John Hattie war im Aargau und er hat mich sehr beeindruckt. Ein Jahr älter als ich und immer noch sprühend vor Begeisterung für eine Optimierung des Lernens durch den richtigen Blick auf die Studienlage. Bei inzwischen weit über 400 Faktoren, die in der Hattie-Studie auf Effektivität für Lernprozesse abgeklopft werden, meinte Hattie, dass natürliches fast alle Faktoren etwas zum Lernerfolg beitragen, aber dass sich Schulen doch bitteschön logischerweise um die starken Faktoren kümmern sollten. Die mit den hohen Effektstärken. Also diejenigen, für die ich schon seit langem werbe, seit ich vor 10 Jahren die Hattie-Studie genauer unter die Lupe genommen habe. Diese wirklich starken Faktoren haben fast alle mit Lambda zu tun oder sind ohne ein starkes Lambda nicht denkbar.
Ich sage als Luuise-Coach natürlich auch, dass man Lambda messen kann. Also könnte man als Lehrer:in doch spaßeshalber mal versuchen, den eigenen Unterricht nach der Hattie-Studie neu aufzustellen und ihn vermessen. Meine Behauptung: Man würdest sich wundern, wie gut das tut, wenn man erst einmal die Angstschwelle überwunden hat, den Unterricht von seinen Schüler:innen feedbacken zu lassen. 😎
Hatties eigene Kinder
Darauf will ich heute aber gar nicht eingehen … ich habe die Idee hier in meiner Nische ja schon so oft beschrieben.
Heute geht es um ein neues kleines Heftchen aus dem Hause Kraz und ein Zeitungsinterview mit John Hattie. Ich habe da eine spannende Stelle für mich als „Herausgeber“ verschiedenster Heftchen zum
Lernfeedback gefunden. Was er seine Kinder früher immer gefragt hat, wenn sie aus der Schule kamen.
Feedback ist oft sehr lästig und auch schmerzhaft. Für uns Menschen und damit auch für junge Menschen namens Schüler:innen. Man muss sich oft selbst eingestehen, dass man morgen etwas Schlaues
tun könnte, um eine Verbesserung hervorzurufen. Lernen ist harte Arbeit. Das wird häufig falsch empfunden, wenn man Schule nur nach dem „Wie ging‘s dir heute?“ einschätzt.
Ich bin überzeugt, dass Feedback schon in der Grundschule viel mehr am Mittagessen auf den Tisch gehört. Oder beim Abendessen. Weil es u.a. langfristig auch Resilienz erzeugt. Wer schon früh
daran gewöhnt ist, sich selbst und die eigenen Leistungen richtig einzuschätzen, der bedient einen der starken Hattie-Faktoren und kann sein Leben erfolgreicher leben.
Die wichtigsten Hattie-Faktoren für Lernende
1. Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus
2. Selbstwirksamkeit (self-efficacy)
3. Metakognitive Strategien
4. Lernstrategien / Selbstregulation
5. Anstrengungsbereitschaft / Ausdauer
6. Zielklarheit
7. Feedback-Nutzung (nicht nur bekommen!)
8. Fehler als Lernquelle nutzen
9. Peer-Einflüsse / Klassengemeinschaft
10. Engagement / aktive Teilnahme
Opa Ottos Hausaufgabenheft für Grundschüler:innen
Der Unterschied zum letzten Hausaufgabenheft ist dieses Heft für das direkte Feedback zu dem Hausaufgaben-Erledigen zu Hause. Eine Art
kleines Luuise-Konzept - begleitet von Mama oder Papa. Ziel: Erfolg und Nerven schonen.
Also für eine spezielle Lern-Situation, die ziemlich sehr viele Eltern kennen. 😂 Dieses Zeit vertrödeln bis der Arzt kommt.
Also kein Heft, um Hausaufgaben einzutragen, sondern ein Feedbackheft, mit dem Schulkind sein Hausaufgabenverhalten selbst reflektieren kann, wenn Papa/Mama es zum Einsatz bringen. Mehr hier.
Resilienz
Es kam in den vergangenen Tagen eine neue Jugendstudie heraus. Fast 1/3 aller Jugendlichen in Deutschland wünscht sich psychologische Hilfe. Ein Drittel kommt mit sich und der Welt nicht klar.
Grundschuleltern aufgemerkt … das sind eure Kids in 5 bis 10 Jahren. Immer wieder lese ich an anderen Stellen, wie falsch Jugendliche ihre eigene Leistungsfähigkeit einschätzen. Überschätzen.
Lieber abtauchen und dann wenig angreifen. Lieber von Großem träumen, als nach Wegen zu suchen, die zu Großem führen könnten. Überschätzen der eigenen Leistung erzeugt langfristig aber heftige
Selbstzweifel, wenn einen die Realität einholt … und damit sicher oft den Wunsch nach pädagogischer Hilfe. Ein Drittel alles Jugendlichen.
Mein Tipp: Den Job „Hausaufgaben erledigen“ als Übungsfeld nehmen, um mit seinem Kind die starken Faktoren
1. Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus - kann man bei den Hausis gut sehen.
2. Selbstwirksamkeit (self-efficacy) … man kann sich steigern - vom Glubsch zum Urps
3. Metakognitive Strategien - Die Motivationssongs des Heftes sind so eine Strategie
4. Lernstrategien / Selbstregulation - Man hat ein Projekt und kann flexibel damit experimentieren.
5. Anstrengungsbereitschaft / Ausdauer - Hausaufgaben erledigen sind dazu ein starkes Feld
6. Zielklarheit - Mit Urpsgefühlen schneller und viel effektiver Schule machen um möglichst viel Zeit zum entspannten Spielen zu bekommen
7. Feedback-Nutzung (nicht nur bekommen!) - Die Erfahrungen aus dem Heft-Feedback zulassen können.
8. Fehler als Lernquelle nutzen - die Lückensuchfunktion des Heftes aktiv nutzen
Elternperspektive
Wer sich als Vater oder Mutter täglich darüber aufregt, wie lange das eigene Grundschulkind an den Hausaufgaben rumtrödelt, der sollte einfach mal John Hattie spielen und mit dem Hausi-Feedback beginnen. Und nebenbei - da bin ich mir sehr sicher - viel Gutes für den späteren Seelenzustand des eigenen Kindes zu tun.
Vertiefung des Konzepts
Um das übliche „Ja, kann es ja verstehen, dass Hausaufgaben lästig für mein Kind sind“ umzuwandeln in ein „Mein Kind kann selbstsständig aus lästigen Hausaufgaben eine starke Selbstbewusstseins-Muckibude aufbauen, wenn ich es richtig dabei unterstütze“ … lohnt sich eine weitere Vertiefung der Kraz‘schen Theorie und Praxis von den Hausaufgabenheften der besonderen Art.
Inzwischen kann man sich das Heft auch bei epubli ausdrucken lassen … oder die Ideen dahinter einfach selbst kreativ in ein kleines individuelles Hausaufgabenbegleitungschallenge-Heft umwandeln. Eigene kreative metakognitiven Strategien für die eigene Tochter oder den eigenen Sohn auf der Basis der Hattie-Studie bzw der Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan wirken natürlich noch einmal effektiver … benötigen allerdings viel Zeit.


