Urps und Glubsch, das waren die beiden kleinen Gestalten, mit denen wir am Faust-Gymnasium vor 20 Jahren anfingen, mit Hausaufgabenheften zu experimentieren. Urps und Glubsch, denen kann man beim Lernen zuschauen. Urps ist immer gut drauf, lernt schnell und effektiv. Glubsch ist der Nullbock-Typ, der natürlich deshalb im falschen Gehirnbereich lernt. Wenig effektiv und nicht nachhaltig. Die Gehirnforschung lässt grüßen.
Die Hausaufgabenhefte der größeren Bauart gibt es noch immer als Lerntagebücher für Klasse 4 und 5 - ...
diese neue kleine abgespeckte Version, die auf dem Schreibtisch liegen soll, um sich vor den Hausaufgaben das Lied der Woche auf die Ohren zu legen (Abteilung SkillSuit aus dem Hause Kraz), um
dann von Glubsch auf Urps zu schalten und die Effektivität des Hausaufgaben-Erledigens dann zu bewerten, wurde gerade „veröffentlicht“.
Also hochgeladen bei epubli, dass man sich das neue Produkt aus dem Hause Kraz on demand bestellen kann.
Lernende müssen verstehen, warum sie etwas lernen sollen, sonst macht Lernen keinen Sinn.
Lernen ist harte Arbeit … für Menschen aller Altersstufen. Da benötigt man Sinn.
Gehirnforschung: Wer mit Vollbock lernt, also als Urps, dann arbeitet das Gehirn in einem sehr effektiven Bereich. Wer keinen Bock hat zu lernen, also der Glubsch, der arbeitet in einem
Gehirnbereich, der leider nicht gut speichern kann und nicht schnell und effektiv arbeitet. Also sollte jedem Lernenden klar sein - ob jung oder alt: Wer sich - gerne auch künstlich - motivieren
kann und mit guter Laune antritt, der lernt schneller und leichter.
Künstlich meint: Nach eigenen Tricks suchen, die wirken. Die kleinen Motivationssongs aus dem Heft oder auch: In den Spiegel schauennund breit grinsen. 😂😂😎
Hausaufgaben mit diesem kleinen Heft machen ist wie eine persönliche Challenge, in der man sich selbst kennenlernen und optimieren kann. Zur großen Zufriedenheit der eigenen Eltern. 💪 Und natürlich für die eigene Zufriedenheit. Ziel: Immer mehr zulegen und besser werden.
Im März 26 kam eine neue Jugendstudie heraus. Fast 1/3 aller Jugendlichen in Deutschland wünscht sich psychologische Hilfe. Ein Drittel kommt mit sich und der Welt nicht klar. Grundschuleltern
aufgemerkt … das sind eure Kids in 5 bis 10 Jahren. Immer wieder lese ich an anderen Stellen, wie falsch Jugendliche ihre eigene Leistungsfähigkeit einschätzen. Überschätzen. Lieber abtauchen und
dann wenig angreifen. Lieber von Großem träumen, als nach Wegen zu suchen, die zu Großem führen könnten. Überschätzen der eigenen Leistung erzeugt langfristig aber heftige Selbstzweifel, wenn
einen die Realität einholt … und damit sicher oft den Wunsch nach pädagogischer Hilfe. Ein Drittel alles Jugendlichen. Das ist ein Drittel zu viel.
Mein Tipp: Den Job „Hausaufgaben erledigen“ als Übungsfeld nehmen, um mit seinem Kind die starken Hattie-Faktoren wirken zu lassen und so langfristig Resilienz zu entwickeln.
Hier die wichtigsten Hattie-Faktoren für Schüker:innen.
1. Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus - kann man bei den Hausis gut sehen.
2. Selbstwirksamkeit (self-efficacy) … man kann sich steigern - vom Glubsch zum Urps
3. Metakognitive Strategien - Die Motivationssongs des Heftes sind so eine Strategie
4. Lernstrategien / Selbstregulation - Man hat ein Projekt und kann flexibel damit experimentieren.
5. Anstrengungsbereitschaft / Ausdauer - Hausaufgaben erledigen sind dazu ein starkes Feld
6. Zielklarheit - Mit Urpsgefühlen schneller und viel effektiver Schule machen um möglichst viel Zeit zum entspannten Spielen zu bekommen
7. Feedback-Nutzung (nicht nur bekommen!) - Die Erfahrungen aus dem Heft-Feedback zulassen können.
8. Fehler als Lernquelle nutzen - die Lückensuchfunktion des Heftes aktiv nutzen
Ehrliches Feedback ist sehr lästig und muss trainiert werden … aber am Ende lohnt es sich enorm. Denk an später für deine Tochter oder deinen Sohn. Wer früh selbstreflektierend gefordert wird erspart sich im Leben viele Selbstzweifel. John Hattie würde sicher an dieser Stelle nicken.
Der wissenschaftliche Hintergrund aus der Gehirnforschung - Für Eltern – kurz erklärt
Im Gehirn wirken beim Lernen vereinfacht zwei Systeme: Der „Alarmbereich“ (oft mit der Amygdala beschrieben) reagiert schnell auf Stress. Er hilft bei Gefahr – ist aber kein guter Speicher für nachhaltiges Lernen. Wenn Kinder unter Druck, Zeitstress oder Angst lernen („auf den letzten Drücker“), wird genau dieser Bereich aktiv. Ergebnis: kurzfristiges Behalten, schnelles Vergessen. Der „Lernbereich“ (häufig mit dem Hippocampus in Verbindung gebracht) arbeitet ruhiger. Hier entstehen stabile Erinnerungen – vorausgesetzt, das Kind ist aufmerksam, nicht gestresst und innerlich beteiligt.
Unser Ansatz im Heft zielt genau darauf:
So wird das Lernen emotional „entstresst“ und der nachhaltige Lernmodus eher aktiviert. Die tägliche Selbsteinschätzung unterstützt zusätzlich: Kinder beobachten ihr eigenes Lernen – und stärken damit ihre Selbstwirksamkeit. Kurz gesagt: Weniger „Löwe im Busch“ – mehr ruhiges, aktives Verstehen. Das Ergebnis ist oft: schnelleres Arbeiten und besseres Behalten.
Für deine Tochter bzw für deinen Sohn zum Vorlesen
und als Erklärung, warum dieses kleine Feedbackheft so viel Sinn macht.
Stell dir vor, in deinem Kopf wohnen zwei kleine Helfer. Der erste heißt Alarm-Ami. Alarm-Ami ist super schnell. Wenn plötzlich ein Löwe aus dem Busch springt, ruft er sofort: „LAUF LOS!“ 🦁💨 Dein Herz klopft, dein Körper wird stark – und du kannst blitzschnell
reagieren. Aber: Alarm-Ami merkt sich Dinge nicht lange. Er ist nur fürs Überleben
da.
Der zweite Helfer heißt Merk-Meister Hippo. Hippo ist ruhiger. Er sagt: „Komm, wir lernen das in Ruhe.“ 🧠✨Wenn du etwas wirklich verstehen willst – Rechnen, Lesen, Schreiben, Vokabeln – dann arbeitet Hippo. Und Hippo kann sich Dinge lange merken. So lange, dass du sie sogar nächste Woche noch weißt.
Jetzt kommt der Trick: Viele Kinder lernen wie beim Löwen! 😱 Schnell, hektisch, auf den letzten Drücker. Dann hilft Alarm-Ami. Du kannst es vielleicht noch am nächsten Tag. Aber nach ein paar Tagen ist es wieder weg. Schwupp.
Viel besser ist:
👉 Hirnhut aufsetzen! 🎩
👉 Urps-Modus an! 😄
Das heißt: Du tust so, als würdest du das Lernen richtig gerne machen. Mit deinem Song. Mit deinem kleinen Tanz. Mit deinem „Jetzt pack ich’s“-Gefühl. Dann denkt dein Gehirn: „Ah! Kein Löwe. Alles gut. Wir können lernen.“ Und schon kommt Hippo und hilft dir.
Und jetzt passiert etwas Cooles: Du bist schneller fertig. Und du weißt es
später noch.
Also merk dir: 🦁 Alarm-Ami = schnell, aber vergisst 🧠 Hippo = langsam, aber
merkt sich alles 👉 Lernen = Hippo einschalten 👉 Trick = Hirnhut + Urps
Probier’s aus. Dein Gehirn kann das. 💪😄
Diese Theorie beschreibt die 3 Grundbedürfnisse eines Menschen … die er ab seiner Geburt besitzt. Das Bedürfnis, sozial eingebunden zu sein … das Bedürfnis, sich selbst kompetent zu erleben … und das Bedürfnis nach Autonomie, also etwas selbst machen zu können. Überprüfen kann das jeder bei sich selbst. Beziehungen und Freundeskreis - klar will ich was können und gut sein - und abhängig sein ist kein gutes Lebensgefühl.
Das ist sicher auch eine Erklärung, warum die typischen Hausaufgaben in der Hattie-Studie eine sehr geringe Effektstärke besitzen. Das gilt nicht für Hausaufgaben, die man wirklich freiwillig
machen will, weil man den Sinn versteht und sie dadurch auch wichtig nimmt.
Da das Gehirn viel besser arbeiten kann, wenn die 3 Grundbedürfnisse erfüllt werden, wird mit diesem Hausaufgabenheft der besonderen Art Folgendes erreicht: Der Sinn der Hausaufgaben wird durch
eine Art Challenge mit der eigenen Power ersetzt. Ich verstehe den Sinn, den Schalter von Nullbock auf Vollbock umzulegen, damit ich die Hausaufgaben schneller erledigen kann. Um danach mehr Zeit
zum Spielen zu haben. Statt dem Vater oder der Mutter, die genervt daneben sitzt und Druck macht, setzt die Challenge auf Autonomie. Selbst die Hausaufgaben erledigen bringt einen zusätzlichen
Schub. Der Erfolg zeigt sich dann auch in der Schule, weil die Hausaufgaben eine viel nachhaltigere Wirkung haben. Die soziale Einbindung wächst vollautomatisch, wenn sich der elterliche
ungeduldige Druck in Wohlwollen der eigenen selbstständigen Challenge gegenüber umwandelr.
Mir fällt da eine alte Kraz’sche Visualisierung ein, die hier passt. Die vom dreibeinigen Trampolin. Die hatte ich einst für die Tagungschronik einer Veranstaltung des Forums agile Verwaltung entworfen.
