Es ist Zeit für einen Perspektivenwechsel

Das "Schule ist doof" im Kopf ist ein Klotz am Bein. Otto Kraz

Willkommen in der 3. Woche ohne Schule. Zeit für einen Perspektivenwechsel auf dieselbe. Als Lehrer/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Schüler/innen alles so drauf haben. Als Schüler/in hat man vielleicht inzwischen gemerkt, was Lehrer/innen eigentlich so alles drauf haben. Als Eltern hat man inzwischen gemerkt, dass Unterrichten doch nicht so einfach ist. Und jetzt?

Perspektivenwechsel. Ich habe ihn für Schüler/innen einmal getrickfilmt. Für Neuankömmlinge: Der Perspektivenwechsel wurde seit 2 Wochen hier entworfen. Um zu verstehen, gehe man bitte auf START. Vier Erfolg. Es lohnt sich.

Otto Kraz

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Elfte

Ich hatte gestern versprochen, noch was zum Thema Streber und Spießer zu sagen.

Zuerst aber etwas zur Gehirnforschung. Die Natur hat uns Menschen mit verschiedenen Hirnabteilungen ausgestattet. Ich vereinfach mal extrem, aber so lässt sich leichter erklären, wie man von Montag auf Dienstag plötzlich viel besser in der Schule werden kann - nachhaltig  ... allerdings braucht es dazu ein kleines Kunststück. Man müsste eigentlich "nur" den Schalter von der Nix-wie-weg-Hirnabteilung in die Coole-Sache-Hirnabteilung umlegen können und man würde merken, dass sich Schule plötzlich völlig anders anfühlt. Denn die Abteilung Nix-wie-weg ist der Hirnbereich, der genau dann eingeschaltet wird und schnell und umgehend arbeitet, wenn ein Ungeheuer aus dem Gebüsch herauskommt. Dann haut man einfach schnell mal ab, um zu überleben. Heute gibt es diese wilden Tiere nicht mehr, die aus dem Gebüsch herauskommen. Dafür gibt es z.B. Vokabeltests, die am nächsten Tag angekündigt sind. Auch da lernen die meisten mit dem Nix-wie-weg-Hirn. Leider ist diese Abteilung zwar schnell und abrufbar unterwegs, aber vergisst das Ungeheuer auch schnell wieder. Hätte man als Steinzeitmensch all die Gefahren des Lebens nachhaltig abgespeichert, dann wäre man irgendwann an diesem Leben verzweifelt. Die schönen Dinge des Lebens, die werden aber immer im Coole-Sache-Hirn verarbeitet und das ist eine ganz andere Angelegenheit. Mit dieser Gehirnabteilung wird Lernen, also Abspeichern, Ausprobieren, Experimentieren, Angreifen, Umsetzen, Besser-werden, Gut-sein-wollen, neugierig-sein etc ... nicht gerade zum Kinderspiel, aber alles macht einfach viel mehr Laune und ist um ein Vielfaches erfolgreicher. Bei weniger Anstrengung und Arbeitseinsatz. Da bekommt Schule und Lernen was von Freizeit. Ich weiß, allein so ein Satz schüttelt so manchen Schüler. :-)

Nun gibt es Menschen, die haben das Glück, dass sie einfach leicht lernen. Warum auch immer sei dahingestellt. Natürlich machen sie das im Coole-Sache-Hirn, das viele Schüler/innen für die Schule überhaupt nicht kennen. Die Nix-wie-weg-Lerner und -innen nennen die Coole-Sache-Hirn-Lerner oft Streber. Ein Unwort. Denn eigentlich will das ja jeder. In der Schule locker lernen, sich leicht Dinge merken können und Lust haben, am Ball zu bleiben und vorne auf der Welle zu stehen. Aber aus welchen Gründen auch immer haben alle Nix-wie-weg-Lerner überhaupt keine Vorstellung, dass sie auch für das Thema Schule eine Coole-Sache-Abteilung im Hirn besitzen. Also drücken sie ihren Neid auf die Coole-Sache-Lerner durch den Schlachtruf "Du Streber!" aus. Na ja und Neid, das ist bekanntlich die kleine Schwester vom Spießer, der dem Nachbarn das neue Auto nicht gönnt. Ja das war der Zusammenhang. Euer Otto Kraz


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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zehnte

Und wieder muss ich den neu hier Eintreffenden eine kleine Erklärung abgeben. Diese Videos sind zwei Jahre alt und haben über 70 Versetzungsgefährdeten geholfen, versetzt  zu werden. Jetzt dienen dieselben Videos den hier mitlesenden und zuschauenden Schüler/innen und späteren Leistungsträger/innen der Gesellschaft über eine Blickwinkeländerung auf Schule zu einer völlig andere Leistungssteigerung in der Schule selbst zu verhelfen. Stark zurückzukommen aus dieser unwirklichen Homeschoolingzeit. 

Deshalb hier nochmals das Bild dazu. Ich habe es wirklich sehr oft erlebt. Diese Umschalten von heute auf morgen. Aber es hat sich in der Pädagogik leider noch nicht durchgesetzt. :- )Aber es reicht mir ja auch, wenn ich immer wieder von einzelnen zukünftigen Leistungsträgern und - innen rückgemeldet bekomme, was einfach nur durch eine andere Einstellung an Zeit an ödem Paukens eingespart werden kann. Und das Lernen selbst zur Entspannung wird. Es ist allerdings auch ein echter Paradigmenwechsel. Wer ihn vollzogen hat, der sagt zu jemand, der einen als "Streber" bezeichnet, "Spießer der Zukunft" und dreht sich ganz cool um. Aber dazu später mehr.

Otto Kraz

 

 

 

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Ich weiß, ich wiederhole mich - aber hier schlagen immer wieder neue Leute auf und wenn man dann einfach zum Beispiel diesen podcast number seven ohne Vorinformation anschaut, dann steht man im Wald. Deshalb zurück auf Start.

Und wenn einmal Verwirrung entsteht wegen den Noten. In der Schweiz ist die 6 aus Deutschland eine 1. :-) Otto Kraz

p.s. Heute erzählt das Gesicht unseres damaligen Projekts, Sascha d'Angelo, Pilot bei der Suisse, wie er selbst seine Blickwinkeländerung erlebt hat.

Liebe Lehrer/innen

Ich denke, die beiden Wochen waren für viele ein dauerndes Suchen nach den richtigen Plattformen. Gestern kam auch noch Google mit einer Schulplattform dazu. Ich habe es nur gelesen und mich gefragt, ob es nicht genau jetzt richtig wäre, sich einmal mit seinen Kolleg/innen an der Schule über die Erfahrungen auszutauschen, die so viele jetzt selbst gemacht haben. Weil es ja keine wirklichen Erfahrungen gibt. Vielleicht könnten dann ein paar auch mal bei Google spickeln und was draus lernen. Oder eine Idee verwenden? Ich bin nicht mehr im Schuldienst. Aber der Überblick über den Aufbau sieht nicht schlecht aus - wenn man mal vom Datenschutzproblemen, Abhängigkeiten etc absieht. :-) Deshalb: Ausprobieren und die besten Dinge für die Zeit nach Corona merken.

 

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Neunte

Als Text heute ein Bild. Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Achte

Für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern

Keine Sorge, die Schweizer Reihe wird morgen fortgesetzt. Na ja,  bis ich fertig geschrieben habe, bis heute. Ich versuche heute mit einer Geschichte zu erklären, warum ich so sehr auf die Haltung der Schule und den Lehrern gegenüber Wert lege. Warum ich behaupte, wer als Lernende/r und gleichzeitig zukünftige/r Verantwortungsträger/in im Beruf und als Mama oder Papa (Ja klar, später mal) in den drei Wochen Homeschooling ohne Schule und direktem Notendruck lernt, wie Lernen individuell funktioniert und dabei den Blick auf Schule ändert, der kann nach den Osterferien, sollte da die Schule wieder öffnen, locker und aufrecht einsteigen. Wer in diesen 3 Wochen aber das Gefühl aufbaut, dass er dem Druck der vielen Arbeitsblätter nicht gewachsen und ohne Lehrer als Dompteur des Lernens hilflos ist, für den werden diese 3 Wochen auf ein Negativkonto gebucht. Der Ausfall von 3 Wochen Stoffvermittlung ist in Wirklichkeit kein Problem. Weil es allen so geht. Ich hatte selbst kurz vor dem Abitur ein Kurzschuljahr. Weil man den Schulanfang von Februar auf September geschoben hatte. Ein halbes Schuljahr weniger Stoffvermittlung. Man hat es uns nach dem Abi nicht angemerkt. :-) Weil es ja für alle gleich war.

Ich versuche jetzt noch einmal meinen speziellen Ansatz hier auf diesem Blog speziell für Lernende, aber dadurch natürlich auch für aufgeregte Eltern von Lernenden und nebenbei auch klammheimlich für Lehrende, zu erläutern.

Hier eine Geschichte zum Thema - ein Ausschnitt aus einem früheren Filmchen von mir. Die einfache Technik dieses Visualisierens werde ich später hier auch für Lehrende erläutern - habe ich versprochen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Siebte

Für die Lernenden

Für alle, die hier zum ersten Mal aufschlagen: Hier werden täglich Filmchen hochgeladen, die zu einem Projekt gehören, das über 70 Schweizer versetzungsgefährdete Schüler/inen vor zwei Jahren retten sollten ... und gerettet haben. Ich weiß, hier kommen keine Versetzungsgefährdeten vorbei, aber viele haben gerade Angst, den Anschluss an die Mitschüler/innen zu verlieren, die  ja ebenso wie ihr die Aufgaben eurer Lehrer/innen im "Homeoffice" bewältigen müssen. Habt übrigens auch Nachsicht mit euren Lehrer/innen. Ich weiß inzwischen aus vielen Berichten, dass gerade auf beiden Seiten - auf der Seite der Lernenden&Eltern und der Seite der Lehrenden&Behörden sehr viel unternommen wird. Dass probiert wird, was geht und was nicht geht. Wer erwartet, dass es doch eine Blaupause für diese Situation geben müsste, der täuscht sich eben. Solch eine Situation gab es auf dieser Welt noch niemals. Ihr werdet später Zeitzeugen in der Geschichte sein und später eigene Geschichten erzählen können, die es nur einmal gibt. "Daraus könnten wir verzichten" meint ihr? Ja ... ich auch. Also bitte: Habt Nachsicht mit euren Lehrer/innen, die bisher immer wussten, wie man am besten unterrichtet. Je mehr ihr jetzt rückmeldet, was funktioniert und was nicht, wo man nachbessern könnte und wo man etwas streichen sollte, desto besser wird die Entwicklung eurer Ausbildung. Nehmt sie also selbst mit in die eigene Hand. Bildet Teams, wo es geht. Gebt euren Lehrer/innen ehrliches Feedback und macht euch klar: Eure Lehrer/innen könnt ihr im Moment nicht fragen, wie man am besten solch eine Krise meistert. Aber zusammen mit ihnen könnt ihr ganz viel verändern. Ja ich weiß: Eine sehr unwirkliche Aussage. Aber wir leben in unwirklichen Zeiten. Euer Otto Kraz

p.s. Ich wollte eigentlich am Anfang nur sagen: Wer hier neu aufschlägt, sollte bei den ersten Videos dieser Reihe anfangen und höchstens ein Video pro Tag anschauen. Es geht nicht darum, mit einem Marathon von 10 Filmen am Stück den Blickwinkel zu ändern und ein stärkerer Schüler zu werden. Dieser Prozess bedarf viel Nachdenken und viele Gespräche mit Freunden und -innen darüber. Und über Schule an sich.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Sechste

Heute auch mal für die Mamas und Papas

Homeschooling war gestern und heute auch eins der großen Themen beim riesig großen Hackathon WirVsVirus

Sehr beeindruckend, wie viele tausend Menschen Ideen zusammen entwickelt haben. In dem Zusammenhang habe ich auch Sabine Schwittek von den Verwaltungsrebellen "getroffen" - virtuell eben - und sie hat mir für diesen Blog ein wunderbares Dokument überlassen, das ich veröffentlichen darf. Sabine ist selbst gerade Mama im Homeschool-Office ihrer beiden Söhne. Vielleicht kann es Sie als Mutter oder Vater inspirieren, die Woche für Ihre Kinder planbarer zu machen.

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Agiles Homeschooling
Eine starke Grundidee, um in der zweiten Woche einmal zu experimentieren.
Agiles Homeschooling_V1.2.pdf
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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Fünfte

Liebe Fachleute der Zukunft. Ich erkläre euch noch einmal kurz, was es mit dieser kleinen Motivationsfilmreihe auf sich hat. Ihr habt nun eine Woche Schule ohne Lehrer/in hinter euch. Und ihr werdet sicher merken, dass diese Sache doch gar nicht ganz so einfach ist. Das liegt unter anderem natürlich daran, das ihr solche eigenständige Arbeit überhaupt nicht gewöhnt seid. Schulen arbeiten meistens nach wie vor nach dem Prinzip, dass die Lehrperson den Zeittakt vorgibt. Findet ihr die Lehrperson gut, dann ist das eher einfach. Findet ihr sie doof, eher schwierig. So ticken unsere Köpfe. Aber jetzt habt ihr keine Lehrperson mehr, die den Zeittakt vorgibt. Ihr habt meist nur die Aufgabenstellung und Arbeitsblätter. Jetzt könnt ihr nur noch euch selbst gut finden, denn jetzt gebt ihr den Zeittakt vor. Sich selbst gut zu finden funktioniert am besten, wenn man seinen Blick auf das Lernen vom Üblichen weg in eine ganz andere Richtung lenkt. Weg von Schule und Noten. Hin zur Zukunft von euch selbst als Leistungsträger oder -in der selben. Also der Zukunft. Denn sorry, wenn ich sagen muss. Man steckt als Gesellschaft nicht fast 10 000 Euro jedes Jahr in deine persönliche Schulausbildung, dass du später nichts draus machst. Du wirst also gnadenlos einmal Verantwortungsträger oder -in sein. Und dafür solltest du einfach möglichst klug aus der Schulzeit herauskommen. Also hau rein und schau dir in der zweiten Woche Schule ohne Lehrperson einmal dieses  Verantwortungsträgerdasein ganz in Ruhe an. Es stört dich niemand dabei.

Gruß Dein Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Vierte

Diese Reihe kleiner Lern-Motivations- und Blickwinkeländerungsfilme haben vor zwei Jahren mitgeholfen, 73 versetzungsgefährdete Schweizer Neuntklässler/innen davor zu bewahren, sitzenzubleiben. Der Hintergrund für die damalige Aktion: Die Schüler/innen  von 17 Schulen hätten keine Klasse gehabt, in die sie sitzenbleiben hätten können. Also wurde die Idee eingesetzt, an der Motivationsschraube zu drehen.

Jetzt nach einer Woche HomeOffice für Schüler/innen könnten die Filme für den einen oder die andere vielleicht helfen, an der eigenen Motivationsschraube zu drehen. Und dafür den Blickwinkel auf Schule zu verändern. Der Aufwand ist klein, die Effektivität vielleicht riesig.  Otto Kraz

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Dritte

Für alle, die sich erst heute einklinken. Startet nicht hier, sondern hier. Sonst versteht ihr manches nicht, was dieser Film für Absichten hat.

Und dann noch etwas. Wie wäre es, wenn ihr euer Wissen über Prozentrechnung an eure Großväter oder Großmütter weitergeben könntet. Denn eure Großeltern scheinen das echt vergessen zu haben. 33% aktuelle Steigerung der Infektionen in Deutschland heißt eben nicht, dass jeden Tag 33 Infizierte hinzukommen. Ihr habt das Wissen. Erzählt es euren Großeltern. Erklärt ihnen das doch einmal mathematisch, warum sie keinen lustigen Corona-Stammtisch mehr abhalten sollten, weil ihr keine Lust hättet, an Ostern auf ihre Geschenke zu verzichten. 😎😎😎

Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Zweite

Schön, dass du noch dabei bist. Wer sich neu zugeschaltet hat, der beginne bitte am Anfang dieser speziellen Corona-Reihe.

Für alle anderen ist inzwischen vielleicht klar geworden, dass hier der Fokus für die nächsten Wochen nicht auf Methoden zur agilen kollaborativen Zusammenarbeit liegt - das läuft so nebenher. Es geht darum, diese unwirklichen Zeiten aktiv zu nutzen, um sich zusammen mit einem Lernteam das Thema Schule einmal ganz anders durch den Kopf gehen zu lassen. Weil es Sinn macht, neben den Hausaufgabe, die man bekommen hat, eine ganz andere Stärke entwickeln zu lernen. Die Stärke, wenn man einmal wirklich versteht, wie Lernprozesse ablaufen und was Selbstmotivation für ein großartiger Antrieb sein kann. Und das hat nichts mit Schule zu tun. Nur mit Lernen. Lernen bekommt eine andere Perspektive, wenn man sich darauf einlassen kann. Die richtige Blickwinkeländerung auf Lernprozesse macht Schule nach Corona einfacher und erfolgreicher.

Projekt Reservetank

Die Filme, die ich hier für euch jetzt in den nächsten Tagen einbauen werde, habe ich vor zwei Jahren schon einmal benutzt, um über 70 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen in der Schweiz mental dabei zu unterstützen, nicht sitzenzubleiben. Der politische Grund, warum ich diesen Job bekam, hieß: Sie durften nicht sitzenbleiben, weil es aufgrund von aktuellen Schulentwicklung für diese 9.Klässler/innen keine Nachfolgeklassen gab. Wie groß der Anteil dieser Inputreihe an dem Erfolg war, sei einmal dahingestellt. An allen Schulen waren mit mir vernetzte Begleitlehrer/innen, die mit einem Heft und den Videos versucht hatten, die Schüler/innen vor Ort fit zu machen.

Auf alle Fälle wurden alle versetzt.

ich hatte es gestern schon angedeutet. Ich mache seit Jahren diese mentalen offenen Versetzungsprojekte - meist um Ostern herum. Damit sich junge Menschen in Not selbst aus dem Sumpf ziehen können. Meine Behauptung, auch ohne diese Not: Wer Durchschnittnoten hat und wenig Ehrgeiz, bessere Noten zu schreiben, der profitiert trotzdem enorm, wenn er sich einmal über Lernprozesse, Gehirnforschung und agiles Lehren seine Gedanken macht. Bessere Noten ohne mehr zu lernen. Und außerdem Schule ganz anders sehen. Das wäre mein Tipp für alle, denen ihr schulischer Ist-Zustand reicht, die aber trotzdem nichts dagegen hätten, wenn sie echte Motivation verspüren würden, das zu tun, was man in der Schule eben so tut. Leben und lernen.

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Blickwinkeländerung in Coronazeiten - die Erste

Liebe alle, die ihr in ein paar Jahren diese Welt mitverantwortlich im Griff halten müsst und Noten dann keine Rolle mehr spielen werden. Nur noch eure Kompetenzen und Fähigkeiten, die ihr bis dahin im Rucksack tragt.

 

Ich habe das ja gestern schon gesagt, das ich hier keinen agilen Scrum-Kurs für drei Wochen vorstellen will. Das ist etwas, was ich eher Lehrer/innen empfehlen würde, sich in diese Richtung aufzumachen. Weil es auch Lehrer/innen gut tut, mit selbstständigen Schülerteams zusammenzuarbeiten.

Mir geht es aber um diese 5 Wochen bis nach den Osterferien. Und ich behaupte, dass ihr, auch wenn ihr auch nur jeden der folgenden Tage ernsthaft versucht, euren Blickwinkel auf Schule zu verändern, dann als andere Schüler/innen nach den Osterferien zurückkommt. Aufrechter und selbstbewusster. Weil ihr dann viel über das Lernen an sich mitgenommen habt. Und klar, wenn ihr es dann noch verknüpft mit dem Fach-Lernen im Team, dann ist es doppelt erfolgreich.

Ich setze meine Blickwinkeländerungskampagne für euch hier einmal fort. Und zwar mit der Geschichte von einem Job, den ich vor zwei Jahren gemacht habe. Ein wenig Mission impossible - von außen gesehen. Die Aufgabenstellung: 73 Versetzungsgefährdete an 17 Schulen, die nicht sitzenbleiben durften, weil es keine Nachfolgeklassen gab. Ein reines Mentalprojekt mit der schlichten Idee, dass man nur bewusst an der eigenen Selbstmotivationsschraube drehen muss und die Welt sieht plötzlich völlig anders aus. In Notsituationen funktioniert das auch wunderbar. Letztendlich, habe ich mir sagen lassen, wurden alle versetzt.

Die Quintessenz des Filmchens: Man kann sich selbst aus dem Sumpf ziehen, wenn man den richtigen Rahmen dafür findet. In den letzten 15 Jahren war es ein spannendes Arbeitsfeld von mir, durch pure Motivationssteigerung solche Prozesse loszutreten. Allerdings funktionierte es immer nur entweder bei Versetzungsgefährdeten oder bei sehr starke Schüler/innen. Das große Mittelfeld konnte ich nie erreichen, weil da wohl die Noten kein wirkliches Problem darstellten und keine Not existierte. Schade fand ich das immer. Weil es ja nicht darum geht, auf Noten zu schauen, sondern auf den genussvollen Lernprozess, wenn man in der Lage ist, sich ihn genussvoll zu gestalten. Deshalb versuche ich es gerade mal wieder klammheimlich. :-) Immerhin sind die Zeiten möglicherweise durch diese landesweiten Schulschließungen genau richtig dafür. Vielleicht empfinden gerade doch so einige, wie es sich anfühlen würde, wenn es keine Schule gäbe. Wie es sich anfühlt, sich selbst dazu zu bekommen, etwas zu lernen. Ohne den Lehrer vorne an der Tafel.

Das Motto hier auf diesem Blog für die nächsten Tage könnte sein: "Ändert euren Blickwinkel und kommt gestärkt und selbstbewusst aus dieser unwirklichen Phase unseres Lebens wieder heraus."

Wenn schon Corona, dann sollte man vielleicht doch ein wenig für die Zukunft tun. Als zukünftiger Verantwortungsträger. Mit der eigenen Bildung, die man aktiv vorantreibt, wäre da schon viel erreicht.

Morgen mehr davon.

Gruß

Otto Kraz

Corona-Scrum - die Dritte

Liebe Leistungsträger der Zukunft

Ich versuche einmal kurz den Inhalt des heutigen Videos zusammenzufassen. Es geht im Moment nicht darum, schnell mal eduScrum für Schüler/innen aufzubauen. Klar, Willy Wijnands setzt mit seinen Schüler/innen schon im normalen Unterricht die Plattform Learnbeat.com ein, über die sich die Schüler/innen vernetzen und als Team zusammenarbeiten. Klar könnte man jetzt hergehen, und richtige eduScrumteams zusammenstellen und mit den Spielregeln arbeiten, die dafür entwickelt wurden.Es gibt ja inzwischen viele Plattformen, mit denen ihr als Schülerteam arbeiten könntet, aber in erster Linie geht es um eure Grundhaltung der ganzen Situation gegenüber.

 

Wenn euer Lehrer jetzt für 3 Wochen Arbeitsblätter ausgegeben hat, die ihr selbstständig durcharbeiten sollt, dann werdet ihr merken, dass diese Form des Unterrichts nicht unbedingt hochmotivierend ist. Allein in eurem Zimmer. Klar, notwendig, ja das seht ihr ja ein, aber die Motivation hält sich in Grenzen. Außer euer Lehrer oder die Lehrerin kommt auf die Idee, euch reihum immer mal wieder anzurufen, um nachzufragen, wo es Probleme gibt. Das wäre sicher ein echter Motivationsschub. Aber noch motivierender wäre es, wenn ihr euch selbst eure eigene Cloud mit einem Team von 3 oder 4 Leuten eurer Klasse entwickelt. Mit Cloud meine ich nicht unbedingt eine digitale Plattform wie Slack - kostenlos für kleine Teams. Mit Cloud meine ich schon eine Videokonferenz per Skype, ein Gruppen-Chat mit WhatsApp   oder einfach nur zu dritt oder viert telefonieren.

Um sich beim Lernen zu unterstützen. Um sich auszutauschen, Fragen zu stellen und zu beantworten und sich das Gefühl zu nehmen, einsam und alleine vor einem großen Stapel Arbeitsblätter zu sitzen, die nach den Osterferien abgefragt werden. Wenn ihr euch zusammenschließt und eure eigene Ideen dafür umsetzt, dann passiert genau das, was ich im Film gekrazelt habe. Ich habe es einmal an einem Beispiel durchgespielt, bei dem es darum geht, in den drei Wochen eigene Lücken zu füllen. Zum Beipsiel Mathe. Stellt euch vor, euer Team würde es in diesen 3 Wochen schaffen, geschickt und effektiv zusammen die Schwachstellen von allen zu stärken, dann würdet ihr vollautomatisch viel mehr Kompetenz spüren, ihr hättet euren eigenen Weg gefunden und optimiert und damit eure Selbstständigkeit vergrößert. Das Trampolin könnte sich aufrichten und ihr euch freispringen. Ich hoffe ihr versteht bis dahin, was ich meine.

Selbst wenn ihr nur dieses Teamprinzip für euch herausfindet, das am besten zu euch passt und die Zusammenarbeit im Netz oder per Telefon testet, dann erzeugt ihr für eure Motivation dem Lernen gegenüber einen riesigen Schub.

Ich werde in den nächsten Tagen weiter an diesem Thema dranbleiben. Wie kann ich meinen Blickwinkel auf Schule und Lernen so verändern, dass alles einfacher geht. Und nebenbei die Noten besser werden. Otto Kraz

For teachers

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Corona-Scrum - die Zweite

Ja ich denke, die Visualisierung der Selbstbestimmungstheorie zur Motivation erklärt sich selbst. Man sollte, wenn man effektiv lernen will, immer wissen, warum man das tut. Wenn es also eine Methode gibt, die die drei Grundbedürfnisse von uns Menschen - egal in welcher Kultur und in welchem Alter - zu bedienen in der Lage ist, dann sollte man darüber Bescheid wissen. Es macht immer Sinn, das Warum zu kennen, wenn man loslegen will. Und das "Weil es unmittelbar gut tut" liegt uns Menschen immer näher als das "Du lernst nicht für den Lehrer, du lernst für das Leben." Stimmt zwar, fühlt sich aber live mit all den Noten leider anders an. Morgen wird es um das Thema Plattformen und Tools für Teamarbeit im Homeoffice gehen.

Gruß

Otto Kraz

Schulfrei zum Durchstarten

Ein paar Tipps für zukünftige Leistungsträger/innen, die sich etwas Gutes tun wollen.


Liebe zukünftige Virologin, lieber zukünftige Bauingenieur, liebe zukünftige Designerin, lieber zukünftige Psychologe, liebe zukünftige Umweltbehördenleiterin, lieber zukünftige Lehrer, liebe zukünftige StartUp-Gründerin etc ... Ich denke, du verstehst, oder? Du bist jung, du hast noch ein langes Leben vor dir und du nennst dich im Moment noch Schüler oder -in. Doch diese Berufsbezeichnung wird von recht kurzer Dauer sein. Auch wenn dir die Schulzeit manchmal sehr lang vorkommt. Übrigens, eine sehr starke Zeit, sagen alle, die sie hinter sich haben. Ich versuche aber jetzt nach dieser langen Ansprache doch einmal, schnell auf den Punkt zu kommen.

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Bessere Abitursnoten - dank Corona?

Liebe Abiturienten und -innen

Ich habe dieses Blogbeitragsfilmchen aus dem letzten Jahr einfach wieder eingestellt, weil das Lernkonzept, das dahinter steckt, nach wie vor sehr effektiv ist. Ich begleite seit einigen Jahren wenige Lerngruppen mental bei der Abivorbereitung - und hatte meist speziell das Mathe-Abitur im Blick. Sehr erfolgreich, wie ich immer rückgemeldet bekam. Dabei hatte ich immer nur das Konzept beigesteuert. In Coronazeiten würde ich aber meinen: Übertragt das Konzept auf alle Fächer, in denen ihr euch vorbereiten müsst. Schwimmt euch frei. Nehmt die Vorbereitung selbst in die Hand. Bildet Teams. Nutzt digitale Plattformen, Videokonferenzen, Telefonkonferenzen etc. Wenn nicht ihr, wer soll es denn sonst richten. Das Schulsystem ist normalerweise nicht auf solche Ausnahmesituationen eingestellt. Die Schule wird zugemacht, aber das Abi steht trotzdem bald an. Aber die Erfahrung von Lehrer/innen, die schon immer so unterrichten, dass Schüler/innen selbstständig mit einem Rahmenwerk namens eduScrum den Lehrplan erobern, zeigt: Es geht alles viel schneller und effektiver. Klar, dazu gehört im Normalfall, dass man es gelernt hat, Lehrpersonen eher als Berater denn als Anleiter zu sehen. Da euch aber jetzt sowieso nichts anderes übrig bleibt, versucht es doch einfach einmal. Ihr werdet staunen. Und eure Abinoten werden es euch danken.

Gruß

Otto Kraz


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Zeitgemäß unterrichten in Corona-Zeiten

Liebe Kolleg/innen.

Als ein alter ehemaliger Gymnasiallehrer, der mit ein paar Mitstreiter/innen vor vielen Jahren digitalen Unterricht ausprobiert hat ... technisch kein Hexenwerk, wenn man es wirklich will und die Zeit dazu besitzt ... ich war damals der Physiklehrer Otto Kraz in der Laborschule in Weit im Winkl https://physikmaschine.jimdofree.com/physik/  - https://www.aufeigenefaust.com/weit-im-winkl/die-geschichte/die-schul-story/ Wenn ihr jetzt nächste Woche, wenn der Wahnsinn beginnt, dass alle Schulen schließen und die meisten von euch ein wenig hilflos erzählen werden, dass sie digital unterrichten leider nicht können. Ich hätte da als Schulopa eine große Bitte: Gebt die digitalen Plattformen und Vernetzungsideen bitte euren Schüler/innen in die Hand und euch als Berater/in in die Hände eurer Schüler/innen. Ihr selbst solltet einfach Links heraussuchen, die gerade zum aktuellen Unterricht passen würden. Z.B. als Mathe- und Physiklehrer/in hättet ihr jetzt endlich einmal Zeit, um etwa in der Khan Academy zu stöbern. https://de.khanacademy.org/ Denn damit und anderen Online-Lerninhalten und mit der Plattform, die eure Schüler/innen für euch bauen können, würdet ihr umgehend und sofort sehr wohl in der Lage sein, digital zu unterrichten.  Mein Tipp: Es wäre genau jetzt an der Zeit, agiles Lernen und Lehren umzusetzen.

Und wenn ihr euch ohne eigenes Rahmenwerk - nur auf die Hilfe der Schüler/innen angewiesen - hilflos fühlt, dann der Tipp, dass ihr euch mit den Spielregeln von eduScrum ja den Rahmen stecken könntet.

http://eduscrum.nl/en/file/CKFiles/Der_eduScrum_Guide_DE_1.2.pdf

Ja das wäre mein schneller kontruktiver Beitrag als Unruheständler in diesen sich wirklich sehr unruhig anfühlenden Zeiten.

 

Otto Kraz

 

p.s. Noch was ganz Wichtiges: Macht Fehler bei all dem Neuen. Traut euch. Probiert. Experimentiert. Entwickelt. Verändert. Geht in kleinen Schritten vor. Holt euch permanentes Feedback von euren Schüler/innen. Optimiert kontinuierlich. Traut euch. Es lohnt sich, weil es gut tut.

Der Blick auf agile Abläufe durch die Brille des dreibeinigen Trampolins

Dies ist mein aktuelle Blogbeitrag für das Forum agile Verwaltung - aber keine Sorge - es geht auch viel um Pädagogik.

 

Wer das Forum agile Verwaltung schon länger kennt, der weiß, dass ich als Gründungsmitglied einen sehr speziellen Part im FAV spiele ... den mit der ganz eigenen Außensicht - ohne wirklich tieferes Verständnis von Verwaltungsabläufen zu besitzen, aber ausgestattet mit einem sehr hohem Interesse an funktionierenden Verwaltungen - speziell natürlich Bildungsverwaltungen - quasi als ganz normaler Verwaltungskunde. Ein Part von mir im FAV: Agile Denkmuster mit verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Ich selbst komme aus dem Bildungsbereich. Deshalb habe ich auch die Rolle des Betriebssystems im Forum agil lernen und lehren übernommen. In der pädagogischen Abteilung des FAVs. Bis 2015 war ich Gymnasiallehrer und Schulentwickler. Ich zeichne gerne, ich visualisiere mit Hochgenuss komplexe Zusammenhänge, um sie verständlicher zu machen. Zeitgemäße Bildung ist komplex, die Welt ist komplex, Verwaltungen müssen zeitgemäß auf eine komplexe Welt reagieren lernen.

Für meine persönliche Beschreibung der Schulentwicklung im Lande füge ich ein Bild ein und überlasse Ihnen als Betrachter die Interpretation.

Wenden wir uns aber nun der Verwaltung zu. Ich habe für die Tagungschronik unserer diesjährige Jahreskonferenz in Ettlingen nach einem roten Faden gesucht und habe dabei den Fokus nicht auf die Effektivität agiler Prozessabläufe gerichtet, sondern auf den persönlichen Mehrwert für jeden Einzelnen, der sich auf agile Prozesse einlässt.

Weil der persönliche Mehrwert der stärkste Treibstoff für Veränderungen ist. Dabei fiel mir als Beobachtungsgrundlage die Selbstbestimmungstheorie ein, die in den 80er Jahren entstand und seither als eine feste Größe in der Motivationsforschung gilt. Weil ich in Sachen Visualisierung immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten bin und gerade über ein Animations-App gestolpert war, entstanden das dreibeinige Trampolin als Visualisierungsidee. Inzwischen denke ich, dass dieses Trampolin für so manchen Zeitgenossen eine schnelle Methode sein könnte, um agiles Mindset zu erklären und weiterzuentwickeln. Um im Job Erfolg zu haben und sich gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Motivation ist persönlicher Treibstoff und dieser Treibstoff tut gut. Sich was Gutes tun ist auch ein echter Gesundheitsfaktor und wenn sich dann noch die eigene Behörde stark dabei entwickeln kann, dann passt es doch für alle.

Näheres habe ich Ihnen als Fünfminutenfilm zusammengebastelt.
Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich.

Heinz Bayer alias Otto Kraz

 

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Ist agile Schule zeitgemäße Schule?

 

Ich war einmal Geografie-, Mathematik- und Physiklehrer und heute als Unruheständler und Vierfach-Opa fände ich es ganz wunderbar, wenn man die Möglichkeiten von agilem Lernen und Lehren schon ganz normal in die ganz normalen Schulen geholt hätte. Und das geht auch immer mehr Lehrer/innen so, weil sie im Schulalltag merken, dass dieses überall geforderte und für VUCA-Zeiten absolut notwendig individuelle Lernen mit dem normalen gewohnten Unterrichten nicht mehr zu machen ist. Leider merkt man die Mangelerscheinung bei den Lernenden erst nach der Schulzeit, weshalb der Druck auf die Schulen nicht so groß ist wie etwa bei den öffentlichen Verwaltungen. Aber wenn man einmal Lehrpersonen nach der Zufriedenheit mit ihrer pädagogischen Arbeit fragt, dann erfährt man sehr wohl die aktuelle Dringlichkeit. Wenn man sich die Schulen anschaut, die in den letzten Jahren den Deutschen Schulpreis bekommen haben und sich in den prinzipiellen Vorstellungen von agilem Lernen und Lehren ein wenig auskennt, dann wird klar: Da wurden immer agil aufgestellte Schulen ausgezeichnet. Meist sind es einzelne Direktor/innen, die den Mut aufbringen, sich mit einem aufgeschlossenen Kollegium auf einen Weg zu machen, den man ja nicht wirklich kennt. Schuttertal ist jüngst so ein Beispiel aus meiner eigenen Region. Die Grundschule Schuttertal. Sie werden dort natürlich nicht das Wort agile Schule finden, aber im Sinne der Vorstellung von unserem Forum agil lernen und lehren ist sie das natürlich. Zeitgemäße Bildung könnte man auch schlicht und treffend dazu sagen, wie es Déjan Mihajlovic aus unserem Forum gerne benennt.

Für einen wie mich, der Schulentwicklung Richtung zeitgemäßer Schule auch nach meiner Pensionierung noch äußerst spannend findet, nicht zuletzt weil meine Enkelkinder sich in den alten Schulstrukturen bewegen, stellt sich für mich die Frage: Warum tun sich eigentlich alle Beteiligten so schwer mit dem „Schule neu denken“?

In viel zu vielen Familien finden im Moment wieder diese heißen Diskussionen über die richtige weiterführende Schulwahl statt – außer da steht eine satte Gymnasialempfehlung im Raum. Dann zögern die meisten Eltern auch heute nicht. Mit dem großartigen „Auf dem Gymnasium hat mein Kind die Zukunft in der Tasche“-Gefühl. Was natürlich alles andere als „mein Kind wird jetzt für seine Zukunft fit gemacht“ bedeutet.

Wenn ich mir wünschen dürfte, wie der Übergang zu den weiterführenden Schulen ablaufen sollte, dann träume ich mit einem Bild einmal für Sie vor mich hin.  Zusammen mit dem Blogtext und einem Link zu Split4WinWin dürfte es sich selbst erklären.

Ich erzähle Ihnen zum Verständnis auch noch Geschichte namens „Grundbildung“, die sich an meiner Schule vor einem Vierteljahrhundert abgespielt hat.

 

Wenn du ein Lehrer bist, den neben dem eigenen Fach das Ganze am Schulbetrieb fasziniert und du hast einen agil denkenden und handelnden Schuldirektor, dann hast du sehr großes Glück gehabt. Wenn dir der kleine Ausschnitt deiner eigenen Fächer beruflich genug ist, dann nerven dich vielleicht Leute wie ich, die in der aktiven Zeit immer darauf gedrängt haben, das man erkennt, dass Schule so viel mehr ist als nur der Fächerkanon.

Wir schreiben das Schuljahr 1992/93 … irgendwie lag für mich nach 13 Jahren Schuldienst das Gefühl in der Luft, dass sich Schule verändern müsse. Ich war damals auch schon 13 Jahre als Vertrauenslehrer unterwegs und gewohnt, Unterricht durch die Augen von Lernenden zu sehen. Aufbruchstimmung in meinem Bauch. Euphorie, was Schule einem Lehrer – der sein Fach Physik liebt, aber noch mehr die Möglichkeiten starker Persönlichkeitsentwicklung von Schüler/innen – alles bieten kann, wenn er machen darf. Wenn er einen Direktor hat, der zulassen kann. Es war auch die Zeit, in der sich meine beiden Töchter in die Pubertät verabschiedeten und ich der Meinung war, dass meine klugen Ausführungen zum Leben und zum Lernen nicht mehr wirklich bei ihnen ankamen. Für mich war das kein wirkliches Problem, hatte ich doch immer ein paar „Pubertätsberaterinnen“ an der Seite – Schülerinnen aus der Oberstufe, die mich aus ihren eigenen Erfahrungen heraus immer gut beruhigen konnten. Ein großer Vorteil, wenn man als Vertrauenslehrer mit Schüler/innen zwangsläufig auf Augenhöhe zusammenarbeitet.

Trotzdem wollte ich meine Lebensweisheiten für meine Töchter loswerden und erfand das wachsende Beratungsbuch für Heranwachsende, das ich an eine bestimmte Stelle in mein Arbeitszimmerregal stellte und in das ich handschriftlich das aufschrieb, was ich eigentlich gerne meinen Töchtern direkt gesagt hätte. Über Schule und das Leben. Der Autopädakt, eine Kladde, in die man immer neue Seiten einklemmen konnte.

Ich habe für Interessierte das ganze „Buch“ ins Archiv von Otto Kraz gelegt.

In meiner damaligen Physikklasse 11 saßen eine Ärztin und eine Journalistin in Ausbildung, die nach einer Erzählung über mein Familienprojekt  dringend mitlesen wollten, weil sie sich selbst als Autopädakten zu erkennen gaben. Selbsterziehend. Über den Tellerrand des Schülerdaseins blickend. Da war ich schon  nicht mehr allein mit meinen Überlegungen zum Thema Schule und Leben und bekam ein exzellentes Feedback zu meinen Überlegungen – von Expertinnen, die den Blick auf Schule durch die Augen der Lernenden direkt selbsterlebend beurteilen konnten. Ich habe sehr viel dabei gelernt und im Januar 1994 hatten wir nach vielen Diskussionen über das, was Schüler/innen eigentlich benötigen, um Schule aufrecht und selbstbewusst zu durchlaufen, einen verrückten Entschluss gefasst.  Wir wollten einen Antrag an unseren Direktor stellen, ob wir ein Experiment wagen dürfen. Grundbildung. Ein neues Fach für eine fünfte Klasse, in dem es keine Noten gab. In dem alles gelernt werden sollte, was die neuen Gymnasiasten als Handwerkszeug benötigten, um ihre Fähigkeiten optimal entwickeln zu können. Wie das genau aussehen sollte, war uns noch nicht klar, klar war nur unser Ziel. Trotzdem hatten wir natürlich für unseren Antrag schon vage Pläne aufgelistet, was wir alles mit den Schüler/innen unternehmen wollten. Drei Stunden in der Woche, dafür eine Stunde weniger Englisch, Deutsch und Musik  – denn diese Fächer wollten wir sowieso sehr kreativ  abdecken. Ich sollte Klassenlehrer werden, aber kein Fach unterrichten und Gisa und Sabine, die Ärztin und die Journalistin in Ausbildung, sollten ihre Hohlstunden so gelegt bekommen, dass wir immer als Team arbeiten konnten. Die Deutsch- Englisch- und Musikkollegen, die hierbei mitmachen würden, hatten wir auch schon ausgeguckt, bevor wir den Antrag abgaben.

Ich weiß nicht mehr so genau, ob wir eigentlich daran geglaubt hatten, dass solch ein Projekt überhaupt genehmigungsfähig wäre, aber für uns war schon der Antrag einfach wichtig gewesen.

Ich glaube, wir konnten unser Pädagogenglück zuerst nicht wirklich fassen.

„Machen Sie“ meinte unser Schuldirektor damals kurz und knapp und lachte. „Und denken Sie daran, die Eltern immer gut zu informieren.“

Wir durften planen. Schuljahr 1994/95. Neuland pur. Keinerlei Vorgaben. Nur unsere eigenen Ideen, beeinflusst von der damaligen Aufbruchstimmung an Schulen, dass sich etwas ändern muss.

Heute würde es sicher nicht mehr so leicht von Fünftklasseltern geschluckt, wenn sie zu Schuljahresbeginn erfahren würden, dass ihr Kind in eine Pilotklasse kommen würde, in der der Klassenlehrer das dreistündige Fach Grundbildung unterrichten würde und ihre Kinder dafür weniger Deutsch, Englisch und Musik hätten. Die Stimmung unter Eltern in der damaligen Zeit kann man vielleicht damit am besten beschreiben, dass wir für alle Eltern der anderen fünften Klassen Krisensitzungen abgehalten haben, um diese zu beruhigen. Denn der allgemeine Elternmeinung hieß damals: Wir wollen auch etwas Neues für unsere Kinder. Dabei hatten wir damals noch keine wirklichen Konzepte, nur große Ziele. Und die Idee, die Schüler/innen permanent in den Prozess mit einzubinden. Das Klassenzimmer war oft wie ein kleines Parlament strukturiert. Sprecher, Protokollant, Moderator, Rednerliste etc. Und dann kam immer zuerst die Störungsrunde. „Störungen gehen vor“ war damals eine aktuelle wichtige Erkenntnis – Themenzentrierte Interaktion (TZI) lässt grüßen. Aber wir waren ein starkes Lehrerteam. Meine Kolleg/innen fanden das Projekt mehrheitlich ziemlich verrückt und schräg, aber ich hatte nach 13 Jahren Vertrauenslehrerarbeit in einem starken Team eine gewisse pädagogische Narrenfreiheit. Immerhin war ich auch als Fachkollege  anerkannt. „Meine“ Abitursergebnisse in Physik waren immer vorzeigbar. Das gibt Sicherheit einem gymnasialen Kollegium gegenüber.

Ich verkürze jetzt. Das Jahr war sehr turbulent. Wir haben experimentiert, wir haben verworfen, wir haben nachgebessert, wir haben uns regelmäßig Feedback von den Schüler/innen und den Eltern geholt, wir haben durchleuchtet, wir haben unsere eigenen Grundbildungszeugnisse erfunden. Wir haben viel gelacht und ich war oftmals himmerhoch jauchzend, aber oft auch zerstört, weil es nicht so klappte, wie ich dachte, dass es funktionieren müsste. Unsere Klasse war „handelsüblich“. Die ganze Bandbreite von Schülerpersönlichkeiten. Und einige, die richtig nervten. Weil sie natürlich auch nicht wirklich verstehen konnten, welche Ziele wir eigentlich bei unserem Zeitungsschreiben, unseren Filmdrehs, unseren Musikprojekten, unseren Ausflügen, unseren Parlamentssitzungen, unseren vielen pädagogischen Sitzungen, unseren Lebensberatungsstunden etc hatten. Das sollte sich erst Jahre später zeigen.

Das Projekt Grundbildung ging ein Jahr lang, dann habe ich in der 6. Klasse noch ein Jahr Geographie unterrichtet.   Danach waren unsere Grundbildungsschüler/innen sich selbst überlassen. Es gab keine direkten Anzeichen, dass unser Experiment erfolgreich gewesen wäre. Ich selbst habe oft daran gezweifelt, bekam ich doch von manchen Kollegen, als unsere Leute in die Mittelstufe kamen, häufig die Rückmeldung: „Also deine Grundbildungsleuten, die nerven. Sie wollen immer Störungsrunden. Und sind echt widerspenstig.“ Ja klar, das hatten wir ihnen natürlich beigebracht. Nicht alles zu schlucken. Wissen zu wollen, warum etwas sinnvoll ist. Zu reflektieren. Infrage zu stellen. Sich selbst eigene Gedanken zu Lernprozessen zu machen. Das Leben in die eigene Hand zu nehmen.

Ich habe natürlich auch in der Mittelstufe immer die Zeugnislisten der Stufe angesehen und „unsere Grundbildungsleute“ mit „den anderen“ verglichen. Ich wusste ja nicht wirklich, ob diese „Widerspenstigkeit“ sich eventuell negativ auf das Lernen auswirken würde. War aber nicht so. In der Oberstufe bekam ich von denselben Kollegen, die in der Mittelstufe genervt waren, viele positive Rückmeldungen. „Deine Grundbildungsleute machen den Mund auf. Sie tragen meinen Unterricht. Sie haben echte Meinungen, die sie vertreten. Sind aktiv.“ Was für ein Hochgefühl für mich, Jahre danach. Und dann das Abitur. Ich wollte natürlich wissen, wie der Abiturschnitt unserer Grundbildungsleute war. Habe die Liste durchforstet und die Durchschnitte berechnet. Und war im echten Pädagogen-Glück. Klar, keine Beweisführung, keine wissenschaftliche Begleitung. Aber eine riesiges Erfolgsgefühl. Wir haben gut gefeiert.

Die Grundbildungsleute hatten einen Abiturschnitt von 1,9 eingefahren, der Rest des Jahrgangs einen Schnitt von 2,5. Ein Unterschied von 0,6 Punkten. Für mich sensationell. Aus heutiger Sicht für mich auch erklärbar. Damals waren es die eigenen Bauchgefühle von einem Physiklehrer, einer Ärztin und einer Jorunalistin. Heute würde ich Hattie hinzuziehen.

In der neuesten Hattie Studie taucht an allererster Stelle die kollegiale Zusammenarbeit auf. Grundbildung war permanente kollegiale Zusammenarbeit. Nicht nur wir als Lehrer/innenteam, das sich dauernd über das Geschehen ausgetauscht hatte. Sondern wir mussten natürlich auch mit den anderen Fachkolleg/innen in der Klasse regelmäßig konferieren. Was meinen Sie, was in unseren Störungsrunden alles zu Tage trat, was wir natürlich den Lehrern mitteilen mussten, auch wenn es oft nicht so einfach war. Wir hatten, das sei erwähnt, eine ganz normale Durchmischung von Lehrern. Bis auf Englisch und Musik keine spezielle Auswahl. Mit Englisch und Musik war unser Fach Grundbildung ja direkt verknüpft und die Kollegin und der Kollege waren mit im pädagogischen Experimentierboot. Der Deutschlehrer war einverstanden, aber nicht eingebunden.

Zurück zu Hattie: Die Klassengemeinschaft – ein wichtiges Arbeitsfeld in unserem Konzept. Die Zusammenarbeit der Schüler/innen untereinander. Das gegenseitige Erklären, das selbstständige Arbeiten, das permanente Arbeiten an der Lehrer-Schüler-Beziehung. Auch mit den Kollegen, mit denen unsere Schüler/innen ihre Probleme hatten. Wir standen ja immer in der Diskussion mit ihnen. Und dann: Ein Jahr heftige Feedbackkultur für unsere Schüler/innen. Ich glaube, dass das natürlich prägte und nicht mehr so einfach verloren ging. Ja, wenn man die ersten 20 starken Faktoren bei Hattie betrachtet, dann steckten in Grundbildung beinah alle Faktoren in der einen oder anderen Weise mit drin. Die ersten 20 Faktoren sind Faktoren, die nicht direkt mit den Fächern verknüpft sind.

„Grundbildung nach Hattie“ würde ich heute den Eltern von damals sagen. „Ungewöhnlich, weil Sie erst in ein paar Jahren wissen, dass es wirklich stimmt, was die Hattie-Studie sagt.  Aber mal ganz ehrlich: Die Untersuchung von  Millionen von Schülerdaten in der weltgrößten Bildungsmetaanalyse über Metaanalysen kann nicht ganz falsch liegen. Finde ich. Nein Quatsch, da bin ich natürlich vollkommen überzeugt davon.

Wir haben unseren damaligen Fünftklässler/innen auf alle Fälle, das habe ich von vielen als heute Erwachsene rückgemeldet bekommen, ein fette Portion Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben können. Und das ist – abgesehen von einem sehr guten Abiturzeugnis – für das Leben an sich etwas vom Feinsten. Übrigens sehe ich heute noch immer die vierte, fünfte und sechste Klasse als einen äußerst günstigen Zeitpunkt im Leben von uns Menschen, in dem wir schon sehr viel verstehen können, ernsthafte Lebensabsichten aufbauen, aber noch nicht im Kokon der Pubertät verschwunden sind.

Grundbildung als Einstieg in Klasse 5. Damals eine verrückte aber auch eine sehr erfolgreiche Idee – heute ist sie gar nicht mehr so verrückt. Behaupte ich.

 

Heinz Bayer alias Otto Kraz