Fünftklässler/innen ganz normale Menschen sind, die es lieben werden, ihre Entwicklerkompetenzen ausspielen zu können.

 

Zwei Rollen haben wir noch nicht aufgeführt. Da sind zuerst einmal die 5 Neuntklässler/innen, die die Scrum-Teams ein Jahr lang begleiten und - wie im Flügelverleih am Faust - auch an einem Hausaufgabennachmittag coachen. Hausaufgaben gibt es nicht. Dafür gibt es freie Zeiten, in denen die Schüler/innen mit ihren Lerntagebüchern arbeiten. Wie gesagt, einmal in der Woche unterstützt von ihrem Coach aus der Neunten. Diese Coachs sind als für Sprint Reviews mit im Boot und können von ihren Teams jederzeit um Hilfe angefragt werden. Sie bekommen für ihre Arbeit natürlich einen kleinen Ehrenamtsgehalt über Fördergelder des Jugendbegleiterprogramms. Nach dem Flügelverleih am Faust Vorbild. Nennen wir diese Coachs einmal VaF-Scrum-Coach, damit man mit dem Scrum-Master im Scrumteam pädagogisch experimentieren kann. Natürlich kann man Rollennamen auch komplett anders aufstellen, wir verwenden nur der Einfachheit Rollenbilder, die man aus den agilen Organisationsstrukturen schon kennt.

 

Wir würden auch noch einen Supervisor einführen, der für den Gesamtprozess als Prozessbegleiter fungiert. Und der im parallel aufgestellten Reservetank-Projekt für Schüler/innen mit Anlaufschwierigkeiten den Chefentwicklerblick einnehmen. Oberstufenschüler/innen ... Personal-Coachs für die gesamt Klasse ... ein Dreier-Team, damit auch dort ein Austausch stattfinden kann.

 

„Aber die Räume? Wie soll das denn gehen?“ höre ich manchen sagen. Wir meinen, wenn man das will, dann findet man Möglichkeiten. Und wenn man im Klassenzimmer selbst eine Zwischenwand mit Schallschutzplatten einbaut. Im Fünferhaus haben wir damals auch selbst Hand angelegt und uns unsere eigene Umgebung geschaffen. Aber in vielen Schulen stehen ja sogar Räume leer. Und bei Aufsichten gibt es inzwischen auch Videoüberwachung für die rechtliche Seite des Problems.

 

 

 

Kapitel 5

 

Konkreter Versuchseinstieg für eine/n einzelne/n Fünftklassklassenlehrer/in

 

 

 

Extrem wichtig bei allem: Grundlage ist das Selbstverständnis von den Schüler/innen, was ihre eigene Person betrifft. Ich erzähl es mal mit einem Mailwechsel innerhalb des Forums

 

 

 

Hallo Tobi...

 

was hältst du von der Idee, gar nicht die Besten, sondern aus jeder Leistungsgruppe eine/n zu nehmen (Bild) und ihnen Rollen zu geben. Wenn klar ist, dass die Leute mit den schlechteren Noten die besseren Fragen stellen können als die Käpsele, dann mach den Vierer zum Fragesteller, den Dreier zum Redakteur, den Zweier zum Unternehmer, der das Ganze im Blick halten soll und den Einser zum Wissenschaftler. Bilde crossfunktionale Teams ... die so einen Sprint aus verschiedener Perspektive beleuchten. Das ist doch genau das. Und später, wenn man nach einem Sprint die vier oder 5 Spezialisten für das nächste Kapitel (die sich natürlich auch Hausaufgaben geben dürfen: Recherche, Ausarbeitung etc) dann in den eigenen Unterricht einsetzt, dann könnten die ja auch rollieren, denn auch beim Erklären erklärt der Vierer sicher anders als der Einser ... vielleicht ja sogar besser.

 

Was meinst du? Heinz

 

 

 

Hallo Heinz

 

Klingt gut, glaube aber, der Fragesteller muss schon einiges von einer Sache verstanden haben, um gute Fragen oder überhaupt Fragen stellen zu können. Oft erlebe ich es so, dass keine Fragen kommen, weil gar nicht klar ist, wo bzw. wie man an ein Thema mit Fragen andocken könnte. Optimal wäre vermutlich ein Team von einem Vierer und einem Zweier. Der Zweier, der ganz gut durchsteigt, den Vierer durch das neue Gelände an die Hand nimmt und der Vierer so in der Lage ist, Fragen zu formulieren und den Blick des Zweiers für mögliche Verständnisschwierigkeiten schärft. Wenn die Struktur das hergibt...

 

Soweit

 

der Tobii

 

 

 

Hallo Tobi

 

Ja natürlich ... die vier oder fünf sind ja sowieso ein Team ... es geht ja beim Agilen auch immer um das Einnehmen verschiedener Rollen. Veronika vergibt manchmal richtige Fantasierollen in solchen Teams. Damit der Abteilungsleiter und die Sekretärin in einem Team auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Wenn also dann ein Jurist i.A. und eine Journalistin i.A. und ein Biolehrer i.A. und eine ITlerin i.A. (in Ausbildung) in so einem Team in deiner 5. Klasse zusammenarbeiten, dann muss ihnen zuallererst immer wieder vermittelt werden, dass dieses i.A. kein Spielchen ist, sondern der normale Gang der Zeit. Und dass es Sinn macht, wenn beim Programmieren von Gehirnsoftware, die ja für alle Berufe und Fachleute funktionieren soll, der Blick eines Juristen, einer Journalistin, eines Biolehrer und einer ITlerin viele Vorteile hat. Eigentlich kann jeder Fragesteller sein. Oder Abchecker. Oder Lückenfinder. Oder Board-Pfleger ... oder oder. Jeder kann für eine funktionierende Software einen wesentlichen Teil beitragen, wenn er den Entwicklungsprozess und die Softwareentwicklung und damit sich selbst ernst nimmt. Es muss jedem Schüler klar sein, dass eine schlechte Note in Mathe nicht heißt, dass man nicht später ein guter Mathematiker sein kann. Weil ja Denkweisen unterschiedlich sind und Geschwindigkeiten von Entwicklungen sowieso und Lücken aus der Grundschule vielleicht der Grund sind und überhaupt sind Noten nur Hilfsmittel, seinen Weg mit diesem Job Softwareentwickler gut hinzubekommen.

 

Wenn dann die Experten später in den Unterricht wieder eingebaut werden, sollten sie rollierend arbeiten, weil der Jurist anders erklärt als die ITlerin.

 

Praktisch würde ich übrigens ganz klein anfangen. So ein Roll-Trenn-Teil aus den Oberstufenräumen im Neubau (Wurden übrigens damals genau mit solchen Projekten unserer Hausaufgabenbetreuung angeschafft - nicht für die Oberstufe.) Und dann ausprobieren, wie das geht, wenn man ein Viererüberholteam hinter diese Wand setzt und ein Scrumboard an der Wand bastelt ... lass uns dran bleiben

 

Liebe Grüße

 

Heinz

 

 

 

So, jetzt wissen Sie, worauf sich das Bild am Anfang des Blogbeitrags bezieht.

 

                                                                                                          Otto Kraz

 

 

 

 

 

 

 

Inspiration Camp

Gastbeitrag von Jule Schmitz -

 

 

 

Kennst du das...?

 

Dein Traum ist es, nach der Schule auf Weltreise zu gehen nur weisst du noch nicht, wie du das organisieren sollst?

 

 

....

 

mehr im Text

 

Inspiration Camp

 

Kennst du das...?

 

Dein Traum ist es, nach der Schule auf Weltreise zu gehen nur weisst du noch nicht, wie du das organisieren sollst?

 

Du bist kreativ und  besonders talentiert in Sport, Musik, Kunst oder Theater und weißt nicht genau, wie du diese Talente beim Reisen einsetzen kannst und würdest am liebsten auch einen Job finden, in dem deine ganzen Talente gefragt sind?


 

Fühlst du dich oft so anders, mit deinen vielen kreativen und spannenden Ideen im Kopf und hättest gerne Menschen um dich, die genauso so ticken wie du ?

 

Möchtest du stattdessen lieber...

 

dich schon lange vor dem Abi auf deine Weltreise freuen und nur noch die Tage zählen bis es losgeht?

 

Klarheit über deine Talente und Stärken haben, damit du sie beim Reisen und in einem späteren Job gewinnbringend einsetzen kannst?

 

und eine Community an inspirierenden Menschen um dich haben, die von einander lernen wollen und mit denen du grandiose Momente teilst?

 

Diese Fragen habe ich mir so oft gestellt in meinem Leben und ich kenne die leichte Panik, wenn die anderen schon ihre Au-Pair-Stellen oder andere Pläne hatten und ich noch nicht genau wusste, wie es weitergeht.

 

Ich habe beim Reisen die Erfahrungen gemacht, an denen ich gewachsen bin und Begegnungen mit Menschen gehabt, die unvergesslich sind. Außerdem spreche seitdem englisch, französisch und spanisch fließend. Auch im Filmen und Fotografieren bin ich viel besser geworden, weil man es eben auf Reisen täglich macht und Bilder eben mehr sagen als 1000 Worte.

 

Außerdem gibt es viele kreative Menschen, die sich überall auf der Welt treffen und die dank Facebook und Internet wirklich gut zu finden sind.

 

All meine Fähigkeiten aus dem Journalismus, der kreativen Zirkuswelt, als Sprach- und Sportlehrerin möchte ich gerne an die nächste Generation weitergeben, und zwar an die, die begeisterungsfähig, (an-) packend und kreativ sind, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

 

Daher habe ich das INSPIRATION CAMP kreiert,

 

-       wo kreative junge internationale Menschen zusammenkommen,

-       in Coachingübungen sich über ihre Talente und Stärken bewusst werden,

-       Reisepläne schmieden,

-       Informationen über Volunteerprojekte und Reisevorbereitungen (und -krankheiten) erhalten,

-       Workshops in Fotografie und Storytelling besuchen können

 

und gemeinsam „sporteln“.

 

Für wen ist es gedacht?

 

Für vielbegabte, kreative Menschen von 16 – 22 Jahren, die sich nicht entscheiden können, was sie mit ihren Talenten machen können und keinen Mainstreamjob machen wollen.
Julia Schmitz und Veronika Levesque werden den jungen Menschen helfen, sich ihrer Kreativität und ihrer Träume bewusst zu werden, sie zum Reisen inspirieren und ihnen wichtige kommunikative Schlüsselqualifikationen beibringen wie Filmemachen oder Storytelling.
Gleichzeitig haben sie in einer internationalen, lebendigen Community viel Spaß mit Gleichgesinnten, netzwerken, finden Travelbuddies und erschaffen unvergessliche, kreative Momente und bekommen dadurch den Mut und das Selbstvertrauen, sich das Leben zu kreieren, das sie lieben.

Inspiration Camp

 

Wir werden uns vom 29.6. - 1.7.2018 in diesem wundervollem Naturcamp am Schluchsee im Schwarzwald treffen und Reisepläne schmieden, individuelle Werte und Talente herausfinden, Filmen und Fotografieren lernen, Sport machen, gemeinsam kochen und übers Leben philosophieren.

 

Kosten: 99 €, für Unterkunft und Frühstück und Verpflegung am Samstag.

 

Am Sonntag haben wir ein Angebot, beim Seglerhof günstig zu Mittag zu essen.

Anreise organisiert jeder selbst, es wird Fahrgemeinschaften von Freiburg aus geben.

 

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, wir nehmen noch Anmeldungen an bis zum 15.6.2018.

 

Die drei Tage sind aufgeteilt in die Workshopthemen:

 

VOR der Reise, WÄHREND der Reise, NACH der Reise. Lass dich überraschen.

 

Wenn du dich bei all dem angesprochen fühlst, komm doch in die Facebookgruppe, da gebe ich 1x die Woche in einem Livestream all mein Wissen zu den Themen, Talente finden, Reise planen und Netzwerken raus:)

 

Bewirb dich JETZT

 

Die Silos verlassen

Äußerst erstaunlich

 

1913 fand Henry Ford heraus, dass er mit dem Fließband viel effektiver Autos produzieren konnte.

1947 fand Taiichi Ohno heraus, dass man mit dem agilen Konzept des Kanban viel effektiver Toyotas produzieren konnte.

2001 wurde das agile Manifest für die Softwareentwicklung zum Renner in der IT-Branche, weil man merkte, dass man agil viel effektiver ein Produkt entwickeln kann.

2018 sitzen noch immer die allermeisten Lehrer/innen in ihren Silos und sind insgeheim genervt von den Fließbandstrukturen des Unterrichtens. Was fehlt sind agile Leitungsstrukturen und agilen Behördenstrukturen. Das System steckt noch ziemlich fest.

 

Dabei wäre es gar nicht so schwer. Und würde allen Beteiligten gut tun. Am meisten den Schüler*innen und den Lehrer*innen. Aber auch den Schulleiter*innen, wäre da nicht die übergeordnete Verwaltung, die dabei im Weg steht.

 

Die Leitung in Weit im Winkl ist auf alle Fälle komplett verändert. Lesen Sie dazu im Forum agile Verwaltung einen Blogbeitrag. Ihr Otto Kraz

Die glorreichen Sieben

Die sieben stärksten Hattie-Faktoren sollte man sich als Lehrer/in dringend genauer unter die Lupe nehmen. Sicher sagen viele, dass sie vieles davon in ihrem eigenen Unterricht vorfinden, aber sicher sagen viele, dass sie das nie gedacht hätten, dass es genau darauf ankommt. Deshalb: Stärken Sie Ihr Lehrerselbstbewusstein. Die fachliche Kompetenz ist es nicht, die eine gute Lehrperson ausmacht. Die wesentlichen Faktoren findet man an ganz anderer Stelle. Wenn Ihnen dass schon vorher klar war, gratuliere ich ganz herzlich. :-)

Otto Kraz


mehr lesen

Die Hattie-Spezialisten aus Brugg-Windisch

Wer fundiert über die Hattie-Faktoren lesen will, dem empfehlen wir natürlich die Pädagogische Fachhochschule in Brugg-Windisch und das dortige Luuise-Team um Professor Dr. Wolfgang Beywl.