Eine kleine Krazelei zum Thema Biss&Schulleistung, die ich am Ende des Blogbeitrags für Omas und Opas erläutere. Ja klar auch für andere Interessierte. :-)
Es war einmal
Ich bin gerade dabei, all meine Feedbackhefte durchzusehen und hier kompakt vorzustellen ... immer mit ein paar neuen Gedanken zu den Heften.
Nehmen wir heute einmal die "school is cool" - Hefte, die ich 2022 gebastelt hatte und 2023 nochmal neu besprochen.
Wer sich schon länger in der Kraz'schen Bildungsnische tummelt, weiß vielleicht, dass meine ersten Schritte in die neue Welt der Feedbackhefte gut 20 Jahre zurückliegt ... als eigenes Skript für das neues Fach SoMeLe (Soziales- und Methoden-Lernen) entwickelt - wir hatten gerade ein eigenes Fünferhaus am Faust-Gymnasium Staufen eingerichtet und wollten den Start unserer Fünftklässler:innen in die gymnasiale Welt neu ausrichten. Die Idee war neu, jede:r Klassenlehrer:in bekam eine Stunde zusätzlich für SoMeLe - die inhaltliche Befüllung war individuell .. Ich wollte dabei nicht von Stunde zu Stunde arbeiten und hatte mir deshalb meinen eigenen Lehrplan für das eine Jahr SoMeLe in zwei Hausaufgabenheften "versenkt" - alle meine Fünferhaus-Teamkolleg:innen wollten mitexperimentieren. So wurden die ersten Hefte Teamprodukte und unsere Fünft- und Sechsklässler jahrelang damit erfolgreich versorgt.
Für mich war er ein Augenöffner aus der eigenen Praxis heraus: Feedback ist der Schlüssel zu den meisten verschlossenen Schulproblem-Türen, die sich Lehrenden und Lernenden in den Weg stellen. Ich folge diesem Schlüssel also seit 20 Jahren und finde immer wieder neue Aspekte. John Hattie lässt grüßen. Seine Studie weitet sich ja auch immer noch aus.
Warum schon Feedback ab der 1. Klasse
Wenn die weltweit größte Bildungsstudie immer wieder die Selbsteinschätzung der eigenen Lernleistung bei Millionen von Lernenden als effektivsten Lernbooster nachweist, dann sollte man ihn doch bitteschön auch nutzen. Diese Idee, die Selbsteinschätzung zu fördern. Deshalb Feedback, Feedback, Feedback. Und warum nicht schon in der ersten Klasse ... ganz spielerisch, aber sehr ernsthaft. Denn es ist der Schüssel zum Erfolg. Es muss Teil der eigenen Lern-DNA werden, bevor der Gehirnumbau namens Pubertät alles durcheinanderwirbeln will. Und dabei speziell alle Gehirnabteilungen, die vorher nicht benutzt wurden, entsorgen will. Wenn Feedback aber fester Bestandteil der Lern-DNA ist, kann sie locker auch die Pubertät überdauern.
Deshalb, ihr Mamas und Papas von Grundschulkindern. Tut euch für später was Gutes ... und euern Kindern gleich was richtig Gutes dazu mit. Auch bei euren Kids kommt die spannende Hirnumbauphase, die uns Menschen zu Erwachsenen macht.
Probiert es doch einfach mal aus. Hier sind die Heft-pdfs zum Ausdrucken.
Das ist die Idee hinter dem Heft.
Wer weiß, wo er sich befindet, der ist immer im Vorteil. Das Wissen, wo man sich befindet, bekommt man im weitesten Sinne immer über Feedback. Feedback ist für uns Menschen lästig und es fällt uns oft schwer, dies einzufordern. Obwohl wir wissen, dass natürlich auch im Erwachsenen-Leben das Wissen über das Wo-stehe-ich? eine wesentliche Erfolgskomponente ist.
Schüler:innen sind ganz normale Menschen, nur eben junge. Sie sollten möglichst früh Feedback als Booster begreifen können.
An die betreuenden Omas und Opas
Wie oft habt ihr denn eure Enkel schon gefragt: "Und? Wie war heute die Schule?"
Schon daraus könntet ihr ein eigenes wunderbares Einstiegsfeedbackheft füllen. Könnte man die Kraft von Feedback direkt spüren, würden alle Omas und Opas dieser Welt natürlich darauf setzen. Man spürt sie aber leider nie direkt ... direkt ist Feedback eher lästig und zeitraubend. Aber Omas und Opas haben ja die Zeit. Deshalb mein Aufruf: Ihr Großeltern: Nutzt den Feedback-Booster für eure Enkel:innen. Werdet professionelle Feedback-Omas und -Opas.
Kanban-Board und Enkel:innen
Omas und Opas: Nutzt eure Zeit und die Erkenntnisse aus effektiven agilen Projekten. Denn die Schullaufbahn eurer Enkel:innen ist ein hochagiles Projekt in einem sehr engen Korsett namens Schule. Da wird so ein Oma- oder Opa-Board zum echten Booster. Mehr im Heft.
Bei epubli auch in Farbe auszudrucken
Klar, Kinder lieben Farbe ... deshalb habe ich damals die beiden Hefte nicht nur in Schwarz-Weiß bei epubli hochgeladen. Mein Tipp an die betreuenden Omas und Opas, die sich zum Kanban-Großeltern entwickeln wollen: Druckt euch ein paar Seiten aus dem pdf aus und probiert, ob es euer Ding sein könnte, für eure Enkel:innen der Lern-Booster zu sein. Und dann würde das Heft ja sicher auch in bunt zu euch passen, auch wenn es bunt natürlich bei epubli mehr kostet.
Die Sache mit dem Biss
Ich versuche mich kurz zu fassen. ich habe als Klassenlehrer in der fünften Klasse über einige Jahre hinweg sogenannte Biss-Zeugnisse für meine Schüler:innen erstellt. Alle Kolleg:innen mussten ankreuzen, die Schüler:innen mussten eine Selbsteinschätzung abgeben und am Ende gab es zusätzlich zum normalen Zeugnis ein Biss-Zeugnis mit der Einordnung in die Biss-Statistik der ganzen Klasse. Diese Fünftklass-Bisszeugnisse habe ich bei zwei Jahrgängen mit den Abinoten 8 Jahre später verglichen und dabei festgestellt, wie wesentlich der Biss, also das Wollen-wollen ist. Die Anstrengungsbereitschaft. Dieses Durchhaltevermögen. Dieses das Ziel im Auge behalten.
Es waren oft genau die Schüler:innen, die am Anfang notenmäßig im Mittelfeld lagen, aber einen hohen Biss-Faktor hatten, die am Ende die Eins-Komma-Abinoten ins Leben hinaus trugen. Bissnote in der Fünften und Abinote - so fand ich zweimal heraus - hatten eine hohe Korrelation. Keine Studie, nur eine Beobachtung. Aber eine ganz logische, fand ich damals als früherer Praktiker.
Unter Biss-Training liefen dann auch viele erfolgreiche Projekte für Versetzungsgefährdete ... bei denen üblicherweise der Biss-Faktor eher gering war - und heute immer noch ist. Wer den Biss verändert, verändert die Note, ohne mehr zu lernen. Mit Biss lernt man effektiver.
Die Visualisierung soll dies ausdrücken:
Und: Omas und Opas. Wenn ihr mit dem speziellen school-is-cool-Feedback dazu beitragen wollt, dass euer Enkelkind mit einem hohen Biss-Faktor in die weiterführende Schule startet, dann leistet ihr einen riesigen Beitrag zum Schulerfolg eurer Enkelin oder eures Enkels und könnt euch nach der 4. Klasse zufrieden zurücklehnen. Denn: Wer mit hohem Bissfaktor in der 5. startet, der findet seinen Weg..
Gruß Otto Kraz





