Eigentlich wollte ich mit meinen Reservetank-Fortbildungen einen Flächerbrand verursachen ... der diese komische Idee vom "Eine Ehrenrunde hat noch niemandem geschadet" wissenschaftlich entlarven sollte. An einzelnen Schulen hat es gezündet - der Flächenbrand ist ausgeblieben. :-) Schade eigentlich. In Deutschland bleiben jährlich 115.000 Schüler:innen sitzen. Kostet jährlich immerhin über eine Milliarde Euro. Aber für jeden jungen Menschen, der nicht versetzt wurde, bleibt sicher eine Million Kilo Selbstbewusstsein auf der Strecke. Das bedeutet 100 Milliarden Euro Schaden für unsere Gesellschaft. Das wollte ich abwenden. Habe ich leider (noch nicht) nicht geschafft. :-) :-)
An alle jungen Menschen,
die sich über ihre Versetzung Gedanken machen.
Wir kommen zu Stufe 3 der Versetzungs-Challenge
Stufe 1 war eigentlich nur der simple und kluge Umgang mit der Versetzungsordnung. Wer sie kennt und auf die Noten 4 achtet (deutsche Notengebung: "Ausreichend"), dass sie nicht durch Unvorsichtigkeit zu einer 5 werden (Note "Mangelhaft" in Deutschland) und du dann plötzlich ohne Notenausgleich dastehst. Kein Aufwand, nur Versetzungsordnung kennen.
Stufe 2 war der Versuch, den klugen Umgang mit den „gefährlichen“ Noten 4 auch wirklich klug hinzubekommen. Der Trick: Den Hebel zu finden, der es dir ermöglicht, im Unterricht mit einer aktuellen 4 ohne Mühe am Ball zu bleiben. Das funktioniert manchmal mit ganz eigenen einfachen Mitteln.
Stufe 3 fordert schon mehr Einsatz. 2016 bekam ich den Auftrag vom Bildungsamt Basel-Landschaft, mein Konzept so weiter zu entwickeln, das es 77 nichtversetzten Schüler:innen Klasse 9 an 17 verschiedenen Schulen ermöglichen sollte, am Ende doch noch versetzt zu werden. In der Schweiz ist der Ablauf ein anderer wie in Deutschland. Man wird am Ende des Schuljahres nicht versetzt, hat aber im ersten Halbjahr noch die Möglichkeit, aufzuholen und doch noch die Versetzung zu bekommen.
Ich habe auf Videobotschaften gesetzt und auf ein Begleitheft, das ich hier noch einmal für den Druck aufgelegt habe. Damals habe ich es für das Projekt im Kopie-Shop drucken lassen. An jeder der 17 Schulen gab es eine:n Begleitlehrer:in. Jede:r Schüler:in bekam ein Projektheft. Am Ende wurden alle 77 Schüler:innen nachträglich versetzt. Klar, da hat viel zusammengespielt. Es gibt für so ein metakognitives Projekt, nicht versetzt zu werden, keine Garantie. Metakognitiv, das meint übrigens „Denken über das Denken“. Aber es gibt eine riesige Chance, wenn man sich ernsthaft darauf einlassen kann. Probiere es aus. Es bringt dir lebenslang viele Vorteile. Die Anleitungen zum Heft erhältst du durch meine früheren Videobotschaften - als QR-Code im Heft zu finden … also lege einfach los … Na ja, wenn du schon dieses Heft am Ende in den Händen hältst, solltest du wirklich versuchen, deinen Reservetank zu finden. Denn den hat jeder Mensch. Egal in welchem Alter und in welcher Lebenslage
Gruß Otto Kraz
p.s. Ich habe übrigens im Heft alles so gelassen wie im Schweizer Heft von damals. Auch das Gesicht der Challenge, Sascha, der früher selbst oft in der Sitzenbleibersituation war, dann Personal-Coach für unsere Versetzungsgefährdeten an unserem Gymnasium wurde und heute große Flieger bei der SUISSE fliegt. Sein alter Traum, der in Erfüllung ging. Lass dich überraschen. Das Heft online aufrufen und ausdrucken oder bei epubli "ausdrucken" lassen. Ich habe es hochgeladen.
p.s. für Direktor:innen
Für interessierte Direktor:innen ein kleiner Tipp: Man merkt es an einer Schule nur indirekt, wenn man es schafft, die Durchfallquote zu halbieren, wie uns das am Faust-Gymnasium vor vielen Jahren über Jahre gelang. Und das noch nicht mal mit so einem "hochwertigen" Begleitansatz wie in Baselland. Nur einmal im Jahr alle Versetzungsgefährdeten, die man ausgemacht hat, einzuladen und zu einem Team zusammenzuschmieden. Indem man ihnen vermittelt, dass Sitzenbleiben niemandem etwas bringt. Und dass es einfach besser wäre, dass sie sich selbst aus dem Sumpf ziehen. Weil es geht. Weil sie es können. Weil jeder Mensch einen Reservetank besitzt, der viel größer ist als der eigene Kleiderschrank. :-)
p.s. Für den neuen Kultusminister Jung
Sehr geehrter Herr Kultusminister Jung
Wenn Sie viel Geld sparen wollen und gleichzeitig ungewöhnlich Geschichte in der Bildungslandschaft Baden-Württembergs schreiben wollen, dann habe ich da eine Idee. Als wir am Faust-Gymnasium Staufen vor über 20 Jahren auf die Idee kamen, unsere Versetzungsgefährdeten mit einer metakognitiven Strategie vor der Nichtversetzung zu retten, hatten wir ab der zweiten Runde immer Personal-Coachs in das Projekt mit einbezogen. Personal-Coachs für Versetzungsgefährdete waren bei uns logischerweise Schüler:innen, die selbst einmal versetzungsgefährdet waren und mit Hilfe unserer Strategie ihren Reservetank gefunden hatten, um danach nie mehr versetzungsgefährdet zu sein.
Wenn Sie also zufällig von dieser Challenge erfahren sollten und Sinn darin sehen, dass in Baden-Württemberg sehr viel weniger Schüler:innen sitzenbleiben als in anderen Bundesländern, dann machen Sie einfach Folgendes:
Geben sie Schulen im Ländle einen Tipp, dass sie sich ein metakognitives Konzept ausdenken könnten (z.B. angelehnt an unsere positiven Erfahrungen in Staufen), um dann vom Kultusministerium hochoffiziell eine Deputatsstunde für eine Personal-Coach-Betreuungslehrkraft zu bekommen. Das kostet das Kultusministerium fast nichts, hat aber am Ende sehr viele große Vorteile:
1. Viele zufriedenen Schüler:innen, die gelernt haben, sich selbst zu helfen und Schule zu verstehen und deshalb nicht sitzengeblieben sind.
2. Viele zufriedene Schüler:innen, die nicht mehr von versetzungsgefährdeten Schüler:innen abgelenkt werden, die gerne Späßchen machen und de deshalb am Ende bessere Noten schreiben.
3. Viele zufriedene Lehrer:innen, die weniger Stress mit versetzungsgefährdeten Schüler:innen haben, weil die sich ja zusammen mit ein paar Personal-Coachs auf dem Weg in die Versetzung befinden.
Na ja und 4.: Jede selbstverhinderte Nichtversetzung spart viel Geld ein und lässt die Versetzten mit viel Selbstbewusstsein in die Zukunft starten.
Und Hand auf's Herz: Wir brauchen selbstbewusste und sich aktiv selbstorganisierende junge Menschen in The Länd.
Mit den besten Grüßen
Heinz Bayer alias Otto Kraz

