SchüLehr:in meets Wirksamkeit

Man muss den Sog der Gruppe spüren lernen

 

2 Kollektive Wirksamkeitserwartung - Effektstärke 1,43

 

Also die zweithöchste Effektstärke in der aktuellen Hattie-Studie. Und jede:r kennt es. Selbst bei der Fußball-WM. Kollektive Wirksamkeitserwartung. 

 

Schule ist durch den viel zu starken Fokus auf die zentralen Fächer nicht auf „Wollen“ angelegt. Von Lehrerseite schon, von Schülerseite meist nicht. Schüler:innen sind ganz normale Menschen, nur eben junge und manchmal verpackt in Entwicklung und Gehirnumbau und wir Menschen lassen uns gerne an unseren Fähigkeiten messen und nicht an unseren Schwächen und Fehlern. Liefe Schule unter dem Motto: “Lasst uns mal eure Fähigkeiten suchen und entwickeln, damit ihr nach der Schule einen starkes Leben leben könnt und der Gesellschaft das zurückgeben könnt, was sie gerade in euch stecken (immerhin 9.200 Euro im Durchschnitt im Jahr 2021) … und bei der Suche und Entwicklung wäre allen Beteiligten klar, dass es bei dieser größten gesellschaftlichen Veranstaltung nicht darum geht, individuell möglichst gut in den einzelnen Fächern zu sein, damit man später individuell möglichst viele Berufsmöglichkeiten hat, sondern dass es doch ganz klar um die Entwicklung aller für die Zukunft geht. Eigentlich. Schule für alle wurde „erfunden“, weil sie Gesellschaften reicher gemacht hat. Das Ziel von Schule 2023 sollte sein, unsere Gesellschaft auch 2043 noch stabil halten zu können … mit den zugehörigen Leistungsträger:innen - und das sind die Schüler:innen von heute. 

 

Teamfähigkeit wurde schon vor 30 Jahren als Begriff im Rahmen der Schlüsselqualifikationen für Schüler:innen eingeführt. Aber wirklich ernst genommen wurde es von keiner Seite. Wenn ich z.B. als Mathelehrer in Elterngesprächen die Teamfähigkeit des Sohnes hervorgehoben hatte, war das meist nicht wichtig für die Eltern. Was zählte waren die Noten in Mathematik. Obwohl z.B. sich schon Rolf WERNSTEDT (1994) - einst Kulturminister von Niedersachsen - zum Thema Schlüsselqualifikationen im Zusammenhang mit den bestimmenden Elementen der Hochschulreife äußerte… :

„Die Schlüsselqualifikationen bedeuten eine Abkehr vom traditionellen Lernverständnis. Nicht mehr das in Einzelteile zerlegte Wissen und seine Aneignung stehen im Mittelpunkt, sondern die Lösung komplexer Aufgaben.
Das verlangt
Denken in Zusammenhängen, Verabredung mit anderen, Controlling und Selbstkritik sowie Zielgerichtetheit.
Die schlagwortartige Zusammenfassung dieser Kompetenzen in
 

o Sachkompetenz,
o Methodenkompetenz,
o Sozialkompetenz und
o Selbstkompetenz

macht eine Neubesinnung des Bildungsverständnisses auch für die allgemeinbildenden Schulen erforderlich.“

… ist sicher jedem klar, dass diese Grundidee auch nach 30 Jahren noch nicht zentral an den Schulen angekommen ist. In der Hattie-Studie taucht die Idee natürlich zentral auf. Methodenkompetenz - Sozialkompetenz - Selbstkompetenz = Kollektive Wirksamkeitserwartung. Hocheffizient für den Lernprozess. Damit lässt die die hochverehrte Sachkompetenz doch locker gleich mitins Boot holen.

SchüLehr:innen sind bestens geeignet, als Coachs kollektive Wirksamkeitserwartung zu erzeugen. Mit der richtigen Vorbereitung, das sei vorausgesetzt.

Damit endet mein offener Brief an die vielen gestressten Schul-Direktor:innen, die im Moment die verzweifelte Aufgabe haben, mit zu wenigen Lehrer:innen das nächste Schuljahr voll zu planen. 

SchüLehr:innenschule - eine Sommeridee 2023 - denken Sie doch mal entspannt drüber nach.