Kapitel 2 - Schülerschule 2.0

Schülerschule 2.0 oder der Flügelverleih

Irgendwann kam eine Schülermutter auf uns zu, die nachfragte, ob wir nicht vielleicht eine Hausaufgabenbetreuung organisieren könnten. Und natürlich konnten wir mit unserem Konzept fausteams auch solch ein Angebot organisieren. Wir hatten genügend Schüler:innen in unserem Konzeptnetzwerk, die gerne Hausaufgabenbetreuung machen wollten. Anders als bei den bisherigen Projekten unserer „Schülerschule“ war diese Arbeit dann bezahlt. 5€ die Stunde … ähnlich einer damaligen Nachhilfestunde von Schüler:innen für Schüler:innen. Es sollte ja nicht davon abhängen, ob gerade genug Aktive Lust zu einem solchen Projekt hatten. Als dann offiziell für Gymnasien eine Ganztagesbetreuung vorgeschrieben wurde, waren wir schon im Geschäft. Wir mussten unsere Hausaufgabenbetreuung einfach nur erweitern und hatten sehr schnell erkannt, dass unsere eigenen Schüler:innen wesentlich besser, effektiver, auf Augenhöhe, professioneller und erfolgreicher Fünft- und Sechstklässler:innen nachmittags betreuen konnten als ehrenamtliche Erwachsene, die sich für diesen Job gemeldet hatten. Also bezahlten wir unsere eigenen Schüler:innen mit den Jugendbegleiterprogrammgelder, die man dafür bekam und waren hochzufrieden. Im pädagogischen Schweizermesser auf Seite 210 hört sich das so an: „ … zukünftige Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen und alle, die gut in Personalführung sind waren aufgerufen. Der Schulträger stellte eine Sozialarbeiterin ein, die für die Betreuung verantwortlich zeichnete ... wir rundeten mit einem dynamischen Lehrerteam das Ganze ab und begannen unsere Arbeit. Ich denke, schon allein wenn man sich die Größe unseres damaligen Flügelverleiteams ansieht - bis zu 80 Coachs, eine Sozialarbeiterin und 5 Kolleg/innen - dann kann man sich mit unserer Vorgeschichte gut vorstellen, was sich entwickeln konnte. Freie Hand von der Direktion, kurz danach eine eigene Sekretärin (für eine Schullsekretärin gab es offiziell Stunden für die Nachmittagsbetreuung der Kleinen) und ein Schüler/innenkollegium, das nur so vor Kraft strotzte. Ja ich muss im nachhinein feststellen: wenn ich die beiden spannendsten Zeiten meiner Faustlaufbahn benennen soll, dann heißen sie Schülerschule 1 und 2. Flügelverleih war für mich der Schritt vom rein Außerunterrichtlichen in den Bereich des Unterrichtens. und das mit Schüler/innen, die andere jüngere Schüler/innen unterrichteten. Wir hatten das Fünferhaus genutzt, waren als Lehrpersonen die Coachs unserer Schülercoachs, die “Arbeit am Fünftklässler” in den Klassenzimmern lag aber komplett in der Hand der Coachs. Wir veranstalteten eigene päda- gogische Abende für unser großes Team, hatten jeden Tag vor dem Einsatz ein kurzes Review zur letzten Runde und ein Standup zum aktuellen Nachmittag (würden die Scrumler sagen) und waren hochzufrieden mit unserer Arbeit. Und sie entwickelte sich immer weiter und erfand sich unentwegt neu.“

Unsere Arbeit im Flügelverleih war - da völliges Neuland - noch durch keinerlei Regelungen gedeckelt und ein durch und durch erfolgreiches entwicklungeorientiertes Projekt. Der Erfolg hatte sich auch außerhalb der Schule schnell herumgesprochen, sodass gute und erfahrene Flügelverleihcoachs, die drei Jahre bei uns gearbeitet hatten, damals von der PH Freiburg ihr Coachdasein (Belegt durch unsere Zertifikate - „Das pädagogische Schweizermesser“ S. 97) mit der Anerkennung als zwei Praxissemestern berechnet bekamen. Spätestens mir dem Flügelverleih war mir klar, dass Schule die Fähigkeiten ihrer fähigen Schüler:innen auch zu Unterrichtszwecken nutzen kann. Als WinWin Geschichte. Denn beide Seiten profitieren enorm. Uns ging es damals sehr, sehr gut in unserer kleinen Schule in der Schule. Mit der Freiheit, entwickeln zu dürfen und mit der Lust, entwickeln zu wollen, war unser Lehrer:innenleben dort enorm genussvoll. Und befriedigend. 

Split4WinWin

Nach meiner Pensionierung als Luuise-Coach und ausgestattet mit den Erkenntnissen von Willy Wijnands eduScrum habe ich in Fortbildungen als Schnupperübergang Split4WinWin „erfunden“. Auf Seite 235 im pädagogischen Schweizermesser steht dazu: „Wir machen hier einen Vorschlag:

splitwinwin. Die Unterforderten des Unterrichts selbst laufen lassen. Mit eduScrum-feeling. Eine Methode, die man erlernen kann, um auch ganze Klassen selbstorganisiert für ihre eigene Bildung veranwortlich zeichnen zu lassen - aber das bitte nur mit Trainer/in. eduScrum ist keine Methode, die man eben so mal macht. Zum Schnuppern und nur mit ein paar Unterforderten seiner eigenen Klasse, einfach um ein erstes Gefühl dafür zu bekommen, eignet sich Split4WinWin aber gut.“

Aus meiner heutigen Sicht Jahre später würde ich alles eigentlich noch viel „einfacher“ und positiver sehen. Von den Lehrer:innen, die Split4WinWin ausprobiert hatten, habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen. Aber als Selbstläufer „gezündet“ hat es bisher nirgends. Auch eduScrum, eine extrem erfolgreiche Lehrmethode, wenn sie richtig angewendet wird, hat bisher nicht die nötige Streuwirkung erfasst. Einzelne Schulen, an denen sich das ganze Kollegium aufgemacht hat, neue Wege zu gehen und die Behörde dem zugestimmt hat, sind erfolgreich dabei. Meist also Privatschulen oder öffentliche Schulen mit einer Direktion, die für entwicklungsorientierte Bildung brennt. Entwicklungsorientierte Bildung ist nachgewiesenermaßen eine Methode, über die ChatGPT schon Bescheid weiß und mir auf die Frage Kannst du mir etwas über entwicklungsorientierte Bildung erzählen?“ antwortete: Entwicklungsorientierte Bildung ist ein Konzept, das sich auf die Förderung der körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern konzentriert. Es geht darum, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen, indem man ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Fähigkeiten und Interessen zu entdecken und zu entwickeln. Dies kann durch eine Vielzahl von Aktivitäten erreicht werden, wie zum Beispiel kreatives Spielen, Musik, Sport, Naturwissenschaften und soziale Interaktionen. Es legt auch den Schwerpunkt auf die Förderung von Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Unabhängigkeit bei Kindern.“ Und ein paar Tage später meinte ChatGPT auf die Frage: „Ist entwicklungsorientierte Bildungsansatz erfolgreich?“- „Ob der entwicklungsorientierte Bildungsansatz erfolgreich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. dem Kontext, in dem er angewendet wird, und den individuellen Bedürfnissen und Zielen der Schüler oder Studenten. In der Tat gibt es Studien, die den positiven Einfluss von entwicklungsorientierter Bildung auf die Leistung und Motivation von Schülern und Studenten zeigen. Ein solcher Ansatz fördert beispielsweise die Selbstständigkeit, die Kreativität und die Fähigkeit, Probleme selbstständig zu lösen. Andererseits kann es auch Situationen geben, in denen ein traditionellerer Ansatz besser geeignet ist, je nach individuellem Lernstil und den Anforderungen eines bestimmten Faches oder Kurses. Es ist daher wichtig, dass Bildungseinrichtungen einen flexiblen Ansatz verfolgen, der auf die individuellen Bedürfnisse und Ziele der Schüler oder Studenten abgestimmt ist und verschiedene Ansätze und Methoden kombiniert, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.“

Und dann habe ich weiter gefragt: „Kann der traditionelle Ansatz des Unterrichtens noch gut mit den neuen Herausforderungen von ChatGPT und anderen KI-Tools umgehen?“ Das KI-Tool meinte: Der traditionelle Ansatz des Unterrichtens kann auch in Verbindung mit KI-Tools wie ChatGPT wirksam sein. Es hängt davon ab, wie KI-Tools eingesetzt werden, um den Unterricht zu ergänzen und zu unterstützen. KI-Tools können zum Beispiel dazu beitragen, den Unterricht personalisiert und ansprechender zu gestalten, indem sie Schüler oder Studenten auf individuellem Niveau ansprechen und individuelles Feedback geben. Sie können auch die Effizienz des Unterrichts erhöhen, indem sie den Lehrer unterstützen, beispielsweise bei der Überwachung des Fortschritts der Schüler oder bei der Organisation von Übungen und Tests. Allerdings sollte man darauf achten, dass KI-Tools keinen Ersatz für den menschlichen Lehrer darstellen und dass die Interaktion zwischen Lehrer und Schüler auch in Zeiten von KI-Tools von großer Bedeutung bleibt. Daher kann man sagen, dass eine Kombination aus traditionellem Ansatz und innovativen Methoden wie dem Einsatz von KI-Tools besonders effektiv sein kann.“

ChatGPT geht hier sehr wohlwollend mit dem traditionellen Ansatz um … 😎😎😎 vielleicht sucht es sich seine Informationen aus den Beschreibungen in Bildungsplänen, wie individualisiert und schülerorientiert Unterricht sein sollte. Denn klar: Auch lehrerzentrierter Frontalunterricht in einer Inputphase ist erfolgreich und widerspricht überhaupt nicht entwicklungsorientierten Ansätzen des Unterrichtens. So wie ChatGPT hier den klassischen Unterricht wohlwollend beschreibt, ist „klassisch plus ChatGPT = entwicklungsorientiert“. Ja wenn es doch nur so einfach wäre, die Enge des heutigen Bildungssystems mit einem KI-Tool zu sprengen. 

 

 

Kapitel 1 - Schülerschule 1.0

Das Logo unseres offiziellen dezentralen EXPO2000 Projekts „Schülerschule

Kapitel 1

Schülerschule 1.0 und das Prinzip Kaktus

Darüber hatte ich fast 10 Jahre lang frischgebackene Schuldirektor:innen aus Baselland erzählen dürfen. Ein Tag an meinem Gymnasium war in deren Pflichtprogramm zu Vorbereitung auf ihr neues Amt eingebaut und meine Rolle bestand hauptsächlich darin, die aktuellen hochaktiven Schüler:innen meiner Schule zusammenzuholen und sie in teamweise zeitlich in ein Programm einzubauen. Wenn aktive Schüler:innen von ihren eigenen eigenständigen Projekten erzählten, dann wussten die zukünftigen Schuldirektor:innen sehr schnell, welche Energie sich hier entfaltete. Und Veronika Lévesque, Schulentwicklerin aus Baselland und Kursleiterin, konnte ihren Kursteilnehmer:innen sehr anschaulich vermitteln, „was passiert, wenn man als Direktor:in zulassen kann.“ Denn dieses riesige Glück hatten wir natürlich, sonst hätte sich das Konzept Schülerschule nie entwickeln können. Wir hatten mit Guenther Scheunemann einen Direktor, den man heute als intuitiv agil leitenden Chef bezeichnen würde. Er konnte zulassennund vertrauen. Und er konnte uns junge Kolleg:innen, die Schule verändern wollten, gegen die älteren Kolleg:innen verteidigen, die unsere Projekte nicht gymnasial empfanden. Rockmusik gehörte damals noch nicht zum gymnasialen Bildungsplan.

Das pädagogische Schweizermesser  www.das-paedagogische-schweizermesser.de war damals mein Fortbildungsskript, in dem z.B. stand: „Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan.“... war ein wichtiges Motto, mit dem wir am Faust im Jahre 2000 mit dem dezentrales EXPO2000 Projekt „Schülerschule“ auf das außerunterrichtlichen Konzept der Fausteams aufmerksam gemacht haben. Dahinter steckt ein Konzept, das man auch als „Das Prinzip Kaktus“ beschreiben kann. Conny H., ein Hochaktiver, hat den Ausdruck einst erfunden.

Für manchen Schüler ist der Schulrahmen oft zu eng. Warum nicht schon an der Schule die Fähigkeiten zukünftiger Spezialisten nutzen – zum Vorteil aller am Schulleben Beteiligten. Für das Schulklima ist es etwas vom Feinsten.

Der Kaktus ist ein Gewächs, das mit wenig Pflege auf kargem Boden oft erstaunliche Blüten treibt. Der Kaktus geht aber auch bei zu viel Pflege ein.

Der Kaktus ist ein Gewächs, bei dem man für viel Fleisch und Substanz eben auch Stacheln in Kauf nehmen muss – sicher keine bequeme Pflanze, aber eine mit ungeheuer effektiver Leistungsbilanz.

Wenn man als Lehrer gewöhnt ist, eine Stunde vorzubereiten, damit diese Stunde dann auch nach eigenen Vorstellungen abläuft – immerhin hat man dafür ja ein Hochschulstudium absolviert – wenn man als Lehrer also daran gewöhnt ist, den Weg klar vorzugeben und zu strukturieren, dann ist die Sache mit dem Kaktus sehr gewöhnungsbedürftig. Denn man hat die Sache einfach nicht wie gewohnt in der Hand. Es gleicht eher einer Fahrt mit einem prallgefüllten gelben Gummiboot als einer Zugfahrt auf Schienen mit Fahrplan und Ankunftsgarantie. Die Rolle des Lehrers in der freien Teamarbeit von selbstständig aktiven Schülern ist das pädagogische Begleiten eines sich selbst steuernden intensiven Lernprozesses.

Man muss als Lehrer nicht mehr wissen als seine Schüler, um etwa einen Netzwerk-Kurs erfolgreich zu leiten. oder ein Tonstudio betreiben zu lassen. Die jahrelangen Erfahrungen mit dem Konzept der fausteams im außerunterrichtlichen Bereich haben gezeigt: Das Prinzip Kaktus ist eine erfolgreiche didaktisches Arbeitsweise.

 

Ich stelle gerade fest, dass ich diesen 20 Jahre alten Text von mir noch immer stimmig finde. Damals hatte ich immer nur die außerunterrichtliche Arbeit im Blick. Heute sehe ich das Prinzip Schülerschule natürlich ausgeweitet auf den kompletten Lernprozess samt Unterricht. Damals hatten wir es immer beschrieben als eine Schule in der Schule. Wir waren zwei Kollegen und eine Kollegin und begleiteten oft bis zu 10 Fausteams gleichzeitig. Die hießen dann z.B. Studioteam, Multimediateam, Netzwerktrainingsteam, FaustDesignTeam, Infoteam, Schülerbüroteam, OpenAirTeam, RockcaféTeam, Zeitungsteam, Jahrbuchteam, EventmanagementTeam, BeleuchterTeam, VideoTeam, GreenfoTeam, PolitcaféTeam, DrogenPräventionsTeam, Patenteams, Nachmittagsbetreuungsteam, Flügelverleihteam, MatheAkademieTeam, PersonalCoach Team, DenBahnhofVerstehenTeam … na ja, es gab sie massenhaft und immer wieder neu. Denn es hing  ja von den aktiven Schüler:innen ab, nicht von einem:r AG-Lehrer:in, ob ein Team aktiv war. 

Damals, das stelle ich an dieser Stelle fest, war für uns Aufbruchstimmung. Die bange Frage, ob da nicht viel zu viel passieren könnte, wenn z.B. das Team der Schülerbands und Tontechniker:innen ihre eigenen Schlüssel zum Proberaum samt Tonstudio besaßen, den sie selbstfinanziert in einem alten Fahrradkeller mit unserer Begleitung gebaut hatten, wurde damals noch nicht gestellt. Diese Idee, wie hochgefährlich Schule in der Zwischenzeit ist, dass im Physikunterricht Schüler:innen für einen Versuch nicht mehr den Stecker in eine Steckdose stecken dürfen, die nicht vorher von Lehrer abgeschaltet wurde. Als ich in die Schule kam, war sie noch ein ungefährlicher Ort. Als ich ging, durfte an Weihnachten noch nicht einmal der traditionelle Weihnachtsbaum mit elektischen Lichtern in der Aula stehen - Na klar: falls es brennt, dann brennt der eben gut. Verstehen Sie mich richtig. Ich habe als Physiker nichts gegen Vorsicht in der Schule. Aber Vorschriften erzeugen heute ein viel heftigeres Gefühl, dass einfach gut Schule und Unterricht machen gespickt ist mit Gefahren, bei denen am Ende die Lehrkraft und die Direktion verantwortlich ist. Das lähmt.

Wenn ich hier also begeistert von aktiven Schüler:innen von vor 20 bis 40 Jahren erzähle, dann erzähle ich von jungen Menschen, denen wir betreuenden Lehrkräfte sehr viel Verantwortung übertragen konnten, ohne immer unruhig zu schlafen. 

Wen das alte Konzept der Schülerschule näher interessiert, für den habe ich das alte Skript auf www.aufeigenefaust.com im Archiv verlinkt.

Offizielles dezentrales EXPO2000 Projekt wurden wir übrigens - erstens weil wir uns eher aus Jux mit unserem schülerzentrierten Konzept der Schülerschule beworben hatten - 3 Lehrkräfte und 50 aktive Schüler:innen - und zweitens: weil die internationale Jury aus Industrie, Politik und Wissenschaft schlicht meinten: „Wir waren uns einig, dass wir solche Möglichkeiten, schon an der Schule groß zu werden, früher an der eigenen Schule auch gerne gehabt hätten.“

 

Chattie

„Chattie, sag doch du auch mal was: Werden Schüler:innen an der Schule unterfordert?“

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da jede Schüler:in eine individuelle Fähigkeit hat und unterschiedlich motiviert ist. Es gibt Schüler:innen, die durch den herkömmlichen Unterricht unterfordert sind und mehr Herausforderungen benötigen, während andere vielleicht Schwierigkeiten haben, die Lehrinhalte zu verstehen. Entwicklungsorientierte Bildung und Projekte wie das EXPO2000 Projekt "Schülerschule" bieten Schüler:innen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entfalten und aktiv an der Gestaltung ihrer Bildung teilzunehmen.“ (Originalaussage von ChatGPT)

Ich schiebe hier - experimentierhalber - eine Zusammenfassung von Chattie von diesem heutigen Blogtext nach … Im Moment wird viel diskutiert, wie viel Chattie&Co heute schon kann. Na ja, hier zeigt sie, dass sie auch locker einen Text erfassen kann. Ich hatte gefragt: „ Kannst du eigentlich eine Zusammenfassung eines Blogtextes machen? Z.B. Schülerschule 1.0 und das Prinzip Kaktus?“ Und dann den oberen Text wingegeben. Und Chattie hat gemeint: Dieser Blogtext beschreibt das Konzept der Schülerschule 1.0 und das Prinzip Kaktus. Es handelt sich um ein pädagogisches Konzept, bei dem Jugendlichen maximale Möglichkeiten geboten werden, sich zu begeistern, sich zu beweisen, selbst Inhalte zu finden und ihre Fähigkeiten zu entdecken. Dieses Konzept ist auf dem Gedanken aufgebaut, dass manche Schüler im Schulrahmen eingeschränkt werden und dass man ihre Fähigkeiten bereits in der Schule nutzen kann. Das Prinzip des Kaktus wird als Vergleich herangezogen, um zu beschreiben, dass man für viel Substanz in einer Sache auch einige Herausforderungen in Kauf nehmen muss. Lehrer, die gewohnt sind, den Unterricht vorzubereiten und nach eigenen Vorstellungen ablaufen zu lassen, können Schwierigkeiten haben, sich an dieses Konzept anzupassen.“

„Chattie, Chapeau … Bin tatsächlich baff, wie du irgendwie verstehen kannst, was man schreibt. Obwohl du nur ein schnödes Computerprogramm bist. Aber sag mal, wie viel Energie werden denn verbraucht, während du solch eine Anfrage beantwortest?“ -„Es ist schwer, eine genaue Zahl zu nennen, da der Energieverbrauch für die Bearbeitung einer Anfrage von verschiedenen Faktoren abhängt, einschließlich der Größe und Komplexität des Modells, der Rechenleistung des Servers, der Netzwerkbandbreite und anderer Faktoren. Im Allgemeinen verbrauchen moderne KI-Systeme jedoch eine signifikante Menge an Energie, insbesondere bei der Schulung von Modellen, was normalerweise auf Rechenzentren mit Hochleistungscomputern ausgeführt wird. Es ist wichtig zu beachten, dass der Energieverbrauch von KI-Systemen ein wichtiger Umweltfaktor ist und dass viele Forscher und Unternehmen aktiv an der Entwicklung von Lösungen arbeiten, um den Energieverbrauch von KI-Systemen zu minimieren.“ - „Na ja. Lass uns da später nochmals drüber reden.“

 

 

 

Kapitel 0 - zur Person

Zu meiner Person

 

1973 … Es ist also nun ein halbes Jahrhundert her, als ich mein Studium zum Wirtschaftsingenieur an den Nagel hing, um Lehrer zu werden. Damals waren Umbruchzeiten. Wir diskutierten den lieben langen Tag darüber, wie wir die Welt besser machen würden, wenn wir dann mal übernehmen. Also das Ruder. Wir kamen alle aus Schulen, die noch durch alte Lehrer geprägt waren, denen Pflicht und Ordnung in der DNA eingraviert war. Dort eingesprenkelt ein paar junge Lehrer, bei denen man sehen konnte, was auch schon kleine Änderungen in der Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehung bewirkten. Über die neue Schule zu diskutieren, wenn wir einmal die Schulen fluteten, das waren großartige Gespräche bis tief in die Nacht. Summerhill zog mich damals in den Bann. A.S.Neill mit seiner antiautoritären Erziehung hatte mich völlig fasziniert. Bis ich dann 1979 meinen Schuldienst antrat, war der unbefleckte Zauber von Summerhill schon verflogen. Das Problem war nicht die Zeit in dieser Schule, es entstand für viele nach der Schule, weil sie mit der realen beruflichen Wirklichkeit und der freien Entwicklung in der Schule nicht zurecht kamen. Hatte man zumindest gelesen. Nach zwei Jahren Referendarszeit kam ich als Physik- und Geografielehrer in Südbaden an ein großes Landgymnasium und blieb dort bis zu meiner Pensionierung 2015. Ich habe Schule immer als einen großartigen Lebensraum empfunden, wahrscheinlich deshalb hat mich das Thema auch nicht losgelassen. Die Hattie-Studie hatte nach der Pensionierung eine starke Wirkung auf mich ausgeübt. Beim Lesen ertappte ich mich immer wieder dabei, wild zu nicken, weil sie die Realität abbildet, aber „die Schule“ nimmt es nicht breit wahr. Ist das nicht völlig verrückt? Da existiert eine Meta-Studie aus 300 Millionen Schülerdaten - eine Zusammenfassung aller wichtigen Bildungsstudien - und John Hattie und sein Team entwickeln sie unermüdlich weiter - und was macht Schule? Sie macht weiter wie bisher. Als wäre nichts gewesen. Ich werde später darauf zurückkommen.

Um meine Person zu Ende zu erzählen: Ich habe nach der Pensionierung noch eine Ausbildung zum Luuise-Coach an der pädagogischen Hochschule in Brugg-Windisch gemacht. Lehrpersonen unterrichten und untersuchen integrativ spezifisch und effektiv. Ein Konzept von Prof. Dr. Wolfgang Beywl, der Hattie zusammen mit Klaus Zierer ins Deutsche übersetzt und der aus den Erkenntnissen der Hattie-Studie ein Feedbackkonzept für den Unterricht entwickelt hatte. Ich war noch immer auf der Suche, habe mich treiben lassen, wurde eher zufällig Gründungsmitglied des Forums agile Verwaltung https://agile-verwaltung.org/, entdeckte darüber das eduScrum-Konzept von Willy Wijnands, gründete selbst ein kleines Vernetzungs-Forum, das Forum agil lernen und lehren https://www.aufeigenefaust.com/forum/ und bin inzwischen gut in Zürich bei der Hochschule für agile Bildung gelandet. https://hfab.ch/ Dies ist eine kleinen StartUp-Hochschule von Gleichgesinnten, die wie ich der Meinung sind, dass nach Wissensorientierung und Kompetenzorientierung ein Paradigmenwechsel ansteht. Wir nennen es entwicklungsorientierte Bildung. Keine Sorge, ich arbeite nicht mehr wie zu Studiendirektorenzeiten. Ich arbeite eigentlich gar nicht mehr. Ich genieße einfach die vielfältigen Möglichkeiten, altersunabhängig nach 40 Jahren Schulerfahrung weiter über das Thema Schule inhaltliche Auseinandersetzungen zu führen, die zumindest einen klitzekleiner Beitrag zu der riesigen Aufgabe beisteuern kann, Schule zu entwickeln. Schule entwicklungsorientiert zu verändern. Und das mit einem bedingungslosen Grundgehalt. 😎 Es tut mir einfach auch gut.

Und noch was: Selbst ChatGPT https://chat.openai.com/chat beschreibt das Konzept Schülerschule, um das es gleich im ersten Kapitel geht, als entwicklungsorientiertes Konzept. Auf die Frage „Sagt dir das Konzept „Schülerschule“ des Faust-Gymnasiums Staufen etwas?“ antwortet mir die KI-Software: „Ja, ich habe von dem Konzept "Schülerschule" am Faust-Gymnasium Staufen gehört. Es handelt sich dabei um ein Konzept, bei dem Schülerinnen und Schüler eine aktive Rolle in ihrem Lernprozess übernehmen und zusammen mit Lehrern die Gestaltung ihrer Bildung selbst in die Hand nehmen. Dies kann beispielsweise durch Projekte, Selbstlernphasen oder den Einsatz neuer Technologien erfolgen. Das Konzept ist Teil eines entwicklungsorientierten Ansatzes in der Bildung, bei dem das individuelle Lernen und die Selbstbestimmung im Vordergrund stehen. Die Idee dahinter ist, dass Schülerinnen und Schüler so besser motiviert und engagiert bei der Sache sind und sich somit auch besser und nachhaltiger entwickeln können.“

Ich nehme da doch einfach mal ChatGPT als „Chattie, die künstliche Intelligenzsoftware“ mit ins Boot und lasse sie hier manchmal zu Wort kommen. Mal sehen, wie sich das anfühlt. Passt ja auch einfach in diese Zeit. Wir werden sie irgendwann sowieso alle akzeptieren müssen, so nehme ich das als alter Beobachter des technischen Geschehens auf diesem Planeten zumindest an. 
p.s. Ich sehe Chattie nicht als unschuldiges kleines Geschöpf, eher als einen Geist, den wir Menschen aus der Flasche gelassen haben … wie smart oder auch durchgeknallt er sich in den nächsten Jahren entwickeln wird, steht in den Sternen. Aber wir bekommen ihn sicher nicht mehr zurück in die Flasche. Also müssen wir lernen, klug mit ihm umzugehen.

 

 

ChatGPT

Ich werde in den nächsten Wochen einmal versuchen, meine Erfahrungen mit aktiven Schüler:innen in ein entwicklungsorientiertes Konzept zu gießen. Deshalb habe ich mein früheres Fortbildungsskrip für Schweizer Schuldirektor:innen - "Das pädagogische Schweizermesser" - rechts zum Verweisen hochgeladen. Mein kleiner Beitrag für das, was Schule dringend benötigt: Veränderung. Ich stelle mir gerade vor, wie hilflos Schule aktuell sein wird, wenn ChatGPT frei verfügbar wird. Wir brauchen eine Paradigmenwechsel, die Behörden müssen den Schulen viel mehr Freiraum einräumen und dann müsste es ans Experimentieren gehen. Dringend. Nicht erst irgendwann. Jetzt.

Die Zielrichtung für dieses wachsenden Skripts

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Türchen 24 - Weit im Winkl 19

Weit im Winkl 1.0


Die neue Lehrerrolle

 

In den ersten beiden Jahren war es schwer für manche Kolleg/innen, sich in die neue Rolle hineinzufügen. Man war es gewöhnt, sein Klassenzimmer zu schließen, seine feste Zahl an Schüler/innen einer Klasse zu unterrichten und am Ende selbst für die Benotung verantwortlich zu sein. Jetzt wurde man echter Dienstleister in Sachen Englisch, Mathe oder Geschichte und die Schüler/innen waren für ihren Wissenszuwachs selbst verantwortlich. Manchmal hatte man nur 5 Schüler und manchmal waren es dann wieder 30. Manchmal bekam man Aufträge aus einem Schüler&innen-Team, mit denen man diese Gruppe versorgen sollte und manchmal wurde man nur für einen Zehnminutenvortrag gebucht. Manchmal standen da ein paar Zehntklässler&innen, die sich auf eine eigene Lehrstunde vorbereiten lassen wollten und manchmal sollte man das Konzept eine Schülerunterrichtseinheit begutachten. Man spielte als Lehrer viele verschiedene Rollen. Unterrichten war die kleinste geworden. Koordinieren von Prozessen nahm eine große Rolle ein. Aber dafür hatte man sich in der Laborschule auch genügend Zeit gelassen. Die Lehrer/innen selbst mussten sich wohl fühlen. Mussten das System komplett mitentwickeln. Mussten die Prozesse verstehen lernen. Keine Uni hatte sie auf solche neuen Situationen vorbereitet. Da man meist sowieso mit Kollegen, Fachleuten von außen oder älteren Schüler/innen Lernprozesse begleitete, war dieses Einzelkämpfertum Geschichte geworden. Und plötzlich blühten auch diejenigen Lehrer auf, die in früheren Zeiten für Schüler als die schlechteren Pädagogen galten, weil sie nicht so gut motivieren konnten wie andere Kollegen. Denn die Zeiten, in denen der Lernfortschritt eines Schülers zu einem großen Teil von der Akzeptanz des Lehrers abhing, war durch die allgemeine, emotionale und hohe Akzeptanz des gesamten Systems abgelöst worden. Die einzelne Lehrerpersönlichkeit spielte nicht mehr diese große Rolle und das war gut so. Denn endlich war die viel zu hohe Erwartungshaltung an die Brillanz eines Lehrers der Erwartungshaltung an ein System gewichen. Und das System Café L  konnte die Erwartungen 150% erfüllen. 

 

"Und das alles ohne Selbst- und Fremdevaluation?" sagte im Jahre 2023 verwundert so mancher Schultheoretiker, als der Schwindel aufgeflogen war. "Evaluieren," sagten die Weit im Winkler, "tun wir doch jeden Tag. Wer so eng zusammenarbeitet wie wir kommt ohne dauernde Prozessbegleitung doch gar nicht aus."


Weit im Winkl 2.0 

In 100 Jahren wird die Lehrerausbildung anders aussehen … logisch. Solche Hochschulen wie unser kleines aber feines Hochschule-StartUp in Zürich - die Hochschule für agile Bildung - wird das Normal sein.

https://hfab.ch/

Weil wir Menschen eine ziemlich kluge Spezie sind, auch wenn man sehr oft daran zweifeln könnte. Die Zukunft wird sich durchsetzen … Was sagte Karl Popper: „Es gibt zum Optimismus keine Alternative.“ Ich finde, er hat recht. Deshalb wünsche ich allen Leser:innen dieses kleinen Adventstürchenblogs eine optimistisch duftende Weihnacht und einen guten Rutsch in neue Jahr.


Heinz Bayer alias Otto Kraz

Türchen 23 - Weit im Winkl 18

Weit im Winkl 1.0

 

Zu Grundlage 5: Die Verquickung von Schule und Gesellschaft findet so oft wie möglich statt....."

 

Mit ihrem pädagogischen Spezialfinanziungsprinzip lösten die Weit im Winkler viele Probleme. Die normalen Gelder aus Stuttgart flossen nach wie vor, aber die waren eben dauernd auf Minimum und Sparen gestrickt. Aber mit jährlich gut 50 NEUNern, deren Arbeitseffekt man in den umliegenden Betrieben schnell als 1000€+ betrachtete, war der Hit. Jeder Laborschüler verdiente im 9. Schuljahr 1000€ für die Schule und 100€ Taschengeld für sich. So stand es im Schulvertrag. Mit diesen gut 500 000 € im Jahr konnte man problemlos Fachleute für Einzelprojekte an die Schule holen. 25 € war der übliche Stundensatz und viele verrichteten auch ganz darauf, weil ihnen die kurzfristige Arbeit als Lehrer richtig gut tat. Den Satz "Was, du hast noch nie im Café L gejobbt?" hörte man in den ersten Jahren oft und dann immer seltener. Irgendwie war es so normal geworden, dass sich z.B. ein Betriebswirt, der gerade von einem Wirtschaftsprojekt kam, noch mal schnell beim Thema Integralrechnung reinsetzte, weil er da spätes Interesse dran hatte. Eine komplette Win-Win Situation.

Und mittelständische Betriebe hatten in Weit im Winkl keine Nachwuchsprobleme.

 

Weit im Winkl 2.0

In 100 Jahren werden einzelne Ansätze aus der heutigen Zeit in diese Richtung schon lange normal funktionieren. Heute ist es noch sehr ungewöhnlich, wenn Handwerksbetriebe und Schulen direkt zusammenarbeiten. Aber es gibt zarte Pflänzchen. Sie werden sich vermehren, weil es eine logische Entwicklung ist: Es fehlen massiv Lehrlinge und massiv Lehrer:innen. Deshalb werden sich diese beiden Bereiche zusammenschließen … ähnlich den Hochschulen und den Schulen. Da in 100 Jahren dieses „Ich will aber Akademiker werden, weil ich dann mehr verdiene und gesellschaftlich angesehener bin“ nicht mehr die allgemeine Situation darstellt. Facharbeiter:in und Akademiker:in wird in 100 Jahren gesellschaftlich gleich anerkannt sein … und auch gehaltsmäßig wird ein guter Facharbeiter jeden mittelmäßigen Akademiker in die Tasche stecken.

 

 

 

Türchen 22 a - Weit im Winkl 17

Weit im Winkl 1.0


Zu Grundlage 3:
Die Pubertät wird nicht mehr als störende Entwicklungszeit wahrgenommen,.....

 

immerhin kennt man ja seit Jahren die Zusammenhänge aus der Gehirnforschung. Mit dem Blickwinkel "auch ein Schüler ist ein ganz normaler Mensch", der für sein Wissensnetz verantwortlich ist und auch schon in der 5. Klasse verantwortlich sein kann, konnte man auch mit anderen Störungen einfacher umgehen. Schüler, die sich meist schon in der Grundschule nicht an ganz normale Regeln halten konnten, nannte man Rohdiamanten und machte ihnen klar, dass sie erst durch den Schliff in einer Spezialgruppe ihre echte Leistungsfähigkeit fahren würden. "Old School" nannten die Lehrer/innen schmunzelnd diese Abteilung und da auch dort ein ganz anderer Blickwinkel auf Schüler herrschte, waren die jungen Wilden in diesem sehr eng geführten und strengen System alter Schule gut aufgehoben. Das Hauptziel bestand natürlich in "Old School", die Schüler/innen möglichst schnell Richtung Laborschule zu bringen - in Insiderkreisen eher "Café L" genannt, weil das dortige Arbeiten eher einem Kaffeehausbesuch mit Wissensvermittlung glich als dem alten System von Zimmern, in die man morgens als Schüler/in hineingeht, um sie nach sechs Stunden erschöpft wieder zu verlassen. Das L im Café L stand für Leistung, Lust, Leben, Lernen, Lob, Luxus, Lift, Luft, Lehren und vieles mehr. In Schülerkreisen hieß es das Café Lässig.

 

Zu  Grundlage 4: Ein junger Mensch kann problemlos in der 11. Klasse Englisch und Geographie-Abitur machen,.....Ja das war wirklich sehr neuartig. Man hatte einen rechtlichen Trick herausgefunden, der dies ermöglichte. In Absprache mit der Uni in Basel aber auch mit zwei Fachhochschulen konnten "Halbabiturienten" mit Spezialfähigkeiten schon einmal als Studenten richtig loslegen und die fehlenden Fächer im Eigenstudium nachholen. Klar gab es auch Kompaktkurse, um Externe auf das Abitur in einem Fach vorzubereiten. Da die Erfahrung zeigte, dass das Gefühl, Student zu sein, viel Selbstbewusstsein lostreten konnte, waren sich die Professoren der Hochschule auch bald einig, dass sie selten solch hochmotivierte Anfangsstudenten hatte wie die Halbabiturienten vom Café L. In 15 Jahren wurde kein einziger Fall bekannt, bei dem dieses Prinzip der Weit im Winkler Abitursentzerrung schief lief.

 

Weit im Winkl 2.0

diese kleine Idee, dass ein Halbabiturient schon studieren kann, während er noch die Schulbank drückt, gibt es ja schon heute. In Freiburg kann man z.B. Physik studieren, während man noch in die Schule geht … und nach dem Abi kann man gleich im 3. Semester weitermachen. Aber heute ist das eine Option für ganz Wenige. In 100 Jahren werden sich solche Ideen weiterentwickelt haben, da bin ich überzeugt. Mein Enkel macht im nächsten Halbjahr von seiner Schule aus ein Sozialpraktikum in seinem alten Kindergarten. Er ist dann 13 Jahre und er wird es zusammen mit einem Freund machen. Einmal die Woche am Nachmittag spüren, wie sich die erwachsene Realität eigentlich anfühlt. Ich glaube, dass sich solche Ideen verbreiten werden. Immerhin: Unser menschliches Gehirn tickt ja noch immer Steinzeit. Die Pubertät ist der Zeitpunkt, in dem sich der junge Mensch darauf einstellt, bald die Verantwortung zu übernehmen, weil die Eltern gebrechlich werden. Na ja … Steinzeit ist lange her, die Pubertät blieb … die Evolution hätte sie schon lange mindestens zehn Jahre nach hinten verschieben müssen. Dann wäre Schule pubertätsfrei und ein anderer Ort. 100 Jahren sind aber für die Evolution keine Zeit. Deshalb bleibt nur eines: Die Pubertät als Startpunkt nutzen, um wirklich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Türchen 21 - Weit im Winkl 16

Weit im Winkl 1.0


Zu Grundlage 2
. Menschen entwickeln sich unterschiedlich schnell...... ja hier ergab sich im Rückblick die wahrscheinlich allergrößte Veränderung im Laborgymnasium verglichen mit dem alten Schiller. Da es nur noch ein einziges Bildungssystem in diesem abgelegenen Winkel am Ländlesrand gab, entfielen Dinge wie : Wann genau einschulen? Gymi oder Realschule oder Werkrealschule? Enderle und Rütli hatten zusammen mit einem 24köpfigen Entwicklungsteam aus allen Schulen inklusive Kindergarten gehirnt und geplant, was das Zeug hielt. Denn allen war klar: Schnitzer durfte man sich nicht leisten, sonst wäre ihr Traum schnell geplatzt. Man brauchte zufriedene Eltern, zufriedene Schüler und zufriedene Lehrer. Und zwar 100%. Alle mussten dicht halten und am Ende mit dem Abschluss zufrieden sein, auf den es in diesem System dann hinauslief. Aber da die Quote der Abiturienten schon nach 4 Jahren bei 50% lag und den Hauptschulabschluss eigentlich nur noch diejenigen machten, die schon erfolgreich in der 9. Klasse ihr berufliches Glück außerhalb der Schule gefunden hatten - das waren pro Jahrgang immer nur ein oder zwei Schüler und alle anderen machten die mittlere Reife - war in kürzester Zeit allen klar: Diese Idee des individuellen Lerntempos vom Kindergarten an hatte nur Bildungsgewinner. Halbe Halbe Abi und Mittlere Reife und keinen einzigen Schüler in den ersten 15 Jahren, der am Ende keinen soliden Abschluss hatte, das war sensationell. Wie gerne hätten es die Weit im Winkler in die Welt posaunt. Aber da war man sich einfach näher als der Welt. Der Schwur der Randregion, nichts aber auch gar nichts nach außen dringen zu lassen, hielt, als wäre es ein echtes Gesetz, das man bei hoher Strafe nicht übertreten darf.

 

So kam es, dass man in Weit im Winkl einen ganz anderen Blickwinkel auf Bildung nehmen konnte. Erst wenn das Interesse da ist, lohnt es sich, das Thema anzugreifen.

 

2b) "Schatzsuche" nannte sie die Kurse, die sich nur damit beschäftigten, bei den jungen Menschen Interesse für ein Fach zu wecken. Vor jedem größeren Kapitel gab es eine Runde Schatzsuche. Und erst wenn die Schüler/innen selbst signalisierten: "Bin bereit", dann konnte man das nächste Kapitel angehen. "Wissensnetz" nannten sie das Geflecht von einzelnen Kapiteln, das es zu erarbeiten galt. An den Inhalten konnten sie wenig ändern, immerhin waren sie von den zentralen Abschluss-Anforderungen abhängig. Seit man "Schatzsuche" eingeführt hatte, waren die Inhalte für die meisten kein wirkliches Thema mehr. Allen war das Prinzip klar: Ich muss meinen Schatz heben, dann das Wissensnetz durchlaufen, um am Ende meinen schulischen Abschluss erfolgreich zu erreichen. Da es keine festen Jahrgänge mehr gab, sondern nur noch einzelne Kapitel innerhalb des Wissensnetzes, die man mit dem großen OK-Stempel abschließen musste, um sich ans nächste Kapitel zu machen, hatte jeder Schüler sein eigenes Lerntempo. Wählte sich immer ein zeitlich passendes Kapitel, das in dem jeweiligen Fach dran war, um weiterzuarbeiten.

 

In der Mitte von Klasse 8 gab es die große Prüfung für alle und zwar in allen Fächern. Auch sie wurde nicht vom jeweiligen Lehrer abgenommen, sondern war eine standardisierte Prüfung, anhand der man einsehen konnte, wo der aktuelle Stand des Schülers war. "Karten aufdecken" nannte man diesen Prüfungs- und Beratungsmarathon, der dazu diente, die nächsten Schritte vor, in und nach NEUN zu besprechen. Man konnte übrigens auch während NEUN in Form von Abendkursen im Wissensnetz aufholen, falls man genügend Energie aufbringen konnte. Für manche war genau dies eine wesentliche Erfahrung ihrer Leistungsfähigkeit.

 

Weit im Winkl 2.0

ich denke, bis in 100 Jahren wird das fachliche Feedback von KI übernommen sein. Es wird einem als junger Mensch einfach kleinschrittig permanent rückgemeldet, wo man steht und wo die Lücken zu finden sind. Es wird normal sein, dass man sich permanent Hilfen holt. Von Mitschüler:innen, von Lehrer:innen, von allen möglichen Informationsmöglichkeiten. Die Feedbackplattformen zum individualisierten Lernen - wie heute etwa Scobees - werden das Normal sein. Benotende Lehrer:innen Vergangenheit. Es wird darum gehen, die Fähigkeiten jedes Einzelnen herauszukitzeln … und dann wird die Hattie-Studie mit der Umsetzung der Faktoren mit den höchsten Effektstärken natürlich voll zum Tragen kommen.

 

Türchen 20 - Weit im Winkl 15

Weit im Winkl 1.0


Zur Grundlage 1:
"Jeder Mensch kann selbstbewusst seinen adäquaten Platz .... "Soll heißen: Weit im Winkl musste zwangsläufig die gesamte Erziehungsabfolge Elternhaus-Krabbelstube-KiTa-Kindergarten-Grundschule-Laborschule in ein Gesamtkonzept packen. Die Idee war klar und funktionierte sehr schnell. Schon im dritten Jahr nach der Abkopplung von Stuttgart und im zweiten Jahr der Neuntklässler-Outdoor-Learning hatte man genügend fähige Jungmultiplikatoren dieses Gesamtkonzepts, dass man den Arbeitsbereich "Pädagogische Regio-Vernetzung" für Neuntklässler/innen anbieten konnte. Mit durchschlagendem Erfolg. Denn während in den normalen Gymnasien Neuntklässler als schwierig beschulbar gelten, nannten die Weit im Winkler ihre Neuntklässler/innen bald liebevoll den "Turbojahrgang". Hier wurde das Prinzip, Schüler/innen ernst zu nehmen, nicht mehr in Frage gestellt, weil sie im Berufsleben außerhalb der Schule vollautomatisch ernst genommen werden mussten. Sie entwickelten sich sehr schnell zum Aushängeschild der kleinen Grenzregion. Denn sie waren natürlich auch erkennbar an ihren bunten Shirts, die sich jeder Jahrgang neu entwickelte. "NEUN, was sonst" prangte selbstbewusst auf einem Logo. Oder "NEUN rockt Weit im Winkl" auf einem anderen. NEUN traf man im Kindergarten und im Altersheim, im Supermarkt und im Straßenbau, in Designbüros und im Krankenhaus, im Rathaus wie im Sportverein ... und auch in der Schule selbst - als Lehrer für die Kleinen  ... kurzum: Die NEUN hinterließ echte Spuren. Und da man schon im zweiten Jahr nach der Abkopplung auch die Werkrealschule und die Realschule "eingepackt" hatte, weil das Konzept alle überzeugte und die Neuner das Übrige taten, war die Laborschule zwei Jahre nach der ersten Abkopplung schon zweizügig und damit waren es jedes Jahr gut 50 junge dynamische Menschen, die in der Gemeinde zeigten, zu was junge Menschen fähig sind, wenn man sie fordert und lässt.

 

Weit im Winkl 2.0

Mein Aha-Moment für die Neuner kam bei „Wild am Faust“ … wir hatten für die Aufbesserung der Schulstiftungskasse ein Gala-Menü angeboten … ein Kollege war Jäger und eine Schüler-Mutter war Hotelchefin in einem renommierten Hotel vor Ort. Sie coachte damals 30 Neuntklässler:innen in Sachen Bedienen, Besteck auflegen, von der richtigen Seite nachgießen, Profi sein ….

Ich selbst hatte zwei neunte Klassen in Physik unterrichtet … viele ohne wirklich große Lust auf dieses Fach. 😎

Ich saß am Tisch und staunte mich platt: Da kamen also meine sonst so unmotivierten Neuntklässler:innen mit solcher Selbstverständlichkeit als erwachsene Menschen aus dem Servicebereich an unsere Tische, dass es mir irgendwie die Sprache verschlug. Es war eine spontane Blickwinkeländerung von Neuntklässler:innen in meinem Physikunterricht auf Profiserviceleute. Wir haben „Wild am Faust“ noch einige Male veranstaltet und es waren immer die Neuner, die wir zu Servicepersonal coachen ließen. Am Ende ein wirklich gefragter Job. Daher kam bei der Entwicklung der Laborschule diese Idee, die Neuner aus der Schule herauszunehmen und arbeiten zu lassen. Perspektivenwechsel lernen. Ja ich denke, die Schulzeit von bis zu 13 Jahren am Stück ist einfach zu lange für unser menschliches Bedürfnis, das was wir lernen auch einsetzen zu können. In 100 Jahren wird man sicher diese Idee von kleinen Projektwochen in größere Unterbrechungen im Schulalltag vorfinden. 

 

 

 

Türchen 19 - Weit im Winkl 14

Weit im Winkl 1.0


Zwischenrein mal ein kleines Zwischenrein-Fazit

 

Die Welt hat sich in den letzten 150 Jahren sehr verändert. In Staufen wurde 1865 zum ersten Mal Latein unterrichtet. Erweiterte Volksschule. Der Beginn der "Höheren Bildung". Latein war das Maß aller Dinge. Die Welt wurde von wenigen Mächtige  geführt ... die Menschen waren in engen Schranken "gefangen". Nach heutigem Empfinden waren alle hinter dicken Gefängnismauern und Gitterstäben eingesperrt. Die Schule erzog ihre Schüler zum Gehorsam, zur Disziplin, zum Funktionieren für die damalige Welt. Systemkritik, reflektiertes Denken, selbstständiges Handeln, Fähigkeiten fördern, Weltoffenheit, Selbstbestimmung ... Keine Spur davon. Noch heute gibt es viel zu viele Relikte aus vergangenen Tagen. Dabei ist diese heutige Welt viel zu komplex geworden, als dass man sich dies eigentlich leisten kann. Wollen wir die Welt retten, müssen wir die Schule umkrempeln. Radikal. Aber die ganze Schulmaschinerie - von der Gesellschaft über Kulturbehörde bis hinein in die Schulen ist wie ein riesiger Dampfer, auf dem zwar viele wundervolle pädagogische Ideen schon entworfen wurden, aber die Trägheit des riesengroßen Schiffskörpers lässt einen kompletten Kurswechsel nicht zu. Außer man setzt sich mit einem kleinen Beiboot ab und beweist, dass man Schule auch komplett anders denken kann und dabei erfolgreich ist. Das ist die Story vom Laborgymnasium in Weit im Winkl, einer Schule, für die die Bezeichnung Schülerschule tatsächlich zutrifft. Wäre doch einfach zauberhaft, wenn so etwas wirklich mal passieren würde.

 

Weit im Winkl 2.0

Außerdem glaube ich, dass man mit ganz vielen kleinen Beibooten am Ende den großen Dampfer eben doch von seiner Richtung abbringen kann. Inzwischen gibt es so viele kleine Schulansätze und Schulprojekte und Unterrichtsexperimente und neue Ideen in der Welt des großen Bildungsdampfers, dass Schülerschule 3.0 greifbarer wird. Wenn immer mehr Bildungsmenschen merken, dass Schülerschule 3.0 keine Spinnerei ist, sondern das gesamte Ausbildungssystem auf neue starke Füße stellen kann und allen gut tut. Entwicklungsorientiert. 
Ich selbst habe Schülerschule 1.0 begriffen, als wir am Faust-Gymnasium Staufen vor 35 Jahren anfingen, aktive Schüler:innen eigene außerunterrichtliche Projekte leiten zu lassen. Was für ein Wahnsinn, wenn man Jugendliche wachsen sieht. Vor 15 Jahren durfte ich dann begreifen, was für großartige Pädagog:innen in unserer neu gegründeten Nachmittagsschule für Fünft- und Sechstklässler:innen sein können. Hausaufgabenbetreuung in Feinstkultur. Schülerschule 2.0 und ein superspannendes Schüler-Kollegium mit bis zu 80 jungen Kolleg:innen. Und Schülerschule 3.0 wäre der nächste Schritt … wenn man die jungen Kolleg:innen in das Kollegium wirklich integrieren könnte. Auch stundenplanmäßig. 

 

 

 

 

Türchen 18 - Weit im Winkl 13

Weit im Winkl 1.0

 

Der Weg in die schulische Neuzeit

 

....folgte meist Ideen aus dem agilen Methodenkoffer. Agilität war in der Entwicklungsphase das große Umdenken. Agile Bildung statt Bildungsplan. Weit-im-Winkl-Scrum statt Paukschule. Die Organisation des eigenen Lernens stand immer im Vordergrund. "Wenn man so eine komplexe Angelegenheit wie das individuelle Lernen gut hinbekommen will, dann kann man nicht mehr in größeren Zeitrahmen planen. Dann muss man in überschaubaren Gruppenstrukturen arbeiten. Und Schüler&innen als ihre eigenen Bildungsverantwortlichen ernst nehmen," war eine wichtige Aussage des Direktors. Seine Argumentation: "Wenn im frühen Mittelalter Frauen mit 12 und Männer mit 14 Jahren heiraten konnten, dann werden doch wohl im 21. Jahrhundert Zwölfjährige ihre eigene Lernlandschaft mit professioneller Unterstützung und einem agilen Methodenkoffer an der Hand in Kleinteams organisieren können."

 

Weit im Winkl 2.0

Eigentlich alles schon gesagt. In 100 Jahren wird es selbstverständlich sein, dass die Lernenden die Hauptakteure im Bildungsprozess sind. Die Hauptakteure mit dem gelernten Biss aus dem regelmäßigen Bisstraining, mit dem Wissen über Gehirn und Lernen ausgestattet und mit dem Wissen, dass sich die Gesellschaft z.B. in Deutschland einen Platz in einer Schule heute gut 10.000 € pro Schüler:in und Jahr kosten lässt. Dass Schule ein großartiges kostenloses Angebot ist, für das man aber im Gegenzug die Verpflichtung eingeht, für die 1000€ im Monat Investition auch sein Bestes für die Gesellschaft gibt. Weil man Teil davon ist. Übrigens: Solche Dinge funktionieren nur mit gegenseitiger Augenhöhe zwischen Lernenden und Lehrenden.

 

 

 

 

 

Türchen 17 - Weit im Winkl 12

Weit im Winkl 1.0


Der Start in die Laborschule

 

2023, also nach 10 Jahren, war es keine Frage mehr. Das System war komplett durchgewachsen, Kindergarten und Grundschule in Weit im Winkl war komplett auf die Laborschule ausgerichtet. Die Grenzen waren überall fließend. Die Pädagogik war gemeinsam weiterentwickelt worden. Auch die Grundschule hatte sich zwei Jahre nach der erfolgreichen Loslösung des Laborgymnasiums von Stuttgart ihre Drähte gekappt, war auch teilautonom geworden. Und auch bei diesem Vorgang bemerkte das Kultusministerium nichts. Nur ein kleines Rauschen im großen Schulnetz. Nicht mehr. Die beiden Kindergärten hatten es einfach. Einer war von der Gemeinde, einer kirchlich. Und da Pfarrer und Bürgermeister im Schulrat saßen, das hatte man von der Schweiz als positives Beispiel abgekupfert, hielten alle dicht. Die schwierigste Anfangsaufgabe war es, die Eltern davon zu überzeugen, dass ihre Kinder keinen Schaden nehmen würden. Aber DVAs sei Dank, also den zweijährlichen Vergleichsarbeiten, die in ganz Baden-Württemberg geschrieben wurden, war schnell klar : Die Laborschule toppt alle Prognosen.

 

Trotzdem: In den ersten 6 Jahre hatte man immer parallel zum komplett neuen Stil des Lernens eine kleine "historische" Klasse gebildet. Zuerst in der 5. bis 7. Klasse, dann genügte es aber schon nach zwei Jahren, die 5. Klasse mit einer Old-Style-Gruppe zu versehen. Das war der ganz normale Wahnsinn von Schule, wie sie jeder kennt. Mit dem Gefühl, Schule wäre doof und unnütz und die Lehrer ungerecht. Weil hier alles beim Alten blieb. Klassenarbeiten, Hausaufgaben, Noten, alles. Nach 6 Jahren waren es wirklich nur noch Einzelschüler, die man sowieso besonders betreuen musste. Quasi erweiterte Inklusion. Und Inklusionsgelder für Betreuungsdeputate gab es ja aus Stuttgart. Man war ja dafür immerhin nur halbautonom. Nach zehn Jahren sprach niemand mehr von einzelnen Problemen. Sie gehörten dazu und waren kein Problem.


Weit im Winkl 2.0

Die fiktive Laborschule war mit Weit im Winkl komplett verknüpft. Schule in 100 Jahren wird Teil der gesamten Gesellschaft sein. Lehrpersonen on Demand aus allen Bereichen kommen, auch aus der Ruhestandsecke. In den früheren bäuerlichen Großfamilien waren die Großeltern Teil der familiären Aufgabenstellung. Diesen aktuellen „Ruhestand“, in dem man durch verbesserte Medizin immer noch älter wird, kann sich irgendwann keine noch so reiche Gesellschaft leisten. In 100 Jahren wird wird Ruhestand einen anderen Klang haben. Eher wie aktiver Unruhestand.

 

Türchen 16 - Weit im Winkl 11

Weit im Winkl 1.0


Lehrerversorgung

 

Durch die Abkopplung von Stuttgart und die finanzielle aktive Eigenständigkeit konnte man schon immer gut planen. Langfristig. Man konnte neben selbstorganisiertem Lernen große Einheiten wie Vorlesungen einführen. Klar hat Weit im Winkl drei große Vorlesungsräume, in denen große Gruppen zentral unterrichtet werden können. Und es gibt viele kleine Räume, in denen kleine Gruppen arbeiten können. Die Schularchitektur des Laborgymnasiums ist natürlich den pädagogischen Gegebenheiten angepasst. Der Ausbau wurde von der Gemeinde als Schulträger getragen. Waren die Gemeinde-Oberen doch ihrer Laborschule so dankbar für die vielen positiven Strukturen, die sie gebracht hatte. Klar. So frei in der Gestaltung nach rein pädagogischen Vorstellungen war vorher niemand. Weit im Winkl ist pädagogisches Zauberland. Und da die Versorgungsgelder aus Stuttgart trotzdem flossen und man nur mit diesem Lehrerdeputats-Status-Quo weiterarbeiten musste, war die Sache für die Laborschule unter Dach und Fach. Sie planten den Unterricht mit dem vorhandenen Personal einfach so, dass ein Unterrichts-Puffer von 15% existierte. Das reichte locker für Krankheitsvertretungen und andere Vertretungen.

 

Weit im Winkl 2.0

Ich behaupte, dass wir Menschen so klug sind, dass wir bis in 100 Jahren sämtliche Inputs nutzen werden, die zur Verfügung stehen. Die Lernenden werden von der Einschulung  angefangen zum Prinzip Eigenständigkeit eine völlig andere Verbindung haben. Weit im Winkl wird Normalität sein. Vielleicht heißt ja eine Grundidee: On Demand. Zuschaltung von Expertise aller Art. Heute z.B. schon per Zoom&Co möglich … aber die Organisation solcher Bildungszugänge wird normal werden. Über die Vorstellung von einem Fach, einer Lehrperson und 30 Schüler:innen wird man den Kopf schütteln. Ressourcenverschwendung wird man es nennen. Viel zu viel Leerlauf. Heute nicht vorstellbar, weil die Lernenden es nicht gewohnt sind. Wenn man als einzelne Lehrperson auf Eigenständigkeit setzt, dann hat man echte Probleme. Wenn von Anfang an klar ist, dass Schule bedeutet, dass man sie nur mit Eigeneinsatz erfolgreich durchlaufen kann, dann wird man merken, was für Kompetenzen wir Menschen schon in jungen Jahren besitzen. Für die wenigen jungen Menschen, die man dann teotzdem noch an die Hand nehmen muss, benötigt man dann trotzdem weniger Personal.

Die Peer-Gruppe wird einen wichtigen Part einnehmen. Vielleicht werden sich Unterrichtsmodelle wie eduScrum durchsetzen oder mit ganz neuen individuellen Plattformen wie Scobees in der Breite gearbeitet werden.

15 Jahre, seit das iPhone auf den Markt kam. 100 Jahre sind hier eine halbe Ewigkeit. Und Unterrichtsmaterialien „sprechen“ dann vielleicht viel einfacher als meine Physikhefte Klasse 11, mit denen eine Klasse in einer Gemeinschaftsschule oberstufenphysiklehrerlos problemlos gemeistert hat. Klar Begleitlehrer:innen wird es in 100 Jahren zuhauf geben.

 

Türchen 15 - Weit im Winkl 10

Weit im Winkl 1.0

 

Bildungspolitische Aussage

 

In Weit im Winkl wird mit der Meinung aufgeräumt, dass der gymnasiale Weg zum Abitur der erfolgreichere Weg zum eigenen selbstbestimmten Leben ist. Es gibt viele Wege zum Abitur, es gibt auch ein Studium ohne Abitur und Abitur&Studium an sich sind keine entscheidenden Grundlagen für ein erfolgreiches Leben. Denn Erfolg definiert in Weit im Winkl jeder ganz persönlich. Es geht nicht nur um gute Noten, sondern um ein gutes Leben.

 

Weit im Winkl 2.0

Bis in 100 Jahren wird sich riesig viel verändern, weil die Menschheit dann nicht mehr wachsen wird und wir Europäer wahrscheinlich um die jungen Afrikaner:innen buhlen werden. Denn die Welt wird eine lange Phase von viel zu vielen alten Menschen durchleben. Deshalb wird sich auch die Berufswahl von europäischen Schüler:innen anders entwickeln, als wir es heute noch gewohnt sind. Ich bin kein Hellseher und weiß natürlich nicht, welche Berufe bis in 100 Jahren hohe Verdienstchancen besitzen …. Und damit gesellschaftliche Anerkennung. Aber eines deutet sich doch schon 2022 an: Gute Facharbeiter:innen werden immer gefragter und damit steigen die Löhne und Gehälter. Wenn das heutige Abitur und ein Gesellenabschluss aber einmal gleichwertig gehandelt werden, dann ändert sich die Sicht auf Schulabschlüsse vollautomatisch.

 

 

 

Türchen 14 - Weit im Winkl 9

Weit im Winkl 1.0


Klassenstufen

 

Eigentlich gibt es in Weit im Winkl keine wirklichen Klassenstufen mehr.

 

Die zentralen Aussagen der Hattie-Studie hatten sie nach wochenlangen Diskussionen diese eigentlich noch nie in Frage gestellte Einteilung neu definieren lassen. Die drei höchsten Effektstärken sprachen ihre eigene Sprache: Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus 1,44 - Kognitive Entwicklungsstufe 1,28 - Formative Evaluation des Unterrichts (Das Lernen sichtbar machen) 0,9.

 

Die Klassenstufen in Weit im Winkl sind trotzdem grobe Anhaltspunkte, in welchem Umfeld man gerade lernt. Es geht aber in erster Linie immer darum, dass klar ist, wohin die Bildungsreise gehen soll. Und zwar für Lehrpersonen wie auch für Lernenden. Dass man von beiden Seiten aus (Und auch von Seiten der Eltern aus) akzeptieren kann, dass Menschen sich intellektuell unterschiedlich schnell entwickeln und Schule darauf einzugehen hat. Weil es nicht darum gehen kann, in altersfestgelegten Klassenstufen durch immer zum selben Zeitpunkt gemeinsam geschriebenen Klassenarbeiten niemals zu einem wirklich befriedigenden optimierten Lernen vordringen kann.

 

Weit im Winkl 2.0

Bis in 100 Jahren würde ich voraussagen, dass man erkannt hat, dass Klassenstufen veraltet sind. Vielleicht wird es sowas wie Entwicklungsstufenklassen geben. Also Klassen, in denen junge Menschen lernen, die so ungefähr auf demselben Entwicklungsstand sind. Da das aber auch noch zwischen einzelnen Fächern variiert, wird es wahrscheinlich eine völlig neue Form der Lernorganisation sein, die man entwickeln wird, um das, was heute gefordert wird, aber in Klassen nicht wirklich umgesetzt werden kann, zu schaffen: Individuelles Lernen.

Denn was man schon heute weiß: In so manchen Klassen in der 5. Klasse sitzen 10jährige Kinder mit einem Entwicklungsunterschied von bis zu 5 Jahren. Und der hat nichts mit geringerer Intelligenz zu tun. Aber durch die permanente Erfahrung von schlechten Noten werden Fähigkeiten einfach zugeschüttet. 

 

Türchen 13 - Weit im Winkl 8

Weit im Winkl 1.0


Die erweiterten neuen Strukturen

 

Im Laborgymnasium muss jede/r Schüler/in ab der 7. Klasse mindestens in einem eigenen selbstaktiven Projekt arbeiten. Klasse 5 und 6 bereiten auf diese Projektarbeit vor. Klasse 7 und 8 also Schule mit zusätzlichem eigenem Projekt. Klasse 9 das verdienendes Projekt außerhalb der Schule. Klasse 10 Schule kompakt mit Mittlerer Reife oder direkt Lehre nach dem Projekt in der Obertertia. Klasse 11 bis 12 oder 13 - je nach Leistungsstand: zwei-oder dreijährige Oberstufe bis zum Abitur. Inklusive der Möglichkeit, das Abitur in Einzelfächern jeweils schon ein Jahr vorher oder aber auch ein, zwei Jahre später zu machen. Unterrichtsmäßig ist das alles deshalb organisierbar, weil Weit im Winkl auf Selbstorganisierten Unterricht setzt. Da haben die Pädagogen in der Anfangszeit schon viel von den Gemeinschaftsschulen abgespickt und mit den eigenen Möglichkeiten der individuellen Betreuung ein eigenes Stück draus gefertigt. Auch Schüler/innen selbst sind immer gleichzeitig auch Lehrpersonal. Lehren und Lernen ist ein Grundprinzip für jeden. Notenmäßig abgerechnet wird nach der letzten Abitursprüfung. Ja klar: Das Laborgymnasium musste hier jahrelang ein wenig mit den Formularen schummeln. Erst 2028 flog die Sache auf, aber als anerkanntes Laborgymnasium durfte man so weitermachen.

 

Zur Erläuterung für dieses Weit im Winkl 1.0 für Weit im Winkl 2.0

Wir hatten damals ja von unserem Gymnasium aus die Zukunft zusammengesponnen. Hatten überlegt, was wie eigentlich machen würden, könnten wir uns von der Kultusbürokratie lösen … und mit unserem Kollegium klammheimlich eigene Schule machen … ohne Vorschriften. In unserem kleinen Science Fiction mussten wir unsere Schüler:innen „nur“ zum Abitur bzw zu einem Abschluss bringen. Sonst wäre ja alles aufgeflogen. Wir hatten dann schnell auch alle anderen Schulen samt der ganzen Bevölkerung von Weit im Winkl mit in unsere Fiktion mit einbezogen. 
„In Weit im Winkl hättest du damit jetzt keine Probleme“ hatte ich Schüler:innen in Not lange Jahre versucht ein wenig Selbstbewusstsein  zu vermitteln, als die Idee von Weit im Winkl vorzeigbar war … Meine eigenen Schüler:innen kannten dieses Weit im Winkl … dort stand ja auch unsere digitale Versuchsschule. Hört sich verrückt an, aber für unser Team war diese fiktive Laborschule auch ein Ort, der Zufriedenheit ausstrahlte. Ich kann es nur jeder Lehrperson empfehlen, sich seine eigene Traumschule im Kopf zuzulegen.

ich denke, könnten wir Weit im Winkl 1.0 in 100 Jahren nachlesen, dann würde man sich nicht mehr wundern, welche verrückten Dinge wir uns damals ausgedacht haben. Weil vieles so sein wird.

 

 

Türchen 12 - Weit im Winkl 7

Weit im Winkl 1.0


7. 
   Prüfungen und Klassenarbeiten und Tests werden nie beim eigenen Lehrer abgelegt bzw geschrieben. Die Trennung von Lehren und Bewerten ist Prinzip in Weit im Winkl. Jede/r Schüler/in besitzt ein Prüfungsportfolio und weiß zu jedem Zeitpunkt den aktuellen Entwicklungsstand. Jeder Schüler hat auch einen persönlichen Betreuungslehrer, mit dem er einmal in der Woche eine kurze Portfoliobesprechung macht. Einmal im Halbjahr ist diese Besprechung mindestens 30 Minuten lang und grundsätzlich und wird von mindestens 3 Fachlehrern des Schülers geführt. Sitzenbleiben im üblichen Sinne gibt es nicht, es gibt nur die Ferienschule, die ein Schüler besuchen muss, wenn er zu sehr hinterherhinkt.

 

8.    Nach dem Berufsjahr gibt es drei Möglichkeiten an der Laborschule: Da man Ende der Obertertia den Hauptschulabschluss hat, kann man eine Lehre anfangen. Oder man geht noch ein Intensiv-Jahr auf die Schule und macht die normale mittlere Reife. Oder man wählt das Ziel Abitur und drückt noch einmal 3 Jahre die Schulbank.

 

Weit im Winkl 2.0


Ja auch da stehe ich tatsächlich auch 10 Jahre danach noch dazu. Ohne Benoten wird es auch in 100 Jahren nicht funktionieren. Aber Noten dürfen nur ein Wegweiser sein. Dürfen nicht am Selbstbewusstsein kratzen. Deshalb: Prüfungen auslagern. Passt. Und der Abschluss darf auch nicht mehr am Selbstbewusstsein kratzen. Egal wie … man muss in der Schulzeit seine individuellen Fähigkeiten erkennen lernen und entwickeln … um danach seine ganz persönliche und starke berufliche Position in der Gesellschaft zu finden. Schule muss alle stark machen … denn die Herausforderungen der Zukunft sind ziemlich hoch. 

 

Türchen 11 - Weit im Winkl 6

Weit im Winkl 1.0


5.  
  Die Verquickung von Schule und Gesellschaft findet so oft wie möglich statt. So wie Schüler/innen in der Obertertia außerhalb des Schule ernsthaft in allen möglichen Betrieben und Einrichtungen arbeiten und ihr Schulgeld plus Taschengeld zu verdienen, können sich Erwachsene jederzeit für bestimmte Kurse in der Schule anmelden. Das wird zwar nicht so häufig gemacht, ist aber als Signal sehr wichtig. "Leute, wenn ihr mal wieder eine Packung Kurvendiskussion braucht, kommt ans Laborgymnasium."

 

6.    Es gibt am Ende die zentralen Termine zum Abitur, aber sonst ist Prüfung in Weit im Winkl komplett anders angelegt. Alle Fachinhalte sind in Kapitel aufgeteilt. Bis zur Obertertia muss ein Prozentsatz von 90% der Kapitel-Prüfungen abgelegt sein, damit man die Schule aktiv verlassen darf. Also sich in der Obertertia-Berufswelt von Weit im Winkl zu positionieren. Das ist für die meisten Schüler/innen tatsächlich oberstes persönliches Ziel. Denn bei all den neuen Strukturen ist auch im Laborgymnasium Vokabellernen kein Honigschlecken und Mathematik auch nicht einfacher als an anderen Schulen. Wer das Pensum an Prüfungen, deren Zeitpunkt man immer selbst festlegen kann, bis zur Obertertia nicht geschafft hat, besucht in dieser Klassenstufe die Paukschule. Klassisch, quadratisch, gut. Keinerlei Eigenständigkeiten, reines Büffeln, Frontalunterricht, normale Klassenarbeiten, Hausaufgaben ... na ja, eben die übliche Schule. Mit sehr enger und strenger Führung. Schon das Wissen über die Obertertia-Alternativen sind für die meisten Schüler/innen ein komplett natürlicher Ansporn.

 

Weit im Winkl 2.0

 

Ich habe schon lange nicht mehr unsere damaligen Ideen gelesen. Habe mich hier eigentlich auf ein spontanes Blog-Experiment eingelassen. Aber ich stelle fest: Schon vor 10 Jahren hatten wir den richtigen Riecher für die Zukunft. Also 5. Aber natürlich. Schule und Leben gehört zusammen, wenn Schule erfolgreich sein soll. Und 6. Wahrscheinlich muss man auch in 100 Jahren noch so manchen Lernenden an die Hand nehmen, um ihn auf die Schiene zu setzen. Und dafür wird man dann wahrscheinlich noch immer den guten, alten Lehrertyp benötigen, samt großem Einfühlungsvermögen in Sachen: Auf die selbstständige Schiene setzen. Aber insgesamt wird die heutige Form des Lehrens nur noch einen klitzekleinen Seitenaspekt von Schule ausmachen. 

 

Türchen 10 - Weit im Winkl 5

Weit im Winkl 1.0


3.  
  Die Pubertät wird nicht mehr als störende Entwicklungszeit wahrgenommen, sondern als Entwicklungs-Chance. Deshalb wird die normale Schule in der Obertertia (9. Klasse) durch ein spezielles Berufsjahr unterbrochen. Die Erfahrung in Weit im Winkl zeigt, wie schnell der fehlende Input in einigen Fächern in der 10. Klasse wieder aufgeholt wird.

 

4.    Die Mittlere Reife und das Abitur trägt in Weit im Winkl diesen Grundlagen Rechnung. Ein junger Mensch kann problemlos in der 11. Klasse Englisch und Geographie-Abitur machen, in der 12. Klasse dann das zentrale Deutsch- Abitur und Prüfungen in ein paar anderen Fächern ablegen und dann in der 13. Klasse das Abitur in Mathe nachholen, während man z.B. schon anfängt, Jura zu studieren. Weit-im-Winkl-Abiturienten haben somit schon einen wesentlichen Lebensvorteil: Niemand träumt später Alpträume vom Mathe-Abitur. :-)

 

Weit im Winkl 2.0

 

Auch das wird in 100 Jahren sicher nichts Besonderes mehr sein. Warum auch. Wir wissen schon heute: Die „normale“ öffentliche Schule kann junge Menschen nicht in ihrer vollen Kompetenzbreite fördern. Man musste sich bisher auf wesentliche Fähigkeiten einigen, die 

man mit dem begrenzten Lehrpersonal stemmen kann. Da bis in 100 Jahren aber auch die Schüler:innen selbst zum „Lehrkörper“ gehören werden. ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Vor 15 Jahren kam das iPhone auf den Markt. In 100 Jahren … na ja, ich denke, das weiß jede:r … die Entwicklung der Technik und der Digitalisierung besitzt exponentielle Veränderungen … eine Lehrperson, die vorne steht und den kompletten Wissensstoff weitergibt, wird es dann nicht mehr geben. Lehrpersonen werden zu „Entwicklungshelfer:innen“ in Sachen Bildung werden. Eigenständige und selbstbewusste Schüler:innen werden die Schule der Zukunft zusammen mit allen Bildungsunterstützer:innen weiterentwickeln.

 

Türchen 9 - Weit im Winkl 4

Die grundsätzliche Erweiterung der pädagogischen Idee von Weit im Winkl

 

basiert auf ein paar wesentlichen Grundlagen.

 

1.    Jeder Mensch kann selbstbewusst seinen adäquaten Platz in dieser hochentwickelten Gesellschaft finden, wenn er die grundlegenden Möglichkeiten dazu hat. Kinder und Jugendliche sind ganz normale Menschen.

 

2.    Menschen entwickeln sich unterschiedlich schnell. Schnellere Entwicklung ist allerdings kein Qualitätsmerkmal. Dem muss Schule Rechnung tragen. Die Einrichtung von altersgleichen Klassen benachteiligt die sich langsamer Entwickelnden. Deshalb muss sich eine moderne Schule, die möglichst optimal das Potenzial ihrer Schüler/innen ausschöpfen und fördern soll, nach Leistungsstand und nicht nach Altersgruppierung formieren. Statt Klassen sind eher Projektgruppen einzurichten, soweit dies möglich ist.

 

Weit im Winkl 2.0

Den beiden ersten Punkte aus Weit im Winkl 1.0 ist wenig hinzuzufügen. Das obere Bild dazu habe ich schon in allen Variationen gezeichnet. Es gibt weltweit keine Studie, die einen Zusammenhang zwischen Schulnoten und späterem beruflichen Erfolg oder gar Lebenserfolg herstellt. Aber weltweit starren Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen auf die Noten. Bis in 100 Jahren ist das Thema gegessen, weil es wenig Sinn macht, die Schatzsuche nach den individuellen Kompetenzen durch Schulnoten zu behindern.

 

Türchen 8 - Weit im Winkl 2.0 - 3

Einige weit im Winkl war natürlich geprägt von der schulischen Realität in Staufen am Faust-Gymnasium. Dort wurde die Laborschule ja aus der Taufe gehoben. Die Erfahrungen mit hochaktiven und aktiven Schüler:innen waren Grundlage.

 

Weit im Winkl 1.0


Die alten pädagogischen Strukturen

 

Einige spezielle Grundlagen haben die Pädagogen des Laborgymnasiums ein paar Kilometer nördlich abgeguckt. Best practice in Staufen in Breisgau. Faust-Gymnasium.

 

"Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln, sich einzusetzen, selbst aktiv zu werden ..... dann habt ihr viel für die Zukunft getan" - das war dort ein Motto gewesen, mit dem die Faustler im Jahre 2000 offizielles Weltausstellungsprojekt wurden. "Schülerschule" war der EXPO-Projektname. Eine Jury aus Managern und Politikern waren sich einig, dass sie das selbst gerne in ihrer eigenen Schulzeit so gehabt hätten. Auf Augenhöhe ernst genommen zu werden, wenn man sich aktiv für die Schule einsetzte. Da hatten die Pädagogen aus Weit im Winkl bei einer Fortbildung vor Ort mitgenommen und die Grundidee hatte sie nicht mehr kosgelassen. Denn sie selbst konnten dieses als teilautonome Schule diese Grundlagen jetzt viel stärker in den Fokus rücken. Die Grundidee, Schüler/innen als Menschen ernst zu nehmen, fällt in Weit im Winkl auf fruchtbaren Boden. In Staufen konnte man sehen, was man durch diese einfach Blickwinkelveränderung gewann: Kompetentes Personal der Extraklasse. Immer wieder neu. In Staufen gab es schon 2008 eine Nachmittagsschule, den Flügelverleih, in der Schüler/innen als Coach arbeiteten. Immer wieder hochmotiviert. Und in Weit im Winkl waren nach dem gleichen Prinzip so manche Oberstufenschüler/innen wichtigere Lehrpersonen als die Fachlehrer. Aber dazu später im Einzelnen.

 

Weit im Winkl 2.0

Ich bin überzeugt: Konzepte wie die Schüler:innenschule wird in 100 Jahren keine Alleinstellungsmerkmal für einzelne Schulen mehr sein. Entwicklungsorientierte Bildung wird das Normal sein, denn die Entwicklung auf dem Planeten wird natürlich weiterhin an Fahrt aufnehmen … und damit wird auch Bildung sich an dieser rasanten Entwicklung orientieren müssen.

 

 

 

 

Türchen 7 - Weit im Winkl 2.0 - 2

Die Laborschule in Weit im Winkl entstand eher spielerisch neben unserem normalen  Unterricht. Zum Beispiel.entstand die Idee, Neuntklässler:innen  komplett aus der Schule herauszunehmen, weil einige aus unserem Team feststellen mussten, dass ihr Fachunterricht komplett an ihren Schüler:innen vorbeigingen. Und parallel waren viele Neuntklässler:innen in außerunterrichtlichen Projekten ziemlich erwachsen aufgetaucht. Warum also nicht genau in diesem Schuljahr Schulgeld verdienen lassen. 😎


Das Schulgeld selbst verdienen

 

Klasse 9, genannt  Obertertia, zum Beispiel setzt komplett auf: "Hier verdienst du dein Schulgeld durch echte Arbeit, spürst, was in dir steckt und schnupperst deine Zukunft." Die Ausbildung in der 9. Klasse, wieder wie früher Obertertia genannt, findet komplett außerhalb der Schule statt. Die Betriebe rund um Weit im Winkl sind begeistert. Durch die wirtschaftliche und steuerlich geschickte  Ankopplung an Baselland bemerkt niemand im Wirtschaftsministerium in Stuttgart die boomende Wirtschaftskraft einer zuvor vernachlässigten wirtschaftlich zurückgebliebenen Grenzregion mit hohen Abwanderungstendenzen. Zwischen 2013 und 2028 wächst sie Bevölkerungszahl sogar um 13 %. Die Zahl der Firmenneugründungen und Start-Ups beläuft sich in diesem Zeitraum auf 128. Niemand wundert sich in Stuttgart, dass sich Weit im Winkl im Jahre 2015 beworben hat, ein kleines Dorf für syrische Flüchtlinge einzurichten und dass es offensichtlich keine Widerstände bei der Landbevölkerung gibt. Man hat damals ganz andere Probleme. Aber Integration ist in Weit im Winkl keine Frage, weil durch den Einfluss der Laborgymnasiums ein Umdenken stattgefunden hat. Speziell das Projekt Obertertia- Flüchtlingsbetreuung- Politikunterricht ist exemplarisch für das Denken in Weit im Winkl und vermittelt den Jugendlichen einen tiefen Einblick in die Probleme dieses Planeten und macht sie gleichzeitig weltoffen. Politischer Sprachunterricht der besonderen Art. Die Touristen genießen diese Weltoffenheit. Der neue Hotelkomplex einer Schweizer Betreiberfirma war schon ein Jahr nach Eröffnung dauerhaft ausgebucht. Das kompetente, dynamische und freundliche Hauspersonal hat seine Außenwirkung nicht verfehlt. Das Projekt-Obertertia-Wirtschaftskurs-Touristik lässt grüßen….

 

Und klar: Weit im Winkl 2.0 in 100 Jahren wird diese Grundidee umgesetzt haben.

Schüler:innen werden in 100 Jahren ganz normaler Teil des Bildungssystems sein. Als Lernende, als Lehrende, als Verdienende. Unterrichtsausfall wird als Begriff nur noch in den Geschichtsbüchern stehen. Man wird erkannt haben, welche Fähigkeiten in Kindern und Jugendlichen stecken, auch wenn sie die übliche Grundausbildung von Schule noch gar nicht abgeschlossen haben. Und man wird erkannt haben, welche Win-Win-Situation daraus entsteht. Die Fixierung auf die Lehrperson wird einer hochkomplexen Sichtweise auf Bildung weichen.

 

Türchen 6 - Weit im Winkl 2.0 - 1

In Weit im Winkl 1.0 hatten wir Folgendes geschrieben:


Motto
: "Klar machst du das Abitur ... wenn du das dann am Ende willst ... aber auf welchem Weg, das ist komplett individuell. Das heißt, wie, mit welchen Schwerpunkten, Projekten, was du wann abholst und auch, was du reinbringst und selbst zu bieten hast, das ist deine Sache."

also

"Du selbst bist selbst für den Weg verantwortlich. So ernst nehmen wir dich."

Dabei:

"Die Strukturen sind flexibel - wir erfinden uns immer wieder neu."

 

Weit im Winkl 2.0 darf sich nun komplett davon lösen, dass es den Weg bis dahin kennen muss. Das ist das Wunderbare an der fernen Zukunft, die aber natürlich kommen wird.

 

Das Ziel kann nicht mehr eine einzelne Spitze wie das Abitur sein. Das ist ist ein breiter Bergrücken, der Schulabschluss heißt und der Startplatz für das schon heute so vielfältige Berufsleben. Es ist auch nicht die Prüfung am Ende, sondern alle Kompetenzzertifikate, die sich ein:e Schüler:in im Laufe der Schulzeit eingepackt hat. Bis in 100 Jahren wird sich herausgestellt haben, dass man eine funktionierende Gesellschaft nicht dadurch am Laufen halten kann, indem alle Eltern insgeheim darauf setzen, dass ihr Kind doch am besten Chefarzt oder Chefärztin wird. Bis in 100 oder 200 Jahren muss die Einkommensschere wesentlich kleiner geworden sein, weil Gesellschaft  nachhaltig und zufrieden nur dann existieren kann, wenn der Unterschied zwischen arm und reich … und damit speziell auch zwischen allen Berufen immer kleiner wird. Zufriedenheit kann nur durch das Gefühl entstehen, sich nicht schon allein dadurch diskriminiert zu empfinden, weil man diesen Stempel Abitur nicht zu besitzen. 

 

Türchen 5 - Schätze heben

Fassen wir einmal zusammen: Schule in 100 Jahren wird es geschafft haben, den Wissenskompetenzschweif von Lernenden zu nutzen und man wird dadurch mit weniger Fachlehrer:innen arbeiten. Man wird also die schon heute vorhandenen Schätze heben lernen. Schule wird sich entwickeln müssen, denn die Zukunft in 100 Jahren wird sich nicht mit den Unterrichtsfächern von heute abbilden lassen. Die rasante Entwicklung der Welt muss eine rasante Entwicklung der Schule anstoßen. Weit im Winkl 2.0 muss weit über Weit im Winkl 1.0 hinausgehen. Ich bin gespannt, was mein Kopf bis Weihnachten alles ausspucken wird.

Türchen 4 - Bildung als Brücke

Die Auseinandersetzung mit der Bildung des Zukunft hat das Zeug, eine Brücke in dieselbe zu schlagen. Hat das Zeug, einen großen Schatz zumindest einmal im Kopf zu heben. … Ideen zu entwickeln. Auszuprobieren. Vielleicht hilft ja gerade jetzt der beginnende Lehrermangel. Ja klar, er ist schon da, aber er wird größer werden. Nun kann man auf Fach-Quereinsteiger:innen aller Art setzen und damit Schulbildung konstant verschlechtern, oder man setzt auf entwicklungsorientierte Quereinsteiger:innen und auf die Schüler:innen selbst. Schule der Zukunft wird vielfältig aufgebaut sein. Entwicklungsorientierte Quereinsteiger:innen sind Menschen, die eine Ausbildung in entwicklungsorientierter Lernbegleitung durchlaufen haben … mit einer möglichst breiten eigenen außerschulischen Berufserfahrung. Schule und Gesellschaft wird in der Schule in 100 Jahren nicht mehr aus zwei völlig getrennten Bereichen bestehen.

Türchen 3 - Wissensschweif in Teams

Die Hattiestudie gibt natürlich auch das her. Team und Feedback sind der Schlüssel für erfolgreiche Schulzeit. Aber man weiß es auch aus der eigenen Erfahrung. Wenn man Schüler:innen als Team zusammenschließt und sie zu Lehrenden macht, dann gibt es eine weitere Vergrößerung des Wissensschatzes. Nun benötigt man „nur“ noch eine kluge Organisationsstruktur, um den Schatz auch zu heben. Dafür wird es in 100 Jahren natürlich keine Jahrgangsklassen mehr geben. Ist ja auch völlig aus der Zeit gefallen. Man weiß heute, dass der Entwicklungsstand von uns Menschen beim Übergang in die weiterführende Schule bis zu 6 Jahre auseinander liegt. Trotzdem schreiben üblicherweise alle zur selben Zeit dieselbe Klassenarbeit. Da ist Schulfrust ins System Schule eingebaut. Muss überhaupt nicht sein, meint man in Weit im Winkl 2.0.

Türchen 2 - Reziprokes Lehren

Jede:r, der:die früher Nachhilfe gegeben hat, weiß es: Durch die Wiederholung eines Stoffes, den man seine:r/m Nachhilfeschüler:in lehrt, vertieft sich das eigene Wissen und bleibt länger im Gedächtnis. Alle nachhilfegebenden Schüler:innen tragen somit noch einen wesentlich größeren Wissensschatz mit sich herum. Warum also nicht aus möglichst vielen Lernenden Lehrassistent:innen machen? In den früheren Großfamilien war das eine übliche innerfamiliäre Bildungsmethodik. Bei 12 Kindern war es normal, dass ältere Geschwister Erziehung mit übernommen hatten. Also: Die Vergangenheit in die Zukunft der Bildung gebeamt. 

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Türchen 1 - Der Erklärkompetenzschweif

Ich hatte dieses Thema schon vor einiger Zeit in diesem Blog angesprochen … und würde es hier einmal weiterspinnen wollen. Zusammen mit einer Neubewertung von den fast 10 Jahre alten schulischen Blickwinkeländerungen in Weit im Winkl

Wen die Geschichte dieser verrückten Laborschule näher interessiert: Hier ist sie. Ich werde die damaligen Thesen von Weit im Winkl 1.0 nun in 24 Türchen auf Weit im Winkl 2.0 updaten. Natürlich nie vollständig, komplett ausbaubar und entwicklungsfähig, nur als Diskussionsgrundlage gedacht. Aber dabei gedacht als Möglichkeit, auch den eigenen Blickwinkel auf Schule der Zukunft zu schärfen.

Türchen 1 - Der fachdidaktische Erklärkompetenzschweif.

Eines war schon in Weit im Winkl klar: Das aktuelle Schüler:innenwissen muss man als riesigen Schatz begreifen, bevor er sich in Vergessensluft auflöst. Ich denke, das Bild spricht für sich. Die daraus folgende zwingende Idee, wenn man Schüler:innen mit ins Bildungsboot nimmt: Man muss dieses zeitlich begrenzte, aber permanent vorhandene Schüler:innenwissen abgreifen und direkt und unmittelbar für den Unterricht der Zukunft nutzen lernen. Der Unterricht der Zukunft wird zusammen mit den Schüler:innen stattfinden.

Schule neu denken

Für alle, die Schule-today in irgendeiner Rolle verantworten, wird das eine wesentliche Aufgabe für Schule-tomorrow sein. Mal ehrlich: Die meisten Pädagog:innen spüren es garantiert. Doch gemach: Das Denken-ändern ist ja erst einmal ganz entspannt. Aber mit verändertem Denken verändert sich die Realität später so viel leichter. Behaupten wir an der Hochschule für agile Bildung in Zürich. Also lassen Sie sich doch als Leser:in erst einmal auf völlig neues Schule-denken ein. Und bitte: Denken Sie aktiv mit. Die Welt benötigt dieses komplett neue Denken von Schule, damit die heutigen Schüler:innen den Paradigmenwechsel zwischen der Welt heute und der Welt in 100 Jahren einigermaßen unbeschadet überstehen kann. Mit der heutigen Schulausbildung samt den üblichen Lehrplänen wird das leider nicht gelingen. 

8 Milliarden

Also wissen Sie, eigentlich …. Eigentlich ist es am Ende dann doch vielleicht ziemlich einfach. Also in 100 Jahren. In den nächsten 100 Jahren geht die Erdbevölkerung wieder zurück. Wahrscheinlich erreichen wir noch nicht mal 10 Milliarden. Immer mehr Regionen unseres Planeten sind bevölkerungsentwicklungsmäßig komplett rückläufig. Am Ende wird wohl nach dem arabischen Raum noch der afrikanische Raum übrig bleiben … bis dann auch dort die „Reproduktionsrate“ unter 2 fallen wird. Und sie wird es. Gnadenlos. Und dann? Werden wir Menschen … bis dahin hoffentlich im Einklang mit der Natur … uns auf eine Welt mit 5 oder auch irgendwann nur mit 2 Milliarden Menschen einpendeln? So weit will ich hier gar nicht visionieren. Aber das Ende des Bevölkerungswachstums wird kommen. Da sind sich die allermeisten Expert:innen einig. Warum? Na ja, Bildung für Mädchen … Berufstätigkeit von Frauen … weniger Kinder. So einfach.

Aber dann wird es echt schwierig. In Südkorea gibt es inzwischen eine Reproduktionsrate von 0,8. Aber viele alte Menschen. Nach dem kurz-unter-10-Milliarden-Höhepunkt wird das für alle Regionen der Welt das wesentliche Problem darstellen. Quasi die Umkehrung der heutigen Flüchtlingsproblematik. Die Welt wird weltweit nach jungen Menschen lechzen. Aber sie nicht bekommen. In Südkorea gibt es übrigens inzwischen so manche Grundschulklassen, die mit alten Menschen aufgefüllt werden, damit die Schule noch existieren kann. Ich finde eigentlich, das ist eine wunderbare Idee für die Zukunft. Denn es wird ohne Frage sowieso einen kompletten Paradigmenwechsel geben müssen. Die allgemein übliche Vorstellung, dass die Jungen die Alten versorgen, wird in den nächsten 100 Jahren einem radikalen Wandeln unterzogen werden müssen. Ja müssen. Denn die Menschheit wird definitiv aufhören, zu wachsen. Faszinierend, weil wir die erste Spezies auf diesem Planeten sein werden, die sich die Balance ihrer Population - durch Bildung - selbst einrichten wird. 
Völlig unklar ist allerdings der Übergang … und der wird wohl dramatisch werden, weil wir Menschen uns diese Entwicklung natürlich jetzt noch nicht so richtig vorstellen können. Wir werden es aber garantiert in den nächsten 100 Jahren umsetzen müssen. Uns werden die Menschen ausgehen und deshalb brauchen wir ein völlig neues Denken. Es wird nicht mehr sein können, dass der „verdiente Ruhestand“ für viele 20 oder 30 Jahre dauert.

Ich weiß, so etwas ist heute noch nicht zu verhandeln, aber schon heute darüber nachzudenken, ob man nicht irgendwann in der Zukunft die Zeit nach der Verrentung komplett anders denken muss, das macht wirklich Sinn. Man sollte sich langsam an solche Gedanken gewöhnen.

Und nochmals: Es wird am Ende die Bildung von Mädchen sein, auf die es ankommen wird, um die Bevölkerungsentwicklung zu stoppen. Und es wird auf die Bildung aller heutigen Schüler:innen weltweit ankommen, damit möglichst viele kluge und kreative Köpfe auf der Welt diesen ungeheuer schwierigen Übergang in eine schrumpfende Gesellschaft vollziehen können.

Übrigens: Kennen Sie das Projekt Drawdown?
Dort wird eindrucksvoll belegt, was Mädchenbildung in Regionen mit hohem Bevölkerungswachstum bewirkt.
 

Betriebssystem Denken

Mal ehrlich: Wer kann sich heute vorstellen, dass Schule sich so verändern wird, dass Lehrende und Lernende gemeinsam an der Bildung der Lernenden arbeiten und Lernende gleichzeitig auch ganz selbstverständlich Lehrende sind. Beamt man sich gedanklich hundert Jahre in die Zukunft, dann fällt es im Rückblick um so viel leichter. Man nennt es Zukunftswerkstatt für das eigene Gehirn. Es lockert die eigene Bereitschaft, „verwegen“ zu denken. 😎😎 Und ohne eine ziemlich heftige Verwegenheit werden wir die Zukunft nicht meistern. Doch in den Schulbänken sitzen die Macher:innen der Zukunft. Sie besitzen möglicherweise die richtigen Ideen für die riesigen Aufgaben, vor der die Menschheit steht. Machen wir uns doch als Lehrerinnen und Lehrer nichts vor. Wir sind nicht die Berufssparte der Visionäre. Wir sind die, die Lehrpläne souverän erfüllen können, wenn man uns nicht zu viele Zusatzaufgaben zumutet. Neben Lehrplan Visionen zu spinnen, dafür wurden wir nicht ausgebildet. Ist ja auch nicht schlimm. Wir müssen eigentlich „nur“ das Steuern ein wenig aus der Hand geben und starke Schüler:innen mit ins Boot holen. Weil sie das besitzen, was wir nicht haben: Die natürliche Fähigkeit, unbekümmert und verwegen Visionen zu spinnen. Genau das braucht die Zukunft unseres Planeten und wir sollten diesen Schatz heben.

Die Veränderung des Denkens ist wie ein kontinuierliches Update eines Betriebssystems. Wenn sich das Betriebssystem verbessert, können plötzlich viel komplexere Programme daraus laufen. Wenn sich das Denken in Richtung Future verändert, können darauf neue Projekte wachsen, an die man früher nie auch nur gedacht hatte, geschweige den geglaubt hatte, dass man sie irgendwann umsetzen könnte. Der Mensch an sich ist sehr entwicklungsfähig und noch lange nicht an seinen Grenzen angekommen. Davon bin ich überzeugt.

Kernfusion?

Das Verbrennen von fossilen Rohstoffen sollten wir dringendst zurückschrauben …

Ich bin Physiker. Wir Physiker glauben meist daran, dass wir auch die schwierigsten Probleme am Ende lösen können. Dass Rückschläge auch Chancen beinhalten. Na ja. Als ich noch Physik unterrichtet habe, war Kernfusion der Prozess, der im Innern unserer Sonne stattfindet und eigentlich für unsere komplette Energieversorgung verantwortlich ist. Aber stelle mal auf der Erde eine Situation her, die die Bedingungen in der Sonne simulieren kann, um das geniale Prinzip zu uns auf die Erde zu holen. Das letzte Mal, als ich mich vertieft damit beschäftigt hatte, da war alles noch irgendwie sehr unklar. Ob man es überhaupt schaffen könnte. 10 Jahre später ist das Unmöglichkeitsgefühl dem Optimismus gewichen. Es scheint irgendwann Wirklichkeit werden zu können. Und Kernfusion wäre eigentlich die Lösung … aber eben erst für die Generation meiner Ururenkel:innen. "Frühestens ab 2100" sagen viele Expert:innen. Bis dahin muss man dringend möglichst viele kluge Köpfe dabei unterstützen, den klaren Weg von fossilen hin zu alternativen Energiequellen als machbare Herausforderung anzusehen und umgehend aktiv zu werden. Und natürlich: Langfristig an Projekten wie der Kernfusion zu arbeiten.

Wo die klugen Köpfe für die Zukunft sitzen? Na wo wohl.

Wir Pädagog:innen sind konkret und zwar jetzt gefragt. Wir sind dabei gefragt, unseren Schüler:innen Startrampen für eine Zukunft zu bauen, die keiner kennt. Wenn wir die 100 Jahre bis zum möglichen Durchbruch der Kernfusion nicht überbrücken lernen, ohne gefühlt unterzugehen, dann hat die Menschheit ein richtiges Problem.

 

Fortsetzung folgt

Von der Zukunft aus denken

Ein Blogbeitrag unseres Forums agile Verwaltung geht mir nicht mehr aus dem Kopf. „Muss der Kapitalismus sterben, damit die Erde überlebt?“  Eine Buchbesprechung von „Das Ende des Kapitalismus“ von Ulrike Herrmann. Wolf Steinbrecher aus unserem Forum agile Verwaltung hat den Inhalt mit einer fiktiven Zukunft ohne permanentes Wachstum für Verwaltungen einmal weitergedacht: „… Ich versuch mal kurz und arrogant zu formulieren: Für eine Verwaltung, die  sich den gigantischen Überlebensaufgaben der Gesellschaft stellen will, stellt Agilität das Betriebssystem dar. Ein Betriebssystem ist bekanntlich keine ‚App‘….“ Also keine Handlungsanweisung, wie man die Zukunft nach all den aktuellen Multikrisen meistern kann. 

 

Ja stimmt, der Blogbeitrag treibt mich um. Habe natürlich auch das Buch gelesen. Deshalb werde ich in den nächsten Wochen an dieser Stelle zeichnerisch versuchen, die Bildung für die Zukunft von der Zukunft aus zu denken. Auch ich bin überzeugt, Agilität oder entwicklungsorientiertes Denken ist ein Betriebssystem. Eines für die Zukunft. Entwicklungsorientiertes Denken ist in der Lage, unvorhergesehene Geschehnisse nicht als Zumutung zu empfinden, sondern als Normalität im Leben. Und je mehr man sich breit darüber Gedanken macht, wie die Welt aussehen wird, wenn irgendwann einmal das Sinken des Bruttoinlandsprodukt nicht mehr als Horror-Warnzeichen einer Krise gewertet wird, umso leichter wird man diese heute noch schwierigst zu denkende Entwicklung für uns Menschen positiv umsetzen können. 

 

Die Erde und ihre Ressourcen sind endlich … die Atmosphäre ist ein globaler Player. Ich habe früher Physik, Mathematik und Geografie unterrichtet und dabei natürlich auch die Zusammenhänge der globalen Erwärmung. Und die Aussichten für unseren Planeten. Und nein, ich habe es trotzdem nicht gedacht, dass ich persönlich noch diese physikalisch hochspannende Fähigkeiten von Kohlendioxid, die Leben auf der Erde seit Millionen von Jahren überhaupt erst ermöglichten, so dramatisch negativ spürbar erleben würde. Ich habe mich da heftig getäuscht. Ein echter Schock. Aber wie meinte schon der Philosoph Karl Popper: „Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative! “ 

 

Ich habe vier Enkelkinder. Wenn meine Urenkel:innen einmal so alt sind wie ich, schreiben wir - so in etwa - das Jahr 2122. Könnte theoretisch sogar sein, ich lerne sie noch kennen, ein paar meiner Urenkel:innen. Die Generation meiner Enkel:innen und Urenkel:innen werden in einer Welt leben, die nicht durch kluge Pläne ins Lot gebracht werden kann, welche man heute in der Schule lernt. Die heutige Schule kann ihren Schüler:innen auf die Zukunft noch keine Antwort geben. Aber die heutige Schule könnte sie für diese ungewisse Zukunft ausbilden. Entwicklungsorientiert. Mit neuem Denken ausgestattet. Resilienzorientiert. Zufriedenheitsorientiert. Zivilisationserhaltungsorientiert. Sie als Akteure mit in die Ausbildung einbeziehen. Kinder stellen so häufig eigentlich richtige Fragen, bei denen Erwachsene aber meist nur den Kopf schütteln. Weil Kind ja nicht weiß, wie die harte Wirklichkeit aussieht. Aber Kind weiß oft intuitiv besser, wie die Zukunft aussehen wird. „Kinder an die Macht“ singt Grönemeyer. Und meint genau das damit. Augenhöhe. Haltung. Blickwinkeländerung.

Vielleicht sollte man deshalb zusammen mit Lernenden die Pädagogik selbst vom Ende her denken … Wie müsste denn die Schule aussehen, wenn es nicht mehr darum geht, dass man durch Bildung persönlich möglichst gute Aufstiegschancen bekommt, sondern Bildung in erster Linie für den Erhalt der menschlichen Zivilisation und die Zufriedenheit des Individuums stattfindet?

 

Entwicklungsorientierte Bildung für den Erhalt der Zivilisation und die Zufriedenheit des Individuums. Denken und spinnen Sie einfach für sich selbst einmal mit. Denn davon bin ich überzeugt: Unser „normales“ Denken kann die Aufgaben der Zukunft nicht erfassen. Wir müssen unser Denken massiv ändern.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

 


the bored brain - das gelangweilte Gehirn

Nur so ein kleines Probe-Heftchen, aber vielleicht kann es ja jemandem gerade dabei helfen, seiner Tochter oder seinem Sohn einen kleinen Visions-Input zu geben. Ein Versuch kann nicht schaden.

Es hilft vielleicht, wenn der Weg im Moment in Richtung "aber sowas von keinen Bock auf Schule" geht. 

Konkret: Das pdf ausdrucken (zweiseitiger Druck) und dann mit der Schere und drei Schnitten horizontal die Doppelseiten vorbereiten, die ineinandergelegt und geheftet zum Pixi-Büchlein wird.

Mein Tipp ... deshalb hier auch wirklich nur als Gekrazel, damit man die Scheu vor dem eigenen Visualisieren verliert ... die Idee aufnehmen und auf sein eigenes Kind "feinregulieren".  

Dass solche Konzepte funktionieren, wenn Kind in Not ist, hat auch das Projekt Reservetank gezeigt, bei dem 77 nichtversetzte Schüler:innen am Ende doch versetzt wurden. 

Und früher, an meiner eigenen Schule, haben wir zwei, drei Monate vor den Zeugnissen alle Versetzungsgefährdeten zu einem Projekt eingeladen, in dem es nur darum ging, zu erläutern, wie man ein Gehirn auf Plus polen kann, um dann durchzustarten. Wir hatten über Jahre die Zahl der Nichtversetzungen halbiert ... minimaler Einsatz maximaler Output. Schon allein der Effekt, wenn man alle Versetzungsgefährdeten in eine Gruppe packt und die sich als Team verstehen, versetzt Berge.

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Das gelangweilte Gehirn
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OECD-Lernkompass 2030


Schon ziemlich verrückt. Da zeigt die Hattie-Studie und auch der OECD Lernkompass 2030 klar in Richtung Entwicklungsorientierte Bildung, aber in der Realität der Schulen ist noch nicht einmal die Kompetenzorientierung so richtig angekommen … wir Menschen scheinen uns mit der guten, alten Wissensorientierung besser zu fühlen. „Schon bei deinem Uropa war das so - und aus dem ist auch was geworden.“ Für fühlen uns besser und verschlafen dabei die Zukunft. Eltern, Lehrende, Lernende, alle. Ich suche gerade nach einem schrillen Wecker. Otto Kraz

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Schulanfang und Zauber inne

Liebe Eltern von Erstklässler:innen

Zum Schulbeginn finden Sie hier einen Tagesfeedbackkalender samt Starterheft zum langsamen Einstieg für Noch-nicht-Schreiberlinge  ... jetzt sind die Hefte auch gedruckt zu erhalten ... epubli sei Dank. In Farbe als das besondere Geschenkidee für Menschen, die wissen, welche positiven Effekte gute Feedback-Boards aller Art im Beruf haben können. Das können sie auch schon in der Grundschule - man muss die Grundidee nur entsprechend anpassen. 

Otto Kraz

Dies ist der Haupt-Tagesfeedbackkalender als pdf-Datei. Samt allen pädagogisch wissenschaftlichen Grundlagen, die zu seiner Entstehung geführt haben. Würden Ärzt:innen heute Studienergebnisse ignorieren, würde man wild den Kopf schütteln. Die Forschungsbilanz des Bildungsforschers John Hattie "Visible Learning" (Hattie 2009) bietet eine Gesamtschau von über 50 000 Einzelstudien über ein breites Spektrum von 138 Einflussfaktoren zum Lernerfolg (2009 ... inzwischen 95 000 Einzelstudien mit über 300 Faktoren aus Daten von 300 Millionen Lernenden) sollte man auch nicht ignorieren. Und man sollte als Erstklasseltern wissen, dass ganz oben in der Liste der effektivsten Faktoren für erfolgreiches Lernen das Tagesfeedback steht. Mehr dazu im Heft. 

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Achtung Schere

Au Backe.

„… Was ihrer Tochter bevorsteht, ist kein Sonderfall in Sachsen-Anhalt. Der Plan, im kommenden Schuljahr eine Vier-Tage-Woche möglich zu machen, kommt von ganz oben. In einem Papier, für das Bildungsministerium und Landesschulamt verantwortlich zeichnen, wird das »4 plus 1«-Modell als Reformkonzept gehandelt. Es sollten »Freiräume in der konzeptionellen Unterrichtsplanung und Unterrichtsdurchführung« geschaffen werden, heißt es in dem Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt…. Spiegel online Juli 22

 

Im Ernst?

Corona hat es doch gezeigt: Die Idee ist eigentlich aus Sicht eines Pädagogen total super. Ein Tag selbstständiges Arbeiten, 4 Tage Schule. Manche Schulen hatten im ersten Lockdown solche Konzepte gestrickt. Aber leider: Das Konzept ist eben nur was für die Schulstarken,  nicht für die Schulschwachen. Obwohl die Schulschwachen genau solch ein Konzept für ihre Eigenständigkeit und ihr Selbstwertgefühl wunderbar nutzen könnten … könnten sie es nutzen. Dann würden sie viel leichter zu Schulstarken als in der Fünftagewochenschule. Fazit: Die normale Schule ist mit der Idee überfordert, weil ihr Handlungs-Rahmen leider zu eng ist.

 

Zwischenreingerufen

Ich verwende die Begriffe plakativ und sollte es erklären. Schulstark / Schulschwach. Die Begriffe beziehen sich wie üblich auf die Noten. Nun weiß man aus vielen Studien, dass Berufserfolg und Schul-Notenerfolg ohne Zusammenhang sind. Anders ausgedrückt: Es gibt keine Studie, die einen Zusammenhang zwischen den jährlichen Schulnoten und dem späteren beruflichen Erfolg nachweisen könnte. Aber es gibt viele Studien, die den Zusammenhang zwischen Eigenständigkeit, Eigenengagement, Reflexionsfähigkeit und Selbstbewusstsein mit dem späteren beruflichen Erfolg herstellen. Das Verrückte: Man benötigt für diese Erkenntnis gar keine Studien. Man muss dieser Frage nur einmal im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis nachgehen. Dann hat man seine eigene Studie, auf die man sich verlassen kann.

 

Riesenschildkröte?

Die Bildungssystem ist schon irgendwie etwas Großartiges. Sie hat etwas von einer Riesenschildkröte, die einen sehr weise und lebensklug anschaut und man sieht es ihr an: Sie meint es ganz ehrlich. Und man übernimmt ihre Meinung gerne und irgendwie intuitiv. „Never change a running system" meint sie und setzt auf das Althergebrachte. Weil ihr das Neue doch sehr suspekt und zu unsicher ist, denn es entwickelt sich ja so richtig entwicklungsorientiert weiter. Auf das Alte kann man sich verlassen. Zumindest die auf der oberen Seite der Schere. Riesenschildkröte, es tut mir leid. Aber du bis leider echt in die Jahre gekommen und siehst wohl auch viel schlechter.

 

Und jetzt?

Na ja, wenn Sie mich schon so fragen. Ich würde sagen: Entwicklungsorientiert denken. Das „4 plus 1“ - Modell ist eine starke Idee, die in dem normalen Schulsystem aber nicht für alle wirksam wird. Auch Corona hat die Schere zwischen den Schulstarken und -schwachen vergrößert. Einfach übel für all die Berufsstarken, die den (absurden aber realen) Makel des Schulschwachen oft lebenslang mit sich herumtragen. Tragisch für die Schulschwachen, die genau wegen der Schere nicht in den normalen selbstbewussten Berufsstarken überwechseln können, weil ihr vergeigter Schul-Abschluss da einen Riegel vorgeschoben hat. Obwohl die Schulnoten eigentlich nix aussagen … wir hatten das schon.

Also entwicklungsorientiert denken.

 

Ja wie?

Vielleicht ja mit Konzepten aus dem Buch über „Entwicklungsorientierung als Paradigmenwechsel“. Denn mal ganz unter uns: Wenn die Lehrkräfte fehlen und man deshalb eine Viertageschulwoche einführen will, dann bedarf es eines wirklichen Paradigmenwechsels. Sonst geht das aber sowas von schief. 

 

Geht‘s vielleicht genauer?

Nö, das Problem ist leider zu groß, als dass man hier schnelle Antworten von der Hochschule für agile Bildung geben könnte. Aber mir fällt spontan ein alter Blogbeitrag ein, in dem ich mal wieder wie schon mal, an das Kultusministerium BW einen offenen Brief geschrieben hatte.

 

Schüler:innen?

Ja klar. Und natürlich auch Pensionär:innen mit sprechenden Fachbüchern. Und pädagogisch entwicklungsorientiert tickende Schulexterne mit Einsatzlust. Alle an einen runden Tisch. Und dann entwickeln. Vor Ort. Mit allen Fähigkeiten, die man mit allseitiger Augenhöhe auf den Tisch legen kann. Sich an der Entwicklung orientieren, heißt es auch hier. Nicht nach einem Plan vorgehen. Und mir persönlich fällt eben wie schon immer ein riesiger ungehobener Schatz ein: Die Fähigkeiten von Schüler:innen. Und inzwischen fallen mir als Pensionär durch meine sprechenden Physikmagazine auch die vielen Pensionär:innen ein. Aber bitte nicht vor der Klasse, sondern als Background „on demand“. Für die Schülermentor:innen.

 

 

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Abi-Vorbereitung für Vorschul-Kids

Den Titel meine ich tatsächlich ernst. Ich war vor meiner Pensionierung Mathe- und Physiklehrer an einem Gymnasium und habe mich oft geärgert, dass junge naturwissenschaftlich begabte Menschen mein Lieblingsfach Physik in der Oberstufe deshalb nicht wählten, weil sie meinten, sie würden Physik nicht blicken. Dabei blickten sie meist nur nicht das einfache Mittelstufenrechnen, das man eben benötigt, um aus physikalischen Phänomenen reale physikalische Werte zu erhalten. 

Was mich immer am meisten verwundert hat war das Phänomen, dass viele meiner Schüler:innen offensichtlich nie wirklich die Philosophie des Dezimalssystems verstanden hatten und deshalb mit Zehnerpotenzen große Probleme hatten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, an welcher Stelle in den Lehrplänen die Philosophie des Zehnersystems eingebaut ist. Wahrscheinlich irgendwann in der Grundschule inmitten vom "Rechnen" ... eingebaut als Zählen mit Stellenwertsystem ... und dann wieder vergessen, wie großartig und wertvoll dieses System ist. Aber wenn man die Idee des Stellenwertsystems vergessen hat, dann kann man beim Rechnen nicht so einfach drauf zurückgreifen. Und das ist sehr schade für eine mögliche zukünftige Naturwissenschaftlerin / einen möglichen zukünftigen Naturwissenschaftler. Weil sie vielleicht einfach nur deshalb in diesem gefragten beruflichen Umfeld nie ankommen werden. Begründung: "Ich habe Physik nie geblickt."

Nun habe ich als Vierfach-Opa im Umfeld meiner Enkelkinder mitbekommen, wie von vielen Eltern schon vor der Grundschule Addieren und Subtrahieren geübt wird ... immer in der Annahme, dass das einen Startvorteil bringen würde. Dabei bringt es am Ende vielleicht sogar einen Nachteil, weil die Schule am Anfang ohne echte Aha-Momente in Mathematik abläuft. Diese Aha-Momente, die das Leben so prickelnd machen. Da Vorschul-Kids aber völlig natürlich ins Zählen kommen, auch ohne Elternunterstützung ... weil Zählen wie eine Erweiterung der Sprache ist und automatisch gelernt werden will ... liegt es doch nahe, die Kulturgeschichte des Zählens, die weltweit im Zehnersystem angekommen ist (und in der Digitalisierung im Zweiersystem) unseren Vorschul-Kids näherzubringen. Denn das ist spannend und hilft und hält damit vielleicht bis ans Ende der Schulzeit und damit in den Physikunterricht, der damit entspannter werden kann, weil man Zehnersystem und Zehnerpotenzen schon seit dem Kindergarten kennt. 

Einen Versuch ist es wert, finde ich. Und habe deshalb für meine eigenen Enkel eine kleine Geschichte geschrieben. Hier ist sie.

Otto Kraz. 


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FAV-Konferenz und die AHAs

Ich habe es nochmals ausprobiert und ja: Ich empfehle es zur Nachahmung. Die AHA-Chronik einer Konferenz. Bei der FAV-Konferenz in Ettlingen am 15. Juni war ich zumindest als Chronist sehr zufrieden. Die Teilnehmer:innen dazu bekommen, dass sie ihre AHA-Momente des Tages als Sätze an den Tagungschronisten schicken, der sie dann visualisiert. Ein ganz anderer Blick auf eine Tagung ... wie ein Gedankenpuzzle ... und gut zum Weiterdenken beim Betrachten.

Hier geht es zur Vertiefung. Otto Kraz

Mein Lieblingsbild des Tages als Nichtverwalter.

Entwicklungsorientierte Großeltern

Open Questions - eine ganz eigene Erfahrung

Wir hatten die Veranstaltung am 11. Mai - letzter Blogbeitrag - mit einem neuen Format versucht: Die Autor:innen des gerade eben erschienen Buches Entwicklungsorientierte Bildung bei Beltz Verlag stellten ihren Buchbeitrag kurz vor und brachten selbst offene Fragen mit. So kam es schnell zu intensiven Diskussionen. Daneben gab es ein kleines Visualisierungsexperiment. Ich war selbst nicht in den Diskussionsrunden dabei, hatte aber alle Teilnehmer:innen aufgefordert, mir Aha-Sätze in den Chat zu schreiben, die ich dann visualisieren wollte und am Ende präsentieren. Aha-Sätze? Wenn man so eine Veranstaltung mitmacht, dann klickt es ja immer mal wieder im Kopf. Aha-Momente des Lebens. Ja und so habe ich die Veranstaltung selbst über Aha-Sätze mitgemacht und gezeichnet. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte ich auch schon viel gezeichnet, sodass am Ende ein echtes Bilderbuch zum Buch entstand.

Und irgendwann beim Staubsaugen hat mein Kopf plötzlich gemeint, zu entwicklungsorientierte Bildungsweisheiten müssten eigentlich auch Großeltern Zugang bekommen, weil sie heutzutage ja häufig Einfluss auf den Familien-Fokus Schule haben - oft positiv aber auch oft negativ. Na ja, dann habe ich die Krazeleien, von denen ich meinte, sie könnten was für Opas und Omas sein, zu einem schnellen Skript zusammengebaut. Als Vierfachopa ist meine Sicht ja vielleicht genau die richtige, meinte mein Kopf. Das Ergebnis stelle ich hier einmal ins Netz. Vielleicht kann es dazu beitragen, dass Schule für den einen oder die andere Schüler:in entspannter wird.

Heinz Bayer alias Otto Kraz 

Meinungen gerne direkt an otto.kraz@aufeigenefaust.com

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Entwicklungsorientierte Grosseltern Web.
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Entwicklungsorientierung - 11. Mai - Online

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Dies ist der Versuch, mit "sprechenden Bildern" ein bald erscheinendes Buch zum Thema Entwicklungsorientierung zu beschreiben und zu bewerben. 

Ich habe den Part übernommen, als pensionierter Gymnasiallehrer, der heute im Team Weiterbildung an der Hochschule für agile Bildung in Zürich mitwirkt, den ersten Band einer Reihe von drei Büchern zu diesem Thema zu lesen und mit dem Blick durch meine Praktikerbrille zu visualisieren. Also eine sehr persönliche Interpretation einiger Aspekte des Buches. Damit man einen ersten Eindruck über die Inhalte bekommt.

Der erste Band dieser Reihe ist ein eher wissenschaftlich gehaltenes Buch ... aber voll mit pädagogischem Sprengstoff, der viele Fragen aufwirft. Die es zu beantworten gilt. Damit sich die Idee, dass Entwicklungsorientierung Wissensorientierung und Kompetenzorientierung in sich aufnehmen kann, um Bildung zukunftskompatibel zu machen, weiterentwickeln kann. Deshalb auch die Veranstaltung am 11. Mai. Ein Treffen, um die Ideen des ersten Buches weiterzuentwickeln. Ein Austausch über einen notwendigen Paradigmenwechsel.                Heinz Bayer alias Otto Kraz April 2022

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Ukraine, Flucht und Schule - Folge zwei

Weil ich nach meinem letzten Blogbeitrag nun schon einige Male angefragt wurde, wie ich die Idee denn konkret weiterspinnen würde und ob man nicht die Schulen auch mit einbeziehen könnte, spinne ich gerne einmal weiter.

 

Eines sollte ich vielleicht noch erwähnen. In meinem Kopf laufen natürlich dabei Überlegungen ab, was ich selbst wohl als junge geflohene Lehrkraft machen würde - samt einem verfügbaren großen Onlineschatz an Unterrichtsmaterialien, Erfahrungen damit und einem eigenen Netzwerk von Lehrerinnen und Lehrern - befände ich mich jetzt im Ausland und könnte mich aktiv einbringen. 

 

 

Ich bin nach einigen Rückmeldungen von "Kneipenschule" auf "Schulfiliale" umgeschwenkt. Sorry, Kneipe ist für mich als Pensionär, Weintrinker und Lebensgenießer ein wunderbarer Ort. Aber ich sehe es umgehend ein … nur weil die Versorgung von ukrainischen Schulkindern in Kneipen in den normalen Arbeitsbereich passt, sind Kneipen nicht der beste Ort für das Konzept.

Nennen wir es also doch besser eine Filiale von Schule.

Schulfiliale.

Etwa Räume in Gemeindezentren, Altersheimen, Vereinsheimen, Eiscafés, Bürgerzentren, Theatern, Konzerthäusern etc … Und klar, auch wenn sich Schule zutraut, einen Raum in der Schule zur Schulfiliale zu erklären, dann kann Schulfiliale auch in der Schule funktionieren.

Zukunftswerkstatt Schulfiliale

Man nehme … Eine: Initiator:in, der/die eine Schule samt einer Filiale nebenan findet, die diese ganz eigene Kraft der Idee verstehen kann und mitzieht.

Von Schulseite aus würde folgende Aufgabe bestehen: Zustimmung der Direktion, Anmeldung der ukrainischen Schulkinder. Ansprechlehrer:in. Aktive Schüler:innen höherer Jahrgänge, denen man eigenverantwortliche Aufgaben überlassen kann. Zugang zum Schulkopierer. Papier und Stifte.

Von Filialseite aus wäre es die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Verpflegung samt WLAN-Anschluss.

Im üblichen lokalen Fall würde es sich ja wahrscheinlich meist „nur“ um 5 bis 15 Kinder und Jugendliche handeln … also überschaubar.

Bezahlung: Offizielle Fördertöpfe, die ja schon bei Corona entstanden und nun eben etwas umgemünzt werden müssten. Immerhin WinWin. Theoretisch könnte das natürlich auch innerhalb der Schule gehen, wenn es freie Räumlichkeiten gäbe … aber ich nehme an, dass schon allein Aufsichtspflicht und Schulverordnungen dem schnellen Prozess im Wege stehen würden.

Und es geht ja hier um schnelles Handeln.

Also gehen wir als „Starter-Set“ z.B. von 10 Schüler:innen aus 5 Klassenstufen aus. Dazu ein:e ukrainische Lehrer:in mit ihrem natürlichen eigenen Lehrer:innen Netzwerk … entweder mit Deutschkenntnissen (oder ein:e Dolmetscherin müsste dabei sein). Bezahlung sollte kreativ gedacht werden. Vom Jugendbegleiterprogramm über europäische Bildungsprogramme bis hin zu regionalen Fördertöpfen oder Spendengeldern.

Eine kleine Gruppe im Starter-Set müsste sich nun konkret "zusammenzoomen", um Folgendes abzuklären: Inwieweit ist das ukrainische Online-Lehrangebot so gestaltet, dass man es auch angepasst an Schulfilialen agil nutzen kann. Oder entwicklungsorientiert, wie wir in Zürich an der Hochschule für agile Bildung dazu sagen.

Die nächsten technischen Schritte würden von dieser Klärung abhängen. Kann eine ukrainische Lehrperson schon plattformmäßig individuell alle Klassenstufen in der Schulfiliale begleiten oder muss man in Zusammenarbeit mit einer Plattform wie etwa https://scobees.com/ eine kluge Vernetzung neu aufstellen.

Papier und Kopiermaterial bezieht die Schulfiliale über die Schule. Den persönliche aktive Austausch realisieren Schüler:innen. Deutschkurse werden am Nachmittag neu gedacht und sind reine „Schüler:innenschulen“ - entwickeln sich also auch innerhalb des Schulbereichs, aber außerhalb der zusätzlichen Lehrer:innenbelastung.

Trotzdem wäre natürlich Austausch auf Lehrer:innen-Ebene sehr sinnvoll - aber eher, weil es sinnvoll wäre, der schleppenden Digitalisierung an deutschen Schulen (Ich spreche dabei nicht von technischer Ausstattung - sondern von Lern-Plattformen wie https://scobees.com/ ) einen Schubs in die Zukunft zu geben.

Also Lernen von der Ukraine anstatt Willkommensklassen einrichten.

Gut wäre natürlich immer auch ein:e Bürgermeister:in mit im Boot, weil sicher irgendwelche Verwaltungsprobleme auftauchen werden.

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Ukraine, Flucht und Schule

Entwicklungsorientierung statt Willkommensklassen

Ukrainische Schulkinder in Deutschland

Stark-Watzinger für »Willkommensklassen« nach dem Vorbild von 2015

(Spiegel-online 20.3.22)

 

„Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat »Willkommensklassen« nach dem Vorbild von 2015 angeregt, um junge Geflüchtete aus der Ukraine an deutschen Schulen zu unterrichten. »Wir können von den Erfahrungen von damals profitieren«, sagte sie »t-online«. Die Abläufe seien an vielen Schulen bereits bekannt... Sie gehe davon aus, dass mindestens ein Drittel der Geflüchteten unter 18 Jahre alt sei. »Wir müssen auf beides vorbereitet sein: dass viele Kinder und Jugendliche auf absehbare Zeit zurückkehren – aber auch darauf, dass sie länger hierbleiben«, sagte Stark-Watzinger.“

 

Auch Backe.

Höchste Zeit, Bildung wirklich ganz neu zu denken

 

Wie war das 2015 in Deutschland mit den Willkommensklassen? Ja klar. Wirklich sehr gut gemeint. Ich ging damals gerade in Pension und habe in einem kleinen Team Schüler:innen in einem Flüchtlingsheim unterstützt. Aber die Aussage: „Die Abläufe sind an vielen Schulen schon bekannt,“ als wäre es ja alles super einfach gelaufen, da muss ich doch sagen: Au Backe.

Nein, kein Lehrerbashing. Ich sags mal ganz ohne Schuldzuweisung:

Die aktuellen Rahmenbedingungen für Bildung in Deutschland sind einfach

nix für Krise!!!

Die sind was für eine stabile ruhige entspannte Welt, in der so ein Lehrplan auch mal 20 Jahre gelten darf. Und sorgfältige 10 Jahre Vorbereitung benötigt. Die Welt hat sich aber verändert. Das iPhone kam vor 15 Jahren auf den Markt. Das Virus vor 3 Jahren in die Welt. Der Überfall auf die Ukraine begann vor 3 Wochen.

Ich nenne unser wissensorientiertes Bildungssystem jetzt der Einfachheit halber mal Heinz (beliebter Jungenname nach dem Krieg), die zaghafte Kompetenzorientierung Stefanie und Stefan (Lieblingsnamen in den Siebzigern) und entwicklungsorientiertes Lernen und Lehren Emilia. (Top-Vorname 2021)

 

Heinz überlegt sich angesichts Hunderttausender geflohener ukrainischer Schulkinder, wie man diese in das bestehende System integrieren könnte und verzweifelt umgehend. Er will so gerne das Gesicht wahren, aber ihm ist eigentlich klar, dass er dafür einfach zu alt ist. Seine jahrzehntelange Erfahrung bringt ihm keine Vorteile. Im Gegenteil. Er würde für diese Aufgabe mindestens 4 Jahre Vorlauf brauchen. Aber er hat nie gelernt, anders zu denken. Und er ist immer noch der Chef.

Stefanie und Stefan sind auch ziemlich verwirrt. Kompetenzen fördern ist ja vielleicht im Moment nicht wirklich angesagt, meinen die Zwillinge und überlassen dem Chef die Planung.

Emilia hingegen denkt komplett anders. Sie ist ja noch jung. Sie kennt das klare Ziel und würde gerne umgehend loslegen. Emilia plant nie im Detail. Sie würde diejenigen vernetzen, die sich vernetzen lassen. Aber klar: Sie kann nur Vorschläge machen. Heinz ist der Chef.

Das Ziel für Emilia: Die Schulkinder sind jetzt hier und müssen jetzt in die Schule gehen. Und zwar in eine ukrainische Schule mit ukrainischem Lehrplan, (nicht in eine deutsche Willkommensklasse) denn sie werden ihr Land wieder aufbauen - wann genau ist ungewiss, aber sie werden es tun.

Und sie sollten es aufrecht und stark tun.

 

Die obere Visualisierung erzählt nur eine grobe Idee von Emilia. Es ist eine erste Skizze, aber so könnte man umgehend beginnen. Wäre nicht Heinz der Chef. :-)

Emilia meint natürlich auch, dass es gleichzeitig sinnvoll wäre, nebenher auch noch Deutsch zu lernen … man weiß ja nicht, wie lange alles dauern wird. Außerdem ist Mehrsprachigkeit immer eine starke Kompetenz. Aber Deutsch lernen wäre doch am besten bei Paten aus der Ecke aktiver Jugendlicher aufgehoben. Meint Emilia.

 

Gruß Heinz Bayer alias Otto Kraz.  - Team Weiterbildung an der Hochschule für agile Bildung in Zürich

 

p.s. Sprechende Unterrichtsmaterialien? Mehr dazu hier: 

 

 

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Entwicklungsorientierte Bildung

Am 22. Juni 22 erscheint beim Beltz-Verlag ein Buch über Entwicklungsorientierte Bildung. Wir diskutieren schon am 11.Mai 22 mit einigen Autoren über den Inhalt.

Die Online-Veranstaltung an der HfaB ist kostenlos und dient der Weiterentwicklung des Themas. Denn es folgen noch zwei weitere Bände in dieser Reihe. 

Entwicklungsorientierung hört sich eigentlich harmlos an, ist aber ein echter Paradigmenwechsel in der Bildung. Nach Wissensorientierung und Kompetenzorientierung verlangt die schneller drehende Welt nach einem ganz neuen Blick auf Bildung. Genaueres siehe QR-Code.

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QR-agil … unbürokratisch, kreativ, sofort

Im Moment kommen Hunderttausende ukrainische Schulkinder in Europa an.

Ursprünglich wollte ich aufbauend auf meinen letzten Blogbeitrag von der Weiterentwicklung der sprechenden Physikmagazine schreiben. Weil ich doch inzwischen noch die QR-Code-Möglichkeit eingesetzt habe und dann sehr einfach mit Hilfe von epubli.de auch Magazine ausdrucken lassen kann. Eigentlich eine Weiterbildungsidee für unsere Hochschule für agile Bildung in Zürich. Aber eigentlich auch direkt umsetzbar für ukrainische Schulkinder?

Denn ja, diese QR-Code-Technik kann jede:r ganz leicht einsetzen. Das funktioniert auch für Arbeitsblätter. Man kann Arbeitsblätter „zum Sprechen“ bringen und damit den Lernenden die Möglichkeit eröffnen, zeitlich unabhängig von der Lehrperson zu lernen. Und als Lehrperson bekommt man damit die Möglichkeit, leistungsstarke Schüler:innen mit agilen Ansätzen „von der Pädagogenleine“ zu lassen. Um sie später wieder als „Lehr-Assistent:innen“ einzubeziehen. Ich ziehe übrigens vor epubli den Hut, weil man einerseits schnell Hefte online und kostenlos als pdf zur Verfügung stellen, aber auch gleichzeitig denselben Inhalt „on demand“ als gedrucktes Magazin bzw Workbook bestellen kann. Mehr dazu unter aufeigenefaust.com/physik/

Jetzt blogge und spinne ich mit dieser Grundidee gleich einmal weiter.

Im Moment fliehen Hunderttausende aus der Ukraine. Darunter viele Schulkindern… Sie könnten zu einer sehr starken Generation heranwachsen. Der ungeheure Mut ihres eigenen Volkes könnte sie lebenslang tragen. Könnte. Sie wurden brutalst aus dem laufenden Schuljahr herausgerissen, sind aktuell entwurzelt und brauchen dringend wieder Schule. Jetzt. Sofort. Überall. Und zwar starke Schule. Ukrainische Schule. Nicht die Schule des aktuellen Aufenthaltslandes. Nicht deutsche Schule mit deutschen Inhalten. Aber wie?

Ukrainisch sprechenden Blätter

Ich stelle hier eine grobe Konzeptskizze in den Raum – vielleicht kann ich eine Behörde „infizieren“, die mit ukrainisch schutzsuchenden Schulkindern zu tun hat. Vielleicht auch eine Aktivgruppe, die gut vernetzt arbeitet.

Spiegel-Online titelt heute: Bildungsministerin Stark-Watzinger: „Aus der Ukraine geflüchtete Lehrkräfte sollen an deutschen Schulen helfen.“ Vielleicht ist das ja die richtige Behörde.

Eine Behörde, die sich fragt, wie sie für diese Kinder Schule schnell und effektiv organisieren kann. Es muss darum gehen, dass ukrainische Schulkinder umgehend weiter „normale“ Schule „besuchen“. Das funktioniert natürlich nur mit ungewöhnlichen Ansätzen. Angepasst an die aktuellen Möglichkeiten … und ausgestattet mit Smartphones. Die Schulräume könnten auch Gaststätten sein, die morgens nicht benutzt werden. Da wäre schon die Versorgung geklärt. Ukrainische Betreuer:innen müssten nicht unbedingt Lehrkräfte sein.

Das Ziel: So viel Schulnormalität wie möglich für die ukrainischen Schüler:innen. Momentan einzige Normalität wären die ukrainischen Lehrpläne … alles andere wurde aus der Normalität herausgebombt.

Man könnte geflohene ukrainische Lehrer:innen vernetzen, die sich absprechen, welche Klassenstufen sie in welchem Fach in diesem agilen Konzept übernehmen. Da es um ukrainische Lehrpläne geht und auf Ukrainisch unterrichtet wird, ist es egal, in welchem Land sich die Schüler:innen aufhalten. Auch nach der Rückkehr in ihre Heimat ist das entstandene Material gut einsetzbar.

Ich bin ja eher zufällig über diese Idee gestolpert, sprechende Physikmagazine zu zeichnen. Aber sie lässt sich eben sehr einfach und schnell umsetzen. Ein Smartphone und Papier genügen. Das Ziel  sollte sein, umgehend massenhaft ukrainisches Unterrichtsmaterial verfügbar zu machen, das auch ohne Schulgebäude, Klassen und Lehrer:innen überall einsetzbar ist. Wir reden von einer Übergangszeit, nicht von einem dauerhaften Aufenthalt. Niemand ist mit Schulbüchern und Lehrplänen geflohen. Aber die Köpfe der geflohenen Pädagog:innen haben den Schatz der Bildung mit über die Grenzen getragen. Auch aus der Ukraine selbst könnte Unterstützung kommen.

Ein fiktiver technische Ablaufplan … als Diskussionsgrundlage

1. Vernetzen und Absprachen treffen

2. Arbeitsblatt um Arbeitsblatt entwerfen … es geht nicht um Perfektion, es geht um schnelle Umsetzbarkeit.

3. „Besprechen“ des Blattes als mp3 … Geht auch mit Smartphone und einer einfachen Aufnahme-App

4. Z.B. auf Soundcloud hochladen oder auf die Cloud eines QR-Code-Generators

5. QR-Code des Audio-Files erstellen – Ausdrucken – Auf das Arbeitsblatt kleben … Oder digital einbauen.

6. Abfotografieren oder Scannen und über das Internet verfügbar machen.

Und klar: Das ist nur die technische Seite. Aber sie wäre auf alle Fälle umgehend umsetzbar.

2015 war ich frisch pensioniert und habe syrische Schulkinder in einem Flüchtlingsheim betreut. Die Eingliederung in das deutsche Schulsystem war ein riesiger Bruch, musste aber sein, weil es kein direktes absehbares Zurück gab.

Ich bin überzeugt, dass es für die ukrainischen Schulkinder ein klares und starkes Zurück gibt. Deshalb sollte man jetzt agil und ukrainisch Schule online wachsen lassen – mitten in Deutschland und auch in anderen europäischen Staaten.

Unbürokratisch, kreativ, sofort.

Vernetzt, zukunftsorientiert, europäisch.

Stark, aufrecht, selbstbewusst.

Und unterstütze gerne.

otto.kraz@aufeigenefaust.com

Schule agil boostern – eine Handlungsanweisung

Vorgeplänkel

Ja stimmt, ich bin dieser alte Schulmeister und Pensionär des Forums agile Verwaltung, der inzwischen auch bei der frisch gegründeten Hochschule für agile Bildung gelandet ist. Ich habe das große Glück, noch immer ein wenig in Sachen Schulentwicklung gehört zu werden, ohne dass ich neue Ideen auch in der harten Realität überprüfen muss. 🙂 Ideen entwickeln, sie weiterreichen und manchmal sehen, welche Erfolge sie entwickeln können, ist eine sehr befriedigende Lebenssituation.

Split4WinWin

Wir hatten vor dreieinhalb Jahren ein verrücktes Angebot unseres Forums agil lernen und lehren in diesem Blog veröffentlicht. Das Gesamtpaket kam damals nicht zum Einsatz, aber Split4WinWin wurde danach an mehreren Schulen ausprobiert. Allerdings nur von Lehrpersonen, die sich sowieso schon mit agilen Unterrichtsformen auskannten. Denn die Idee war ohne diese Vorkenntnisse schwierig umzusetzen. Agilität in der Bildung ist in erster Linie eine Sache der Haltung zwischen Lehrenden und Lernenden. Deshalb ist die Lehrer:innenausbildung bei uns an der HfaB in Zürich auch ziemlich anders aufgestellt als üblich. Denn die richtige Haltung ist zwar eigentlich „simple, but not easy“ beschreibt es Prof. Dr. Christof Arn, einer der Gründer der Hochschule, wenn er über gute Bildung spricht. „Gute Bildung ist schlicht gute Zusammenarbeit. Zwischen Lehrenden und Lernenden.“ meint er.

Die eigene Haltung ändern, das weiß jeder von sich selbst, das ist ein echt hartes Geschäft. Eben not easy. 

Ich stelle Ihnen hier mal wieder eine schlaue agile Idee in den Raum.

Und es wäre schön, wenn Sie sich als Leser:in diese Idee merken könnten, um sie irgendwann im Gespräch mit einer Lehrerin oder einem Lehrer im Freundeskreis so ganz nebenbei einmal einzustreuen, um ein klein wenig eigene agile Schulentwicklung zu betreiben. 

Das sprechende Physikmagazin

Das Einstreuen geht etwa so: Sie sitzen bei Kaffee und Kuchen, und ein:e Freund:in am Tisch – Lehrer:in – klagt über die Belastungen von Schule, speziell in Coronazeiten.

Sie: „Sag mal, da fragt sich in einem Blog des Forums agile Verwaltung ein alter Schulmeister namens Otto Kraz (Physik und Mathe – Otto Kraz ist mein pädagogischer Künstlername), ob seine verrückte agile Unterrichtsidee auch für den ganz normalen Unterricht durchführbar wäre. Oberstufe Physik. Ohne dass man irgendeine Ahnung oder Ausbildung in agiler Didaktik gemacht hat.“ 

Wenn Ihr:e Gesprächspartner:in ein klein wenig positiv zuckt – man merkt sowas – geht das Gespräch etwa so weiter. „Also dieser Otto Kraz meint, alle bekannten physikalischen Schulbücher wären sowas wie abgedruckter Frontalunterricht. Ungeeignet, damit selbstständig forschenden Physikschüler:innen einen effektiven Rahmen zu geben. Agile Schulbücher müssten klar das Ziel definieren, aber eben nicht jeden Schritt des Wegs bis dorthin. Müssten viel Raum für eigene Ideen lassen. Für eigenes Experimentieren.“ 

Falls jetzt tatsächlich Staunen und weiteres Interesse entsteht, wäre ein Bild nicht schlecht.

Dieses Bild hat man „zufällig“ auf dem Smartphone abgespeichert und zückt es jetzt. „Schau mal, so in etwa stellt sich dieser alte Kraz das vor. Er experimentiert gerade selbst mit diesem Format. So ein Skript könnte aber jede Lehrperson für sich selbst entwickeln. Kraz meint, Lehrpersonen wären sowieso eher Individualisten. Er selbst war ja auch mal Schulmeister.“ 

Nicken auf der anderen Seite? Dann also weiter. 

„Und jetzt die Kraz‘sche These: Wenn man einer kleinen starken aktiven Gruppe im Physikunterricht das Kapitel 8 und 9 in Form eines sprechenden agilen Physikbüchleins in die Hand drückt und … 

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19. Juni - eine Übersicht

19. Juni - Save the date

Werbung ohne Ende

Werbetrailer 3

Noch ein Werbetrailer

Kraz`sche Werbung 19. Juni

Agilität erlebbar machen

Atmosphäre

Der Mensch

Agile Plattform - Hopin.com

Bildungsarthrose

Agil unterrichten - konkret - 19. Juni

Ja es wird sich lohnen. Selbst wenn man nur die Zeit dafür hat, sich die Keynotes der beiden Hochschulgründer anzuhören und anzusehen. Die Gründung einer agilen Hochschule für Bildung in Zürich. Abenteuerland. Und jeder und jede aus dem Bildungsbereich spürt es in der Praxis: Bildung  uss dringend neu gedacht werden. Aber warum nicht innerhalb der bestehenden Pädagogischen Hochschulen? Christof Arn beschreibt es so: „... Eine solche eigene Hochschule kann neue Dinge schneller machen – und damit einen Prototype entwickeln, den bestehende Pädagogische Hochschulen wieder kopieren oder sich einfach davon inspirieren lassen können. Wir wollen bewusst verschiedene Wege gleichzeitig gehen, so können diese einander ergänzen. Wir sind überzeugt, so besonders gut mit unseren Möglichkeiten zur Gesamtentwicklung beizutragen.„ 

Save the date. 19. Juni .... online an der Limmat. https://hfab.ch/portfolio-items/tagung-agil-unterrichten-konkret/

eZürich - wie war es eigentlich?

Ich erzähle es einmal mit zwei Blogbeiträgen.

Zuerst einmal auf englisch der von Azra Meyer 

On 16 January 2021, I attended the Hochschule für agile Bildung - HfaB’swonderfully organized and completely interactive virtual training course “Agilität und Bildung." We used “Hopin” and “Miro” online tools to discuss what it means to be agile. We also shared experiences from the worlds of education and business. And it was immediately clear to me that we should bring these two worlds together and use educational tools in business to transform a customer into a student again; to encourage the learning process because that is what being Agile means:

Accept that learning is an integral part of working!

Weiterlesen auf dem Blog der Kreuzwerker:innen

Und dann noch aus der Hausmeisterei der Tagung:

Von Daniela Lund und Heinz Bayer

Die agile Welt ist für so einen älteren Herren und Pensionär wie mich eine echte Herausforderung und gleichzeitig auch ein echter Jungbrunnen. Viel besser als Kreuzworträtsel lösen. Ich erzähle einmal, wie es sich für mich als „technischer Hausmeister“ einer Onlineveranstaltung der besonderen Art anfühlte, für die wir hier im Blog an Weihnachten geworben hatten. Da mir Daniela Lund vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg dankenswerterweise den vor der Veranstaltung geäußerten Wunsch erfüllt hat, eine kritische persönliche Rückmeldung von außen zu geben, flechte ich die Sicht des Tagungshausmeisters in das Feedback einer Teilnehmerin ein. Kommentiere also einen Kommentar aus einer anderen Perspektive.

Weiterlesen auf dem Blog des Forums agile Verwaltung

https://agile-verwaltung.org/2021/01/21/hausmeisterei-der-tagung-agilitat-bildung-in-ezurich/

 Oder anders ausgedrückt: Ziemlich sehr gut. 😎😎

See you in eZürich

Das Buch Agilität und Bildung, das am Samstag anlässlich der Veranstaltung Agilität und Bildung veröffentlicht wird, hat schon einen Werbe-Film, allerdings noch ohne Crowdfunding-Start

Anmeldung für eZürich. https://hfab.ch/tagung-anmeldung/

Inversionstagung am 16. Januar

Ja stimmt, solche Tagungen gibt es ja eigentlich nicht. Es wäre etwas so, als würde man eine Schultag erleben, bei dem sich 4 Lehrer:innen um eine:n Schüler:in kümmern. Und sich gleichzeitig noch den Blickwinkel des Lernenden als zusätzliche Expertise in ihre Überlegungen mit einbauen. Wenn sechs verschiedene agile „Häuser“ Expertise austauschen und das Ganze zu einer ungewöhnlichen Online-Tagung machen, dann darf man sehr gespannt sein.

Und weil es so etwas ja noch nicht gibt, haben wir gleich mal ein paar Begriffe dazu erfunden: Inversionstagung. Inversionakonferenz. Inversionskongress .

Gruß: Otto Kraz ... der an dieser Tagung viel Insiderwissen zum Thema „Kollaborative Improvisationsinversionstagung online“ zum Besten geben wird. 😎😎😎

Happy New Year - See you am 16. Januar

Das Expert/innen-Team der 5 Häuser

Die Veranstaltung hat also den besonderen Charme. Es warten in eZürich n der Limmat viel mehr Expert:innen und Referent:innen als man das je erlebt hat. 💪💪👍👍👍😎. Und die Teilnehmer/innen werden sich auch noch mit ihrer eigenen Expertise an den Stehtischen einbringen. Danach weiß man mit allen Sinnen, was Agilität und Bildung für ein starker spannender, zukunftsorientierter und praktikabler Ansatz für den eigenen Arbeitsbereich ist. 

Die blinden Weisen und der Elefant

Es sind Expert/innen aus verschiedenen Institutionen und Foren. Zusammen mit unseren Gästen auf der Konferenz werden wir zeigen, was online alles kann. 😎😎😎

Der Ablauf der Tagung

Der 4-Otto-Scrum

Ja das war wirklich wie ein Weihnachtssprint. Am Dienstag letzter Woche war klar, dass die Veranstaltungswerbung auf unserer Forumsseite der agilen Verwaltung am Donnerstag rauskommen würde. Die 4 Ottos waren eine Spontanidee im kleinen Kreis ... damit kann ich auch ganz gut umgehen. In eine Rolle schlüpfen und diese Rolle dann spielen lassen. In unserem Falle sind die 4 Ottos zu den Hausmeistern unserer Tagung am 16. Juni geworden ... die Werbekampagne läuft jetzt eine Woche ... und es wird sicher mit das Spannendeste, das ich in den letzten Jahren als Pensionär mitmachen durfte. Man darf gespannt sein. Bleiben Sie dran. 😎😎

Heinz Bayer

p.s. Das Format hat sich innerhalb der Woche angepasst, nachdem ich die Information bekam, Instagramm wäre für die Studenten und -innen, die wir von der Hochschule für agile Bildung ja zum Referendariat in Zürich gewinnen wollen, wichtiger als Facebook und Instagramm. Deshalb also Quadrat und unter 60 Sekunden. Ich bin ja lernfähig. War immerhin über 35 Jahre Lehrer. 😎😎

Scotty beam me ab nach Zürich - das Liedlein

Ja klar, dieses Werbeformat für eine wunderbare Veranstaltung am 16. Januar in eZürich zum Thema Agilität und Bildung unterliegt natürlich auch der Agilität. Das Format passt sich so langsam ein. 

Scotty beam me ab nach Zürich

Digitale Abbildung der analogen Normalität

Doch es gibt sie schon, die Plattformen, auf denen man sich bewegen kann wie im normalen analogen Leben. Zum Beispiel Hopin. https://hopin.com/
Wer es live kennenlernen will, der komme einfach am 16, Januar nach eZürich ins Kongresszentrum der Hochschule für agile Bildung. https://hfab.ch/
U
m zu erfahren, dass Online- Meetings alles andere als eindimensional sein müssen.

Gruß Otto Kraz

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Die 4 Ottos - Folge 3

Ja klar, wir schreiben hier, damit du nach Zürich kommst. Denn je mehr kommen, desto verrückt toller wird diese Veranstaltung und desto mehr Start-Up-Kapital schwemmt es in die Kasse des Abenteuer-Start-Ups Hochschule für agile Bildung in Zürich. https://hfab.ch/ Und das, dafür stehen wir, ist ein Beitrag für die Zukunft der Bildung. Otto Kraz hoch vier. 😎😎🎄🎄

Ja um ganz ehrlich zu sein. Wir finden das Beste am agilen Denken, dass Schüler&innen und Student&innen und Lernende allgemein direkt und professionell und ernstgenommen und auf Augenhöhe mit ins Bildungsboot geholt werden. Eine Hochschule, die Referendare und -innen von vorneherein schon so ausbildet: Der Traum eines Schulmeister-Opas. 👍😎

eZürich Werbestaffel Folge 2

Folge 2 - Das agile Kongresszentrum

Mal ganz ehrlich, so unter uns: Diese Möglichkeit der Vernetzung und des schnellen Beamens z.B. nach Zürich ist schon etwas heftig Lebensbereicherndes, wenn man es im Kopf auch so einzuordnen versteht. Vor 20 Jahren (In Worten zwanzig Jahren) hatten wir an unserem Gymnasium ( Ja wir Ottos waren im letzen Berufsleben einmal Physik- und Mathelehrer an einem großen Gymnasium ) ein Zukunftsprojekt ins Leben gerufen. Im Rahmen von „Schule ans Netz“ haben wir den Wahnsinn von „eMails schreiben mit französischen Schüler:innen“ in die Welt gesetzt. Wir waren echte Vorreiter. 😎😎 Ich wiederhole: Zwanzig Jahre ist das her. Gefühlt zweihundert. 

16. Januar - eine hochagile Angelegenheit - Folge 1

Ok, ich versuche alles einmal möglichst knapp zusammenzufassen. Da wird es eine Veranstaltung in eZürich geben, also online. Aber anders als normal. Nicht eindimensional wie meist, sondern agil mindestens fünfdimensional. Wir hätten möglichst viele dabei. Es könnten 1000 sein, aber wir wären mit 100 hochzufrieden. Die Idee, ein Buch über Agilität und Bildung zeitgleich mit einer exklusiven Tagung zum Thema Agilität und Bildung herauszubringen, bzw zeitgleich mit einer exklusiven Tagung ein Buch herauszubringen, das die Welt der Bildung umtreiben wird, das fanden wir ziemlich cool. 😎😎

Die Grundinformationen

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Agilität und Bildung

An dieser Stelle wird man sich vielleicht in Kürze über das Buch Agilität und Bildung vernetzen, informieren, auseinandersetzen und selbst etwas beitragen können. Ist eine Idee, die gerade erst entstanden ist. Eine noch interne Diskussionsangelegenheit.

Helix 3 - agil leiten

Führung ständig abgeben und neu verteilen, ohne die Führung abzugeben. Stimmt, hört sich irgendwie paradox an. 

Wird aber auf Seite 13 aufgelöst. Agil leiten ist natürlich schon ziemlich anders als "normal" leiten.

Loslassen können und trotzdem alles im Griff haben. Zumindest das Große und Ganze. Zukunftsmusik?

Schauen Sie ins Magazin. Dort werden Sie eines Besseren belehrt. 

Zulassen und vertrauen .. und trotzdem die Verantwortung tragen.

Geht natürlich nur gemeinsam. Augenhöhe und Verantwortung auf beiden Seiten. 

 


Das nachgebaute Klassenzimmer - online

Ich habe dieses Thema in den letzten Monaten und Wochen immer mal wieder beschrieben ... meist in unserem Blog des Forums agile Verwaltung. Mehr dazu hier.

Überall dort, wo Lehrer/innen diesen Ansatz gewählt haben, kommen nur positive Rückmeldungen. Aber offensichtlich ist die "Scheu" davor noch viel zu groß. Für viele ein Scheinberg, wie ich das hier ja schon früher einmal gekrazelt hatte.

Dabei ginge es so einfach.

Würde man endlich die IT-affinen Schüler/innen mit ins Boot holen.

Dass es funktioniert, und zwar erstaunlich gut, das weiß man inzwischen. Ich rede von einer digitalen Abbildung einer konkreten Klasse im Netz. Dabei meine ich jetzt noch nicht Austausch von Unterrichtsmaterial, sondern die Möglichkeit, eine Klasse in Teams aufzuteilen und diese Teams in der digitalen Abbildung in BreakOut Rooms, Gruppenräumen, Teamtreffs oder wie man sie immer nennen will, miteinander arbeiten zu lassen. Mit der Option, dass man als Team jemand zur Lehrperson schicken kann, um etwas zu fragen und als Lehrperson die Möglichkeit hat, durch alle Gruppenräume zu gehen, um seinen Schüler/innen über die Schulter zu sehen. Und klar: Es muss einen Hauptraum geben, in dem man alle versammeln kann, um Vorträge von den Lernenden und Inputs der Lehrperson anzuhören. Auch ohne digitalen Materialaustausch funktioniert diese virtuelle Klassenzimmerwelt sehr gut ... als Grundlage kann man ja problemlos auf die Fachbücher zurückgreifen, die die Schüler/innen besitzen.

Der Weg bis zur problemlosen Parallelnutzung der virtuellen Klassenzimmerwelt ist eigentlich recht kurz ... aber da die meisten Lehrkräfte im Moment mit dem regulären Normal-Unterricht unter Corona-Bedingungen wirklich ausgelastet sind, sollten sich Schulen überlegen, ob sie nicht freigestellte Kolleg/innen haben, die sich einarbeiten lassen, um dann für die Kolleg/innen die Einrichtung des virtuellen Klassenzimmers zu übernehmen. Ein paar Mal mitgemacht, wird es auch für völlig IT-ferne Lehrpersonen ein problemloses Arbeiten damit (wenn sie es wollen, das natürlich vorausgesetzt) - speziell wenn es in jeder Klasse neben einem/r Klassensprecher/in auch eine/n Klassentechniker/in gibt. Für mich die einfachste Variante wäre es natürlich, für die Einrichtung paralleler virtueller Abbildungen der Klassen von Schüler/innen höherer Klassenstufen übernehmen zu lassen. Denn das sind die wahren Spezialisten.

Man sollte diese Vorbereitung möglichst schnell umsetzen ... schon jetzt schließen wieder die ersten Schulen und schicken ihre Schüler/innen ins Homeschooling. Mit einem parallelen virtuellen Klassenraum ist das dann keine so große Aufregung mehr. Ich drücke natürlich uns allen die Daumen, dass der Herbst und Winter corona-glimpflich an den Schulen vorbeigeht.

Gruß

Otto Kraz

 

p.s. Aber nun denke man einmal coronafrei die Möglichkeiten durch, die sich ergeben könnte, wenn jede Klasse ein digitales Abbild hätte und wie selbstverständlich damit umgehen könnte. Da sind kollaborativen Improvisationsideen Tür und Tor geöffnet.

Selfmadeschool - ein StartUp Konzept

Liebe Leserin, lieber Leser

Mal angenommen, Sie haben Kinder so ab 14 Jahre in der Schule. Und sie waren sich in den letzten Monaten mit ihnen einig, dass man das nächste Schuljahr anders angehen sollte. Weil es wegen Corona noch immer überhaupt nicht normal sein wird. Dann schlage ich Ihnen ein spannendes Familien-Experiment für die Ferien vor.

Früher haben Sie Ihren Kindern sicher ab und zu Märchen vorgelesen. Lesen Sie ihnen doch heute einmal ein Schul-Märchen vor (oder lassen sie selbst lesen), in dem Ihre Tochter oder Ihr Sohn selbst zentral darin vorkommt. Und reden Sie dann einfach mal darüber. Es wird sich möglicherweise extrem lohnen. Für die ganze Familie. Allerdings ... Diese Fiktion ist nur dann umsetzbar, wenn Sie sich selbst mit Kommentaren komplett zurückhalten. Wenn die Idee zündet, zündet sie. Wenn Sie gefragt werden, antworten Sie. Aber antworten Sie nicht, wenn Sie nicht gefragt werden. :-)

Ich habe schon in meiner aktiven Schulmeisterzeit immer bemängelt, dass man im aktuellen Schulsystem Schüler&innen viel zu wenig fordert und ernst nimmt. Sollte Ihre Tochter oder Ihr Sohn bis zum Schluss diesem Sommermärchen lauschen (oder es fertig lesen) und nicht vorher gelangweilt einschlafen, dann sollten Sie das StartUp-Unternehmen ihres Nachfahren unbedingt agil unterstützen. Aber bitte ... nur antworten, wenn Sie gefragt werden. :-)

Sie tun damit extrem viel für die Zukunft Ihrer Tochter oder ihrem Sohn.

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Werde schon heute Unternehmer/in
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Kollaborative Improvisation in alten Gemäuern. Kapitel 1

 

"122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 . Löse auf nach x."

 

Die alten Gemäuer:

Der Lehrplan, die Klassenstufen nach Alter geordnet, die Noten, die Zeugnisse, die Abschlüsse.

 

Der kreativ gestaltbare Raum in den alten Gemäuern

Die kollaborative Improvisationsdidaktik - mit seinen Schüler/innen kleinschrittig mit dauerndem gegenseitigen Feedback ausprobieren, wie man gemeinsam zu einen vorgegebenen Ziel aus dem alten Gemäuer kommt, dem festgelegten Lehrplanziel.

 

Ich nehme einmal Weit im Winkl (vorletzter Blogbeitrag) als Zukunftswerkstatt und gehe in die Realisierungsphase: Was könnte ich morgen tun, wenn ich als Mathelehrer mitten im Gleichungsauflösen nach einer Unbekannten stecke?

 

Ich hänge es als ehemaliger Mathe-& Physiklehrer an einer kleinen konkreten Rechenaufgabe auf:  „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 . Löse auf nach x.“ Eigentlich ganz simpel, wenn man bei der Erklärung des Mathelehrers gerade voll auf Empfang und nicht abgelenkt war. Aber wir schreiben Klasse 8. Tanz der Hormone, Umbau der Gehirnzellen. „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2“ ist da nicht wirklich relevant für das Gehirn. Obwohl das Ergebnis von 2 nicht kompliziert ist. Wenn man Pech hat, entsteht an dieser Stelle seiner Karriere als Mathematiker eine entscheidende Lücke. Die drei Jahre später bei den Aufgaben zur Gravitation dann nichtbegreifbare Spuren hinterlässt. F=Gamma mal Masse 1 mal Masse 2 geteilt durch Radius hoch zwei. So ziehen sich zwei Massen an. Eine übliche Aufgabe. Berechne den Anstand zweier Massen. Den Erdradius berechnen können, wenn man die Anziehungskraft auf 1 kg kennt (9,81 Newton) und die Erdmasse. (5,972 × 10^24 kg) An solche Aufgaben werden aus vielen eigentlich begabten Physikern, Klimaforschern und Weltrettern dann letztendlich doch Betriebs- und Volkswirte oder Juristen .... weil sie drei Jahre vorher in der 8. Klasse diese Lücke im Hirn produziert hatten und sich dann die schlechten Physiknoten mit dem üblichen „Physik blick ich überhaupt nicht“ abgetan haben. Anstatt zu erkennen: „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2“ hab ich damals wohl nicht kapiert, weil ich Liebeskummer hatte.

 

Jetzt spielen wir die Szene einmal in der Phase Corona-experimental durch. Der Bildungsplan sagt zu den zu erlangenden Kompetenzanforderungen: „Die Schüler/innen verstehen die Auflösung einer Gleichung nach einer Unbekannten.“ Nun stellen Sie sich einmal den pädagogischen Wahnsinn vor, der Lehrer würde sich nicht an die Tafel stellen, um vorzurechnen, wie man 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 nach x auflösen kann, sondern er würde sagen, dass es doch z.B. eine Möglichkeit wäre, zu lernen, wie man die Aufgabe kapieren würde, sich das Video, das er verlinkt hätte, so lange anzugucken, bis man es verstanden hat. Weil es in der Klasse 11 wirklich wichtig wäre. Oder dass man selbst als Schüler/in nach Wegen suchen würde, um sich dann mit dem Lehrer abzustimmen. Oder dass man sich das im eigenen Schüler-Team (sorry, ich schreibe jetzt einfach Schüler, wenn ich natürlich Schüler/innen meine ... man möge mir verzeihen) von seinem Mathecoach aus der Klasse 9 erklären lassen könnte oder dass man das einfach im Buch mal nachlesen könnte oder oder ... auf alle Fälle sollte der gemeinsame Plan sein, dass am Ende der Geschichte 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 für jeden verständlich wäre. Und jeder Schüler dauernd etwas zu tun hätte. Keinen Leerlauf. Natürlich wäre auch möglich, dass drei Teams von Schülern einen Vortrag ihres Lehrers zu 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 hören wollen. Auch dann würden sie völlig anders aufpassen als üblich. Kollaborative Improvisation, um den Bildungsplan zu erfüllen, der da heißt „122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 kann der Schüler nach x auflösen“, ist eine komplette Umstellung des Lernens in der Schule ... innerhalb der alten Gemäuer. Kollaborative Improvisation ist ein Konzept, das stärkere Bildung ermöglicht ... trotz Corona ...

Statt heftiges Klagen würde das Konzept echte Zukunftsgefühle erzeugen.

Das Prinzip für Lehrende: Du gehst in die Klasse und du erzählst das Ziel des Bildungsplans ... altes Gemäuer, nix dran zu rütteln. 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2. Muss jeder nach x auflösen können. Dass man damit später ausrechnen können muss, wie groß die Erde ist, das könnte eine Erklärung sein, warum man 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 überhaupt umstellen können sollte. Aber vielleicht entsteht der Drive auch aus einem einfachen Gespräch über das Leben an sich und das Lernen im Speziellen. Über die Herausforderungen der Zukunft. Darüber, dass man die Zukunft nur meistern kann, wenn man die Köpfe trainiert. Improvisation auch schon hier. Aber kollaborativ. Den Bildungsplan gemeinsam erkämpfen. Und dabei niemand zurücklassen.

Improvisieren bedeutet kleinschrittig sich vortasten, um sich dem Ziel 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 effektiv zu nähern ... Fehler zuzulassen, dauernd Feedback einzubauen und sich eben auf alle zu verlassen. Lernende wie Lehrende. Gemeinsam. Es darf keinen Streber mehr geben und keinen schlechten Matheschüler. Allen muss klar sein, dass man sich heute in der Wissenschaft einig ist, dass es im System der Alterklassenstufen an den Schulen sein kann, dass ein späterer Spitzen-Ingenieur für Wasserstofftechnik nur deshalb schlechte Noten in Mathe schreibt, weil er komplexer denkt als die anderen und ihm deshalb nie die Zeit in den Klassenarbeiten reicht. Oder dass er (oder sie) in der mathematischen Gehirnentwicklung den langsameren Modus in der DNA hat ... und deshalb scheinbar Mathe nicht kann. Dabei ist es nur das Hamsterrad Schule, das diesen Eindruck erzeugt. Dafür kann er oder sie aber andere Dinge, die auch den aktuell schnelleren Matheblickern viel bringen können. Gemeinsam den Berg von 122 ist gleich 488 geteilt durch x hoch 2 zu besteigen ist WinWin pur. Für alle.

 

Übrigens ein großes aktuelles Plus auch in Noch-Coronazeiten ... weil man nicht die ganze Zeit die ganze Klasse in einem Raum versammelt hat. Da passen selbst Container für selbstständig arbeitende Gruppen dazu oder abgetrennte Gruppentische in den Gängen bei offenen Fenstern.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

 

Folge 2 ... Flipped Classroom

Kollaborativer Improvisationsunterricht

Elisabeth Theisohn aus unserem Forum hat mir irgendwann einmal das schöne Wort „Improvisationsdidaktik“ zugeworfen und ich konnte seither nicht mehr vergessen. Sie hat es in einem Zusammenhang verwendet, in dem sie den Begriff von der Musik auf Unterricht allgemein übertragen hatte. Tobias Kanthak (auch aus unserem Forum) hat sich als Lehrer und Jazzmusiker auch mit diesem Begriff beschäftigt. „Bei der Improvisationsdidaktik geht es nicht darum, irgendwas zu machen. Im Jazz ist auch nicht das Ziel, irgendwas zu spielen. Improvisation bedarf täglicher mehrstündiger Übung. Aber niemand würde einem Jazzmusiker wirklich zuhören, welcher lediglich transkribierte Soli oder eigens komponierte Soli spielt, in der Hoffnung, dass seine Mitmusiker darauf spontan eingehen. Nein, Improvisationsdidaktik lebt von spontanem Zusammenspiel und aufeinander Eingehen aller Beteiligten. Und auf je mehr Erfahrung und Übung ein Jazzmusiker zurückgreifen kann, desto spannender, interessanter und überzeugender wird der Moment der freien Improvisation. .... Als Jazzmusiker gehe ich in der Band auch auf alle ein - ein perfektes spontanes Zusammenspiel. Jeder ist dabei individuell, nicht alle haben dieselbe Rolle und nicht alle haben die gleichen (musikalischen) Kompetenzen.

Ich nehme hier einmal den Ball auf und erweitere den Begriff des agilen Experimentierens (ernsthafte Improvisation) mit dem Fokus auf das Kollaborative.

Also für die Schule verwendet:

 

 Ich nehme jetzt einfach mal folgenden Begriff als Arbeitstitel für die folgende Blogreihe

 

Das pädagogische Konzept der kollaborativen Improvisation 

 

Meine ersten Begriffsfindungsversuche will ich den Leser/innen nicht vorenthalten.

Kollaborative Improvisationsdidaktik

Kollaborative Improvisationspädagogik

Kollaborative Improvisationszentrale

Kollaborativer Improvisationsstehtisch

Kollaborative Improvisationsabteilung

Kollaborative Improvisationslandschaft

Kollaboratives Improvisationsdenken

Kollaboratives Improvisationsgefühl

Kollaborative Improvisationshaltung

Kollaborative Improvisationsintelligenz

Kollaborativer Improvisationsunterricht

Kollaborative Improvisationsstunde

Kollaboratives Improvisationstool

Kollaborative Improvisationsplattform

Kollaborative Improvisationsdigitalisierung

Kollaboratives Improvisationstheater

Kollaborative Improvisationsprojekt

Kollaborative Improvisationskonzept

Kollaborative Improvisation

Schule der kollaborativen Improvisation

Laborschule der kollaborativen Improvisation

Abteilung der kollaborativen Improvisation

 

Ich nehme jetzt also

Das pädagogische Konzept der kollaborativen Improvisation

 

Ich werde versuchen, diesen Neubegriff der kollaborativen Improvisation Kapitel um Kapitel zu füllen. Vielleicht können Überlegungen eines alten Gymnasiallehrers, der in den letzten Monaten Einblick in viele Corona-Konzepte vieler aktiver Kolleg/innen bekommen hat, ein paar aktiven Kolleg/innen eine kleine Hilfe dabei sein, sich in ihrem zeitgemäßen pädagogischen Denken nicht so allein zu fühlen. 

 

Es gibt schon sehr lange sehr viele Ansätze von erfolgreicher zeitgemäßer Pädagogik, aber die alten Gemäuer der klassischen Schule halten sich weltweit, als gäbe es einfach keine Gehirnforschung, keine Bildungsstudien, keine Wissenschaft des Lernens und als gäbe es immer noch nur diese Ideen, die vor 2-300 Jahren einmal umwerfend waren: Vorne steht ein Lehrer und erzählt denen in den Bänken, wo es lang geht. Ja klar, immer ein wenig modernisiert und aufgehübscht ... aber am Ende die uralte Sache, wie man Schule zu machen hat. Was man als Schüler/in wissen muss. Obwohl eigentlich jeder weiß, dass man heute gar nicht mehr wirklich wissen kann, was man am Ende wirklich wissen und lernen muss. Damit man in 20 Jahren auf die Anforderungen der Zukunft die richtigen Antworten finden kann. Und damit man sich in der Zukunft auch persönlich zurechtfindet.Grundlagen klar. Aber dann?

Nur mal angenommen, Corona könnte helfen, dass die Lockerungen nicht bewirken würden, dass man einfach wieder zurück geht zu den alten Strukturen der Old School, dann wäre das doch erstrebenswert - von der Zukunft aus betrachtet.

Old School ... scheinbar unkaputtbar. Weil das ja zumindest immer einigermaßen ganz gut funktioniert hat. Ein weltweites Phänomen. Ein 300jähriges scheinbares Erfolgsrezept. In Wirklichkeit so, als würde eine hoch entwickelte Gesellschaft wie die unsere bei Corona z.B. nicht auf Virologen hören. Verrückt. Aber da für Schulen Corona auch nach den Sommerferien nicht vorbei sein wird, könnte man doch da ein wenig an den alten Gemäuern rütteln. Oder Neues in die alten Gemäuer bringen. Auf Wissenschaftler/innen hören. Gehirnforscher/innen lauschen. School as usual ist nach den Sommerferien Augenwischerei. Also wäre es doch besser, zumindest ein Schuljahr lang ein bärenstarkes hochspannendes und zukunftsorientiertes Experimentierfeld zu bedienen als einen dauerklagenden Lebensraum von Lehrenden, Lernenden und Eltern.

 

Ich plädiere für

kollaborative Improvisation in jahrhundertealten Gemäuern.

 

Fortsetzung folgt

 

Weit im Winkl 2020

Aus aktuellem Anlass eines Beitrags auf unserem Blog des Forums agile Verwaltung haben wir hier die Geschichte von Weit im Winkl etwas überarbeitet hier noch einmal in den Blog gestellt.

Übrigens: Alle Bilder sind immer cc by ottokraz ... also frei verwendbar.

Die Struktur und die Ideen der teilautonomen Laborschule in Weit im Winkl ... eine schon beinah 10 Jahre alte Geschichte von einigen pädagogisch zukunftsspinnenden Menschen, die sich immer wieder neu anpasst.

Wir verstehen den Sinn einer solchen Geschichte als Möglichkeit, mit fiktiven Vorschlägen Diskussionsmaterial für zeitgemäße Bildung zu liefern. Keine Blaupause, aber einen Ideenstrauß von Möglichkeiten ... und zwar - und das ist uns wichtig ... innerhalb des bestehenden Schulsystems. Wir bringen es hier mal wieder in den Fokus, weil es unserer Meinung nach ein guter Zeitpunkt wäre, von Weit im Winkl ein paar zentrale Ideen in die reale Nach-Coronazeit zu übertragen.

 

Wir befinden uns an einer fiktiven Schule, bei der die Idee „Lass einfach mal los, dann hast du zwei Hände frei“ lustvoll durchgespielt werden darf. Für Fortbildner/innen, für Berater/innen, für Lehrende und Lernende, für Eltern und nicht zuletzt für Menschen aus Bildungsbehörden, die aktuell nach neuen Wegen suchen.

 

Eingebettet sind dieser Ideenstrauß in eine kleine Geschichte, mit der auch diese Webseiten begannen.

 

Der Text ist als Puzzle zu verstehen, der sich im Laufe der letzten Jahre immer wieder etwas verändert und erweitert hat. Deshalb stilistisch vielleicht ein wenig holprig. Man möge als Leser/in ein wenig Nachsicht üben.

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Lieber Pull als Push

Ich denke, man versteht es, was ich meine. Otto Kraz

Ich weiß, ich erzähle all das hier von außerhalb. Als Pensionär. Als jemand, der nicht mehr mitten drin steht. Der gut reden kann. Ich weiß, wie extrem viel Einsatz gerade an den Schulen von den allermeisten Lehrer/innen gebracht wird. Und wie viel Lehrerbashing auf der anderen Seite der Eltern unterwegs ist. Dabei müsste die Wut der Eltern nicht auf die Lehrer*innen, sondern auf das Bildungssystem gerichtet sein. Für mich ein völlig erstaunliches Phänomen: Die allermeisten Eltern stehen zu dieser komplett veralteten Ruine Schule mit diesen Lehrplänen, diesen Noten, diesem Noten-Fach-Leistungsanspruch, dem geordneten Gebäude von der uralten Dreigliedrigkeit, dem Sitzenbleiben als Druckmittel, dem "Wer schnell Arbeitsblätter bearbeiten kann ist der Chef"-Denken ... der völlig veralteten Meinung, Schulnoten hätten irgendetwas mit beruflichem Erfolg zu tun. Dabei könnten alle Mamas und Papas jederzeit selbst im eigenen Freundeskreis blitzschnell herausbekommen, dass dieses Notenstarren aller Beteiligten komplett neben der Spur läuft. Dass späterer beruflicher Erfolg und schon gar nicht Lebenserfolg irgendetwas mit den Schul-Noten zu tun hat. Aber für die allermeisten von uns oft lebenslang wirksam ist. Noten sind gut als Hinweisschilder, als Hingucker, als Berater, als Denkanstöße, als Leitplanken, Nachdenkimpuls, als Schienbeinstupser. Aber das wäre es auch schon. 

Wie wäre es denn, wenn man Corona nutzen würde, um einmal genau darüber nachhaltig umzudenken. Um als Eltern zusammen mit den Lehrer/innen und mit den Schüler/innen an diesem Bildungssystem mal so richtig zu kratzen. In Richtung Neuaufstellung. In Richtung Zukunft, die ja langfristig genauso schlecht planbar ist wie die aktuelle Krise - die die Herausforderungen der Zukunft jetzt im Schnelldurchgang präsentiert.

- Lehrer/innen: Jetzt ist die Chance, ganz viel Neues auszuprobieren, um nicht mehr nur dem schlichten Diktat des Bildungsplanes zu folgen.

- Eltern; Jetzt wäre es an der Zeit, einmal über die eigene Schulzeit nachzudenken und nicht in Muster zurück zu fallen, die man früher gehasst hat.

- Schüler/innen: Jetzt wäre es an der Zeit, sich freizuschwimmen - um zu spüren, wer man wirklich ist, was man kann, wo man seine Stärken und Schwächen hat und wie gut es sich anfühlt, für sich selbst zu lernen und nicht für ein System Schule, das in Wirklichkeit eine uralte Ruine ist. Die aber uns alle nach wie vor voll im Griff hat.

Gruß

Otto Kraz

Fühlt sich richtig nach Schule an.

Öffentlich rechtliche Lernplattformen

Nein, kein Gerücht, nur eine schöne Vision. Eine, die Christof Arn in unserem Oster-Helix in die Welt gesetzt hat. (Rechte Seite zum Download)

Ein Auszug: " ....Wir brauchen, im Interesse der Demokratie, eine öffentliche, staatliche Suchmaschine (realistisch: zunächst für den deutschsprachigen Raum) und zwei, drei öffentliche, staatliche Social Media (darunter auch eines mit Video Conferencing). Diese müssen sich durch Neutralität, Transparenz und kompromisslose Privacy auszeichnen...."

 

Man stelle sich das einmal vor. Eine öffentlich rechtliche Videoplattform und ich könnte mir dort als Lehrer/in eine Klasse mit Gruppenräumen einrichten und ich hätte dort eine/n Ansprechpartner/in, der/die mich an die Hand nimmt, um es mir am Anfang einfach mal in Ruhe zu zeigen. Weil es selbst für den inzwischen Normalbenutzer von Videoplattformen nicht ganz so einfach ist wie es aussieht, sicher mit Gruppenräumen umzugehen. Ich hätte mir das Schloss Blackboard sicher nicht so einfach zugetraut, obwohl ich einmal Netzwerkbetreuer war und auch schon lange auf Videomeetings unterwegs bin. Aber bei Blackboard Collaborate kann man Coaches buchen. Diese "Stunde an die Hand nehmen" war für mich Gold wert und deshalb unser 50jähriges Abitreffen auf Schloss Blackboard ein großer Erfolg. 

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Gruppenräumen in Videomeetings viel entspannter und effektiver Unterricht zu machen ist ein echter Scheinberg. Das ist wie mit dem Scheinriesen. :-)

Vielleicht schnappt ja jemand diese Idee auf, der oder die beruflich mit Online-Lernen zu tun hat und sich klar macht, dass auch nach Corona in dieser Idee mit den Gruppenräumen ein riesiges Potenzial steckt. Später dazu mehr.

Gruß Otto Kraz

Nur noch ein kleiner Schritt

Wer jetzt schon seine Schüler/innen in Gruppen digital in sein Klassenzimmer holt, der sollte nur noch einen kleinen Schritt machen: Gruppenräume verwenden und damit Zeit und Nerven sparen, Gruppenbeziehungen fördern und wirklich ins Unterrichten kommen.

Man könnte natürlich auch noch ein Webinar zum Thema eduScrum machen  (Kommt bald ... wird hier veröffentlicht) und dann ist man für die Zukunft gerüstet. 


Der Lehrplan kann gerade nicht die Richtschnur sein.

Liebe Kolleg/innen, lieber Kollegen an Schulen und Hochschulen

Liebe Bildungsverwalter/innen

Wer beim Homeschooling oder Distance Learning darauf gesetzt hat, den Lehrplan 1:1 umzusetzen, also weiterhin schlicht auf die "vorgeschriebenen" Inhalte zu setzen, der ist noch nicht in der Wirklichkeit angekommen. Der hat sich nicht unter Schüler/innen und Eltern umgehört. Der hat sich nicht mit Kolleg/innen ausgetauscht. 

Wir haben uns in unserem Forum agile Verwaltung  und in unserem Forum agil lernen und lehren einmal ziemlich spontan umgehört, um die Frage zu stellen, was für eine Antwort folgendes kleine Filmchen auslöst. Welche neuen Vorstellungen in Schule, Hochschule und Verwaltung auftauchen. Welche Tools man erfolgreich nutzen kann und wo man auf gute Erfahrungen zurückgreifen kann.

Die Antwort aus den agilen Tiefen der beiden Foren kann man hier zur Inspiration lesen. Wir präsentieren: Unser Spezial-Oster-Helix-Magazin 2020.

Otto Kraz

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Vorne auf der Welle

Liebe zukünftigen Leistungsträger&innen.

Hier noch zu Beginn der wohl denkwürdigsten Osterferien eures Lebens ein Bildchen, das ich in meinem Schulmeisterleben wohl am häufigsten an die Tafel gezeichnet habe. Um darauf hinzuweisen, dass man mit einem veränderten Blickwinkel Schule, weg von blöden Lehrern, doofen Hausaufgaben und ungerechten Noten ... das kann man einfach nicht ändern, da hat man keinen Einfluss drauf ... hin zu den eigenen Fähigkeiten und Stärken, also hin zu dem, was viele von euch in den letzten 3 Wochen Schule zu Hause bemerken konnten, Schule ganz anders sehen kann. Als zukünftige/r Leistungsträger/in. Denn wenn du dir klar machst, dass du in ein paar Jahren definitiv keine Schülerin, kein Schüler mehr sein wirst und in 10 Jahren in der Berufsausbildung oder im Beruf steckst ... als ganz normaler Mensch, der eben jetzt noch jung ist, noch etliche Grundlagen einpacken muss, bis es dann für englischsprachige Videokonferenzen oder mathematische Grundlagen im Studium als Virologe reicht ... dann werden blöde Lehrer, doofe Hausaufgaben oder ungerechte Noten zu Papiertigern. Schöne Ostern. Otto Kraz

Und meine Grundbehauptung gilt: Wenn du es schaffst, in den Osterferien über diesen Blog der letzten Wochen nachzudenken (Wer hier auf der Seite neu landet, der kann diesen Workshop für Köpfe zukünftiger Leistungsträger jederzeit nachholen, indem er/sie auf Start zurück geht) nur im Kopf den Schalter umzulegen, dann stehst du, wenn die Schule wieder beginnt, vorne auf der Welle, ohne dass du Schulstoff gebüffelt hast.


Perspektivenwechsel - heute für Lehrer&innen

Und dieselbe Sache gibt natürlich auch für Lehrpersonen. Die wichtigen Grundlagen sind nach der Hattie-Studie ein wenig anders als bei den Schülern. Hier ist der Männchen an der Pumpe der Lehrer.

Schlossbau durch Perspektivenwechsel

Nach den Erkenntnissen der weltweit größten Bildungsstudie. der Hattie-Studie, sind die Bereiche unter dem Schloss für die Noten genauso wichtig wie das Lernen selbst. Der Untergrund bestimmt die Größe des Schlosses. Ohne einen stabilden Untergrund kein stabiles Schloss.


Prozent? Was's das?

Ja stimmt ... ich hatte gesagt, dass ich dann mal weg bin. Aber in Sachen Prozentrechnen muss ich als alter Mathe-Schulmeister doch noch was auf meine Art loswerden. Jetzt übrigens nicht in erster Linie für euch Schüler/innen, sondern für euch ganz persönlich, die ihr Opas und Omas habt, die in Sachen Prozent offentlichtlich extrem häufig überhaupt keine Peilung mehr haben. Aber zumindest ihr solltet ihnen das doch bitteschön professionell erklären können, dass sie danach kapieren, warum sie im Moment. nicht mehr just for fun in den Supermarkt gehen sollten. Prozentrechnen. Klasse 7. Haut rein und überzeugt eure Omas und Opas. Bitte. Der Otto


Es ist Zeit für einen Perspektivenwechsel

Das "Schule ist doof" im Kopf ist ein Klotz am Bein. Otto Kraz

Willkommen in der 3. Woche ohne Schule. Zeit für einen Perspektivenwechsel auf dieselbe. Als Lehrer/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Schüler/innen alles so drauf haben. Als Schüler/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Lehrer/innen eigentlich so alles drauf haben. Als Eltern hat man inzwischen gemerkt, dass Unterrichten doch nicht so einfach ist. Und jetzt?

Perspektivenwechsel. Ich habe ihn für Schüler/innen einmal getrickfilmt. Für Neuankömmlinge: Der Perspektivenwechsel wurde seit 2 Wochen hier entworfen. Um zu verstehen, gehe man bitte auf START. Vier Erfolg. Es lohnt sich.

Otto Kraz

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Elfte

Ich hatte gestern versprochen, noch was zum Thema Streber und Spießer zu sagen.

Zuerst aber etwas zur Gehirnforschung. Die Natur hat uns Menschen mit verschiedenen Hirnabteilungen ausgestattet. Ich vereinfach mal extrem, aber so lässt sich leichter erklären, wie man von Montag auf Dienstag plötzlich viel besser in der Schule werden kann - nachhaltig  ... allerdings braucht es dazu ein kleines Kunststück. Man müsste eigentlich "nur" den Schalter von der Nix-wie-weg-Hirnabteilung in die Coole-Sache-Hirnabteilung umlegen können und man würde merken, dass sich Schule plötzlich völlig anders anfühlt. Denn die Abteilung Nix-wie-weg ist der Hirnbereich, der genau dann eingeschaltet wird und schnell und umgehend arbeitet, wenn ein Ungeheuer aus dem Gebüsch herauskommt. Dann haut man einfach schnell mal ab, um zu überleben. Heute gibt es diese wilden Tiere nicht mehr, die aus dem Gebüsch herauskommen. Dafür gibt es z.B. Vokabeltests, die am nächsten Tag angekündigt sind. Auch da lernen die meisten mit dem Nix-wie-weg-Hirn. Leider ist diese Abteilung zwar schnell und abrufbar unterwegs, aber vergisst das Ungeheuer auch schnell wieder. Hätte man als Steinzeitmensch all die Gefahren des Lebens nachhaltig abgespeichert, dann wäre man irgendwann an diesem Leben verzweifelt. Die schönen Dinge des Lebens, die werden aber immer im Coole-Sache-Hirn verarbeitet und das ist eine ganz andere Angelegenheit. Mit dieser Gehirnabteilung wird Lernen, also Abspeichern, Ausprobieren, Experimentieren, Angreifen, Umsetzen, Besser-werden, Gut-sein-wollen, neugierig-sein etc ... nicht gerade zum Kinderspiel, aber alles macht einfach viel mehr Laune und ist um ein Vielfaches erfolgreicher. Bei weniger Anstrengung und Arbeitseinsatz. Da bekommt Schule und Lernen was von Freizeit. Ich weiß, allein so ein Satz schüttelt so manchen Schüler. :-)

Nun gibt es Menschen, die haben das Glück, dass sie einfach leicht lernen. Warum auch immer sei dahingestellt. Natürlich machen sie das im Coole-Sache-Hirn, das viele Schüler/innen für die Schule überhaupt nicht kennen. Die Nix-wie-weg-Lerner und -innen nennen die Coole-Sache-Hirn-Lerner oft Streber. Ein Unwort. Denn eigentlich will das ja jeder. In der Schule locker lernen, sich leicht Dinge merken können und Lust haben, am Ball zu bleiben und vorne auf der Welle zu stehen. Aber aus welchen Gründen auch immer haben alle Nix-wie-weg-Lerner überhaupt keine Vorstellung, dass sie auch für das Thema Schule eine Coole-Sache-Abteilung im Hirn besitzen. Also drücken sie ihren Neid auf die Coole-Sache-Lerner durch den Schlachtruf "Du Streber!" aus. Na ja und Neid, das ist bekanntlich die kleine Schwester vom Spießer, der dem Nachbarn das neue Auto nicht gönnt. Ja das war der Zusammenhang. Euer Otto Kraz


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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zehnte

Und wieder muss ich den neu hier Eintreffenden eine kleine Erklärung abgeben. Diese Videos sind zwei Jahre alt und haben über 70 Versetzungsgefährdeten geholfen, versetzt  zu werden. Jetzt dienen dieselben Videos den hier mitlesenden und zuschauenden Schüler/innen und späteren Leistungsträger/innen der Gesellschaft über eine Blickwinkeländerung auf Schule zu einer völlig andere Leistungssteigerung in der Schule selbst zu verhelfen. Stark zurückzukommen aus dieser unwirklichen Homeschoolingzeit. 

Deshalb hier nochmals das Bild dazu. Ich habe es wirklich sehr oft erlebt. Diese Umschalten von heute auf morgen. Aber es hat sich in der Pädagogik leider noch nicht durchgesetzt. :- )Aber es reicht mir ja auch, wenn ich immer wieder von einzelnen zukünftigen Leistungsträgern und - innen rückgemeldet bekomme, was einfach nur durch eine andere Einstellung an Zeit an ödem Paukens eingespart werden kann. Und das Lernen selbst zur Entspannung wird. Es ist allerdings auch ein echter Paradigmenwechsel. Wer ihn vollzogen hat, der sagt zu jemand, der einen als "Streber" bezeichnet, "Spießer der Zukunft" und dreht sich ganz cool um. Aber dazu später mehr.

Otto Kraz

 

 

 

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Ich weiß, ich wiederhole mich - aber hier schlagen immer wieder neue Leute auf und wenn man dann einfach zum Beispiel diesen podcast number seven ohne Vorinformation anschaut, dann steht man im Wald. Deshalb zurück auf Start.

Und wenn einmal Verwirrung entsteht wegen den Noten. In der Schweiz ist die 6 aus Deutschland eine 1. :-) Otto Kraz

p.s. Heute erzählt das Gesicht unseres damaligen Projekts, Sascha d'Angelo, Pilot bei der Suisse, wie er selbst seine Blickwinkeländerung erlebt hat.

Liebe Lehrer/innen

Ich denke, die beiden Wochen waren für viele ein dauerndes Suchen nach den richtigen Plattformen. Gestern kam auch noch Google mit einer Schulplattform dazu. Ich habe es nur gelesen und mich gefragt, ob es nicht genau jetzt richtig wäre, sich einmal mit seinen Kolleg/innen an der Schule über die Erfahrungen auszutauschen, die so viele jetzt selbst gemacht haben. Weil es ja keine wirklichen Erfahrungen gibt. Vielleicht könnten dann ein paar auch mal bei Google spickeln und was draus lernen. Oder eine Idee verwenden? Ich bin nicht mehr im Schuldienst. Aber der Überblick über den Aufbau sieht nicht schlecht aus - wenn man mal vom Datenschutzproblemen, Abhängigkeiten etc absieht. :-) Deshalb: Ausprobieren und die besten Dinge für die Zeit nach Corona merken.

 

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Als Text heute ein Bild. Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Achte

Für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern

Keine Sorge, die Schweizer Reihe wird morgen fortgesetzt. Na ja,  bis ich fertig geschrieben habe, bis heute. Ich versuche heute mit einer Geschichte zu erklären, warum ich so sehr auf die Haltung der Schule und den Lehrern gegenüber Wert lege. Warum ich behaupte, wer als Lernende/r und gleichzeitig zukünftige/r Verantwortungsträger/in im Beruf und als Mama oder Papa (Ja klar, später mal) in den drei Wochen Homeschooling ohne Schule und direktem Notendruck lernt, wie Lernen individuell funktioniert und dabei den Blick auf Schule ändert, der kann nach den Osterferien, sollte da die Schule wieder öffnen, locker und aufrecht einsteigen. Wer in diesen 3 Wochen aber das Gefühl aufbaut, dass er dem Druck der vielen Arbeitsblätter nicht gewachsen und ohne Lehrer als Dompteur des Lernens hilflos ist, für den werden diese 3 Wochen auf ein Negativkonto gebucht. Der Ausfall von 3 Wochen Stoffvermittlung ist in Wirklichkeit kein Problem. Weil es allen so geht. Ich hatte selbst kurz vor dem Abitur ein Kurzschuljahr. Weil man den Schulanfang von Februar auf September geschoben hatte. Ein halbes Schuljahr weniger Stoffvermittlung. Man hat es uns nach dem Abi nicht angemerkt. :-) Weil es ja für alle gleich war.

Ich versuche jetzt noch einmal meinen speziellen Ansatz hier auf diesem Blog speziell für Lernende, aber dadurch natürlich auch für aufgeregte Eltern von Lernenden und nebenbei auch klammheimlich für Lehrende, zu erläutern.

Hier eine Geschichte zum Thema - ein Ausschnitt aus einem früheren Filmchen von mir. Die einfache Technik dieses Visualisierens werde ich später hier auch für Lehrende erläutern - habe ich versprochen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Siebte

Für die Lernenden

Für alle, die hier zum ersten Mal aufschlagen: Hier werden täglich Filmchen hochgeladen, die zu einem Projekt gehören, das über 70 Schweizer versetzungsgefährdete Schüler/inen vor zwei Jahren retten sollten ... und gerettet haben. Ich weiß, hier kommen keine Versetzungsgefährdeten vorbei, aber viele haben gerade Angst, den Anschluss an die Mitschüler/innen zu verlieren, die  ja ebenso wie ihr die Aufgaben eurer Lehrer/innen im "Homeoffice" bewältigen müssen. Habt übrigens auch Nachsicht mit euren Lehrer/innen. Ich weiß inzwischen aus vielen Berichten, dass gerade auf beiden Seiten - auf der Seite der Lernenden&Eltern und der Seite der Lehrenden&Behörden sehr viel unternommen wird. Dass probiert wird, was geht und was nicht geht. Wer erwartet, dass es doch eine Blaupause für diese Situation geben müsste, der täuscht sich eben. Solch eine Situation gab es auf dieser Welt noch niemals. Ihr werdet später Zeitzeugen in der Geschichte sein und später eigene Geschichten erzählen können, die es nur einmal gibt. "Daraus könnten wir verzichten" meint ihr? Ja ... ich auch. Also bitte: Habt Nachsicht mit euren Lehrer/innen, die bisher immer wussten, wie man am besten unterrichtet. Je mehr ihr jetzt rückmeldet, was funktioniert und was nicht, wo man nachbessern könnte und wo man etwas streichen sollte, desto besser wird die Entwicklung eurer Ausbildung. Nehmt sie also selbst mit in die eigene Hand. Bildet Teams, wo es geht. Gebt euren Lehrer/innen ehrliches Feedback und macht euch klar: Eure Lehrer/innen könnt ihr im Moment nicht fragen, wie man am besten solch eine Krise meistert. Aber zusammen mit ihnen könnt ihr ganz viel verändern. Ja ich weiß: Eine sehr unwirkliche Aussage. Aber wir leben in unwirklichen Zeiten. Euer Otto Kraz

p.s. Ich wollte eigentlich am Anfang nur sagen: Wer hier neu aufschlägt, sollte bei den ersten Videos dieser Reihe anfangen und höchstens ein Video pro Tag anschauen. Es geht nicht darum, mit einem Marathon von 10 Filmen am Stück den Blickwinkel zu ändern und ein stärkerer Schüler zu werden. Dieser Prozess bedarf viel Nachdenken und viele Gespräche mit Freunden und -innen darüber. Und über Schule an sich.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Sechste

Heute auch mal für die Mamas und Papas

Homeschooling war gestern und heute auch eins der großen Themen beim riesig großen Hackathon WirVsVirus

Sehr beeindruckend, wie viele tausend Menschen Ideen zusammen entwickelt haben. In dem Zusammenhang habe ich auch Sabine Schwittek von den Verwaltungsrebellen "getroffen" - virtuell eben - und sie hat mir für diesen Blog ein wunderbares Dokument überlassen, das ich veröffentlichen darf. Sabine ist selbst gerade Mama im Homeschool-Office ihrer beiden Söhne. Vielleicht kann es Sie als Mutter oder Vater inspirieren, die Woche für Ihre Kinder planbarer zu machen.

Download
Agiles Homeschooling
Eine starke Grundidee, um in der zweiten Woche einmal zu experimentieren.
Agiles Homeschooling_V1.2.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.1 MB
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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Fünfte

Liebe Fachleute der Zukunft. Ich erkläre euch noch einmal kurz, was es mit dieser kleinen Motivationsfilmreihe auf sich hat. Ihr habt nun eine Woche Schule ohne Lehrer/in hinter euch. Und ihr werdet sicher merken, dass diese Sache doch gar nicht ganz so einfach ist. Das liegt unter anderem natürlich daran, das ihr solche eigenständige Arbeit überhaupt nicht gewöhnt seid. Schulen arbeiten meistens nach wie vor nach dem Prinzip, dass die Lehrperson den Zeittakt vorgibt. Findet ihr die Lehrperson gut, dann ist das eher einfach. Findet ihr sie doof, eher schwierig. So ticken unsere Köpfe. Aber jetzt habt ihr keine Lehrperson mehr, die den Zeittakt vorgibt. Ihr habt meist nur die Aufgabenstellung und Arbeitsblätter. Jetzt könnt ihr nur noch euch selbst gut finden, denn jetzt gebt ihr den Zeittakt vor. Sich selbst gut zu finden funktioniert am besten, wenn man seinen Blick auf das Lernen vom Üblichen weg in eine ganz andere Richtung lenkt. Weg von Schule und Noten. Hin zur Zukunft von euch selbst als Leistungsträger oder -in der selben. Also der Zukunft. Denn sorry, wenn ich sagen muss. Man steckt als Gesellschaft nicht fast 10 000 Euro jedes Jahr in deine persönliche Schulausbildung, dass du später nichts draus machst. Du wirst also gnadenlos einmal Verantwortungsträger oder -in sein. Und dafür solltest du einfach möglichst klug aus der Schulzeit herauskommen. Also hau rein und schau dir in der zweiten Woche Schule ohne Lehrperson einmal dieses  Verantwortungsträgerdasein ganz in Ruhe an. Es stört dich niemand dabei.

Gruß Dein Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Vierte

Diese Reihe kleiner Lern-Motivations- und Blickwinkeländerungsfilme haben vor zwei Jahren mitgeholfen, 73 versetzungsgefährdete Schweizer Neuntklässler/innen davor zu bewahren, sitzenzubleiben. Der Hintergrund für die damalige Aktion: Die Schüler/innen  von 17 Schulen hätten keine Klasse gehabt, in die sie sitzenbleiben hätten können. Also wurde die Idee eingesetzt, an der Motivationsschraube zu drehen.

Jetzt nach einer Woche HomeOffice für Schüler/innen könnten die Filme für den einen oder die andere vielleicht helfen, an der eigenen Motivationsschraube zu drehen. Und dafür den Blickwinkel auf Schule zu verändern. Der Aufwand ist klein, die Effektivität vielleicht riesig.  Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Dritte

Für alle, die sich erst heute einklinken. Startet nicht hier, sondern hier. Sonst versteht ihr manches nicht, was dieser Film für Absichten hat.

Und dann noch etwas. Wie wäre es, wenn ihr euer Wissen über Prozentrechnung an eure Großväter oder Großmütter weitergeben könntet. Denn eure Großeltern scheinen das echt vergessen zu haben. 33% aktuelle Steigerung der Infektionen in Deutschland heißt eben nicht, dass jeden Tag 33 Infizierte hinzukommen. Ihr habt das Wissen. Erzählt es euren Großeltern. Erklärt ihnen das doch einmal mathematisch, warum sie keinen lustigen Corona-Stammtisch mehr abhalten sollten, weil ihr keine Lust hättet, an Ostern auf ihre Geschenke zu verzichten. 😎😎😎

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zweite

Schön, dass du noch dabei bist. Wer sich neu zugeschaltet hat, der beginne bitte am Anfang dieser speziellen Corona-Reihe.

Für alle anderen ist inzwischen vielleicht klar geworden, dass hier der Fokus für die nächsten Wochen nicht auf Methoden zur agilen kollaborativen Zusammenarbeit liegt - das läuft so nebenher. Es geht darum, diese unwirklichen Zeiten aktiv zu nutzen, um sich zusammen mit einem Lernteam das Thema Schule einmal ganz anders durch den Kopf gehen zu lassen. Weil es Sinn macht, neben den Hausaufgabe, die man bekommen hat, eine ganz andere Stärke entwickeln zu lernen. Die Stärke, wenn man einmal wirklich versteht, wie Lernprozesse ablaufen und was Selbstmotivation für ein großartiger Antrieb sein kann. Und das hat nichts mit Schule zu tun. Nur mit Lernen. Lernen bekommt eine andere Perspektive, wenn man sich darauf einlassen kann. Die richtige Blickwinkeländerung auf Lernprozesse macht Schule nach Corona einfacher und erfolgreicher.

Projekt Reservetank

Die Filme, die ich hier für euch jetzt in den nächsten Tagen einbauen werde, habe ich vor zwei Jahren schon einmal benutzt, um über 70 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen in der Schweiz mental dabei zu unterstützen, nicht sitzenzubleiben. Der politische Grund, warum ich diesen Job bekam, hieß: Sie durften nicht sitzenbleiben, weil es aufgrund von aktuellen Schulentwicklung für diese 9.Klässler/innen keine Nachfolgeklassen gab. Wie groß der Anteil dieser Inputreihe an dem Erfolg war, sei einmal dahingestellt. An allen Schulen waren mit mir vernetzte Begleitlehrer/innen, die mit einem Heft und den Videos versucht hatten, die Schüler/innen vor Ort fit zu machen.

Auf alle Fälle wurden alle versetzt.

ich hatte es gestern schon angedeutet. Ich mache seit Jahren diese mentalen offenen Versetzungsprojekte - meist um Ostern herum. Damit sich junge Menschen in Not selbst aus dem Sumpf ziehen können. Meine Behauptung, auch ohne diese Not: Wer Durchschnittnoten hat und wenig Ehrgeiz, bessere Noten zu schreiben, der profitiert trotzdem enorm, wenn er sich einmal über Lernprozesse, Gehirnforschung und agiles Lehren seine Gedanken macht. Bessere Noten ohne mehr zu lernen. Und außerdem Schule ganz anders sehen. Das wäre mein Tipp für alle, denen ihr schulischer Ist-Zustand reicht, die aber trotzdem nichts dagegen hätten, wenn sie echte Motivation verspüren würden, das zu tun, was man in der Schule eben so tut. Leben und lernen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Erste

Liebe alle, die ihr in ein paar Jahren diese Welt mitverantwortlich im Griff halten müsst und Noten dann keine Rolle mehr spielen werden. Nur noch eure Kompetenzen und Fähigkeiten, die ihr bis dahin im Rucksack tragt.

 

Ich habe das ja gestern schon gesagt, das ich hier keinen agilen Scrum-Kurs für drei Wochen vorstellen will. Das ist etwas, was ich eher Lehrer/innen empfehlen würde, sich in diese Richtung aufzumachen. Weil es auch Lehrer/innen gut tut, mit selbstständigen Schülerteams zusammenzuarbeiten.

Mir geht es aber um diese 5 Wochen bis nach den Osterferien. Und ich behaupte, dass ihr, auch wenn ihr auch nur jeden der folgenden Tage ernsthaft versucht, euren Blickwinkel auf Schule zu verändern, dann als andere Schüler/innen nach den Osterferien zurückkommt. Aufrechter und selbstbewusster. Weil ihr dann viel über das Lernen an sich mitgenommen habt. Und klar, wenn ihr es dann noch verknüpft mit dem Fach-Lernen im Team, dann ist es doppelt erfolgreich.

Ich setze meine Blickwinkeländerungskampagne für euch hier einmal fort. Und zwar mit der Geschichte von einem Job, den ich vor zwei Jahren gemacht habe. Ein wenig Mission impossible - von außen gesehen. Die Aufgabenstellung: 73 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen, die nicht sitzenbleiben durften, weil es keine Nachfolgeklassen gab. Ein reines Mentalprojekt mit der schlichten Idee, dass man nur bewusst an der eigenen Selbstmotivationsschraube drehen muss und die Welt sieht plötzlich völlig anders aus. In Notsituationen funktioniert das auch wunderbar. Letztendlich, habe ich mir sagen lassen, wurden alle versetzt.

Die Quintessenz des Filmchens: Man kann sich selbst aus dem Sumpf ziehen, wenn man den richtigen Rahmen dafür findet. In den letzten 15 Jahren war es ein spannendes Arbeitsfeld von mir, durch pure Motivationssteigerung solche Prozesse loszutreten. Allerdings funktionierte es immer nur entweder bei Versetzungsgefährdeten oder bei sehr starke Schüler/innen. Das große Mittelfeld konnte ich nie erreichen, weil da wohl die Noten kein wirkliches Problem darstellten und keine Not existierte. Schade fand ich das immer. Weil es ja nicht darum geht, auf Noten zu schauen, sondern auf den genussvollen Lernprozess, wenn man in der Lage ist, sich ihn genussvoll zu gestalten. Deshalb versuche ich es gerade mal wieder klammheimlich. :-) Immerhin sind die Zeiten möglicherweise durch diese landesweiten Schulschließungen genau richtig dafür. Vielleicht empfinden gerade doch so einige, wie es sich anfühlen würde, wenn es keine Schule gäbe. Wie es sich anfühlt, sich selbst dazu zu bekommen, etwas zu lernen. Ohne den Lehrer vorne an der Tafel.

Das Motto hier auf diesem Blog für die nächsten Tage könnte sein: "Ändert euren Blickwinkel und kommt gestärkt und selbstbewusst aus dieser unwirklichen Phase unseres Lebens wieder heraus."

Wenn schon Corona, dann sollte man vielleicht doch ein wenig für die Zukunft tun. Als zukünftiger Verantwortungsträger. Mit der eigenen Bildung, die man aktiv vorantreibt, wäre da schon viel erreicht.

Morgen mehr davon.

Gruß

Otto Kraz