Dieser neue Blogbeitrags zur 10.000 € - Challenge richtet sich weiter an Mamas und Papas von Schüler:innen, die vielleicht in wenigen Monaten nicht versetzt werden könnten, wenn sie Schule einfach weiter so laufen lassen wie bisher.
Nach Stufe 1, dem einfachen Blick auf die Versetzungsordnung, folgt nun Stufe 2:
Die Selbstwirksamkeit. In der weltweit größten Bildungsstudie, der Hattie-Studie, liegt der Faktor Selbstwirksamkeitserwartung ganz oben auf der Effektstärkenliste. Einer Liste von über 400 Faktoren, die nach der Effektivität eines Faktors für den Lernerfolg geordnet sind. Noch höher im Ranking der Studie ist nur noch die Kollektive Wirksamkeitserwartung. Also die Selbstwirksamkeitserwartung in einer Peergroup.
Genau so sind wir vor über 30 Jahren ja gestartet. Haben damals alle über 40 Versetzungsgefährdete unseres Gymnasiums eingeladen … und schon die Einführungsstunde in die Projektidee hat eine
Gruppe zusammengeführt, die in sich völlig neu aufgestellt war. Eine Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel: Nicht sitzenzubleiben. Ich denke, diese Rahmenbedingungen waren damals schon die
ersten entscheidenden Faktoren. Samt gegenseitigem Feedback während 10 Wochen vor den Zeugniskonferenzen.
Vereinfacht stelle ich es mit der oberen Skizze dar: Selbstwirksamkeitserwartung und Kollektive Wirksamkeitserwartung sind - wissenschaftlich nachgewiesen - echte Gold-Standards. Die allerdings
fast nie an Schulen wirklich planmäßig im Rahmen metakognitiver Strategien eingesetzt werden. Eher zufällig … Oder innerhalb von Projekten. Dabei sind sie schon alleine klug eingesetzt
hochwirksam. Sie sind der zentrale Kraftstoff all meiner Kraz‘schen Versetzungskonzeptionen. 😎😎
Für die Stufe 2 der diesjährigen Versetzungs-Challenge habe ich für Ihre Tochter oder Ihren Sohn ein zweites Video gepackt. ( Für den Fall, dass sie sich nicht schon bei Video 1 „verweigert“
haben. 😎 Kraz geht nicht bei jedem, nehmen Sie es leicht.)
Die Kraz‘schen Versetzungskonzepte für junge Menschen in Not funktionieren nur, wenn die jungen Menschen den alten Kraz so akzeptieren, dass er ihnen was von seinen Erfahrungen erzählen darf. Probieren Sie es einfach mit dem zweiten Video dieser Reihe aus. Es werden noch ein paar weitere Stufen folgen.
Es könnte auch sein, dass allein dieses zweite Video schon ausreicht, den entscheidender Schubser ins neue Glück des selbstbestimmten Lernens auszulösen . 🥳 Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Blick auf Schule ändern können. Könnte auch sein, dass allein die Möglichkeit, sich so ein SkillSuit-Heft zuzulegen und sich mit Motivationssongs zu besseren Noten treiben zu lassen, als Hebel ausreicht, um durchzustarten. Im Rahmen meiner früheren Betreuung Versetzungsgefährdeter habe ich die verrücktesten Geschichten erlebt. Eine erzähle ich im Video. Die von Emma&Paula.
Probieren Sie aus, ob es bei Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn etwas im Kopf bewegen kann. Ich drücke wie immer die Daumen.
p.s. In Baden-Württemberg wird gerade das neue Kultusministerium besetzt. Vielleicht kommt ja zufällig jemand aus dem neuen Team hier vorbei. 😎
Ich mache einmal eine kleine Rechnung auf: Hochverehrtes neues Team des Kultusministeriums von „The Länd“. Nein keine Sorge, ich mache mich nicht lustig, ich bin
Schwabe, geboren im Remstal und stehe zum Ländle. Die hier genannten Zahlen sind stark vereinfacht. Auf unseren weiterführenden Schulen lernen im Moment 500 000 Schüler:innen. Zielgruppe meiner
metakognitiven Versetzungskonzeption. Mehr als 2% werden sitzenbleiben. Also 10.000 im Schuljahr. Und das an etwa 1000 weiterführenden Schulen im Ländle. Das kostet die Steuerzahler:innen mehr
als 100 Millionen Euro. Pro Schule im Schnitt 100.000€. Und 100 Millionen kostet es auch die privaten Familienkassen.
Noch viel mehr kostet es das Selbstbewusstsein der vielen Sitzenbleiber:innen. Oft lebenslang, ohne dass man es je wirklich verarbeitet hat. Selbstbewusstsein ist eben wirklich
unbezahlbar.
Mein Tipp an das neue Kultusministeriumsteam: Gebt für jede Schule eine Deputatsstunde frei, die dann dafür verwendet werden kann, im zweiten Schulhalbjahr ein schuleigenes Konzept aufzulegen, das mit Selbstwirksamkeitserwartung, kollektiver Wirksamkeitserwartung und ganz viel Feedback die Versetzungsgefährdeten einer Schule zum eigenständigen Versetztwerden schubst, dann schreibt ihr Geschichte in The Länd. Der übliche Vorschlag zum Büffeln, um nicht sitzenzubleiben ist ohne Selbstwirksamkeit wie Treten beim Fahrradfahren ohne Kette. Die Sitzenbleiberquote kann deutlich reduziert werden, wenn man sich an der Wissenschaft à la John Hattie orientiert. Ich werde im Verlauf der diesjährigen Challenge immer wieder darauf zurückkommen. Versprochen. 😎
Mein Tipp an Schuldirektor:innen
Wer kleine menschliche Wunder erleben will, der lässt folgende Geschichte zu:
Eine zu findende Challenge-Lehrperson bekommt den Auftrag, die Halbjahreszeugnisse zwischen Klasse 7 und 10 nach Versetzungsgefährdeten zu durchforsten.
Alle Versetzungsgefährdeten bekommen eine Einladung (verschlossen im Briefumschlag), zu einer Doppelstundenveranstaltung. Das Kollegium ist informiert und stimmt dem zu. Ich werde in den nächsten
Blogbeiträgen Ideen zu der Doppelstunde beitragen … wer aber als Direktor:in noch in diesem Schuljahr solch eine Challenge durchführen lassen will, der sollte schon mal eine Challenge-Lehrperson
ausfindig machen. Der Rest ist simple but not easy. 😎
„Selbstwirksamkeitserwartung gehört zu den stärksten Faktoren für Lernerfolg weltweit. Noch stärker wirkt sie, wenn sie in einer Gruppe entsteht – als kollektive Wirksamkeit.“
Und diesen Faktor auszuspielen passt perfekt in die Notsituation von Versetzungsgefährdeten. Der natürlich Zeitdruck ist da, die Einladung zur Doppelstunde allein wirkt schon Wunder. Das gemeinsames Ziel einer Gruppe gekoppelt mit kurzen Feedbackschleifen lässt Selbstwirksamkeit wachsen. Und Selbstbewusstsein durch den Erfolg. Im Gegensatz zum Sitzenbleiben. In der Hattie-Studie im negativen Effektstärkenbereich.
